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ROCK HARD FESTIVAL 2005 – TAG 1

Ort: Gelsenkirchen - Amphitheater

Datum: 14.05.2005

Im dritten Jahr fand am Pfingst-Wochenende das Rock Hard-Festival im wunderschönen Gelsenkirchener Amphitheater statt. Und wie gewohnt hat man auch dieses Jahr wieder einige Top-Bands an den Start bringen können: mit dabei u.a. JON OLIVA, OVERKILL, ACCEPT, SENTENCED, CHILDREN OF BODOM, AMON AMARTH, PRETTY MAIDS u.v.a. Keine Frage, dass ich mir das nicht entgehen ließ und mich dafür übers Wochenende in Gelsenkirchen einquartierte.

Der Samstag

Da meine weibliche Begleitung, die mich an diesen Tagen beherbergte, etwas spät dran war, verpasste ich leider die Durchstarter von COMMUNIC und fand erst kurz vor Beginn der MetalCorer HEAVEN SHALL BURN den Weg in den Innenraum des Amphitheaters.
Diese legten dann auch gleich mächtig mit ihrem Hit „The Weapon they fear“ vom aktuellen Album „Antigone“ los. Doch etwas war heute anders. Richtig, Sänger Markus war geschrumpft, blond und hatte eine komplett andere Stimme. Andy von MAROON machte heute bei HSB den Shouter und half damit für den schwer erkrankten Markus aus. An dieser Stelle: Gute Besserung! HSB zockten einen soliden Gig, bei welchem neben aktuellen Songs natürlich auch alte Kracher wie „Behind the Wall of Silence“ und „The Martyr’s Blood“ zum Besten gegeben wurden. Der Sound war zu Beginn etwas sehr basslastig, wurde aber von Song zu Song besser. Typisches Festival-Symptom. Andy machte seine Sache eigentlich ganz ordentlich, wobei seine tiefere Gesangsstimme einfach nicht so richtig zu den Songs passen will. Dennoch konnte die Band heute ein weiteres Mal zeigen, dass man sich mittlerweile fast komplett aus der Core-Schublade befreit hat und es nun auch locker schafft die Metal-Meute zum moshen zu bringen.

Neben FINNTROLL sind deren Landsleute ENSIFERUM wohl die bekanntesten Vertreter des boomenden Humpaa-Metal. Dabei sind letztere doch mehr in Richtung Black Metal veranlagt und verzichten auf zu großen Einsatz von Metal-untypischen Instrumenten. Die Finnen wurden mit großem Jubel empfangen, konnten den Erwartungen aber nicht wirklich gerecht werden. Erstmal hatte man die typischen Soundprobleme. So waren zuerst die Gitarren und die Backing-Gesänge kaum hörbar, dafür aber um so mehr die Drums und Keys. Anders als bei den vorherigen und auch nachfolgenden Bands dauerte es aber fast die Hälfte des Sets, bis der Sound halbwegs stimmte. Da zeigte sich dann aber, dass man die Mikros des Bassisten und des Gitarristen am besten stumm gelassen hätte, denn die Viking-Gesänge der beiden klangen nicht wirklich so pralle. Dennoch wurden Songs wie „Tale of Revenge“ und vor allem die älteren „Token of time“ und „Hero in a Dream“ ordentlich abgefeiert. Doch auch ENSIFERUM schienen nicht ganz zufrieden die Bühne zu verlassen. Auf Platte kommen ihre Songs einfach eine Ecke besser rüber.

Pünktlich nach Zeitplan stürmten nun die Schweden THE HAUNTED die Bühne, vor der es bereits besser gefüllt war als bei den anderen Bands. Und vom ersten Song an ging es dort auch richtig ab. Sofort bildet sich ein Mosh-und Pogo-Pit und sowohl alte Songs der Marke „Hate Song“; „D.O.A.“ und „Shadow World“, aber auch neue Nackenbrecher wie „Nothing’s Right“, „Abysmal“ oder das großartige „99“ wurden so abgefeiert, dass es auch den hier berichtenden Terror-Schreiber nicht mehr hielt und ich mich ins Getümmel stürzte. Sichtlich angetan von der Reaktion der moshenden Meute gab die Band über 60 Min. ihr bestes. Auch Sound-technisch hatte man kaum Probleme zu beklagen. Neben den dauer-bangenden Axt-Männern war natürlich Fronter Pete wieder mal absoluter Blickfang. Dieser Mann gibt auf der Bühne alles und tigert dabei wie ein Raubtier im Käfig auf der Bühne hin und her. Und der Mann hat Humor. So hat er festgestellt, wie einfach Metaller gestrickt sind. Man bräuchte zwischen den Songs nur irgendwas vor sich hin brabbeln und am Ende ein lautes „Yeeaaah??! platzieren und alle würden jubeln. Dies stellte er dann während des Sets auch gleich mehrmals unter Beweis. Mit ihrer Performance hätten die Schweden sicherlich einen Platz später im Billing verdient gehabt. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt für mich einer der Gewinner des Tages!

Die Schweizer SAMAEL waren als letzte Band fürs Festival bestätigt worden und sorgten mit ihren zwar brachialen, aber dennoch oft auch ruhigeren Electro Metal-Songs für die erste Verschnaufpause. So versammelten sich auch deutlich mehr weibliche Fans vor der Bühne. Wie ich schon erwartete, hatte man die ersten zwei Songs mit dem Sound zu kämpfen. Denn die typischen Dampf-Opener „Rain“ und „Shining Kingdom“ wurden scheinbar vom Winde verweht und konnten nur schwer erkannt werden. Bei den neueren Tracks „Reign of Light“, „Inchallah“ oder auch dem Ohrwurm „On Earth“ wurde es hörbar besser. Etwas überraschend kamen neben den „Passage“-Krachern auch die erwähnten neuen Songs gut an, so mancher Die Hard-Metaller stellte sich als richtig textsicher heraus und es wurde sogar gut gebangt. Bloß die angepasste Version des Black Metal-Klassikers „Baphomet’s Throne“ kam früher schon nicht an und tat es auch heute nicht. Man sollte den Song lieber weglassen, als ihn immer wieder in solch einer entfremdeten Version darzubieten. Show-mäßig boten SAMAEL das gewohnte Bild. Xy gab hinter seinen Synths alles, Basser Masi hüpfte grinsend durch die Gegend und Sänger/ Gitarrist Vorph poste was ging. Die durch das Tageslicht fehlende düstere Atmosphäre versuchte man mit um so mehr Nebel auszugleichen, was auch halbwegs gelang. Kein außerordentlicher aber dennoch solider Gig der Schweizer. Ohne Frage ist man froh, dass sie endlich wieder da sind.

Nach den ganzen doch relativ harten Bands war es nun Zeit für einige gehörige Portion Melodie. Die finnischen Power-Metaller von SONATA ARCTICA enterten mit einem langen epischen Intro die Bühne. Ich muss zugeben, dass ich mit dem Sound der Nordlichter noch nie so richtig was anfangen konnte. Dafür können das aber reichlich andere. So wurden die Jungens gleich von Beginn an gut abgefeiert. Es wurde mitgesungen, geklatscht und sogar geschunkelt. Zu Beginn war der Sound etwas sehr keyboardlastig, wobei dieses Instrument ja eh eine wichtige Rolle einnimmt. Dabei wechselte Keyboarder Henrik immer wieder zu einem tragbaren Instrument, wie man es noch von MODERN TALKING kennt. Auch die Stimme von Sänger Tony war top in Schuss und so lieferten SONATA ARCTICA einen guten Gig ab, den man mit einer DEEP PURPLE-Einlage beendete, um dann mit einem wiederum epischen Outro und unter Zugabe-Rufen die Bühne verließ.

Nachdem man sich in den vorangegangen 60 Min. etwas erholen konnte, sollte es nun wieder eine ordentliche Kelle Death Metal geben. Einer der Durchstarter des letzten Jahres gab sich die Ehre: AMON AMARTH. Und die machten von Beginn an keine Gefangenen. Vor der Bühne und auch auf den Rängen war es mittlerweile rappelvoll, und es wurde vom ersten Song an gemosht, was die Nackenmuskeln hergaben. Für Open Air-Verhältnisse war der Sound gleich von Beginn relativ ausgewogen und fett. Die Band gab alles, wie man es von ihnen halt kennt. Volle Mosh-Action bei Krachern aus allen Schaffensphasen: „Bloodshed“, „The Pursuit of Vikings“, „Ride for Vengeance“ um nur einige zu nennen. Doch am meisten abgefeiert wurden die Hits wie „Masters of War“ und zum Ende bemerkte der gut gelaunte Fronter Johan, dass ja glatt noch ein Song fehlen würde… ja, was wohl? Richtig, „Death in Fire“! Und ab da gabs kein natürlich kein Halten mehr. Auf der Bühne, davor und auf den Tribünen sah man die Matten nur so fliegen. Ohne Zweifel waren die Wikinger die geheimen Headliner des Abends.

Den nächsten Part in dem von Schweden und Finnen dominierten 1. Festival Tag übernahmen die Frauen-Schwärme von CHILDREN OF BODOM. Diese kamen direkt aus dem Studio, wo man gerade den Nachfolger des Erfolg-Albums „Hate Crew Deathroll“einzimmert. Scheinbar kam diese Pause wie gerufen, denn die Mannen um Alexi „Wildchild“ Laiho legten einen wirklich guten und motivierten Gig hin. Da das Keyboard einen wichtigen Teil der Songs ausmacht, hatte man Ausnahme-Flitzefinger Janne einen extra Platz mittig zugeteilt und dafür das Drumkit etwas seitlich platziert. Und so rockte die Band was ging. Der Schwerpunkt lag dabei mit Tracks wie „Bodom after Midnight“, „Needled 24/7“, „Everytime I die“, dem großartigen „Hate me“ und „Angels don’t kill“ auf den letzten beiden Releases, wobei man mit „Knuckleduster“ einen relativ neuen und mit „Silent Night, Bodom Night“ einen älteren Klassiker am Start hatte. Dabei fegte besonders der derzeit bärtige Sänger/ Gitarrist immer wieder über die Bühne und „duellierte“ sich mit Keyboarder Janne, während die anderen ordentlich die Matten kreisen ließen. Das honorierte die Masse mit noch etwas mehr Mosh-Action als bei AMON AMARTH und nach 75 Min. verliessen die gar nicht so kühlen Finnen viel umjubelt die Bretter.

Bislang hatte man mit dem Wetter wirklich Glück gehabt. Zwar konnte man die Sonne tagsüber nur hinter eine diesigen Wolkendecke erahnen, was aber ausreichte um mir einen ganz guten Sonnenbrand zu verpassen und meine Sonnenallergie zum Blühen zu bringen. (was bin ich auch so licht-empfindlich…). Zum Ende von COB tröpfelte es dann doch etwas, was sich aber passend zum Beginn des Headliners erledigt hatte. Doch in der Umbaupause präsentierte Rock Hard-Chef Götz noch einen Special Guest. So kam Hansi von BLIND GUARDIAN auf die Bühne, um den Metalfans das Neuste über sein Band-Projekt mit Jon Schaffer von ICED EARTH zu erzählen. Denn man hat es doch glatt geschafft, ein weiteres Album für DEMONS & WIZARDS aufzunehmen. Und nun bot man der Menge eine exklusive Listening-Session von drei neuen Songs des im Sommer erscheinenden Albums „Touched by the Crimson King“. Diese klingen wirklich wieder wie eine Mischung aus BLIND GUARDIAN und ICED EARTH und dürften ein weiteres Festmahl für alle Heavy Metal-Fans werden. Des weiteren kündigte Hansi an, dass er mit BLIND GUARDIAN ab Juli das Studio entern werde, um ein neues Album einzuspielen. Wer dabei allerdings den Platz von Ex-Schlagwerker Thomen übernehmen wird, stünde derzeit noch nicht fest.

Den Abschluss sollte an diesem Abend „The Mountain King“ JON OLIVA bilden. Im Vorfeld hatte man eine Setlist versprochen, die vor Hits nur so platzen sollte. Und so ging es auch gleich mit dem SAVATAGE-Klassiker schlechthin los: „Gutter Ballet“. Und mit Songs wie „Hounds“, „Jesus saves“ oder dem Oliva-Song schlechthin „Hall of the Mountain King“ bot man den Fans weitere große Klassiker der Metals. Doch scheint das Interesse am Mountain King etwas abgeflaut zu sein, denn es fanden sich deutlich sichtbar weniger Fans vor der Bühne ein als noch bei den beiden Bands zuvor. Scheinbar hatten einige schon den Bericht vom Dynamo gehört, wo Mr. Oliva nicht seinen besten Tag erwischt hatte. Auch heute wollte der Funke nicht so richtig überspringen. Klar, der schwergewichtige Fronter gab alles, um die Menge zum Feiern zu animieren und auch die Band bot einen spielerisch einwandfreien Gig, welcher von einem guten Sound und einer amtlichen Lightshow unterstützt wurde. Doch die besten Tage scheint Mr. Oliva hinter sich zu haben. So sitzt die Stimme bei weitem nicht mehr so wie vor 16 Jahren (nicht ohne Grund hat er Mann damals seinen Platz am Mikro geräumt…) und wie man es dreht und wendet, fehlten einfach Zak Stevens, Cris Caffery und natürlich der unvergessene Criss Oliva (R.I.P.). So wurden die Hits zwar von den Fans laut mitgesungen, aber eine wirkliche Party-Stimmung, wie zu guten SAVATAGE-Tagen wollte einfach nicht aufkommen.

So waren am ersten Tag AMON AMARTH und CHILDREN OF BODOM die eigentlichen Gewinner, THE HAUNTED und SONATA ARCTICA konnten gut punkten, doch leider war der Headliner an diesem Abend etwas enttäuschend. Hatten am Samstag noch die skandinavischen und krachigeren Bands die Übermacht, so stand für den Sonntag mehr Melodie auf dem Plan und man durfte gespannt sein, ob die deutsche Metal-Legende ACCEPT bei ihrem Reunion-Gig dem Headliner-Slot gerecht werden würde…

Copyright Fotos: Torsten Hellge

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