Konzert Filter

ROCK HARD FESTIVAL 2007 – TAG 3

Ort: Gelsenkirchen - Amphitheater

Datum: 27.05.2007

Der Sonntag

Der Sonntag begann, wie der Samstag aufhörte. Windig, regnerisch und recht kühl. So war es kein Wunder, dass viele Metal-Heads noch nicht so wirklich in Stimmung waren, als am frühen Nachmittag DEW-SCENTED die Bühne betraten. Nicht wenige sah man gar bereits mit gepackten Sachen Richtung Auto torkeln.

Richtig gelesen! Die deutschen Thrash-Helden DEW-SCENTED sprangen kurzfristig für NAGLFAR ein, welche wegen des Streiks der SAS-Airline irgendwo in der schwedischen Pampa festsaßen. Aber wer die norddeutschen Nackenbrecher um Shouter Leffe kennt (gibt’s noch welche, die nicht?), weiß, dass hier nicht weniger Vollgas angesagt ist. Und so machten sich DEW-SCENTED auch mit voller Power daran, den Mattenschwingern die letzten Regentropfen aus den Zotteln zu pusten. Sicherlich sind neue und alte Thrash-Granaten der Marke „That’s what I despise you“, „New Found Pain“ oder der Über-Banger „Soul Poison“ keine Offenbarung in Sachen Thrash Metal. Aber die Wucht und die Power, mit der das Quintett bei jedem Konzert, wie auch heute, diese Tracks in die Menge ballert, reißt einfach mit und ließ dem Pit einfach keine andere Wahl als ordentlich steil zu gehen! Nach so einem amtlichen Auftritt fragt man sich wirklich, warum man die Jungs nicht von vornherein ins Billing geholt hat!

Da es ihre Landsleute also nicht ins schöne Amphitheater schafften, lag es nun an den Bösewichtern von DARK FUNERAL, die Fahne des Black Metals hochzuhalten. Dies sollte sich als schwierig gestalten, da diese Art Musik zusammen mit den düsteren Outfits bei passend aufreißender Wolkendecke und einfallenden Sonnenstrahlen eher weniger seine Wirkung entfalten kann. Dazu hatten die Schweden einige Soundprobleme, so dass B-Force mit seinen wummernden Bass-Lines die an sich genialen Gitarrenläufe von Chaq Mol und Lord Ahriman mächtig in den Hintergrund bügelte. Des Weiteren hatten DARK FUNERAL einen neuen Mann am Schlagzeug mitgebracht. So ersetzt Nils Fjällström (IN BATTLE, AEON, SANCTIFICATION) bis auf Weiteres den vor Kurzem in die Wüste gejagten Matte Modin und erledigte seine Aufgabe ohne Makel. Abgesehen vom Sound verlief auch der weitere Gig der Black Metal-Ikonen ohne weitere Probleme. Routiniert ballerte man neue und alte Kracher wie „666 Voices Inside“, „An Apprentice of Satan“, „The Arrival of Satan’s Empire“ oder „Vobiscum Satanas” ins gut mitgehende Rund, wobei sich Fronthüne Emperor Magus Caligula darüber amüsierte, welch Aufregung ein Platten-Titel wie „Teach Children to worship Satan“ in der Gesellschaft so auslösen kann. Mit dem Klassiker „My Dark Desires“ brachte man den Pit zum Ende noch mal ordentlich in Wallung und verließ die Bühne mit der Gewissheit, das Beste aus der nicht ganz idealen Situation gemacht zu haben.

Nach Böse kommt Party. TANKARD riefen schon am späten Nachmittag zu „Freibier für alle“ auf und stießen dabei natürlich auf riesige Resonanzen, bei den im Sonnenschein immer besser in Stimmung kommenden Metallern. 25 Jahre TANKARD heißt es dieses Jahr. 25 Jahre Party, die sich auch in den über 120kg des Fronters widerspiegeln. So präsentierte Gerre seine ansehnliche Bierwampe immer wieder mehr als stolz den Fans, was immer wieder „Ausziehen“-Rufe zur Folge hatte, und brachte diese nebenbei mit Gassenhauern der Marke „Alien“, „Zombie Attack“, „Chemical Invasion“ und natürlich “(Empty) Tankard“ im Amphitheater mächtig zum abgehen! Da wurde mitgesungen, gepogt, getanzt und vor allem die Security hatte reichlich damit zu tun, die in Massen anfliegenden Crowdsurfer sicher wieder runterzupflücken. So kennt und liebt man Gerre und seine Jungs! Auf weitere 25 Jahre Party mit TANKARD!

Noch etwas weiter als 25 Jahre reicht die Geschichte von PAUL DI’ANNO und IRON MAIDEN zurück. Nachdem ROSS THE BOSS die Metal-Fans mit unvergesslichen Hymnen von MANOWAR beglückt hatte, stand nun also eine Menge an MAIDEN-Klassikern auf dem Plan. Nach all den Jahren sieht man dem Ur-IRON MAIDEN-Fronter die harten Metal- und Punk-Zeiten deutlich an. So ist der gute Mann gehbehindert und auch stimmlich nicht mehr so auf der Höhe wie zu seinen besten Tagen. Ob dies oder tatsächlich sein Hang zum Punk der Grund für seine Neuinterpretation der alten MAIDEN-Klassiker ist, bleibt an dieser Stelle mal fraglich. Unbestritten ist allerdings, dass sehr viele der zahlreich angetretenen Fans nicht wirklich viel mit den rotzig gezockten Versionen von „Killers“, „Murders in the Rue Morgue“ oder auch „Wrathchild“ anfangen konnten. Zwar wurde jede Song-Ankündigung frenetisch bejubelt, doch alleine „Running Free“ und eine fett rockende Version von RAMONES’ „Blitzkrieg Bop“ konnten vor der Bühne für etwas mehr Rotation sorgen. Und auch wenn viele Leute nach dem Gig von einer „Selbst-Demontage“ sprachen, standen später noch zahlreiche Fans Schlange, um sich ihre IRON MAIDEN Sammlerstücke von PAUL DI’ANNO signieren zu lassen.

Nun war es Zeit für eine der meist diskutiertesten Verpflichtungen dieses Festivals. Dabei zweifelte allerdings niemand an der Genialität der SPOCK’S BEARD-Songs noch an deren spielerischen Fähigkeiten. Doch sind Songs wie „In the Mouth of Madness“, „Skeletons at the Feast“ oder “The Water” eher für den Genuss in der heimatlichen HiFi-Anlage geschaffen, anstatt fürs rocken vor mehr als 5000 Metal-Heads. Ohne Frage ist es göttlich, wie sich die Drummer bei SPOCK’S BEARD abwechseln oder eine Legende wie „Whole Lotta Love“ auf spielerisch höchstem Niveau zelebriert wird. Dies änderte aber leider nichts daran, dass die Prog-Götter die party-wütige Masse nicht fesseln konnten und diese die Spielzeit doch lieber damit verbrachten, ihre Stimmung durch einige Kellen kühlen Gerstensafts für die noch folgenden Highlights wieder in den richtigen Pegel zu befördern…

Legende, die Nächste. Doch im Gegensatz zu ROSS THE BOSS und PAUL DI’ANNO war Gitarren-Virtuose AXEL RUDI PELL über die Jahre ständig präsent und bringt mit jeder Platte wieder qualitativ hochwertige Kost in den CD-Player! Und auch auf der Bühne zeigte der Meister mit seinen Mitstreitern Mike Terrana (Drums) oder Sänger Johnny Gioeli, wo der Heavy Metal-Hammer hängt. Ein Klassiker folgte auf den nächsten und als „Cashbah“ und „The Masquerade Ball“ ertönten, waren sowohl Show als auch die Fan-Reaktion einfach nur als eindrucksvoll zu bezeichnen. Nicht anders zu betiteln ist übrigens auch Ferdy Doernbergs Gitarren-Haltung seines Keyboards, welches er durch gekonnte Ein-Hand-Spieltechnik dennoch weiterhin meisterhaft beherrschte. So war die Stimmung endlich genau richtig für den Headliner, einer weiteren Legende.

Doch diese Legende ließ erstmal auf sich warten. Und diese augenscheinlich grundlose Warterei ließ bei einigen Fans den Kragen platzen und die Arena verlassen. Kein Wunder, wenn weder eine Information seitens der Veranstalter kommt und die THIN LIZZY-Crew über eine halbe Stunde benötigt, um die Amps einzuschalten und das Mikro zu checken. Da der Curfew von 1:00 Uhr eingehalten werden musste, brachten es THIN LIZZY letztendlich auf gerade mal 60 Minuten Spielzeit mit ca. 10 mageren Songs und dem obligatorischen Drum-Solo, was sehr viele Fans verständlicherweise verärgerte. Trotz dieser unglücklichen Situation zeigten John Sykes, Scott Gorham & Co., dass sie dem Vermächtnis von Phil Lynott (R.I.P.) mehr als gerecht werden. Und auch wenn viele Fans anstatt eines Drum-Solos lieber noch einen Song mehr gehört hätten, ist es ebenfalls beeindruckend, was Tommy Aldridge mit seinen gut 57 Lenzen noch so drauf hat. Und wenn legendäre Rock-Nummern wie „Waiting for an Alibli“, „Rosalie“ oder „Cowboy Song“ dargeboten werden, kann auch der letzte Fan amtlicher Gitarrenmusik nicht mehr anders, als lauthals mitzusingen.

Als Fazit bleibt zum Rock Hard Festival 2007 zum Ende nur zu sagen, dass sich Fans und Veranstalter über ein gut organisiertes und überwiegend planmäßig gelaufenes Festival mit guten Bands, 1a-Security, großartigen Fans, toller Stimmung und fairen Preisen freuen können, was auch der ein oder andere Gewitter-Schauer sowie der Raubzug einer Diebesbande auf dem Campground nicht vermiesen vermochte. Einen bitteren Beigeschmack hinterließen allerdings die Rockstar-Like-Verzögerung bei THIN LIZZY, sowie das etwas unausgeglichene Billing, welches vor allem am Sonntag die eine oder andere Schwäche offenbarte. Eine geniale aber deplatzierte Combo wie SPOCK’S BEARD und ein PAUL DI’ANNO, der ziemlich polarisierte, waren an diesem Wochenende – einfach gesagt – etwas fehl am Platze. Des Weiteren ließ der matschige, teils zu laute und meist zu bass-lastige Sound dieses Jahr auch etwas zu wünschen übrig. Allerdings hat sich ein Großteil der Metal-Heads zu Recht schon für nächstes Jahr wieder fest angekündigt und so darf man schon jetzt gespannt sein, welche Überraschung uns die Kollegen vom ROCK HARD für 2008 aus dem Metal-Köcher zaubern werden!

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu AXEL RUDI PELL auf terrorverlag.com

Mehr zu DARK FUNERAL auf terrorverlag.com

Mehr zu DEW-SCENTED auf terrorverlag.com

Mehr zu PAUL DIANNO auf terrorverlag.com

Mehr zu SPOCK’S BEARD auf terrorverlag.com

Mehr zu TANKARD auf terrorverlag.com

Mehr zu THIN LIZZY auf terrorverlag.com