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ROCK HARD FESTIVAL 2008 – TAG 2

Ort: Gelsenkirchen - Amphitheater

Datum: 10.05.2008

An diesem wunderschönen Sommer-Samstag hieß es früh aufstehen, denn als Opener sollten die Österreicher THE SORROW an den Start gehen und die haben ja schon auf dem Wacken 2007 mächtig punkten können. So wunderte es nicht, als zur frühmorgendlichen Zeit von 12 Uhr schon eine Reihe Mosh-Wütiger ins Rund des Amphitheaters strömte. Als einzige Metalcore-Band des Wochenendes war man scheinbar besonders motiviert, denn der Vierer ließ ordentlich die Axt kreisen. So pumpten sie eine Hymne nach der anderen in Richtung Steintribüne. Brachiale Riffs, packende Melodien, derbe Shouts und melodischer Gesang. Klar, alles Zutaten, die auch massig andere Bands nutzen, aber es kommt immer noch drauf an, dies zu amtlichen Songs zusammenzufügen. Dies haben die sympathischen Ösis mit Krachern wie „Knights of Doom“, „From this Life“ oder „Saviour, Welcome Home“ ohne Frage geschafft und mit der starken Live-Umsetzung konnte man, wie schon auf dem Wacken, die erst etwas skeptischen Anwesenden schnell in Rotation bringen und gar den ersten Circle Pit des Wochenendes auslösen! Respekt!

MOONSORROW sind derzeit wohl in aller Munde. Nicht nur haben sich die Finnen mit ordentlichen Alben und massiver Live-Präsenz einen guten Status erarbeitet, sondern werden von einigen Unwissenden, die trotzdem am lautesten die Klappe aufreissen, als rechte Band bezeichnet. Doch das Rock Hard und die Fans wissen es besser, so dass an diesem Mittag die Band auf und reichlich Fans vor der Bühne standen! Doch die starke Live-Präsenz hat auch seine Nachteile, denn mittlerweile habe sicher nicht nur ich die Band so einige Mal live erleben dürfen. Daraus folgt dann sicherlich auch, dass sich zwar viele Fans in den Schatten vor der Bühne drängten, die Tribünen aber spärlich besucht blieben. MOONSORROW machten das Beste aus der Situation und rockten routiniert ihr Set runter. Auch das gehört zum Leben einer Band und die muss man meistern. Das schafften die Finnen mit Geduld und Motivation auch sehr gut, waren im Endeffekt aber für viele nicht mehr als eine Begleitmusik auf dem Weg zum Gerstensaft-Frühstück.

HELSTAR sind sicherlich eine der Combos, die völlig an mir vorbei gegangen sind. Nicht nur in der „Remnants of War“-Ära (in dessen Line Up man nun aufm Rock Hard auftrat), sondern auch die neueren Outputs haben nie den Weg in meinen Player gefunden. Ob man da was verpasst hat, sei mal dahingestellt, auf jeden Fall waren und sind HELSTAR an diesem Abend ein wahres Highlight für die 80er-Fraktion. Diese Jungs legten einen wirklich guten Gig hin, bei dem besonders Basser Jerry Abarca brillieren konnte und auch Shouter-Veteran James Rivera bewies, dass er sein Können in all den Jahren nicht verlernt hatte. Auch die beiden Axt-Leute im Gitarren-Partnerlook, Larry Barragan und Rob Trevino, liessen ordentlich die Riffs fliegen. So sorgten HELSTAR für die erste richtige Feier-Stimmung an diesem Tag, welche in verdienten „Zugabe“-Rufen resultierte!

Die norwegischen Prog-Vikings ENSLAVED und ihre nordischen Hymnen wirken sicherlich am besten in der Dämmerung und Dunkelheit und nicht unbedingt an einem von der Sonne überfluteten Samstag-Nachmittag, wo zudem im Hintergrund noch einige Leute ihrem Plansch-Vergnügen im Rhein/ Herne-Kanal nachgehen. Doch auch jetzt konnten Grutle Kjellson und Ivar Bjornson mit ihren Mannen die Magie ihrer Songs immerhin halbwegs heraufbeschwören! Songs wie das brilliante „Ruun“, das imposant-grandiose „Isa“ oder auch „Return to Yggdrasil“ sind einfach ganz großes Kino, welches von den Norwegern jedes Mal wieder eindrucksvoll dargeboten wird. Doch auch, wenn es vor der Bühne und auf den Rängen gut voll war, blieb die sonst auf ENSLAVED-Shows ergreifende Stimmung an diesem Nachmittag aus. Wirklich schade…

Einmal Skandinavien und zurück in die 80er schien an diesem Tag das Motto zu heissen, denn nach MOONSORROW – HELSTAR waren nach ENSLAVED nun EXCITER and er Reihe, welche ja von AMORPHIS gefolgt werden würden. Für EXCITER gilt bei mir so ca. das gleiche wie für HELSTAR. Sicherlich ein Name, den man kennt, deren Hochphase aber einfach zu früh war, um für mich wirklich relevant zu werden. Zudem sind EXCITER heutzutage nur noch ein Schatten ihrer selbst. Das Line Up wurde in all den Jahren schon so oft durcheinander gewirbelt, dass man eigentlich nur noch Gitarrist John Ricci als wahren EXCITER-Musiker anerkennen kann. Und obschon der neue Fronter Kenny Winter seine Sache richtig gut macht und viele Fans natürlich den Text von „Heavy Metal Maniacs“ und auch „Violator“ lautstark mitsangen, blieb der Gig der Kanadier an sich recht blass. Zu eintönig fiel die Song-Auswahl aus und zu unmotiviert wanderten die Musiker über die Bühne. So sind HELSTAR und auch EXCITER sicherlich eine schöne Möglichkeit, in alten Zeiten zu schwelgen, wirklich was reissen, können sie heutzutage aber nicht mehr.

Und ab ging es wieder in den Norden. Dieses Mal Finnland und die grandiosen AMORPHIS sollten wohl den besten Auftritt des gesamten Festivals hinlegen. Denn plötzlich schien dem Soundmann ein Licht aufgegangen zu sein. So rockten geniale Kracher wie „Towards and against“, die überragenden „The Smoke“, „Alone“ oder der Überhit „House of Sleep“ das gesamte Rund, so dass selbst der sonst sehr ruhige Tomi Koivusaari an der Gitarre mehr als einmal grinsend zu seinen Kollegen schaute. Mit ihm zusammen brillierte natürlich wieder Esa Holopainen mit kraftvollen Riffings und ergreifenden Melodien. Mit Tomi Joutsen hat man sich vor einigen Jahren genau den richtigen Mann ans Mikro geholt, denn mit den Alben „Eclipse“ und „Silent Waters“ kamen nicht nur starke Songs, sondern auch wieder die Growls zurück und auch die Lust an den alten Knallern, die viele Fans so vermisst haben. So knallten AMORPHIS nicht nur das knallige „Better Unborn“ und den Ur-Deather „Vulgar Necrolatry“ in die steil gehende Meute, sondern erzeugten mit dem ergreifenden „My Kantele“ sicherlich nicht nur bei mir eine komplette Gänsehaut. An dieser Stelle sei vermerkt, dass großartige Songs wie „Leaves Scar“ und „Against Widows“ noch nicht mal gespielt wurden. Aber wer einen solch großartigen Backkatalog sein eigen nennt, braucht dies auch nicht und dennoch liessen es sich die Finnen nicht nehmen und rockten noch „Black Winter Day“! Dieser Auftritt war ohne Frage mit das Highlight des Wochenendes. Brilliante Songs, tolle Performance und guter Sound. Besser gehts nicht! Und vor allem bewiesen AMORPHIS, dass ihre nordischen Hymnen trotz strahlenden Sonnenscheins wunderbar funktionieren, und welche Magie einfach tolle Songs in Verbindung mit wahrer Spielfreude erzeugen können!

Aus dem Norden ging es nun ein weiteres Mal zurück in die 80er nach Übersee. Doch im Vergleich zu HELSTAR und EXCITER haben sich EXODUS über die Jahre mit starken Alben und permanenter Live-Action immer bei den Fans aktuell gehalten und dies zahlt sich jetzt aus. Und wenn der imposante Rob Dukes mit seinen Kollegen schon mit „Bonded by Blood“ den Hund von der Kette lässt, kann es einfach kein Halten mehr geben! „A Lesson in Violence“ war auch heute wieder das Motto und so brachten EXODUS mit „Toxic Waltz“ und „Impaler“ die Massen direkt vor der Bühne und auch auf den Rängen mächtig zum Matten-Rotieren! Was bei TESTAMENT fehlte, brachten Lee Altus, Gary Holt, Rob Dukes & Co. eindrucksvoll rüber! Bester Thrash Metal aus den 80ern, wenn auch mit einem eher miesen Sound aus den Boxen gepresst. Schon im Vorfeld des Festivals war klar, dass man den Curfew wird vorverlegen müssen, und dies traf EXODUS dann ziemlich unverhofft. Denn gerade mitten in „Strike of the Beast“ drehte man pünktlich um 21h den Saft ab. Dies hatte die Stadt selbst zwischendrin schon mit der Karaoke-Bühne abgezogen und so sah man sich gezwungen den Zeitplan genau einzuhalten. Dies passte EXODUS natürlich überhaupt nicht, was zu einem ordentlichen Wutausbruch der Musiker führte, welche sich dann aber schnell für den krassen Abgang bei den Fans entschuldigten und einen starken Gig damit nicht ruinierten!

Ein letztes Mal ging es nun aus den 80ern wieder in den Norden, denn an diesem Samstag-Abend sollten die wiedergekehrten Black Metal-Helden IMMORTAL den Headliner stellen. Spätestens seit dem Wacken war klar, dass man für eine Reunion auch was tun muss, denn spielerische Unfeinheiten waren damals nicht zu vertuschen. Auch dieses Mal spielte besonders Abbath seine Riffs alles andere als genau, so dass man so manch einer z.B. bei „Tyrants“ oder auch „One by One“ schon mal das Gesicht verzog, griff der Norweger wieder falsch in die Saiten. Doch der Großteil der Fans ließ sich die Show davon nicht vermiesen, feierte eben diese Hits, wie auch die genialen “Damned in Black“, „Sons of Northern Darkness“ „Unholy Forces of Evil“ oder auch „Withstand the Fall of Time“, nach allen Regeln der Kunst ab. Dazu hatten sich eine Menge von Plüsch-Pandas in die ersten Reihen geschlichen, was Abbath mit „Ah, Pandas of Northern Darkness“ humorvoll kommentierte. Auch sonst sorgte besonders der knarzig singende Fronter mit seinen KISS-Moves, Feuerspucken und gewollt undeutlichen Ansagen für gar nicht so böse Heiterkeit, während Basser Apollyon und Drummer Horgh gewohnt routiniert ihren Job durchzogen. Die ohrenbetäubenden Pyros dürften zudem besonders die Stadt-Offiziellen gefreut haben! Zum Finale durfte natürlich „Blashyrkh“ nicht fehlen und wer Black Metal nicht immer 100% ernst nimmt, hat mit IMMORTAL einen würdigen Headliner für den Samstag erlebt!

Copyright Fotos: Cornelia Wickel

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