Konzert Filter

ROCK HARD FESTIVAL 2009 – TAG 2

Ort: Gelsenkirchen - Amphitheater

Datum: 30.05.2009

Das sonnige Wetter hatte am Freitag-Abend bei einem Großteil der Metaller ohne Frage zu einem noch regeren Konsum von Hopfen/ Malz-Getränken geführt, so dass am frühen Morgen (also so Richtung 13 Uhr) sowohl Fans als auch einige Musiker, Veranstalter, Label-Mitarbeiter oder auch Presse-Kollegen (mich natürlich ausgeschlossen) doch recht angeschlagen in Richtung Amphitheater wanderten. Dort wurden sie erstmal von den Deathern EVOCATION mächtig wachgerüttelt. Doch trotz engagiertem Auftritt und pumpendem schwedischen Todesblei war es eine spürbar schwere Aufgabe, den Opener für den Samstag zu machen. Schade, denn EVOCATION haben ohne Frage das Zeug für einen Slot später im Billing.

Ihre Landsleute GRAND MAGUS hatten es da schon ein wenig leichter, waren die Leutchens vom Elchtod immerhin schon mal wach. Und auch wenn es sicherlich ebenfalls keine leichte Aufgabe ist, bei Sonnenschein und Katerstimmung die richtige Atmosphäre für schweren, doomigen Metal zu kreieren, konnte das motivierte Auftreten der Nordmannen schon einige angetretene Banger zum Aufwärmen der Nackenmuskeln animieren und zu Recht wurden GRAND MAGUS für ihre Performance mit satten Applaus belohnt.

Arve Isdal aka Ice Dale ist derzeit wohl einer der viel-beschäftigsten Musiker in Norwegen. Neben ENSLAVED und I hilft der Gitarrist ja noch live bei GOD SEED (ehem. GORGOROTH) aus und rockt dazu noch bei AUDREY HORNE. Letztere sind allerdings noch nicht so bekannt in unseren Breitengraden und so blieb die Menge vor der Bühne doch recht übersichtlich. Eigentlich schade, denn mit ihrem packenden Alternativ-Metal, der mit seinen Melodien an die guten alten 90er erinnert und der deutlich sicht- und hörbaren Spielfreude der Band hätten sich die Nordlichter sicherlich viele neue Freunde und Fans gemacht. Unter den Anwesenden waren sicherlich so einige dabei, die sich in Zukunft AUDREY HORNE mal genauer anschauen werden!

Wenn sich gestandene Death Metaller zusammen tun, muss das nicht von vornerein ein starkes Ergebnis geben. Bei HAIL OF BULLETS allerdings ist dies absolut der Fall. U.a. Ed Warby (GOREFEST) und Sympatho-Hüne Martin van Drunen (ASPHYX, PESTILENCE, BOLT THROWER) haben mit „…of Frost and War“ einen wahren Knaller abgeliefert. Dementsprechend wurde die Band auch abgefeiert und ob nun langsam wuchtig oder brutal donnernd, Tracks wie „Stalingrad“, „The Crucial Offensive“ und natürlich „Berlin“ packen sofort und lassen einem keine andere Wahl, als die Rübe kreisen zu lassen. Besonders, wenn das alles in einem donnernden Sound von der Bühne walzt und die „alten Herren“ mit einer mitreissenden Spielfreude an den Start gehen. Fan-Liebling Martin wurde immer wieder mit Sprechchören gefeiert, wobei der graue Growler immer wieder betonte, dass man eine richtige Band sei und nicht er alleine gewürdigt werden sollte. Zu Recht, denn die komplette Combo ist ein wahres Highlight, besonders da dieses Jahr nicht so viele Death Metal-Bands am Start waren. Vor allem Martin sah man noch das ganze Wochenende grinsend und feiernd über das Festival-Gelände tingeln!

Kaum eine Band ist so abgedreht und gleichermaßen genial wie DRAGONFORCE. Diese Jungs sind nicht nur Meister ihres Fachs, sondern bieten dazu noch eine Show, die man gesehen haben muss! So wirbelten, sprangen und wüteten die Engländer wieder dermaßen über die Bühne, dass man Angst haben musste, dass sich die Jungs (besonders Tasten-Derwisch Vadim) bei ihren Sprüngen von dem extra aufgebauten Podesten nicht verletzen. Doch auch darin sind DRAGONFORCE Könner, genauso wie beim Zocken ihrer Wahnsinnssongs. Ob nun die Axt-Helden Herman Li und Sam Totman oder der herausragende Sänger ZP Theart, was diese Typen mit ihrem extremen Power Metal von der Kette lassen, auf Platte und besonders live, kann man nicht wegdiskutieren, egal ob man nun Fan dieser Band ist oder nicht. Zum Finale wurde natürlich „Through the Fire and Flames“ , bei dem sicherlich nicht nur ich mir bei Guitar Hero einen abgebrochen habe, zelebriert und als ZP Theart dann noch zu den euphorischen Fans sprang, um mit ihnen zu feiern, war klar, dass DRAGONFORCE auf der ganzen Linie gewonnen hatten. Diese Band hat ohne Frage das Zeug zu einem Headliner!

Thrash Metal ist wieder angesagt wie zu den besten Tagen und gerade die alten Recken zeigen heutzutage noch immer, wo hier der Hammer hängt. Ein weiteres umjubeltes Comeback ist sicherlich die Auferstehung von FORBIDDEN! Und diese wurde auch am diesem Wochenende richtig gefeiert, besonders weil die Band zudem noch angekündigte, ein neues Album machen zu wollen. Auch Nick Barker (ehem. CRADLE OF FILTH, DIMMU BORGIR, TESTAMENT etc.) ließ es sich nicht nehmen, sich die Show vom Bühnenrand zu geben. Und manche Dinge ändern sich über die Jahre einfach nicht. Fronter Russ gibt sich auf der Bühne noch immer ein wenig unnahbar, während seine Kollegen mächtig Gas geben (besonders Drummer Mark Hernandez hatte sichtlich seinen Spaß) und das wichtigste: Songs wie „Forbidden Evil“, „Step by Step“ und natürlich das am Ende besonders abgefeierte „Chalice of Blood“ sind einfach Thrash-Granaten vom Metal-Gott und lassen der abfeiernde Meute einfach keine andere Wahl, als sowohl die Mähne als auch einen Circle-Pit nach dem anderen rotieren zu lassen. Leider waren die Ansagen zwischen den Songs wohl ein wenig zu lang, denn im Gegensatz zu JAG PANZER hatten FORBIDDEN am Ende des Sets zu wenig Zeit, so dass man leider „Through Eyes of Glass“ streichen musste, denn eine FORBIDDEN-Show ohne „Chalice of Blood“ ist natürlich ein absolutes No-Go! Glücklicherweise ist die Zukunft für FORBIDDEN kein No-Go und so freuen sich alle Thrash-Fans schon jetzt auf neue Songs!

Jon Oliva ist immer ein gern gesehender Freund im Rock Hard-Lager, wie auch bei den Metal-Fans. Dennoch hatte die schwergewichtige Metal-Legende einiges wieder gut zu machen, war der letzte Auftritt beim Rock Hard Festival 2005 doch alles andere als das wahre… Dieses Mal hatte man allerdings alles vorbereitet, um es besser zu machen. Ein neues Klavier für den Meister, eine tolle Setlist und ein Jon Oliva in bester Stimmung sollten es richten. Und dies schafften JON OLIVA’S PAIN auch recht gut. Kein Wunder, denn Klasse-Songs wie „Sirens“, „Gutter Ballet“, „Maniacal Renderings“, „The Hounds“ oder „Jesus Saves“ können bei einem Metal-Festival nur Euphorie auslösen, besonders wenn sie spielerisch derart gut dargeboten werden. Da durfte zum Abschluss natürlich das glorreiche „Hall of the Mountain King“ nicht fehlen und das komplette Rund des Amphitheaters ging mit! Trotz der starken Setlist und der gelungenen Performance, bei der neben der stark aufspielenden Band das Hauptaugenmerk natürlich auf dem ständig flachsenden und Spaß habenden Jon Oliva lag, wurde auch heute wieder deutlich, dass der Mountain King stimmlich noch immer nicht mit dem herausragenden Zak Stevens mithalten kann. Das war 2005 deutlich zu bemerken und auch heute wurden Jon Oliva klar seine stimmlichen Grenzen aufgezeigt! Das tat der Stimmung allerdings keinen Abbruch und so wird JON OLIVA’S PAIN zu Recht immer wieder gerne beim Rock Hard Festival ein gern gesehener Act sein.

Sicherlich dürfte jeder Metal-Fan mitbekommen haben, dass Alexi Laiho bei der US-Tour von CHILDREN OF BODOM aus seiner Koje gefallen ist, sich dabei die Schulter und eine Rippe gebrochen hat und die Genesung durch die versuchte Fortsetzung der Tour sicherlich nicht gefördert wurde. Nun hatte das „Wild Child“ eine kleine Pause und enterte trotz aller Absage-Gerüchte mit seiner Band als Samstags-Headliner die Bühne des Amphitheaters! Und die Pause tat der Band spürbar gut, denn so amtlich wie an diesem Abend habe ich diese Band schon lange nicht mehr gesehen. Klar, die Performance hängt sicherlich zu einem Großteil am Fronter, doch ohne seine Kollegen ist auch der engagierteste Band-Leader aufgeschmissen und da hat hat Mr. Laiho natürlich absolut Glück. Denn CHILDREN OF BODOM sind nunmal eine richtig gute Band, mit guten Musikern und mittlerweile agieren die ehemals jungen Wilden aus Finnland auch auf der Bühne routiniert und dennoch spielfreudig wie eine große Band. Allerdings wollte trotz guter Stimmung der Funke beim Einstieg mit neueren Songs noch nicht so überspringen, aber als dann die genialen „Hate Me“, „Angels don’t kill“ und Klassiker der Marke „Bodom after Midnight“ die Stimmung zum Höhepunkt brachten, wurden auch neuere Tracks wie „Blooddrunk“ gefeiert. Natürlich fehlte noch der ganz große Schwung in der Performance von Mr. Alexi „Fuck-Fuck-Shit-Fuck“ Laiho, aber spielerisch präsentierte man sich einwandfrei, die Setlist packte und sowohl Fans als auch die immer wieder miteinander frotzelnden Musiker hatten ihren Spaß. Und trotz der widrigen Umstände einen Headliner-Slot so engagiert und routiniert durchzuziehen, macht eben eine große Band aus.

Copyright Fotos: Michael Werneke

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu AUDREY HORNE auf terrorverlag.com

Mehr zu CHILDREN OF BODOM auf terrorverlag.com

Mehr zu DRAGONFORCE auf terrorverlag.com

Mehr zu EVOCATION auf terrorverlag.com

Mehr zu FORBIDDEN auf terrorverlag.com

Mehr zu GRAND MAGUS auf terrorverlag.com

Mehr zu HAIL OF BULLETS auf terrorverlag.com

Mehr zu JON OLIVA’S PAIN auf terrorverlag.com