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ROCK HARD FESTIVAL 2009 – TAG 3

Ort: Gelsenkirchen - Amphitheater

Datum: 31.05.2009

Sonne, Metal und Bier Tag 3: Scheinbar war für viele die Party am Samstag noch eine Ecke ausschweifender als am Tag zuvor, denn als TRACEDAWN loslegten, waren wohl so manche Augen und Ohren noch nicht ganz so offen. Denn anders ist die geringe Anzahl angetretener Metaller nicht zu erklären. Am Sound der jungen Finnen kann es nicht liegen, denn mit ihrem Sound setzen sie gekonnt das fort, was CHILDREN OF BODOM angefangen. Packender melodischer Death Metal mit hymnischen Refrains. Diese Bengels auf Tour mit BLIND COLONY und C.O.B., das wäre doch mal was feines!

Die schwedischen Nachbarn BULLET zollen im Gegensatz zu dem modernen Sound von TRACEDAWN ganz klar den großen Klassikern von AC/DC, ACCEPT & Co. Tribut. Und das mit ordentlichen frischen Wind, der die langsam wach werdenden Metaller mit eingängigen Songs wie „Bite the Bullet“ auch gleich wieder in Feierlaune feuerte.

So richtig ging es dann aber mit D:A:D los, die auch gleich einen ganzen Truck an amtlichem Equipment auffuhren. Klar, als dänischer Superstar muss man sich im Nachbarland angemessen präsentieren, zumal die Jungs auch hier alles andere als unbekannt sind. Dennoch kam bei den Aufbauten schon die Frage auf, ob der ganze Kram denn um eine Uhrzeit von 15:00 Uhr und strahlendem Sonnenschein auch wirklich seine Wirkung erzielen würde. Die Frage beantwortete sich schnell und das gleich doppelt. Denn erstens macht das ganze Zeugs schon was her, die Strobo-Lightshow kann sich erwartungsgemäß bei solchen Begebenheiten aber nicht voll entfalten. Aber dafür konnten es die Songs der Dänen-Rocker auch nach locker 25 Jahren noch voll und ganz. Ob nun „Jihad“, „Reconstrucdead“, das neuere „Beautiful Together“ oder der Fan-Fave „Sleeping my Day away“, diese Herren rocken und zwar mächtig und vor allem saucool. Augenfang war neben dem charismatischen Fronter Jesper und seinem arschcoolen Bruder Cobby natürlich Mr. Stig Pedersen und seine 2 Saiten-Bassgitarren. So präsentierte dieser gleich mehrere seiner Sonderanfertigungen in Form von z.B. einer Cadilliac-Flosse oder einer Rakete. Dazu ackerte sich der gute Mann bei dieser Wärme noch einem Lack-Outfit über die Bühne, poste auf der Bass-Drum, schlängelte sich zwischen den aufstobenden Pyro-Flammen und rannte mit einem Pyrofunken-Helm über die Bretter. Wenn D:A:D nicht Rock N’Roll sind, dann weiß ichs auch nicht!

Thrash Metal-Veteranen die nächste: Gitarrist Lee Altus (EXODUS, DIE KRUPPS) kommt dieses Jahr mit HEATHEN um die Ecke! Die waren über die Jahre zwar nicht immer präsent, aber auch nie so ganz weg von der Bildfläche. Erst in diesen Wochen hat man die Aufnahmen zum neuen Album „Evolution of Chaos“ vollendet und schon ist man wieder live unterwegs. Dass man die Bay Area-Pioniere nicht vergessen hat, bewiesen die starken Reaktionen der zahlreich abgehenden Fans. Dabei wurden neuere Thrash-Kracher der Marke „Hypnotized“ genauso abgefeiert wie Ur-Keulen à la „Open the Grave“! Dabei zeigen auch HEATHEN, dass man als Veteranen nicht unbedingt zum alten Eisen zählen muss. Lee Altus ist dabei eh einer der großen seines Fachs und Shouter Dave White, sowie Drummer Darren Minter macht eh keiner mehr was vor. Auch die beiden neueren Kollegen Kragen Lum (Gitarre) und Jon Torres (Bass) sind alles andere als Frischlinge und so zockten die Ami-Thrasher ein solides Set mit einem Thrash-Knaller nach dem nächsten, was die Fans natürlich mit ordentlich Moshpit-Rotation honorierten! So langsam wird wohl eine Bay Area-Festival Tour fällig… denn so ziemlich alle Bands sind immer noch bzw. wieder am Start… und wie!

Nach Veteran wird man Rentner. Sänger Phil Mogg hat die 60 bereits überschritten, die Band hat 40 Jahre auf dem Buckel und veröffentlicht in diesen Tagen ihr 20. Studioalbum! Und auch, wenn man UFO klar anmerkt, dass die Herren schon deutlich in die Jahre gekommen sind, rocken die Briten noch immer. Dennoch wollte die großartige Stimmung bei den Fans nicht so wirklich aufkommen, was wohl auch an der Auswahl der Setlist lag. Klar mag man „Doctor, Doctor“ nach 35 Jahren vielleicht nicht mehr live spielen, aber wenn man zum Ende des Sets eine langatmige Jam-Session mit dem ebenso alten „Rock Bottom“ zelebriert, hätte man stattdessen auch ruhig diesen großen Hit noch raushauen können. Dafür kann man sich auch nach all den Jahren sicher sein, dass man UFO bekommt, wenn UFO drauf steht. So fügt sich der neue Track „Saving me“ gut zu den alten Rockern „Lights Out“ und „Mother Mary“. Und auch wenn die Reaktionen sicherlich positiv ausfielen und die Band auch weiterhin noch ordentlich rockt, wollte der letzte Funke einfach nicht überspringen. Und da sollte man vielleicht einfach so flexibel sein und eben den Gassenhauer „Doctor, Doctor“ raushauen, um die Fans glücklich zu machen!

Schon im Vorfeld hörte man aus allen Ecken immer wieder „Sacred Reich hier… Sacred Reich da“. Und als Co-Headliner am Sonntag bewiesen die Phoenix-Thrasher, dass man nicht unbedingt aus der Bay Area kommen muss, um zu den großen der amerikanischen Thrash Metal-Bands zu gehören. Und mit einer solch motivierten Show wie an diesem Abend, kann es nur eine Frage der Zeit sein, bis SACRED REICH mit einem neuen Studio um die Ecke kommen. Aber vielleicht waren die 6 Jahre Pause einfach nötig. Denn schon beim Wacken Open Air wurde man trotz schwächeren Auftritts herzlichst empfangen und auf dem Rock Hard 2009 wurde man nun gnadenlos abgefeiert. Und das zu Recht, denn der sympathische Front-Koloss Phil Rind und seine Kollegen machen keine große Show, sondern hauen mit „Ignorance“, „The American Way“ dem lange Jahre nicht gespielten „Sacred Reich“ und natürlich dem Über-Song „Surf Nicaragua“ einfach kurz und trocken eine Thrash-Granate nach der anderen raus und bringen die Stimmung zudem noch mit einer coolen Version des BLACK SABBATH-Klassikers „War Pigs“ zum Kochen. Stark!

Die längere Pause, die nötig war, damit die SAXON-Crew den Adler aufbauen konnte, wurde mit den drei Gewinnern des Karaoke-Wettbewerbs überbrückt. So durften sich die drei u.a. bei „Fear of the Dark“ und „Painkiller“ als Sänger/ in beweisen und machten ihre Sache doch recht ordentlich. Zum Ende dieser Einlage durfte die Karaoke-Backband ROKKEN dann noch mit ihrer eigentlichen Sängerin Steffi das Rund mit dem AIRBOURNE-Song „Stand up for Rock N’Roll“ rocken. Wer bei diesem Karaoke-Jam allerdings den ein oder anderen bekannten Gast-Musiker erwartet hatte, wurde enttäuscht.

Nach insgesamt über einer Stunde Pause war es dann soweit und die legendären SAXON enterten unter lautem Jubel die Bühne. Dass die Heavy Metal-Evergreens auch nach all den Jahren live noch immer eine Macht sind, ist ja jedem Metaller bekannt. Doch für dieses Festival hat man ein Classic-Set und zudem noch den „Eagle“ angekündigt. Und was SAXON versprechen, das halten sie auch. So rockten Biff Byford und seine Mannen Klassiker wie „Wheels of Steel“, „Power and Glory“, „Bands played on“, „Eagle has Landed“ oder auch „Heavy Metal Thunder“, dass es eine wahre Freude war. Einen ersten Höhepunkt erreicht die Show dann als sich der strahlende Adler in die Lüfte erhob und die eh schon starke Light-Show imposant ergänzte! Doch trotz Classic-Set ließen es sich SAXON nicht nehmen mit „Battalions of Steel“, „ the Letter“, „Demon Sweeny Todd“, „Hellcat“ oder auch das in der Zugabe gespielte „Live to Rock“ eine ganze Reihe Songs vom neuen „Into the Labyrinth“-Album mit einzubauen. So entpuppte sich das „Classic Set“ am Ende doch als reguläre SAXON-Show, was der Stimmung allerdings keinerlei Abbruch tat. Denn als Zugabe standen noch „Motorcycle Man“ und „Crusader“ auf der Setlist, welche zusammen mit dem fetten Sound, der tollen Show und der weiterhin mehr als starken Performance einer der wohl größten Heavy Metal-Bands einen mehr als eindrucksvolles Finish des Rock Hard Festivals 2009 markierten!

Setlist SAXON
Battalions of Steel
Heavy Metal Thunder
Sweeny Todd
Strong Arm
Power and Glory
The Letter
Valley of the Kings
The Eagle has landed
And the Bands played on
Rock Ages / Ride like the Wind
Dallas 1PM
Wheels of Steel

Live to Rock
Motorcycle Man
Crusader

Als Fazit kann man beim Rock Hard 2009 nur von einem mehr als gelungenen Wochenende sprechen. Auch dieses Jahr waren viele starke Bands mit starken Auftritten und in diesem Jahr auch überwiegend amtlichem Sound im Amphitheater zu sehen. Dabei bewies die Zusammenstellung der Bands, dass die renommierten alten Recken noch richtig was drauf haben, man sich aber um den Metal-Nachwuchs ebenso wenig Sorgen machen muss. Und trotz aller Begeisterung, wurden einige Stimmen laut, dass auch dieses Jahr doch wieder das gewisse Etwas im Billing fehlte. Das betrifft weniger Aussagen wie „zu wenig Black, Death, XYZ-Metal“, sondern eher, dass einfach die EINE Band fehlte, die das gesamte Amphitheater zum Ausrasten bringt. Aber dennoch war man sich einig, dass ein durch und durch gelungenes Metal-Wochenende war, bei dem sogar der Wetter-Gott mitfeierte!

Als letzte persönliche Anmerkung sei noch erwähnt, dass es immer wieder verwunderlich ist, wie schnell und extrem sich manche Leute ins Delirium feuern können. Dieses Jahr war es schon fast erschreckend, dass bereits am späten Freitag-Nachmittag die ersten Spezialisten kotzend in der Ecke standen oder im Vollsuff eine langes Nickerchen auf den Steintribünen hielten. Da kommt für mich wieder die Frage auf, warum man richtig Kohle für ein Festival ausgibt, um dann so breit zu sein, dass man vom eigentlichen Anreise-Grund, nämlich den tollen Bands, so gut wie nix mehr mitbekommt… Aber gut, so hat jeder seine eigene Festival-Philosophie und solange alles so gut organisiert, friedlich und mit dieser tollen Stimmung von statten geht, werden die Metal-Fans auch 2010 nur zu gerne die Festival-Saison in Gelsenkirchen eröffnen!

Copyright Fotos: Michael Werneke

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