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ROCK HARD FESTIVAL 2010 – TAG 1

Ort: Gelsenkirchen - Amphitheater

Datum: 21.05.2010

Perfektes Wetter (im Gegensatz zum verregneten Wochenende zuvor), tolle Akustik, tolles Line-Up und ein einfach rundum gemütliches Festival. Das war das Rock Hard Festival im Amphitheater Gelsenkirchen auch in diesem Jahr wieder. Es gibt wohl kaum ein anderes Festival, bei dem man wahlweise vor der Bühne stehen, um seine Lieblingsband zu bejubeln oder einfach relaxt auf den Stufen sitzen kann, mit einem Bierchen in der Hand und trotz allem noch alles mitbekommt. So stand es auch 2010 außer Frage, wo man sich an Pfingsten befinden würde: Natürlich im Pott beim Rock Hard Festival! Neben einigen raren Livegästen gab es wohl für jeden Geschmack etwas an diesem Wochenende.

KATATONIA

Den Freitag eröffneten KETZER und NECROS CHRISTOS, die allerdings noch der Anreise, dem Abholen der Presseausweise und Treffen alter und neuer Bekannter zum Opfer fielen. Richtig los ging es dann erst mit den Düster-Schweden KATATONIA. Die Frage war natürlich, ob diese düsteren Klänge auch beim schönsten Sonnenschein funktionieren würden? Sagen wir einmal „Jein“. Denn die gewohnte Stimmung, wie man sie von Club oder aber Festivalgigs bei Dunkelheit kennt, kam natürlich nicht auf. Ansonsten gab es allerdings bei „My Twin“, „Liberation“, „Ghost Of The Sun“ und Co nichts zu meckern. Die Fans direkt vor der Bühne, aber auch auf den Rängen waren jedenfalls zahlreich vorhanden, so dass sich der Einstieg ins Festival für uns als äußerst gelungen bezeichnen lässt und der Gig den Umständen entsprechend als „gut“ durchgeht.

SABATON

Ganz andere Töne schlugen darauf die Party-Schweden von SABATON an. Das Festival würde von KATATONIA bis BLOODBATH in schwedischer Hand sein und die Musik der drei Bands war unterschiedlicher, wie sie nicht unterschiedlicher hätte sein können. Mit „Ghost Division“ kam ein gewohnt gut gelaunter Haufen Schweden auf die Bühne gestürmt, alle Bandmitglieder mit mehr oder weniger breitem Grinsen im Gesicht. In gewisser Weise haben diese Gigs einfach immer einen leicht komödiantischen Touch, zum einen der fast schon beängstigend gut aufgelegten Musiker wegen, zum anderen, weil zwischen den tragischen in den Songs beschriebenen Themen, eine ziemliche Diskrepanz zum Auftritt selbst, herrscht. Na, so oder so, „Panzer Battalion“, „Attero Dominatus“ oder natürlich „40:1“ und „Primo Victoria“ funktionieren live einfach wie am Schnürchen und die Menge feierte die Herren ordentlich ab. Diese Gigs machen einfach gute Laune.

Setlist SABATON
Ghost Divison
Panzer Battalion
Coat Of Arms
Cliffs
Attero Dominatus
Price
Saboterors
Uprising
40:1
Primo Victoria
Medley

BLOODBATH

Genug der Hampelei und Rumspringerei auf der Bühne, nun war es an der Zeit für einen äußerst raren Live-Gast. Auf dem Programm stand nun ein Death Metal Schmankerl, wiederum aus Schweden und in Allstar Besetzung. Die Rede ist natürlich von BLOODBATH, in der neben OPETH auch Mitglieder von KATATONIA mitmischen. Der Gig im Amphitheater war erst der vierte Gig der Formation überhaupt, so dass wir über einen leicht holprigen, bzw. hölzern wirkenden Beginn hinwegsehen wollen. Es dauert immer ein wenig, bis man sich daran gewohnt Mikael Akerfeldt mal in einer anderen Band als OPETH zu sehen – dieses Mal ganz cool mit großer Sonnenbrille und Lederjacke – leider nicht mit dem coolen blutbespritzten Outfit wie beim legendären Wackenauftritt. „Ways To The Grave“ und „Sould Evisceration“ starteten den Death Metal Reigen nach einem kurzen Intro und Mikael konnte sich seine Ansagen, die immer wieder einen leicht komödiantischen Touch haben, nicht verkneifen. Neben seinem Wunsch nach direktem Feedback „Is it okay or is it shit?“, stellte er die Band, die allesamt superböse DM Pseudonyme hatten, vor. Blakkheim, Sodomizer und Axe nahm jeder hin, bis er dann zu sich selbst kam: „And my name is Lars“ – für einen Moment verdutztes Schweigen, gefolgt von Gelächter im Publikum – „I said, my name is Lars – could you say that with a Death Metal voice?“. Aber natürlich, nach einem gegrunzten „Lars“, ging es weiter im Programm. Eines meiner persönlichen Highlights war neben dem unglaublich geilen „Outnumbering The Day“ das von Mr Dan Swanö himself komponierte „Like Fire“ – eine schwedische Groovewalze ohne Gleichen, die so manch einem Nacken sicherlich den Rest gab. Summasummarum also ein äußerst gelungener Gig, der eine beinah schon traurig stimmt, dass BLOODBATH sich live so rar machen. Eine gelungene Auswahl an Todesbleiwalzen, da gab’s nix zu mecken.

Setlist BLOODBATH
Intro
Ways to the Grave
Soul Evisceration
Process of Disillumination
Iesous
Breeding Death
Mouth Of Empty Prayer
Mass Strangulation
Cancer of the Soul
Mock the Cross
Like Fire
Blood Vortex
Outnumbering the Day
Hades Rising

Eaten

Diesen unterhaltsamen Gig zu toppen, würde schwer werden… und so war es denn auch. Bevor es allerdings mit psychedelischem 60er/7 0er Rock weitergehen sollte, betrat Götz Kühnemund die Bühne, um die Menge zu einer Schweigeminute für Ronnie James Dio und Pete Steele aufzufordern – Stille im gesamten Amphitheater.

THE DEVIL’S BLOOD

THE DEVIL’S BLOOD waren, aus mir nach wie vor unerfindlichen Gründen, vollmundig als Headliner mit Special Show angekündigt worden, die Menge war auch erstaunlich groß, aber… es fehlte das gewisse, einem Headliner würdige Etwas. In punkto „mitreißend“ passte der Headliner Status nicht, auch musikalisch nicht. Dass die Musik mit durchaus hypnotisierender Wirkung am helllichten Tag vielleicht nicht ganz funktionieren kann, leuchtet noch ein, aber so? Die Bühne war mit Videoleinwand, Kerzen und Background Sängerinnen ausstaffiert, die Band betrat blutbespritzt die Bühne und bot zumindest optisch ein etwas anderes Bild. So oder so, die Musik mag sicherlich nicht schlecht sein, den Headlinerstatus, den ich nun bereits zweimal erleben durfte, haben sie nicht verdient. Dieser Meinung waren wohl auch viele der Besucher, so dass sich das Amphitheater doch ein wenig im Verlauf des Gigs leerte. Langatmige Jams mögen zur Musik gehören, passen aber vielleicht weniger zu einem Publikum, welches um diese Uhrzeit wohl schon eher in Feierlaune ist. Die Damen und Herren bieten sich vielmehr als Band für einen Club an, wo ich mir dann auch ziemlich sicher bin, dass sie dort ihr volles Potential mit ihrem okkulten 70s Psychedelic Rock entfalten können. So kann man also sagen, dass das Publikum klar in zwei Lager gespalten war: Diejenigen, die Feuer und Flamme für den rockigen Act waren und diejenigen, die die Party auf dem Campingplatz im Partyzelt oder ähnliches vorzogen.

Copyright Fotos: Cornelia Wickel

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