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ROCK IM PARK 2012 – TAG 2

Ort: Nürnberg – Zeppelinfeld

Datum: 02.06.2012

Tag 2 in Nürnberg – die Wettervorhersagen waren gut und die Stimmung bestens. Ausgeschlafen und frohen Mutes machte ich mich wieder auf den Weg zum Zeppelinfeld, wo ich mich heute überwiegend an der Centerstage aufhalten sollte. Die Clubstage war heute nämlich eindeutig in Metallerhand und zwar auf so extreme Weise, dass ich mir Metalcore, Death Metal und ähnliche Spielarten geschenkt habe. Auf der Alternastage wurde hingegen ausgiebig gerappt, auch nicht zwingend meine Baustelle (jedoch durchaus im Sinne vieler Besucher), aber die Hauptbühne wusste mich ab dem frühen Nachmittag zu locken, denn dort wollten sich quasi Nachbarn von mir einfinden.

DONOTS

Nun war ich keinesfalls mit irgendwelchen Leuten aus meiner Umgebung auf ein Bierchen verabredet, vielmehr hätte ich mit den DONOTS aus Rockcity Ibbtown eigentlich eine Fahrgemeinschaft gründen können, denn der Fünfer wohnt nur einen Katzensprung von Osnabrück entfernt und ist ebenfalls schon am Freitag angereist. So richtig in Laune, am nächsten Tag in die Eifel weiterzureisen, waren Ingo Knollmann und Konsorten wohl auch noch nicht, zumindest erzählte der Fronter seinem Publikum, dass er lieber mit einer anderen Band tauschen wolle, um auch den Sonntag in Nürnberg zu verbringen. Er war es auch, der die Theorie aufstellte, das Rock im Park sei gar nicht der kleine Bruder des Rock am Rings, sondern die große Schwester mit einem geilen Arsch, langen Beinen, Schnurrbart und Pillemann – ganz so wie der gute Ingo die Frauen mag. Dass man die DONOTS zumindest beim RiP mag, stand außer Frage. Trotz der vergleichsweise frühen Stunde (um 14.40 Uhr erklang das Intro im Morricone-Style), war der Platz vor der Centerstage bereits gut gefüllt und es dauerte geschätzte 2 ½ Sekunden ab den ersten Klängen von „Calling“, da waren sowohl die DONOTS als auch ihr Publikum auf Betriebstemperatur. Entsprechend ließ auch das erste Massenhüpfen nicht lange auf sich warten und zum Circle Pit wurde bereits beim flotten „Pick Up The Pieces“ gerufen. Mit dem Titeltrack „Wake The Dog“ vom jüngsten Longplayer, der Ende April in die Plattenläden gekommen und bis auf #6 der Charts durchgestartet ist, unternahm Ingo einen Ausflug in den Graben, bevor er zu „I Don’t Wanna Wake Up“ in der guten alten Moses-Manier zwar nicht das Rote Meer, aber immerhin doch das Auditorium in gut und sehr gut bzw. böse und sehr böse teilte. Was folgte war natürlich eine amtliche Wall of Death, ehe sich die Festivalgänger im kollektiven Arme schwenken übten. „Come Away With Me“ ist die jüngste Single-Auskopplung und bringt alles mit, um eine DONOTS-Mitgröl-Hymne zu werden, wenn sie es nicht sogar schon ist. Natürlich hatten die Westfalen auch äußerst tanzbares Material dabei, Eike Herwig an den Drums dürfte sich insbesondere über „You’re So Yesterday“ gefreut haben, denn hier kam der Rhythmus überwiegend vom Band, sodass er noch eine Hand für ein Bier frei hatte, während er beim eingängigen „Stop The Clocks“ vom 2008er „Coma Chameleon“ wieder ran musste. Im Folgenden tauschte Ingo seine dunkle Herbert-Knebel-Gedächtnis-Kappe gegen ein weißes Stirnband, was nur bedeuten konnte, das Festival-Aerobic auf dem Programm stand. Bei körperlicher Ertüchtigung unter freiem Himmel denken die seit 1993 agierenden Alternative-Pop-Punks an einen gepflegten Moshpit, der zum Klassiker „Whatever Happened To The 80s“ („Pocketrock“ 2001) angezettelt wurde. Als umweltorientierte Kapelle schickten die Jungs gleich auch noch die Aufforderung mit, in die Knie zu gehen und Müll aufzusammeln. Dass selbiger im nächsten Moment gemeinsam in die Luft geworfen war, mag ein wenig kontraproduktiv gewesen sein, ergab aber ein schönes Bild. Inzwischen hatte sich der Festivalground in einen Hexenkessel verwandelt und auch das blitzschnelle „Dead Man Walking“ wurde neben lautstarken „DONOTS“-Gesängen abgefeiert. Blieb nur noch Zeit für das TWISTED-SISTER-Cover „We’re Not Gonna Take It“, bei dem der Herr am Mikro sich im Crowdsurfen versuchte und ein letzter Moshpit auf den Weg gebracht wurde. Zahlreiche Zugaberufe bestätigten, dass 50 Minuten Spielzeit schlicht zu wenig waren, aber das vorgegebene Zeitdiktat war unerbittlich und ein Nachschlag deshalb ausgeschlossen.

Setlist DONOTS
Intro
Calling
Big Mouth
Pick Up The Pieces
Wake The Dogs
I Don’t Wanna Wake Up
Come Away With Me
You Got It
You’re So Yesterday
Stop The Clocks
Whatever Happened To The 80s
Dead Man Walking
We’re Not Gonna Take It (TWISTED-SISTER-Cover)

DICK BRAVE & THE BACKBEATS

Langsam traute sich auch die Sonne zwischen den Wolken hervor und deshalb entschied ich auch, erst gar nicht in der dunklen Eissporthalle vorbei zu gucken. Die Umbaupausen waren eh überschaubar und deckten sich zu diesem Zeitpunkt auch noch mit denen der zweiten Open-Air-Bühne. Also ließ ich mir die warmen Strahlen ein wenig auf den Pelz brennen und beobachtete, wie langsam das weiße Backdrop mit dem „Dick“-Schriftzug aus (später blinkenden) Glühlampen Gestalt an nahm. Die Begeisterung bei der Nennung des Namens DICK BRAVE war im Vorfeld eher mäßig, offensichtlich waren nur „harte“ Rocker anwesend, aber auch die sollte Mr. Brave aka SASHA ruckzuck für sich gewinnen. Da eine Stunde schnell rum ist, verzichtete der Rockabilly-Musiker mit der kanadischen Vita auf den Einspieler, mit dem er sonst erklärt, warum er so lange verschollen war und ging stattdessen mit „Rock Therapy“ gleich in die Vollen. Gute Laune ist bei DICK BRAVE und seinen BACKBEATS garantiert und auch dieses Mal ging’s auf der Bühne gewaltig rund: beim DEPECHE-MODE-Cover „Just Can’t Get Enough“ stand der Pianist schon auf seinem Klavierhocker bzw. auf seinem Instrument und auch ein eigenen Song wie „This Girl Is Trouble“ wusste ebenso wie die ADELE-Adaption „Rollin’ In The Deep“ uneingeschränkt zu gefallen. Diese Nummer zeigte sich sehr bassbetont und entwickelte eine ganz eigene Dynamik, die es in sich hatte. Nur an ihrem Gesangspart muss die Festivalgemeinde wohl noch mal arbeiten, aber vielleicht zählt ADELE auch einfach nicht zu den Kernkompetenzen der Parkrocker, zu späterer Stunde war man auf jeden Fall deutlich stimmgewaltiger und textsicherer. Rhythmisch ging wenig später das CHUCK-BERRY-Cover „Come On“ ins Bein und auch der KINGS-OF-LEON-Schmusesong „Use Somebody“ gefiel mit einer Mundharmonika-Einlage von Mr. Brave. Wer hätte gedacht, dass „No One Knows“ von QUEENS OF THE STONE AGE zu den favorisierten Liebesliedern des Kanadiers zählt? Seine Hommage an die Kalifornier startete in prickelnder Slow Motion, um dann plötzlich auf die Tube zu drücken und den Mann am Mikro die Hüften kreisen zu lassen. Woher der BH so plötzlich kam, den Gitarrist Eddie beim sexy „Kiss“ (PRINCE) zwischen den Zähnen hatte, vermag ich nicht zu sagen, gerockt hat die Nummer auf jeden Fall wie der Teufel und beim fantastischen „Just The Way You Are“ (im Original von BRUNO MARS) gab’s dann überhaupt kein Halten mehr: Tausende Arme wurden geschwenkt und die gefühlvolle Rockabilly-Nummer, die in der DICK-BRAVE-Bearbeitung eindeutig besser ist als die Vorlage, gemeinschaftlich abgefeiert. Im Anschluss stand Bad-Ass-Rock’N’Roll auf dem Programm. Hier bedienten sich die Musiker im Repertoire von GREEN DAY und ließen zu „American Idiot“ die Gitarren aufjaulen. Für das bluesige „Black Or White“ (MICHAEL JACKSON) wechselte Dick das Mikro, sodass der Sound wie aus einem altes 50er-Jahre-Radio klang. Die Performance war einmal mehr rasant und bot ein knackiges Bass-Solo, in dessen Verlauf auch der Drummer die Saiten für einem Moment mit seinen Drumsticks bearbeiten durfte, ehe es an der Zeit war, einen „Schunkeling“-Song zum Besten zu geben. „Schunkeling“ war eines der ersten Worte, die Brave in Deutschland gelernt hat und „Take Good Care of My Baby“ (BOBBY-VEE-Cover) eignete sich hierfür hervorragend. Der Aufforderung zum Klatschen kam das Auditorium bei AEROSMITHs „Walk With Way“ gern nach und irgendwie schaffte es der Bassmann sogar, auf seinem hölzernen Arbeitsgerät Aufstellung zu nehmen, bevor er und der Kollege am elektronischen Sechssaiter ihre Instrumente beim JERRY-LEE-LEWIS-Evergreen „Great Balls of Fire“ kurzerhand hinterrücks spielten. Hier wechselte die Bühnenmannschaft reihum die Arbeitsplätze, wodurch jeder noch einmal den Refrain sang und DICK BRAVE unter Beweis stellte, dass er auch an den Instrumenten eine gute Figur macht. Ein toller Auftritt, der den Kreislauf in Schwung brachte und auch die anfänglichen Zweifler überzeugt haben sollte, die DICK BRAVE & THE BACKBEATS beim Rock im Park falsch besetzt sahen.

Setlist DICK BRAVE & THE BACKKBEATS
Rock Therapy
Highschool Confidential
Just Can’t Get Enough
This Girl Is Trouble
Rollin’ In The Deep
Come On
Use Somebody
No One Knows
Kiss
Just The Way You Are
American Idiot
Black Or White
Take Good Care of My Baby
Walk This Way
Great Balls of Fire

DROPKICK MURPHYS

An der Centerstage wurden an diesem Samstag weiß Gott keine Gefangenen gemacht, denn als nächstes stand Besuch aus Boston/ Massachusetts an. Die Rede ist von den DROPKICK MURPHYS, denen man nun wirklich nicht vorwerfen kann, eine lahme Show abzuziehen. Bei der irisch-amerikanischen Folk-Punk-Band ist seit nunmehr 16 Jahren auf der Stage grundsätzlich der Teufel los und heuer war das Septett sogar noch personell verstärkt nach Nürnberg gekommen, weshalb sich in Spitzenzeiten bis zu elf Personen auf der Bühne tummelten. Im Anschlag natürlich so schöne Instrumente wie Dudelsack, Tin Whistle, Violine, Banjo, Akkordeon, Mandoline und natürlich Gitarre, Bass und Schlagzeug. Nach einem Intro mit weiblichen Gesang machte die raubeinige Truppe auch kein langes Feder lesen und haute einfach mal für 70 Minuten mit aller Macht auf den Putz. Irish Punk im High-Speed-Modus war das Motto, das z.B. mit „The Gangs All Here“ perfekt umgesetzt wurde und zu ausgelassenen Tänzchen unter den zahlreichen Zuschauern führte. Erst „Bastards On Parade“ nahm ein wenig Tempo raus, bliebt jedoch ansonsten genauso treibend wie seine Vorgänger. Auch das grandiose „Which Side Are You On?“ kam nicht ganz so derbe mit der Brechstange daher, haute aber nicht minder auf die Fresse, bevor es mit „Forever“ richtig emotional wurde. Gestartet wurde vermittels Akkordeon, denen sich vielstimmige „Forever“-Gesänge und der Klassiker „Irish Rover“ anschlossen. „The State of Massachusetts“ glänzte mit Banjo-Schmackes und Sänger Al Barr mit seinen deutschen Sprachkenntnissen, die er vermutlich seiner deutschen Mutter zu verdanken hat. Auf diese Weise wurde der Akustikpart der DROPKICK MURPHYS eingeläutet, der aus „The Warrior’s Code“ mitsamt Tin Whistle und Dudelsack und dem fast schon countryesken „Citizen C.I.A.“ bestand. Ebenfalls absolut hörenswert! Als nächstes kam eine Dame auf die Bühne, die zu den Tagesgästen der Band zählte und bereits an der Geige ihr Können gezeigt hatte, jetzt bewies Nora Parkinson gekonnt ihre Sangeskünste und so kam man langsam auf die Zielgerade, die sich mit „Kiss Me, I’m Shitfaced“ publikumsnah gestaltete. Sänger und Bassist Ken Casey lege seinen Stahlsaiter zur Seite und nahm stattdessen ein Bad in der Menge, die aus dem Arme schwenken gar nicht heraus kam und das folgende AC/DC-Cover „TNT“ fehlerfrei mitsingen konnte. Mit dem genialen „I’m Shipping Up To Boston“ (das übrigens auch in Martin Scorseses „Departed – Unter Feinden“ und der Simpsons-Episode „Debarted – Unter Ratten“ Verwendung findet) hieß es dann um 18.35 Uhr Abschied nehmen, aber natürlich wurde auch diese Nummer vorher noch nach allen Regeln der Kunst abgefeiert.

Setlist DROPKICK MURPHYS
Hang ‚Em High
Captain Kelly’s Kitchen
Sunday Hardcore Matinee
The Gang’s All Here
Sunshine Highway
Bastards on Parade
Going Out In Style
Which Side Are You On?
Forever
The Irish Rover
The State of Massachusetts
The Warrior’s Code
Citizen C.I.A.
The Dirty Glass
Broken Hymns
Johnny, I Hardly Knew Ya
Kiss Me, I’m Shitfaced
TNT (AC/DC-Cover)
I’m Shipping Up To Boston

CALIGOLA

Inzwischen war es ziemlich voll an der Centerstage geworden und immer noch strömten unzählige Besucher auf das Zeppelinfeld, wo als nächstes THE OFFSPRING die Boxen zum Beben bringen wollten. Da zeitgleich CALIGOLA auf der Alternastage standen, versuchte ich mich gegen den Menschenstrom durchzuschlagen, was nicht ganz einfach war und bei klaustrophobischen Personen kleinen Wuchses vermutlich Panik verursacht hätte. Ich kam jedoch unbeschadet an der zweiten Freiluftbühne an und fand dort entschieden mehr Platz vor als auf dem Hauptgelände, das tatsächlich langsam an seine Kapazitätsgrenzen stieß. Auf der Stage standen bereits zwei weiße Pferde und sechs Säulen bereit, die neben einem CALIGOLA-Backdrop, auf dem natürlich auch die anonymen Kuttenträger nicht fehlen durften, das Bühnenbild für die kommenden 45 Minuten bildeten. Mit dem Namen CALIGOLA bringt man dieser Tage ja insbesondere die beiden MANDO-DIAO-Members Björn Dixgard und Gustaf Norén in Verbindung, doch geht dieses Stockholmer Künstler-Netzwerk bereits bis in die Siebziger Jahre zurück. Nach Nürnberg waren CALIGOLA neben Dixgard und Norén mit einem weiteren Sänger, zwei Herren an den Apple-Klapprechnern und zwei Damen in deutlich kürzeren Kutten gekommen. Nach einem Intro legte die Truppe, die zu diesem Zeitpunkt noch komplett verhüllt agierte, mit „Down By The Riverside“ heftig groovend los. Die Kongas, mit denen „Raise Your Head“ eröffnet wurden, gaben dem Song einen gewissen Voodoo-Anstrich, ansonsten erwies sich der Track als echter Stomper, bevor die blonde Tänzerin an die Keys wechselte und es mit „Morning Light“ gefühlvoll, ja sogar ein wenig pathetisch wurde. Eines kann man der beteiligten MANDO-DIAO-Abordnung nun wirklich nicht vorwerfen: CALIGOLA ist alles andere als ein MANDO-DIAO-Abklatsch, wie insbesondere die Seventies-Dancefloor-Sounds von „Violettas Dance“ unterstrichen. Sehr cool auch „Sting of Battle“, für das Gustaf (mit blankem, gut durchtrainierten Oberkörper unter der offenen Kutte) und Björn beide zu Mikro und Gitarre griffen. Bei „Angel Ice“ kamen geheimnisvolle Streicher vom Band und mit ruhigen Klängen bauten CALIGOLA langsam eine gehörige Dramatik auf, die sich schließlich in der „Hapokalyse“ entlud. Kein Halten gab es beim folgenden „Forgive Forget“, mit dem die Schweden bis auf Platz 2 der deutschen Singlecharts klettern konnten und das mit seinen sphärischen Sounds alsbald für Bewegung vor der Bühne sorgte, bis die Hammer-Nummer ein ziemlich abruptes Ende nahm. So ganz war’s das aber noch nicht; CALIGOLA hatten noch „My Sister Rising“ im Köcher, das sie mit Heartbeat-Rhythmen präsentierten und wofür sie auch noch einmal die Tänzerinnen ins Rennen schickten, deren Animation sich auch auf das Auditorium übertrug. Das Album (immerhin mit #10 in den Top Ten der Charts gelandet) hat schon einigermaßen polarisiert, sollten noch irgendwelche Bedenken an CALIGOLA bestanden haben, wurden die jedoch heute unmissverständlich ausgeräumt. Hat Spaß gemacht, doch ich musste ganz schnell wieder zum Zeppelinfeld rüber, um wenigstens noch das Ende von THE OFFSPRING live zu erleben.

Setlist CALIGOLA
Intro
Down By The Riverside
?
Raise Your Head
Morning Light
Violettas Dance
Sting of Battle
Angel Ice
Hapokalypse
Forgive Forget
My Sister Rising

THE OFFSPRING

Das meiste hatte sich hier natürlich schon abgespielt, aber immerhin blieben mir noch fünf Songs und das waren mit „Want You Bad“, „(Can’t Get My) Head Around You“, „Pretty Fly (For A White Guy“, „The Kids Aren’t Alright“ und „Self Esteem“ allesamt echte Kracher der Punkrock-Legenden aus Orange County/Kalifornien. Selbst in den hinteren Reihen wurde lauthals mitgesungen und getanzt, offensichtlich hatte ich hier eine große Party verpasst, doch das ist ja das übliche Festivalschicksal bei mehreren Bühnen, die zeitgleich bespielt werden. THE OFFSPRING zählen definitiv zu den alten Recken des Punkrocks und spielen bereits seit 25 Jahren in ihrer jetzigen Besetzung, von Ermüdungserscheinungen oder Altersmilde konnte jedoch keine Rede sein. Auch zum silbernen Bandjubiläum hauten die Amis ihre Songs mit der gebotenen Rotzigkeit raus und auf der faulen Haut lagen die Herren ebenfalls nicht, denn man war nach vier Jahren Abstinenz wieder im Studio und bringt am 22.06.2012 das neunte Studioalbum „Days Go By“ raus, an dem nach eigenem Bekunden bereits seit 2009 gearbeitet wurde. Für mich gab’s heute erst mal nur bekannte und äußerst beliebte Kost, wie sich das aktuelle Material macht, werde ich noch einmal separat vermittels der Konserve überprüfen müssen. Wenn die Jungs sich allerdings einigermaßen treu geblieben sind, sollte sich dies als großes Vergnügen erweisen.

Setlist THE OFFSPRING (ohne Gewähr)
You’re Gonna Go Far, Kid
All I Want
Come Out And Play
Days Go By
Have You Ever
Staring At The Sun
Hammerhead
Genocide
Bad Habit
Walla Walla
Kristy, Are You Doing Okay?
Why Don’t You Get A Job?
Americana
Want You Bad
(Can’t Get My) Head Around You
Pretty Fly (For A White Guy)
The Kids Aren’t Alright
Self Esteem

MIA.

Die neue Platte „Tacheles“ von MIA. ist bereits im März erschienen und spurtete gleich einmal bis auf Position 3 der Charts durch. Da ich bislang noch keine Gelegenheit hatte, mir die Langrille zu Gemüte zu führen, war ich besonders gespannt auf den Auftritt der Berliner. Mal ganz davon abgesehen, dass die Fronterin Mieze Katz eigentlich immer für die eine oder andere Überraschung gut ist. Angefangen bei ihren Bühnenoutfits, die auch heuer extravagant waren und ein ums andere Mal gewechselt wurden. Selbst die drei Herren der Berliner Kapelle hatten einen besonderen, weil einheitlichen Look verpasst bekommen, aber natürlich war die blaue Oberbekleidung nichts gegen das weiße Federcoursage, das Fräulein Katz mitsamt blauem Puschelkragen, gelben Accessoires, wallendem Umhang und weißen Stiefeln zu Beginn des Konzertes trug. Musikalisch ging es mit frischer Verpflegung vom aktuellen Silberling los, die auf den Namen „Sturm“ und „Fallschirm“ hörte. Passend zum Opener ließ Mieze Katz ihre Stoffbahnen im Ventilatorenwind flattern und forderte das zahlenmäßig überschaubare Publikum bei der aktuellen Single „Fallschirm“ zum Klatschen auf. Mit viel elektronischem Drive schloss sich „Verrückt“ an, bei dem die blonde Frontfrau mit überdimensionalen Spielzeugpistolen hantierte, während sie zu den fetten Gitarren von „Kapitän“ opernhaften Gesang hören ließ. Für das erste Highlight „Hungriges Herz“ vom 2004er „Stille Post“ gab’s die ersten optischen Veränderungen, denn das gelbe Etwas um den Hals der Sängerin war einem pinkfarbenen Herz gewichen und um die Schultern hatte sie jetzt einen Flatterumhang gleicher Coleur. Musikalisch präsentierten die Hauptstädter ihren ersten großen Hit ein wenig entschleunigt, was für mich nicht unbedingt hätte sein müssen. Im Anschluss brachte Mieze alle Nachtschwärmer in „Aufruhr“ und passend zu „Sonne“ kehrte die Dame im gelb-glitzernden Overall ins Rampenlicht zurück. Auch hier blieb der Beat ein wenig ruhiger als in der Studioversion – Spaß machte die zweisprachige Nummer aber trotzdem. Wenn bei MIA. „Machtspiele“ anstehen, wird einfach ziemlich elektronisch drauf getanzt, ein stilistisches Mittel, das sich auch bei „Immer wieder“ einstellte. „La Boom“ präsentierte nicht nur einen neuen weißen Einteiler an Frau Katz, sondern auch deren akrobatisches Können, denn nachdem die gelenkige Sängerin ihren umfangreichen Schmuck abgelegt hatte, begab sie sich in schwindelerregende Höhe und turnte dort an einem Reifen herum – solche Einlagen sind seit der „Zirkus“-Tour ja keine Seltenheit bei MIA.-Konzerten und natürlich gab es für die sportliche Leistung von den Parkrockern auch einen Extra-Applaus. Für „Alles neu“ griff sie wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen schließlich zum Spielzeugsaxofon und schon nahte mit dem „Tanz der Moleküle“ vom bereits erwähnten „Zirkus“ aus 2006 das letzte Stück des Abends. Schnell noch die Band vorstellen (Andy an der Gitarre, Bob am Bass und Gunnar hinter der Schießbude) und schon war schon wieder eine Stunde wie im Flug vergangen.

Setlist MIA.
Sturm
Fallschirm
Verrückt
Kapitän
Hungriges Herz
Aufruhr
Sonne
Machtspiele (Tanz drauf)
Immer wieder
La Boom
Alles neu
Tanz der Moleküle

DIE TOTEN HOSEN

Zu diesem Zeitpunkt feierten auf der Centerstage bereits DIE TOTEN HOSEN ihr 30. Bandjubiläum und es war nicht zu übersehen, dass so ziemlich jeder, der beim Rock im Park war, gekommen war, um mitzufeiern. Das riesige Zeppelinfeld war nahezu voll besetzt und da ich erst um 21.30 Uhr dazu stoßen konnte, musste ich mit einem Platz in den hinteren Reihen vorlieb nehmen. Doch auch hier war die Stimmung hervorragend und das schöne an den Hosen-Songs ist ja, dass man fast alles problemlos und auch noch mit reichlich Promille im Blut mitsingen kann. Das galt für mich zwar nicht bei „Schade, wie kann das passieren“ vom im Mai veröffentlichten Jubel-Album „Ballast der Republik“, aber Campino gab den Nürnberger mit auf den Weg, dass die Band dieses Lied im Grunde nur für den Fall geschrieben hat, dass der 1. FCN mal drei Punkte an Fortuna Düsseldorf abgeben müsse – schließlich spielt man jetzt ja wieder in einer Liga. „Alles wird vorüber gehen“ tröstete der charismatische Fronter schon mal prophylaktisch, bevor es die HOSEN mit „Pushed Again“ ordentlich krachen ließen und von den Leinwänden das visuelle Blut tropfte, das der optischen Unterstützung der musikalischen Darbietung diente. Das Thema Fußball liegt Herrn Frege ja ganz besonders am Herzen, deshalb durften Kommentare zum Relegationsspiel seiner Fortuna gegen Hertha natürlich nicht fehlen und auch „Steh auf, wenn Du am Boden bist“ passt ob seines hohen Mitgrölfaktors bestens in jedes Stadion. „Halbstark“ hatten DIE TOTEN HOSEN nach 20 Jahren auf ihrer kürzlich beendeten Wohnzimmer-Tour wieder ins Repertoire aufgenommen und konnten sich bei diesem Lied in der Frankenmetropole der Sangeskraft Zehntausender versichern, was auch für „Alles aus Liebe“ galt. Mit „Das ist der Moment“ stand wieder ein neuer Track auf der Setlist, für den die Stage in buntes Licht getaucht wurde. Blau erstrahlte die Bühne währenddessen beim „Liebeslied“, zu dem Campino den Anwesenden versicherte, dass der Abend der beste überhaupt gewesen sei – wobei ich noch nie erlebt habe, dass der Mann, der am 22. Juni seinen 50. Geburtstag begehen kann, jemals bei einem Konzert etwas anderes behauptet hat. „Hier kommt Alex“ und „Wünsch Dir was“ waren weitere alte Vertreter der umfangreichen DTH-Diskografie, die textsicher von sämtlichen Party-Peoples intoniert werden konnte und selbst wenn „Tage wie diese“ erst ein paar Monate alt ist, reichte die Medienpräsenz (natürlich auch wieder König Fußball geschuldet) bereits, um die Lyrics fest im Kopf der Leute zu verankern. Nun ist die Nummer, die um 22.15 Uhr auch das Ende des regulären Sets markierte aber auch wirklich genau so gestrickt, wie es sich für eine eingängige Hymne gehört. Vielleicht auch in Anspielung auf die Bengalos in der Düsseldorfer Esprit-Arena wurden hier am Ende noch Rauchschwaden gezündet und explodierten Papierschnipsel- und Girlanden.

Natürlich verschwanden die Hosen nicht so mir nichts dir nichts, sondern kehrten noch zu einem 45-minütigen Zugabenblock zurück, den sie mit dem akustischen „Draußen vor der Tür“ begannen und mit einem Cover „der anderen Band“ fortsetzten. Gemeint waren selbstverständlich DIE ÄRZTE, deren Song „Westerland“ wohl während der Wohnzimmer-Rundreise jeden zweiten Abend angefragt wurde. Das Lied hatten die Herren allerdings nicht im Sinn, stattdessen wurde „Schrei nach Liebe“ mit viel Wumms und Publikumsunterstützung performt. Eine besondere Unterstützung hatte den weiten Weg aus den USA nach Bayern auf sich genommen, um beim Hosen-Geburtstag ebenfalls ein Liedchen zu schmettern. Die Rede ist von BAD-RELIGION-Sänger Greg Graffin, mit dem die Düsseldorfer seit vielen Jahren wie mit der gesamten Band freundschaftlich verbunden sind. Gemeinsam haute man die BAD-RELIGION-Nummer „Raise Your Voice“ und deren „Punkrock Song“ raus, um sich anschließend noch „Blitzkrieg Bop“ von den RAMONES vor die Brust zu nehmen. „Freunde“ zu haben ist schon eine schöne Sache und mit diesem musikalischen Statement endete der erste Zugabenblock, der mit dem krachenden „All die ganzen Jahre“ seine Fortsetzung fand. Es war Samstagabend, also durfte auch das „Wort zum Sonntag“ nicht fehlen und natürlich machte Campino auch noch einen Abstecher zum FoH, um einem Bühnentechniker eine Dose Bier zu bringen. Der kürzeste Weg von der Bühne zum Technikturm? Natürlich crowdsurfend über die Köpfe der Fans hinweg. Campino hatte im Vorfeld gewettet, dass dieses Unterfangen glücken würde und selbstverständlich trugen ihn die Leute sicher auf ihren Händen hin und auch wieder zurück, sodass die Minibar-Rechnung dieses Mal nicht zu seinen Kosten ging. Nicht nehmen ließ er sich zudem das Zünden eines bengalischen Feuers, nachdem er den Delay Tower erklommen hatte. Campino wies allerdings ausdrücklich darauf hin, dass diese Fackel genehmigt gewesen sei, was wohl kaum für die übrigen Bengalos galt, die während des Gigs immer wieder abgefackelt wurden. Die traditionellen Hosen-Sauflieder „Bis zum bitteren Ende“ und „10 kleine Jägermeister“ ließen an dieser Stelle auch nicht mehr lange auf sich warten und der geübte DTH-Konzertgänger wusste zudem, dass mit „Schönen Gruß, auf Wiedersehen“ und der GERRY-&-THE-PEACEMAKER-Adaption „You’ll Never Walk Alone“ der unvermeidliche Abschied nahte. So kam es dann auch ohne weiteren technischen Firlefanz: DIE TOTEN HOSEN sagten Tschüß und so konnte pünktlich um 23.00 Uhr auf der Centerstage der Boxen-Strom abgestellt werden.

Setlist DIE TOTEN HOSEN (bis 21.30 Uhr – ohne Gewähr)
Intro: Drei Kreuze (dass wir hier sind)
Ballast der Republik
Liebesspieler
Du lebst nur einmal (vorher)
Auswärtsspiel
Alles was war
Altes Fieber
Hang On Sloopy (THE-McCOYs-Cover)
Heute hier, morgen dort (HANNES-WADER-Cover)
Bonnie & Clyde
Paradies

Setlist DIE TOTEN HOSEN (ab 21.30 Uhr)
Schade, wie kann das passieren
Alles wird vorüber gehen
Pushed Again
Steh auf, wenn Du am Boden bist
Halbstark
Alles aus Liebe
Das ist der Moment
Liebeslied
Hier kommt Alex
Wünsch Dir was
Tage wie diese

Draußen vor der Tür
Schrei nach Liebe (DIE-ÄRZTE-Cover)
Raise Your Voice (BAD RELIGION)
Punkrock Song (BAD RELIGION)
Blitzkrieg Bop (RAMONES-Cover)
Freunde

All die ganzen Jahre
Wort zum Sonntag
Bis zum bitteren Ende
10 kleine Jägermeister
Schönen Gruß, auf Wiedersehen
You’ll Never Walk Alone (GERRY-&-THE-PEACEMAKERS-Cover)

Auf der Alterna- und Clubstage war an einen Feierabend allerdings noch lange nicht zu denken. DEICHKIND wollten open air noch mal alle Register ziehen und hatten vermutlich auch wieder eine abenteuerliche Bühnenshow in petto, während in der Eissporthalle die Schweden von GHOST in den letzten Zügen lagen, AS I LAY DYING noch Metalcore zu servieren gedachten und OPETH zu später Stunde ihren Prog Metal an den Mann bzw. die Frau bringen wollten. Für mich war aber mein Bedarf an Live-Beschallung gedenkt, ein langer dritter Tag stand schließlich noch bevor, der leider nicht so stabile Wetterverhältnisse versprach, wie sie am Freitag und Samstag glücklicherweise eingetreten waren. Wer wollte konnte die Nacht aber noch zum Tag machen und ich bin mir sicher, dass nach den Live-Gigs genau dies im Discozelt noch bis zum Morgengrauen geschehen ist.

Copyright Fotos: Rainer Ruber

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