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ROCKAREA FESTIVAL 2009

Ort: St. Goarshausen - Loreley

Datum: 20.08.2009 - 22.08.2009

Rockarea Klappe die Dritte! Nach zwei erfolgreichen Festivals im Saarland am Losheimer See, war das Festival aufgrund des Unwillens der Stadt Losheim, dieses Festival auch in der dritten Auflage zu beherbergen, gezwungen zum legendären Loreley Felsen umzuziehen. Nach anfänglichen kleineren Beschwerden darüber, dass das Festival nun nicht mehr im Saarland stattfände, musste sich letzten Endes doch jeder der atemberaubend schönen Kulisse, die sich auf der Freilichtbühne bot, geschlagen geben. Die Bühne selbst ist ein Amphitheater und bietet einen tollen Blick, egal wo man sich befindet. Dies wiederum hatte allerdings auch den Nachteil, dass Moshpits, Crowdsurfen und dergleichen effektiv verhindert wurden (dass manch eine Band dieses Problem gekonnt umging, sehen wir später). Die Campingplätze befinden sich in kurzer Laufdistanz neben dem Gelände und sind auf Grund der extremen Hanglage schon was Besonderes, der Biergarten direkt hinter der Bühne kann wohl getrost als Biergarten mit der geilsten Aussicht bezeichnet werden, selbiges gilt für den Backstagebereich, der direkt darüber lag. Preismäßig war sowohl das Festivalticket selbst, als auch die sonstige Versorgung im absolut angemessenen Rahmen, was wohl jedem am Ende der Festivalsaison mehr als entgegen kam.

Donnerstag, 20.08.2009

Nun denn, entgegen der beiden Vorjahre begann das Festival 2009 mit einem Warm Up Tag, bei dem bereits Donnerstags BELPHEGOR, HEAVEN SHALL BURN, EXCREMENTORY GRINDFUCKERS und HAMMERFALL das Festival mit einem wahren Paukenschlag einläuteten. Stilmix galore und es funktionierte. Nachdem die Mistreiter für das letzte Festival der Saison am Bahnhof aufgegabelt waren, ging es auf einer kurvenreichen Strecke hoch zum Loreleyfelsen. Hier zeigt sich leider ein kleiner Wermutstropfen dergestalt, dass Auto und Zelt nicht direkt nebeneinander aufgestellt werden konnten. Sei’s drum, Zelt und Co. ausgeladen, Auto abgestellt und kurz darauf war dann erst ein kurzer Shoppingtrip zur Sicherstellung des leiblichen Wohls in St. Goarshausen angesagt. Angesichts schweißtreibender Temperaturen von 36 Grad (nach dem Zeltaufbau fühlte sich das gleich noch eine Nummer wärmer an…) war die Klimaanlage im Auto die reinste Erholung, so das jeder nur allzu bereitwillig ins Auto sprang, um wieder ins Dorf zu kurven.

Oben angekommen und nach wiederholter Schlepperei von diversen Taschen gen Campingplatz war es dann endlich Zeit fürs erste Bierchen. So wurde dann auch der Beginn des Festivals, den der Auftritt der „Spaßtruppe“ EXCREMENTORY GRINDFUCKERS markierte, erstmal „verpasst“. Da der Campingplatz allerdings günstig lag, wurde zumindest die Beschallung sichergestellt. Ganz entging uns der Gig aber doch nicht, denn etwa gegen Mitte des Sets setzte sich der Tross in Bewegung, um die Akkreditierungsformalitäten zu erledigen. Keine Warteschlange, Bändchen schnell bekommen und ab aufs Gelände (Anmerkung Moses: Sehr freundliche Mitarbeiter, aber null ausgeschildert das Ganze, weit außerhalb gelegen und somit erst nach einigem Suchen zu finden die Backstage-Ausgabe!). Während dies in Augenschein genommen wurde, wehten Töne von „Vater Morgana“, „Staatsgrind Nr.1“ und dem „Final Grinddown“ herüber.

Weniger spaßig, dafür umso brutaler sollte es dann im Folgenden mit BELPHEGOR zur Sache gehen. Die Österreicher fackelten nicht lange und knüppelten das Amphitheater nach allen Regeln der Kunst in Grund und Boden. Die Menge vor der Bühne wuchs an und hatte, trotz der Stufen, die allzu eifriges Moshen verhinderten, sichtlich Spaß an der Knüppelorgie. Sänger Hellmuth machte seine Ansagen in Englisch, auch wenn der Anteil der nicht deutschsprechenden Festivalbesucher beim hiesigen Festival, verglichen mit anderen, vergleichsweise gering gewesen sein dürfte. Und besser verständlich als österreichische Ansagen dürfte das allemal gewesen sein. So langsam verschwand die Sonne im Rheintal und sorgte somit für die perfekte Atmosphäre. Der Himmel färbte sich rot und BELPHEGOR Fronter Hellmuth dachte wohl, dass sich diesem Umstand farblich angepasst werden müsste, was dann während „Justine Soaked In Blood“ mit einer Runde Kunstblut auch geschah. Daumen hoch, toller Gig!

Nach Grindspaß und Knüppelwahnsinn folgte nun ein sehr moderner Rundumschlag mit HEAVEN SHALL BURN. Schön zu sehen, dass das Amphitheater bereits am ersten Tag trotz dieser breiten Stilpalette durchweg einen annehmbaren Zuschauerzuspruch fand (auch wenn es nie so richtig vollgepackt war, leider). So modern diese Truppe auch zu Werke gehen mag, HSB kommen einfach gut an, ob es jetzt auf einem Festival mit insgesamt modernem Line-Up ist oder eben beim Rockarea, wo Bands unterschiedlicher Stilrichtungen am Start sind. Die Truppe startete von Beginn an wie gewohnt äußerst motiviert und trotzte anfänglichen Soundproblemen. Soundmatsch hin oder her, „Endzeit“ und Co bollerten ordentlich. Zu schade, dass die berühmt berüchtigte riesige Wall Of Death nebst fetten Circlepits leider ausblieb. Dies allerdings wurde dann zumindest in Form von Crowdsurfen etwas ausgeglichen. Schön war ebenfalls, dass die Distanz zum Publikum mit einem Bühnenvorbau, ähnlich einem Catwalk, etwas vermindert wurde. Nicht fehlen durfte natürlich auch das stampfende „Murder Of All Murderers“, welches wieder einmal seine Wirkung nicht verfehlte. Das meinerseits heiß erwartete „Black Tears“ (EDGE OF SANITY Cover) wurde glücklicherweise nicht ausgelassen, sondern zum krönenden Abschluss ins Rund geballert. Zwischendurch gab’s noch eine kurze Ansage gegen ein paar geistige Tiefflieger, die mit Shirts einschlägiger NSBM Bands unterwegs waren. Wieder mal ein einwandfreier Auftritt, bei dem HSB unter Beweis stellten, dass sie live einfach eine Macht sind.

Soweit so gut, nach ordentlich Geknüppel wurden zum Abschluss des ersten Tages ganz andere Töne angeschlagen. Die schwedische Power Metal-Fraktion von HAMMERFALL stand in den Startlöchern. Da die so gar nicht meine Kragenweite waren, zog ich es vor mir diesen Spaß seitlich der Bühne zu geben und dieses Mal nicht den Fotograben zu entern (an dieser Stelle danke an meinen Kollegen aus Israel, der mir ein paar Bilder zur Verfügung gestellt hat – und beim HF Gig eine Menge Spaß hatte). Nach einem Intro ging die pompöse Schlacht mit „Blood Bound“ los. Logisch, dass zu Power Metal und besonders einer Posertruppe wie HAMMERFALL eine Menge Pyros und Feuer gehören. Die Menge vor der Bühne ging jedenfalls steil und sang mit, wann immer dies möglich war. „Renegade“, „Riders Of The Storm“ und natürlich auch der Rausschmeißer „Hearts On Fire“ verfehlten ihre Wirkung nicht. Auch wenn mir die Schweden nicht wirklich zusagen, wenn es darum geht die Menge binnen kürzester Zeit im Griff zu haben und die Stimmung konstant oben zu halten, so sind sie wirklich 1a. Fronter Joacim gelang dies jedenfalls mit Leichtigkeit.

Je weiter der Abend fortschritt, desto angenehmer wurden glücklicherweise auch die Temperaturen. Aus anfänglichen 36 Grad, waren nun erträgliche 20-25 geworden, das perfekte Wetter, um den Abend im Biergarten bei Beschallung mit DJ Gerdi ausklingen zu lassen. Entgegen diverser Schlechtwetter-Meldungen zeigte der Wettergott scheinbar erbarmen und ließ den Regen rundherum mit ordentlich Gewitter niedergehen, verschonte aber den Loreleyfelsen.

Freitag, 21.08.2009

Hatte der Wettergott am Ende des ersten Tages noch Erbarmen gezeigt, entlud sich dann in den Morgenstunden bis zum frühen Nachmittag ein fetter Regenguss. So war denn auch keiner wirklich willens, das gemütliche Zelt pünktlich zu den ersten Bands zu verlassen. CLEANSTATE, WANDERREIGEN, GODSLAVE und HACKNEYED wurden denn nur akustisch und nicht optisch mehr oder weniger verfolgt. Ein wenig Entspannung muss beim Ausklang der Festivalsaison einfach sein. Kollegen zufolge war aber, trotz widriger Wetterbedingungen zumindest ein kleiner Teil der Zuschauer pünktlich zu oben genannten Bands angetreten und hat sich bereits für den Rest des Tages und das, was da noch folgen sollte aufgewärmt.

Zu den Klängen aus dem Zombiehauptquartier, aka CALLEJON, traten wir so langsam den Marsch gen Festivalgelände an. Dies war somit bereits der dritte Gig der Truppe binnen zweieinhalb Monaten. Auch verhinderten leider wieder einmal die Stufen und die doch noch recht überschaubare Menge allzu viel Wallung vor der Bühne. Nichtsdestotrotz stellte dies für uns ein gutes „Warm-Up“ dar. An mangelndem Engagement seitens der Band wird es jedenfalls nicht gelegen haben, dass nicht allzu viel los war!

Die letzten miesen Regenwolken hatten sich mittlerweile verzogen, es trocknete langsam ab und im Gegensatz zu den Sauna-artigen Temperaturen des Vortages war es heute somit richtig erträglich. Nun folgten die DIMPLE MINDS, die mit ihrer punkigen Attitüde auf dem Metalfestival einen ziemlich schweren Stand hatten. Allzu wilder Genremix scheint eben doch nicht immer zu funktionieren, somit blieb das Bühnenrund denn auch überschaubar „voll“. Schade drum, aber das hielt die Band nicht davon ab den Gig trotzdem mit einer Menge Spaß zu absolvieren.

Kurz vor sechs füllte sich der Platz vor der Bühne dann doch merklich, der Grund waren MAROON. So ganz warm werde ich mit dieser Band live nie werden, auch wenn ich nach wie vor nicht genau weiß, woran es denn liegt. Eins steht aber fest, die Jungs wissen, wie man die Menge zum Ausrasten bringt – ok, zugegebenermaßen, das Publikum brauchte seine Anlaufzeit. MAROON waren auch die einzige Band, die die Tücken der nervigen Steinstufen umgingen und den Circlepit kurzer Hand auf die Wiese oberhalb der Stufen verlegten. „Ihr wollt nen Circlepit? Da oben ist eine Wiese, tobt euch aus!“ Das brauchte man einigen Circlepit Junkies wohl nicht zweimal sagen, fragt sich nur, warum nicht schon früher jemand auf diese Idee gekommen ist? Sänger André wollte sich diesen Spaß ebenfalls aus der Nähe geben und sprang deswegen kurzerhand die Stufen nach oben, um nahe am Ort des Geschehens zu sein. Saubere Leistung! Die Truppe hatte die Meute definitiv aus der Reserve gelockt und somit kann dieser Gig auf alle Fälle als Sieg verbucht werden.

Genug der modernen Klänge. Als wäre der Himmel bisher nicht schwarz genug gewesen wäre, legte nun die Schwarzwurzel-Knüppelfraktion ENDSTILLE ordentlich nach und nahm die Menge im Sturm. Nach wie vor entzieht sich mir die Faszination dieser Band vollends. Im Mai waren die Nordlichter noch mit Fronter Iblis beim Summernights am Start gewesen, dieser hatte allerdings zwischenzeitlich die Band verlassen, so dass die Truppe nun mit Ersatz (Live) Fronter Mannevond, seines Zeichens Sänger von KOLDBRANN, am Start waren. Dieser passte mit seinem wilden Corpsepaint, Ketten und Poserattitüde bestens zu ENDSTILLE und so fiel der Sängerwechsel nicht großartig auf. „Dominanz“, „Bastard“ und Co jedenfalls verfehlten die Wirkung im scheinbar auf Black Metal eingestimmten Publikum nicht. Ob ich die Truppe nun mag oder nicht, auch dieser Gig kann wieder als Erfolg für die Band verbucht werden.

Nach soviel klirrender Black-Kälte, kam ein wenig Power Metal mit jeder Menge Spaß gerade richtig. SABATON hatten bereits eine Woche zuvor beim Summer Breeze einen klasse Gig hingelegt und das sollte hier mit Leichtigkeit wiederholt werden. Die Schweden zockten sich eine Runde quer durch die Diskografie und Fronter Joakim wirbelte über die Bühne und nutzte sie wirklich in ihrer Gänze aus. Runterspringen und Fankontakt suchen war natürlich Pflicht. Zwischendurch ein wenig Bandkollegen ärgern und necken war, wie immer, auch im Programm. So verfehlten dann „Cliffs Of Galipoli“, „40:1“ und „Attero Dominatus“ ihre Wirkung nicht. Im Publikum bildete sich derweil eine „Polonaise“, die mehr und mehr Fans anzog und quer über die Stufen und das Gelände marschierte. Man sieht also, bei den lustigen Schweden war für Spaß auf und vor der Bühne gesorgt. Mit Power Metal kann man, wenn er so präsentiert wird eigentlich gar nichts falsch machen. Sehr unterhaltsamer Gig!

Und da das so amüsant war, wurde anschließend während SCHANDMAUL eine Pause eingelegt. Mittelalterklänge sind nicht mein Metier und so begnügte ich mich in dem Fall damit, mir das Ganze aus einiger Entfernung im Backstagebereich anzuhören. Ein Phänomen, wie auch bei vielen anderen Truppen dieses Schlages, zeigt sich auch hier wieder. Egal wie oft sie irgendwo auftreten, die Anhängerschar wird der Gigs nicht müde und so war das Amphitheater auch hier wieder gut gefüllt. Die Musik jedenfalls passt perfekt in das Ambiente, welches sich in diesem Jahr beim Rockarea bot! Songs, die herüberwehten, und die ich, trotz nicht allzu großer Kenntnis des Liedmaterials noch verorten konnte, waren „Krieger“, Vogelfrei, „Herren der Winde“ und Walpurgisnacht“.

Gegen 23 Uhr war es dann Zeit für den Headliner des Abends. Wie auch bereits am Tag zuvor, wurde dieser Slot von Nordmännern beschritten, die am heutigen Tage aber keine fröhlichen Power Metal- Klänge anstimmten, sondern viel mehr in „Kriegsstimmung“ waren. Die Rede ist von den Vorzeigewikingern AMON AMARTH. Hatten sie bereits in der Woche zuvor beim Summer Breeze wieder einmal eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass sie eine nicht aufzuhaltende Livemacht sind, so zeigten sie dies auch hier wieder. In dieser Location kam das Ganze vielleicht noch ein wenig eindrucksvoller rüber, auch wenn die Zahl der Zuschauer im Vergleich zum SB natürlich eine Nummer kleiner war. Nichtsdestotrotz: Feuer en masse und Posen in Kombi mit Krachern à la „Runes To My Memory“, „Fate Of Norns“ oder „The Persuit Of Vikings“ verfehlten ihre Wirkung nicht. Die Schweden machten ordentlich Druck und ernteten massig Applaus, Headbangen und Mitgröhlen. Ein Wermutstropfen überkam mich aber dennoch, da die Show wirklich sehr perfekt wirkte, um nicht gar zu sagen, ich hätte das Gleiche wie beim Summer Breeze schreiben können. Wiederholung oder nicht, die Menge bekam, was sie verlangt, AMON AMARTH erwiesen sich als absolut würdiger Headliner und entließen die Menge mit einem krachenden „Death In Fire“, bei dem einem vor lauter Pyros ganz warm wurde, glücklich in die Nacht. Diese wurde wieder wahlweise bei metallischer Beschallung im Biergarten oder feiernd auf dem Campingplatz verbracht.

Samstag, 22.08.2009

Hatte ich Aftershowparty und Beschallung bis in die frühen Morgenstunden erwähnt? Diese sorgte dafür, dass das Aufstehen am letzten Festivaltag wirklich schwer fiel. So langsam machte sich eine leicht wehmütige Stimmung breit, denn dies würde nicht nur das Ende des Festivals sein, sondern gleich das Ende der ganzen Saison. Immerhin zeigte sich der Wettergott von nun an wieder von seiner freundlichen Seite und weckte uns an diesem Samstag nicht mit einem kräftigen Guss von Oben.

So gestaltete sich das Herausquälen aus dem Zelt dann auch etwas einfacher. Aber nicht nur des Wetters wegen, sondern weil am heutigen Tage auch gleich um 12:30 schon ein toller Leckerbissen auf die Meute wartete. AGNOSTIC FRONT spielten eine Kick-Off Show und die kickte, aber so richtig: Wer es geschafft hatte sich mehr oder weniger müde zum Gelände zu schleppen, bekam hier dann gleich die volle Dröhnung – danach war von Müdigkeit sicherlich keine Spur mehr! Wer danach jedenfalls noch verpennt war, hatte wirklich ein Problem. AGNOSTIC FRONT jedenfalls bewiesen mit ihrer energiegeladenen Performance, dass sie es immer noch so richtig drauf haben.

Die folgenden mehr oder weniger lokalen Bands ICON, MUTTERSCHUTZ und NOISE DRUG hätte man auch weglassen können. Dachten sich die meisten Besucher wohl auch und legten erstmal eine Pause ein. Solide Gigs zwar, aber mehr als eine handvoll Leute begeistert man damit auf einem großen Festival nicht. Stellt sich die Frage nach dem Sinn solcher völlig verzichtbaren Bookings. Besser nutzten die Mannheimer LAMERA ihre knapp bemessene Spielzeit. Kein Wunder, dass sie sich als Gewinner des Regioactive-Wettbewerbs für dieses Festival qualifizierten, wenn man sich ihr starkes Material anhört. Hart-moderner Groove-Metal mit derben Vocals, das geht gut ins Bein. Von der Combo wird man noch mehr hören, bis dahin zieht Euch die noch warme neue EP „Apex“rein!

Erst LETZTE INSTANZ konnten aber wieder etwas Fülle ins schicke Rund bringen, „Tanz“ oder „Rapunzel“ weckten auch die Lebensgeister im Auditorium lautstark. Gelungener Gig.

Dass die Frankfurter Chaoten A.O.K. nach über 20 Jahren immer noch etliche Leute unterhalten/ belustigen können, hätte bei Erscheinen des Debüts „Anal oder Kot“ im Jahre 1989 wohl niemand gedacht. Ihr Nothing-Core verfehlt aber nach wie vor nicht sein Ziel, der Mix aus musikalischer Unzulänglichkeit (mittlerweile beherrscht man seine Instrumente wenigstens!), Chaos und Klamauk zündete auch heute wieder bei einigen hundert Nasen, die sich nur zu bereitwillig an der obligatorischen Salatschlacht beteiligten und zu unkaputtbaren Grind-Attacken wie „Baguette Attack“, „Speak Hessisch or Die“ oder „Arschgeweih auf Hinterlader“ ihren derben Spaß hatten. Nackt zocken gehört ebenfalls nach wie vor zu einem zünftigen A.O.K.-Gig, auch wenn Fronter Pimmel natürlich im Alter nicht ansehnlicher wird. Wieder mal witziger Gig, kommt in einem kleinen Club aber einfach besser.

Erstaunlicherweise füllte sich das Amphitheater auch bei BRAINSTORM nur spärlich und so kam trotz starkem Material wie „Fire Walk with Me“ kaum Stimmung auf. Auch der meist recht lustig aufgelegte Fronter Andy konnte die nicht gerade vielen Nasen kaum animieren, die Performance der Band war bestenfalls Standard, was bei den Jungs eher selten ist. Schlechten Tag erwischt wohl. So konnte man nichts reißen und der Gig plätscherte dem Ende entgegen.

Gaaaanz anders dagegen die folgenden alten England-Thrasher ONSLAUGHT! Erstaunlicherweise wurde es plötzlich richtig voll auf dem Gelände und die Jungs wurden von Beginn an abgefeiert, das sie aus dem Grinsen gar nicht mehr rauskamen. Glasklarer und dennoch enorm druckvoller Sound, ein agiles Stageacting, von dem alle anderen Bands des Festivals (ausgenommen BOLT THROWER) nur träumen können und eine Setlist, die dem oldschool-Thrasher noch heute die Gänsehaut hochfahren lässt! Die ersten beiden Alben von 1985 („Power from Hell“) und 1986 („The Force“) gehören zum Kultigsten und Besten, was die europäische Szene zu bieten hat, das 1989er-Hammerwerk „In Search of Sanity“ sollte trotz melodischerer Ausrichtung und neuem Sänger nicht vergessen werden und das 2007er-Comeback „Killing Peace“ schließt nahtlos an die geile Frühphase an. So kloppte man sich voller Inbrunst durch Unkaputtbares wie „Metal Forces“, „Fight with the Beast“, „Power from Hell“ oder „Demoniac“ und garnierte dies mit ebenso killenden Granaten vom aktuellen Album, u.a.“Killing Peace“ und „Destroyer of Worlds“. Das volle Rund gab alles und da ELUVEITIE „leider“ im Stau standen, bekam man ungeplant noch etwas mehr auf die Ohren. Völliger Abräumergig, den man getrost auf DVD rausbringen könnte! Da wird man später mit den alten Freunden von BOLT THROWER noch das eine oder andere Glas geleert haben.

Da ELUVEITIE es nicht rechtzeitig zum Gelände schafften, wurde angesagt, dass auch KREATOR und BOLT THROWER ein etwas längeres Set zocken sollten, was vom vollen Auditorium mit lautstarkem Jubel quittiert wurde. ELUVEITIE traten später aber immerhin noch selber auf die Bühne, um sich zu entschuldigen und hielten noch eine Autogrammstunde ab. War trotzdem nicht sooo schlimm, dass sie nicht gespielt haben… was wohl einige Besucher auch so sahen.

Somit galt es dann erneut Mille und seine Mannschaft anzusehen, das dritte oder vierte Mal allein in diesem Jahr. Es wurde brechend voll auf dem Gelände, endlich! Ich erwartete eigentlich das Gleiche wie immer, und zum Großteil trat das auch ein. Milles Ansagen sind seit Jahren gleich, ebenso die Setlist, die auf jeder neuen Tour einfach mit ein paar neuen Tracks garniert wird, um ein paar der letzten Scheibe zu ersetzen. Das wird mir mittlerweile alles zu vorhersehbar und kalkuliert. Dagegen steht natürlich das nach wie vor unantastbare Songmaterial, das einfach die Speerspitze im Thrash-Bereich ist und bleibt! Da macht auch das aktuelle Werk „Hordes of Chaos“ keine Ausnahme. Es begann wie erwartet mit dem Titeltrack eben jenes Werkes, überraschenderweise folgte dann aber nicht der zweite Track der Scheibe, sondern das unsägliche „Phobia“, welches wohl leider bis in alle Ewigkeiten in der Setlist bleibt. An den Reaktionen des Publikums gemessen auch zu Recht, die feiern dieses durchschnittliche Stück nach wie vor ab. Gegen Urgewalten wie „Terrible Certainty“ oder „Pleasue to Kill“ verpufft das Teil allerdings vollkommen. Die immer wieder ganz eigene und großartige Lightshow kam heute an diesem Ort ganz besonders gut. Nach doch recht kurzer Spielzeit und nur 11 Songs beendete man mit „Coma of Souls“ den Gig doch überraschend früh, zumal ja eine längere Spielzeit angekündigt war. Länger waren wohl nur die Umbaupausen… schade. Die ineinandergebauten „Flag of Hate“ und „Tormentor“ wurden wieder nicht komplett gezockt, holten aber trotzdem das Letzte aus der Crowd heraus. KREATOR? Einfach immer geil, aber der Routine-Schlendrian hat Einzug gehalten und die Setlist bedarf umgehend einer Frischzellenkur.

Und dann kam DIE Urgewalt schlechthin: BOLT THROWER! Da braucht man eigentlich keine Worte mehr zu verlieren, diese Band ist und bleibt in jeder Hinsicht einzigartig! Man überließ auf der Bandhomepage den Fans die Wahl, auf welchem Festival man seinen einzigen Festland-Gig im Jahre 2009 bestreiten sollte. Welche Band dieser Größenordnung macht das sonst? Oder tritt ihr ganzes Album in die Tonne, weil es dem eigenen Anspruch nicht genügt? Oder zahlt den Fans auf Wunsch ihr komplettes Eintrittsgeld zurück, weil der Laden zu klein ist (geschehen in Bremen seinerzeit)? Oder stellt sich höchstselbst an den Merchstand zum Verticken der spottengünstigen Artikel? Eben: Keine! Weshalb ihr eigens aufgebauter Stand auch mal wieder vollkommen überlagert und etliche Artikel im nu ausverkauft waren. Mehr Loyalität wie bei den obersympathischen Briten geht nicht. Mehr Panzer auch nicht, denn die von den schwedischen Blackies MARDUK einst beschworene Panzer Division wird bei BOLT THROWER auch musikalisch umgesetzt. Auch vor dieser einmaligen Kulisse räumte man mal wieder nach allen Regeln der Kunst ab, was man als Band abräumen kann und hinterließ nichts als Ruinen und verbrannte Erde. Und genau das war auch der Grund, nach etlichen Festivals noch mal locker über 800 km in der Gegend rumzufahren! Und wieder einmal wurde der Rezensent mit den 5.000 (oder so) weiteren Besuchern förmlich weggepustet. Die Herren plus Dame könnten auch 3 Stunden spielen und hätten noch immer nicht alle Killersongs aus dem eigenen Backkatalog untergebracht. So musste denn heute auch etwas über eine Stunde ausreichen für die völlige Zerstörung. „IVth Crusade“und „Forever Fallen“ ließen alle Anwesenden direkt von null auf hundert steil gehen, von direkt vor der Bühne bis auf den obersten Grasrang wurde mitgebangt/ -grölt/ -feiert wie man es nun mal nur bei BOLT THROWER erlebt! „Mercenary“, „At First Light“, „Entrenched“, „Powder Burns“ oder „Killchain“ verlangten nicht nur dem Rezensenten und Kumpel Kai mal wieder alles ab, einen bierseligen Karl Willets können wir uns auch 10mal im Jahr reinziehen. Bei „World Eater“ und „Cenotaph“ mussten schon Reserven ausgepackt werden, „No Guts no Glory“ blies alles und jeden um und bei der Frühgranate „The Shreds of Sanity“ vom „War Master“-Werk gab’s absolut kein Halten mehr. Ohne Rücksicht auf Verluste wurden die alten Knochen ausgequetscht, der Nacken bis aufs äußerste strapaziert, die Stimmbänder einer Belastungsprobe unterzogen. Im Zugabenblock ging eigentlich schon gar nichts mehr, aber einer meiner absoluten Favoriten „…for Victory“ ließ sämtliche Schmerzen sofort vergessen, zumal mit der Uraltklamotte „In Battle there is no Law“ von selbigem 88er-Debut der nächste Überflieger folgte. Das abschließende „When Cannons Fade“ hätte nicht treffender sein können. Mit Standing Ovations wurden lautstark Zugaben gefordert, was aber leider wegen behördlicher Auflagen nicht gewährt werden konnte, auch wenn alle wollten. Mit Abstand Gig des Jahres mal wieder, wir sehen uns hoffentlich im nächsten Jahr wieder!

Fazit Moses-seits: Geilste Location in Deutschland! Preise für Essen und Getränke eindeutig zu hoch (wofür die Veranstalter aber wohl nichts können!), Bandauswahl insgesamt zu mau, was sich ja auch in dem teils lahmen Zuschauerzuspruch widerspiegelte. Da müssen im nächsten Jahr, wenn’s an gleicher Stelle stattfinden soll, unbedingt mehr Hochkaräter her, auch im Frühprogramm. Besser den Donnerstag weglassen und die Bands auf Fr/ Sa verteilen. Ansonsten ein tolles Festival, das man auch im nächsten Jahr unterstützen sollte!

Copyright Fotos: Cornelia Wickel

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