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ROCKAREA FESTIVAL 2010 – TAG 1/ 2

Ort: St. Goarshausen - Loreley

Datum: 29.07.2010 - 30.07.2010

Das Rockarea, das Festival mit dem schönsten (Backstage)Ausblick überhaupt, hoch oben auf der Loreley mit Blick über das Rheintal, ging in die vierte Runde und in die zweite auf dem jetzigen Veranstaltungsgelände. Wie schon im letzten Jahr bot das Amphitheater auf allen Plätzen eine perfekte Sicht auf die Bühne und beinah durchgehend guten Sound. Selbst das Wetter spielte nach anfänglichen Anlaufschwierigkeiten mit, die Bands waren in bester Spiellaune und so konnte einem tollen Festival (fast) nichts im Wege stehen. Mit Neuerungen konnte die diesjährige Auflage ebenfalls aufwarten: So war der Campingplatz verlegt und direkt am Eingang zum Festivalareal eine zweite kleine Bühne errichtet worden, eine neue Security Mannschaft hatte ein wachsames Auge über das Festival(geschehen) und leider war auch der schöne „Backstage“-Biergarten verschwunden, in dem abends, nachdem die letzten Bands gespielt hatten, noch mit DJ richtig schön gefeiert werden konnte.

Donnerstag, 29.07

Der Plan, erst am Donnerstag anzureisen, sollte sich wirklich als goldrichtige Entscheidung erweisen, tobte sich der Wettergott am Vortag doch einmal so richtig aus und schüttete an Nass vom Himmel, was gerade greifbar war. Gleich so, als wolle er auch den Anreisenden am Donnerstag etwas davon abgeben – schließlich soll ja keiner benachteiligt werden – schüttete es, sobald wir aus dem Auto ausgestiegen waren, wie aus Kübeln. Als würde der Regen per Schalter an- und abgestellt, war nach knapp einer halben Stunde der Spuk dann allerdings genauso schnell, wie er begonnen hatte, wieder vorbei. Schnell die Campingbändchen geholt und mit Erleichterung festgestellt, dass der Campingplatz bereits voll war. „Erleichterung?!“ mag da manch einer fragen? Ja, denn dieser befand sich auf einem Hang… Was auch immer dazu geführt hatte, dass dieser nun dort ansässig war und nicht mehr angenehm im Flachen, wenn auch auf der anderen Straßenseite, es war alles andere als toll! Gut zu hören, dass sich hinter einer Baumreihe ein weiterer Campingplatz befinden würde – flach! Schnell also die Zelte gekrallt und nichts wie hin, schließlich sollte das Zelt vor dem eventuell nächsten Regenschauer stehen. Von eben Jenem sollte das Festival dann aber bis zum Ende verschont bleiben, ab da war Sonnenschein und Brutzeln angesagt. Nun aber noch einmal kurz zurück zur Campingsituation, Einige nahmen das Campen am Hang mit Humor „Wenn du besoffen bist, merkst du’s eh nicht mehr!“, allerdings mag bezweifelt werden, dass das alle so locker sehen konnten. Die Anzahl der Dixis hätte auch gerne aufgestockt werden können, war aber, im Vergleich zu manch anderem Festival noch annehmbar. Spätestens am zweiten Tag, fragten wir uns, warum wir uns für 15€ Campingbändchen gekauft hatten? Das gleiche Spiel wie im letzten Jahr, Niemand kontrollierte Bändchen oder gar Parkerlaubnis (bei der Einfahrt wurde lediglich gefragt „Campt ihr oder parkt ihr nur für einen Tag?“ – Bei einem Tag parken, hätte man für 5 € ein Parkticket aufs Auge gedrückt bekommen, beim Campen war das Parken enthalten… Da aber Niemand das wirklich zu kontrollieren schien, war das Ganze schon etwas seltsam.). Auf dem Hang-Campingplatz hingegen war Security und somit auch Kontrolle.

Nun gut, soviel zum Geschehen Drumherum, mittlerweile war es kurz nach 19 Uhr und die EXCREMENTORY GRINDFUCKERS, die mittlerweile wohl zum Festivalinventar gehören, hatten gewissermaßen den Soundtrack zum Zeltaufbau geliefert.

Kurz vor AXXIS wurde der Weg zur Bühne angetreten, um so langsam in Festivalstimmung zu kommen. Nach der Grindcore-Spaß-Attacke folgt nun also ein wesentlich melodischerer Power Metal Angriff. Der Fronter sprang vom ersten Ton an agil und energiegeladen über die Bühne und gab sich wirklich alle Mühe, um die Anwesenden nach und nach mitzureißen und aufzuwärmen. Manchmal waren die Ansagen ein wenig zu langatmig, trotz allem aber witzig und unterhaltsam. Kurz vor Schluss holt sich der Sänger noch weibliche Unterstützung aus dem Publikum und überlässt dieser das Anfeuern und die Mitsingspielchen. Funktionierte bestens und so kann der Einstieg ins Festival getrost als gelungen bezeichnet werden. Power Metal mag nicht Jedermanns Sache sein, der Auftritt aber war sympathisch und so für jeden erträglich.

JBO wären als nächste dran gewesen, da Meiner einer aber weniger für Spaßtruppen solchen Schlages zu haben ist, bzw. der Spaß sich nach einigen Songs eher „nervig“ wird, beschlossen wir, uns das Gelände ein wenig näher anzusehen. Songfetzen, die der Wind herüber wehte, ließen „What Shall We Do With A Drunken Sailor“ oder auch „Ein bisschen Frieden“ erkennen. Lustige Sache, den Fans gefällt’s, wie man es am lauten Mitsingen erkennen konnte, was will man also mehr?

Wenig später, gegen 22:45 Uhr war es dann auch schon Zeit für den Headliner des Warm-Up Tages. DORO stand in den Startlöchern und die Powerfrau startete den Abend mit „Burning The Witches“. Der ebenfalls auf dem Festival auftretende BLAZE BAYLEY (ex-Sänger IRON MAIDEN) stattete DORO ebenfalls einen Besuch auf der Bühne ab und unterstützte sie bei einem Song. Wie schön, dass die Fronterin DIO huldigte, ihn als „fette Inspiration“ bezeichnete und nicht, wie tonnenweise Leute vor ihr, „Holy Diver“ zum Besten gab. Nichts gegen das Lied an sich, aber hey, dieser Mann hat massig andere Stücke auf Lager gehabt, warum also nicht auch mal ein anderes Stück singen? Genau das war denn auch der Fall – „Egypt“ war ausgewählt worden und auch das kam gut an. „I Rule The Ruins“ und „All We Are“ durften natürlich ebenfalls nicht fehlen, Letzteres wurde von lautstarkem Gesang der Fans begleitet. Mit „Für Immer“ war eine Ballade am Start, und „Breaking The Law“ reihte sich in die Riege der Coversongs ein. Nichts zu meckern also. Weder bei diesem Auftritt, noch beim ersten Festivaltag an sich, der hier einen recht ruhigen Ausklang verpasst bekam.

Wer noch feiern wollte, der konnte das dann mit DJ auf der kleineren Bühne tun.
Ansonsten war nun eine Mütze voll Schlaf keine schlechte Idee, schließlich war das ja „nur“ der Warm-Up-Tag.

Freitag, 30.07.

Tag zwei begann dann recht gediegen. Pünktlich um 12:30 Uhr ging es ab aufs Gelände, um sich anzuhören, was eine junge Truppe namens RESISTANCE OF YIELD so fabrizieren würde. Die Überraschung war gar nicht mal so schlecht, denn was da zu so früher Stunde auf die noch recht überschaubare Menge losgelassen wurde, entpuppte sich als ordentliche Todesbleiattacke. Die Saarländer mühten sich redlich, um das Publikum aufzuwecken und spätestens beim KATAKLYSM Cover von „As I Slither“, ließen sich doch ein paar mehr in die Luft gereckte Pommesgabeln ausmachen. Gar nicht mal so schlecht für einen Start.

INGRIMM folgten und servierten eine bunte Mixtur mit mittelalterlichem Einschlag, was nicht so ganz meine Kragenweite war. Das Amphitheater aber füllte sich so langsam ein wenig mehr. Ich für meinen Teil machte mich erst einmal auf die Suche nach einer großen Portion Koffein und kundschaftete die Essensstände aus, die in diesem Jahr sehr dünn gesät waren. Was war da passiert? Die Preise waren teils auch ein wenig arg und so bleibt in dieser Hinsicht nur zu hoffen, dass sich das im nächsten Jahr noch mal ändert. Als Alternative bot sich da im Übrigen noch das Loreley Besucherzentrum wenige Meter vom normalen Einlass entfernt, wo es Schnitzel und Co für Festival-akzeptable Preise gab. Ansonsten blieb einem nur der Gang zum Campingplatz mit Selbstkochen/ Grillen, oder aber der Gang zum Auto und die Fahrt nach unten ins Dorf (St. Goarshausen).

Letzteres ist im Übrigen ein gutes Stichwort, denn aufgrund so einer Aktion entgingen GAMA BOMB und der halbe Gig von BENEDICTION meiner Aufmerksamkeit. Zumindest reichte das, was ich von BENEDICTION mitbekam aber noch dafür, um sagen zu können, dass die Death Metaller einen verdammt tighten Gig hinlegten, der sich gewaschen hatte. Schade wieder mal, dass das Rund nur mäßig gefüllt war. Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, als wären die Zuschauer bei diesem Festival wirklich verdammt konzertfaul… wie sonst ließe sich erklären, dass beinah nur beim Headliner die Ränge mal ordentlich gefüllt sind? An mangelnder guter Besetzung des Nachmittags kann es in diesem Jahr nicht gelegen haben.

Nun denn, die nun folgende Truppe aus Schweden änderte an diesem Zustand dann doch etwas. DARK TRANQUILLITY enterten die Bühne und die Besucher offenbar das Festivalgelände, denn nun füllte es sich doch merklich. Gut, das Publikum war also da, fehlte nur noch die Stimmung, die sich, wie schon so oft, erst zögerlich einstellte. An den Schweden jedenfalls hat es nicht gelegen, denn Mikael und Co legten sich wie gewohnt von der ersten Sekunde an ins Zeug. Der Fronter genoss den „Laufsteg“, der es ihm ermöglichte, näher an die Fans heranzukommen und flitzte, was das Zeug hielt, quer über die Bühne plus Anbau. „The Wonders At Your Feet“ war eines der älteren Stücke, die neben neuen Sachen vom aktuellen Album „We Are the Void“ dargeboten wurden. Langsam aber merklich kam die Meute in Schwung, denn mal ehrlich, wer bei Dauergrinser/ Energiebündel Mikael nicht auch einen Funken guter Laune abbekommt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Ein toller Gig, der sich leider viel zu schnell dem Ende zuneigte.

ENSIFERUM waren als nächste an der Reihe, sehr schade, dass diese nach DT spielten. Denn das Energielevel, was die Schweden aufgebaut hatten, konnte die Finnen nicht so ganz halten. Sie legten sich dennoch ordentlich ins Zeug, und verglichen mit zwei anderen, beinah lustlos wirkenden Gigs, wirkte das Ganze hier Dargebotene doch ziemlich erfrischend. Scheinbar sahen das einige andere auch so und der Platz vor der Bühne füllte sich nach und nach wieder.

Trotz allem, es musste Essen her. Schnell also mal zum Besucherzentrum und Schnitzel-testen. Frisch gestärkt waren wir nun also bereit für NAPALM DEATH auf der Hauptbühne und GODSLAVE, die kurzerhand zwei Tage vor dem Festival für eine ausgefallene Formation verpflichtet worden waren, auf der kleinen. Ein bisschen von beidem sollte es sein. Also erst mal rüber zur kleinen Bühne, eine Portion Thrash abholen. Die Jungs legten sich gewohnt ins Zeug und nach anfänglicher Scheu seitens des Publikums, welche sich durch einen meilenweiten Abstand von der Bühne bemerkbar machte, ließ man sich doch schnell zum Nähertreten „überreden“. Gut so, denn weiter vorne machte der Gig doch gleich viel mehr Spaß.

Auf der Hauptbühne zappelte unterdessen der NAPALM DEATH Fronter wie ein Wahnsinniger über die Bühne – jedes Mal ein Riesen Spaß für die Fotografen – und zog das übliche Programm durch. Langweilig für die anderen, jedes Mal wieder toll für die anderen. Zumindest eines muss man dem Quartett aus Birmingham lassen, dummes Gelaber gibt es nicht, die Ansagen haben durchweg Hand und Fuß, nur das Liedmaterial wird für den nicht Grindcore-affinen Teil des Publikums nach einer Weile schnell langweilig. Ansonsten kann man auch diesen Auftritt in die Reihe starker Gigs auf dem Rockarea stellen.

Noch mehr Thrash gefällig? Aber bitte sehr, SODOM standen nämlich in den Startlöchern und schlugen den Metalheads gleich eine Portion Hits um die Ohren. „The Saw Is The Law“ eröffnete passend zum riesigen Backdrop den bunten Thrashreigen und dem Publikum gefiel es. Logisch, dass auch ein Song wie „Der Wachturm“, den man getrost als Gassenhauer bezeichnen kann, nicht fehlen durfte. Noch ein wenig mehr Spaß und Mitsingen gefällig, das dürfte spätestens bei „Aber Bitte Mit Sahne“ der Fall gewesen sein. Eben jene Liedzeile wurde immer hingebungsvoll in einer solchen Lautstärke gesungen, dass es sicherlich auch noch außerhalb der Bühne zu vernehmen war. Somit war die Menge nun also endgültig auf Betriebstemperatur und dem nächsten Act, der wieder mal aus Finnland kam, konnte nichts mehr im Wege stehen.

Der Headliner war wirklich von allen heiß erwartet, denn so voll hatte man das Amphitheater im Jahr zuvor bei keiner Bands gesehen, nicht einmal während des BOLT THROWER-Gigs möchte ich beinah schon sagen. APOCALYPTICA spielten nämlich hier ihren einzigen Festivalauftritt 2010 in Deutschland. Logisch, dass da eine Menge Fans nur für den heutigen Tag und nur der Finnen wegen angereist waren. Meiner einer wartete im Prinzip mindestens so gespannt, wie diejenigen, die Apo noch nie live gesehen hatten. Für mich war es der erste Gig nach knapp vier Jahren und über 10 gesehenen Auftritten und verdammt, es lohnt sich nach wie vor. Wer bis dato gedacht hat, dass die Jungs nach wie vor eine reine METALLICA Coverband seien, hat die letzten Jahre wirklich ordentlich gepennt. Denn mittlerweile haben sie genügend eigene Stücke in petto und präsentierten einige Songs vom neuen Album mit Gastsänger Tipe Johnson von den LENINGRAD COWBOYS. Mittlerweile sind sie wirklich in die Rolle von Rockstars hineingewachsen und reißen das Publikum ziemlich schnell mit. „Refuse/ Resist“(SEPULTURA) verfehlte seine Wirkung wie gewohnt nicht und die METALLICA Cover wurden mit eifrigem Mitsingen des Publikums belohnt. Streckenweise hätte man sicherlich die eine oder andere Kinnlade auf den Boden krachen hören, wenn wieder einmal die Celli aufs fieseste in schnellen Parts „malträtiert“ wurden oder auch einfach ein Cello gar nicht mehr so krass nach sich selbst klang. Immer wieder toll, altbekannte Stücke auf einem solchen Instrument zu hören, denn die bekommen so immer einen ganz anderen Anstrich! Und wer sagt denn, dass Klassik langweilig ist, spätestens bei „Hall Of The Mountain King“ wird ganz klar unter Beweis gestellt, dass Edvard Grieg ganz schön Metaltaugliches Material geschrieben hat. „Lifeburns“ und „Bittersweet“ hielten die Menge bis zur letzten Sekunde bei der Stange und hinterließen ein zufriedenes, immer noch nach Zugabe schreiendes Publikum. Wer das verpasst hat, sollte APOCALYPTICA live unbedingt bei der nächsten Tour nachholen!

Copyright Fotos: Cornelia Wickel

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