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ROCKO SCHAMONI

Ort: Osnabrück – Lagerhalle

Datum: 21.09.2016

Der Täter kehrt ja bekanntlich gern an den Tatort zurück, weshalb es unbedingt Sinn machte, dass ROCKO SCHAMONI nach knapp drei Jahren mal wieder in der Osnabrücker Lagerhalle Station machte. „Songs & Stories“ standen auf dem Programm und für die musikalischen Sektionen versicherte sich der Entertainer, Musiker, Autor, Schauspieler und Clubbetreiber vor Ort der schlagkräftigen Unterstützung seiner Ein-Mann-Kapelle Tex Matthias Strzoda, der übrigens neben den Kollegen Heinz Strunk und Jacques Palminger und natürlich ROCKO SCHAMONI das vierte Gründungsmitglied von STUDIO BRAUN war.

Bevor der Mann jedoch die Bühne enterte, begrüßte King Rocko die „Osnis“ und ließ sie an seinen Beobachtungen zum Thema „Dummheit“ teilhaben. Da wurde die Evolution im Schnelldurchlauf behandelt und festgestellt, dass das Endergebnis auf den Namen Kevin Braasch hört, seine Zeit mit Computerspielen verdaddelt und bevorzugt seine Nahrung bei Burger King erlegt. Ansonsten gibt es die verschiedensten Facetten der Dummheit, wobei Zahlen-Dummheit tolerierbar, empathische Dummheit aber eine Katastrophe ist. Womit wir auch schon beim nicht zu unterschätzenden Problem unmodisch gekleideter Wichsvorlagen angekommen waren. Schnell wurde noch abgefragt, wie sehr das Auditorium selbige in Ehren hält, ehe der erste Musik-Block mit Tex’ Beistand starten konnte. Neben eigenen Klassikern (Mauern“, „Hier kommt die Nacht“), hatten die Herrschaften auch Songs mitgebracht, die vom Album „Die Vergessenen“ stammten. Den Silberling hat Herr Schamoni gemeinsam mit dem Orchester Mirage eingespielt und wie der Titel bereits andeutet, handelt es sich überwiegend um Coverversionen von Liedern, die in Vergessenheit geraten sind, die das jedoch nach Meinung des Kings nicht verdient haben. Und in der Tat war der LASSIE-SINGERS-Track „Ist das wieder so ’ne Phase?“ ebenso hörenswert wie „Was kostet die Welt“ von FSK. An dieser Stelle wurde dann auch das Orchester zugeschaltet, das leider nicht nach Osnabrück einreisen durfte, weil es komplett aus Poppern besteht und deshalb in Bielefeld Quartier bezogen hatte. Das war natürlich totaler Quatsch und in Wahrheit kam dieser Teil der Musik von der Tablet-Playlist, aber es sind ja gerade die abstrusen Gedankengänge und sinnfreien Geschichten, die den besonderen Reiz eines Stelldicheins mit ROCKO SCHAMONI ausmachen.

Dazu passte dann auch ganz hervorragend der vorgetragene Auszug aus dem Erstlingswerk „Risiko des Ruhms“. Was für ein schräger Mumpitz! Der angeblich nur als Lektorentest erdachte Unsinn sorgte für ausgelassene Stimmung in dem nicht ganz gefüllten Saal der Lagerhalle und animierte das Auditorium immer wieder zu Zwischenrufen, die von Rocko mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen wurden. Und weiter ging’s mit Musik: Sexy Grooves mit „Der schwere Duft von Anarchie“ und „Muster“ als sog. „Reggae-Depression“. Nicht fehlen durfte auch der TLC-Klassiker „Waterfalls“, der natürlich seine ganz eigene Darreichungsform und vor allem einen neuen Text erhalten hatte. Die sonst als so stur geltenden Osnabrücker ließen sich sogar zu einem ausführlichen Chorgesang hinreißen! Im Folgenden hatte Tex seinen großen Auftritt. Mit „Tasse Kaffee“ landete Strzoda nach 20 Jahren einen kleinen Hit auf Radioeins Berlin-Brandenburg und konnte mit der Nummer und seinen Dance-Moves auch an der Hase punktete. „Leben heißt sterben lernen“ sorgte schließlich nach knapp zwei Stunden Spielzeit für einen ruhigen Abschluss eines vergnüglichen Abends.

Mit schien, dass ROCKO SCHAMONI an diesem Mittwoch etwas weniger ausgelassen war als bei anderen Gelegenheiten. Nun hatte seinen Lese-Reigen auch mit einer Tasse Kamillentee im Anschlag begonnen (okay, irgendwann wurde das Getränk auch mit Zigarettenasche „veredelt“) und auch das glutenfreie Reisbier war wohl nicht der Bringer, aber dafür konnte ja immerhin der Weißwein überzeugen und vielleicht brauchte Schamoni auch im Gegensatz zu früheren Gelegenheiten keine Informationen mehr zum angesagten place to be für die Aftershow-Party, weil er sich inzwischen bestens in der Stadt des Westfälischen Friedens auskennt.

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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