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ROCKPERRY 2009 – TAG 2

Ort: Vaasa - Vaskilouto

Datum: 18.07.2009

Der zweite Tag wurde meinerseits mit den Progrockern VON HERTZEN BROTHERS eingeleitet. Schwere Kost gleich am Nachmittag ist natürlich nicht ideal, auch schienen viele Fans noch ein Sonnenbad vor dem Festival zu nehmen, jedenfalls war die Menge erschreckend klein. Dabei konnten die drei Brüder an den Gitarren/ Bass sowie ihr Keyboarder und Drummer vollends überzeugen, mit viel Charme und einem absolut ungekünstelten Lächeln riss vor allem ihr Sänger die Anwesenden mit. Von rockig-fetzig bis emotionsgeladen ruhig präsentierte die Truppe hier die gesamte Bandbreite ihres Könnens, Höhepunkt war dabei eindeutig die Ballade „I Came For You“. Hinreißend wundervoller Gig.

Da sich nach dem reinsten Bandmarathon des Vortags nun endlich mal die Gelegenheit ergab, dass Festivalgelände, die Stände und die üblichen Sumoringer-Spiele zu erkunden, fand ich mich erst zu LORDI wieder vor der Bühne ein. Seit der Eurovision läuft es zumindest in der Rock/ Metalszene für die Monsterrocker noch immer prächtig und hier in Vaasa hatte sich jung und alt, Rocker und Ottonormalverbraucher versammelt, um dem Szenario der Rovaniemier zu folgen. Szenario war hier auch wirklich das einzig passende Wort, dann überall funkte und knallte es, mal wurde ein Totentanz oder eine Enthauptungsszene inszeniert, mal kam Lordi im Schlachteroutfit mit vermeintlichen menschlichen Überresten im Eimer auf die Bühne, mal sprühten alle Gitarren zeitgleich Funken und mal sprühte der Monsterchef einfach weißen Rauch in die Menge. Doch bei dem ganzen Spektakel trat die Musik doch merklich weit in den Hintergrund, zu weit für den Geschmack einiger, so dass doch ein fader Beigeschmack blieb.

Manche Truppen sind so albern, da kommt die Komik selbst rüber, wenn man die Sprache nur bruchstückhaft versteht. Mit Banjo und Akkordeon bewaffnet gaben M.A. Numminen (der finnische Helge Schneider) und Pedro Hietanen ihre kabarettistischen Stücke zum Besten, die sowohl mit finnischen als auch schwedischen Texten versehen waren, sogar auf deutsch wurde hier gesungen und zwar der alte Schlager „Ich hab das Fräulein baden sehen“, der mir vorher nicht mal bekannt war. So lernt man noch in Finnland was über die eigene Kultur! Absolut köstlich.

Obwohl die Bühne eine Stunde zum Soundcheck frei gewesen war, überzog TARJAs Band trotzdem noch mal glatte 10 Minuten, bis dann endlich der Startschuss fiel. Obwohl die ehemalige NIGHTWISH-Sängerin als Diva verschrien ist und ich dementsprechend lieber keine Erwartungen hatte, wurden dies absolut nicht bestätigt, ganz im Gegenteil, Miss Turunen kam bestgelaunt und natürlicher denn je rüber, immer mit einen riesigen Lächeln auf den Lippen und mit herrlicher Selbstironie den Fans entgegenstreckter Pommesgabel. Auch stimmlich war die lyrische Sopranistin in bester Form, wobei sie ja dafür bekannt ist, ihren Stücken, die natürlich hauptsächlich von ihrem Soloalbum „My Winter Storm“ stammten, live etwas Variation aufzudrücken. Doch obwohl es Liedern wie „My Phoenix“ oder „Minor Heaven“ nicht an Klasse fehlt, fuhren die alten NIGHTWISH Songs wie „She Is My Sin“, „The Kinslayer“, „Nemo“ und „Over The Hills and Far Away“ doch einfach den größten Applaus ein, mit denen sie eindrucksvoll bewies, dass sie die einzige Sängerin ist mit der Rechtfertigung, diese Stücke singen zu dürfen! Als Quasi-Coheadliner des Tages hatte auch TARJA ein paar Pyros dabei, die „Ciaran’s Well“ oder „Lost Northern Star“ dezent unterstrichen. Absolut grandiose Meisterleistung!

Den sinkenden Temperaturen schien ISMO ALLANKA TEHOLLA mit karibischem Flair entgegenzuwirken zu wollen. Einzig mit Akustikgitarre und riesigen Percussions ausgerüstet gaben er und sein Mitmusiker auf sehr originelle und eigenständige Weise Reggae, sommerlichleichten Folk, aber auch träumerische Akustikwelten zum Besten, die mitunter auch am Keyboard begleitet wurden. Wer sich hier nicht plötzlich in eine andere Welt hingezogen fühlte, sollte seinen musikalischen Horizont erweitern.

Das Ende des Festivals sollten wieder einmal Landesnachbarn, diesmal aus Norwegen beschließen, doch kannten die Herren von TURBONEGRO wohl den finnischen Joke, dass alle Schweden schwul seien, womit sie sich denn auch gleich als Schweden ausgaben; schwedisch zu reden trauten sie sich im Vergleich zu BACKYARD BABIES aber dann doch nicht. In Seemannsverkleidung, NS-Uniform, schlichter Jeans und natürlich „bauchfrei“ (aber leider nicht bauchlos) gekleidet, pfefferten die Pseudo-Schwulen ihren Stadionrock auf die Menge los, doch so amüsant die Norweger auch sein mögen, um 1 Uhr nachts waren wieder einmal nicht die größten Stimmungsrekorde zu erzielen. So entschloss auch ich mich, den einstündigen Fußmarsch nach Hause im schönsten Sonnenuntergang (oder war es schon wieder der Sonnenaufgang?) entlang der Meeresküste heute vorzeitig anzutreten., so ein Festival ohne Camping oder genügend Sitzmöglichkeiten schlaucht dann doch.

Fazit: Ein kleines, charmantes Festival, das sich bestens lohnt, wenn man Urlaub mit einen Musikereignis verbinden will. Wer dazu im Hostel oder Hotel auf Vaskiluoto wohnt, hat zudem eine kurzen Fußmarsch von nur 10 Minuten.

Copyright Fotos: Juliane John

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