Konzert Filter

ROCKTOWER FESTIVAL 2009

Ort: Lübeck - Musikzentrum

Datum: 11.04.2009

Hallentagesfestivals, zumindest mit überregionalem Programm, sind ja sonst Mangelware im Norden, lediglich Osnabrück bietet regelmäßige Veranstaltungen, doch nun zieht Lübeck mit dem neuen ROCKTOWER FESTIVAL zum ersten Mal am Ostersamstag in den Ring und das auch gleich im großen Stil, denn als Austragungsort hatte man das nicht gerade kleine Musik- und Kongresszentrum gewählt. In malerischer Lage direkt am Traveufer gelegen, mit Spanferkelgrill und einem Schulbus im amerikanischen Stil als Partyräumlichkeit sowie hervorragender Licht- und Soundanlage wurde sowohl drinnen als auch draußen einiges geboten. Lediglich beim Billing hätte man noch die ein oder andere Death oder Black Metal Band dazunehmen können, denn genremäßig beschränkte man sich vielleicht einen Tick zu sehr auf Folk und traditionellen Metal.

PAUL DIANNO hatte noch etwas mit dem schönen Wetter zu kämpfen, da sich doch ein guter Teil der Anwesenden lieber ein paar Sonnenstrahlen auf die Nase scheinen ließ als drinnen dem ehemaligen IRON MAIDEN Sänger zu lauschen. Dieser brachte die Meute auch schon ordentlich in Schwung, auch wenn er zugab, zu dieser Zeit sonst noch zu schlafen (es war immerhin bereits 4 Uhr), und auch sonst gesundheitlich angeschlagen war. Dennoch legte er immer noch eine ungeheure Spielfreude an den Tag, welche bei den DiAnnos wohl im Blut liegen muss, denn sein Bruder sah man hintern den Drums fast öfter stehend- und anfeuernder- als trommelnderweise!

FIREWIND legten gleich mal mit Vollgas, ich wiederhole V-O-L-L-G-A-S, nach. 100% fett, 100% gute Laune, 200% Posen! Die Griechen um Gitarrenvirtuosen Gus C. zeigten eindrucksvoll, wie eine Melodic Metal Show auszusehen hat, mit viel Bewegung, viel Kontakt zu den Fans und vor allem Musik, die ins Ohr geht, ohne zu sehr auf das Kitschpedal zu treten. Auch für ein Instrumentalstück nahm man sich Zeit (die Spielzeiten waren glücklicherweise für ein Tagesfestival recht großzügig angelegt), währenddessen Sänger Apollo auch erstmal ein Bier trinken ging. Wäre der Sound hier noch perfekt gewesen (stellenweise gnadenlos übersteuerter Bass), hätte man auf einen 1a Auftritt zurückblicken können.

KORPIKLAANI hab ich bisher nun schon ein Dutzend Mal gesehen, doch der heutige Gig ist seit langem mal wieder ein Höhepunkt. Die Trunkenbolde hatten an diesem Tag wohl noch etwas tiefer als sonst ins Glas geschaut und waren dementsprechend in bierseliger Laune, allen voran Gitarrist Calle, der ganz unüblich eine Ansage nach der anderen machte und das Mikro fast gar nicht mehr aus der Hand geben wollte. Auch im Publikum war man spätestens zu diesem Zeitpunkt auf ein Trinkgelage eingestimmt und forderte so auch lautstark nach „Beer Beer“. Die Waldmänner beantworteten dies jedoch mit „Vodka“, dem neuesten Trinklied vom im Juni erscheinenden nächsten Album „Karkelo“. Doch auch die üblichen Hits wie „Cottages and Saunas“, „Wooden Pints“ und natürlich „Beer Beer“ als Rausschmeißer verfehlten ihre Wirkung nicht und verwandelten die Menge in ein riesiges tanzendes Kollektiv!

ENSIFERUM und KORPIKLAANI kann man ja öfter mal im Doppelpack erleben und während sonst nur ein feiner Unterschied zwischen den beiden Bands auszumachen ist, hatten KORPIKLAANI heute doch klar die Nase vorn. ENSIFERUM wirkten nämlich zunächst etwas muffelig und wenig motiviert, allen voran Frontmann Pete, der ja auch grad erst bei seiner Stammband NORTHER die Sachen packen musste. Von Song zu Song spielten die Herren und 1 Dame sich jedoch in Laune, einem „Tale of Revenge“ oder „One More Magic Potion“ kann man auch kaum widerstehen. Trotzdem blieb das Stimmungsbarometer in der Menge unter dem Hoch der Vorgänger, auch wenn Basser Sami posenderweise wirklich alles gab.

Mit einer klassisch angehauchten Truppe wie HAGGARD als Headliner aufzufahren, wenn man vorher zwei notorische Stimmungsmacher im Programm hatte, ist sicher gewagt, doch bewiesen die Süddeutschen, dass ihr Kontrastprogramm nicht minder schlecht ankommen muss. Zwar hatte sich die Zuschauermenge zu diesem Zeitpunkt doch etwas dezimiert (Stichwort letzter Zug), aber mit ihrem aufwendigen Bühnenbild mit den klassischen Instrumenten (Geige, Cello, einer überdimensionale Trommel) sowie Keyboard neben den üblichen Instrumeten und ihrer wirklich eindrucksvollen Musik konnte die Band dennoch vollkommen überzeugen. Zwar hatte man nur 2 statt wie auf der letzten Tour 4 klassische Sänger dabei, wobei vor allem Susanne Ehlers Organ eine unglaubliche Durchschlagskraft besitzt für einen Sopran und neben dem Bandmastermind Assis Growls sicher am meisten hervorsticht, nicht zuletzt auch aufgrund ihrer äußerst charmanten Art und Weise. Dank Open End Show konnte die Band auch ihre Headliner Position so richtig auskosten und stand auch eineinhalb Stunden später noch auf der Bühne, als dann auch der letzte Zug Richtung Hamburg auf mich wartete, ohne bisher überhaupt bei der Zugabe angelangt zu sein.

So endete das erste Rock Tower Festival, das sicher eine willkommene Abwechslung und Bereichung für den Norden darstellt und im nächsten Jahr sogar schon zum 2tägigen Festival ausgebaut werden wird. Man darf gespannt sein.

Copyright Fotos: Juliane John

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu ENSIFERUM auf terrorverlag.com

Mehr zu FIREWIND auf terrorverlag.com

Mehr zu HAGGARD auf terrorverlag.com

Mehr zu KORPIKLAANI auf terrorverlag.com

Mehr zu PAUL DIANNO auf terrorverlag.com