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ROME

Ort: Mannheim - 7er Club

Datum: 27.06.2009

News sowie Beiträge um ROME und deren Labelwechsel zu Trisol rotierten dieser Tage im Internet, in welchem man sich inhaltlich darüber Sorgen machte, ROME würden durch den Sprung in die höhere Liga kommerziell werden. Doch schon allein die Vorab-EP zeigte auf, dass ROME sich musikalisch treu geblieben sind und auch das neue Album „Flowers from Exile“ macht in keiner Weise diesen Anschein. „Flowers from Exile“ wurde nun auch erstmalig live vorgestellt und zwar am 27. Juni im 7er Club in Mannheim, wo die Releaseparty stattfand. Na ja, ganz erstmalig war es nicht, waren doch schon vier der neuen Songs auf dem Leipziger Wave Gotik Treffen zu hören.

Gegen 21:30 öffneten sich die Pforten des Clubs. Davor tummelten sich bereits ca. 80 Fans in Reih und Glied. Zum Empfang gab es Sekt und neofolkige Hintergrundmusik rauschte in die Gehörmuscheln. Der am Club befindliche Biergarten war Anlaufpunkt Nummer 1, war es im Club doch sehr warm. Gegen 22:45 traten dann Jerome Reuter, Patrick Damiani und Nikos Mavridis auf die Bühne. Die Fans standen im überaus gut gefüllten Club bis zur Bar und spendeten tosenden Beifall. Zu einem Intro wurde die Bühne mit Nebel untermalt und ein gedämpftes Licht im Rot-Ton verfeinerte den Anblick. Die Bühnendekoration machte auch etwas her, hatte man zwei große Kerzenleuchter im Hintergrund deponiert. Obwohl es im Club immer noch sehr warm war und die Luft darin förmlich stand (und wohl auf der Bühne umso mehr), machte sich die erste Gänsehaut bemerkbar. Vor uns lag nun ein bunt gemischter Querschnitt aus der Schaffenszeit ROMEs mit Songs von allen bisherigen Veröffentlichungen.

Dem Intro folgten „The Consolation of Man“ sowie „The Orchards“ und die Fans waren kaum noch zu halten. Es wurde mitgesummt, mitgebrummt und die Faszination stand allen ins Gesicht geschrieben. Als die ersten Töne des bereits bekannten „To Die Amongst Strangers“ durch die Boxen hallten, war das Publikum durchweg ekstatisch. Frenetischer Applaus, Pfeifen und Zurufe blieben nicht aus. Jerome zeigte sich stimmsicher und setzte die vom Song beschriebene Stimmung hervorragend um. Danach folgten „The Torture Detachment“ und „A burden of Flowers“. Bei letzterem begleiteten Patrick und Nikos Jeromes unverwechselbare Stimme an den Trommeln. Dabei ergab sich ein sehr schönes Bühnenbild, standen die beiden „Trommler“ links und rechts von Jerome, welcher den Gehalt dieses Tracks durch Gestikulationen unterstrich. Somit machte sich trotz der Hitze erneut die Gänsehaut bemerkbar, welche mir auch bei „Hope Dies Painless“ nicht von der Seite wich. Zwischen den Songs unterhielt sich Jerome mit dem Publikum und einige lustige Sprüche wurden sich zugeworfen. So wurde die Stimmung etwas aufgelockert ohne jedoch den Reiz des Mitreißenlassens zu verlieren.

Mit „A legacy of unrest“ wurde der zweite Track des aktuellen Albums vorgestellt. Jerome zeigte sich auch hier sehr stimmsicher und untermalte die tiefgehende Atmosphäre wieder durch Gebärdenspiele, so als würde er sich direkt im Geschehen befinden. Das Publikum lauschte, erwies sich am Ende des Stückes als positiv überrascht und bedankte sich mit Pfiffen, Klatschen und Schreien. Da ich nah am Wasser gebaut bin, was ich zugeben muss, standen mir die Tränen in den Augen. Es ist schier unbeschreiblich, wie einem beim Zuhorchen und Beobachten der Vorgänge auf der Bühne geschieht. Danach erhallte „Wilde Lager“. Dabei ergab sich erneut ein faszinierendes Bühnenbild, stand Nikos mit Violine an der vom Publikum aus gesehenen rechten Trommel und betätigte im Wechsel beide Instrumente. „Le Voile De L’Oubli“ wurde noch einmal durch Patrick und Nikos an den Trommeln unterstützt. Eine fulminante Gitarrenklangwelle flutete bei „Das Feuerordal“ auf die noch immer begeistere Hörerschaft, bevor es mit einem weiteren neuen Stück („Odessa“) weiterging. Auch dieser Song fand Anklang bei der Zuhörerschaft und wurde mit Jubel belohnt. Jerome hatte inzwischen seine Ärmel nach oben gekrempelt. Ebenso durch die „Trommler“ begleitet wurden die beiden folgenden Stücke „Der Wolfsmantel“ sowie „A La Faveur De La Nuit“. Die martialischen Trommelschläge schallten durch den Saal, von der Gänsehaut ganz zu schweigen!

Mit „Rosenbad“ leiteten ROME uns in den zweiten Teil ihrer Bühnenpräsenz über. „Reversion“ kam beim Publikum ebenso hervorragend an wie die beiden anderen poppigeren Tracks „Neue Erinnerung“ und „Wir Götter der Stadt“. Das Publikum kochte und zeigte sich weiterhin verzaubert und mitgerissen! Nach diesem Trio lies Jerome drei Bier auf die Bühne bringen. Die Glut dort oben war wohl schon fast im Bereich des Unerträglichen. Einem Flamenco gleich durchstreifte das ebenso neue Stück „The Secret Sons Of Europe“ den Raum. Und auch hier kann ich nur sagen, dass trotz Hitze und schweißgetränkten Klamotten der Schauer über dem Rücken nicht ausblieb. Die Zuhörer entgegneten auch diesen Song mit tosendem Beifall. Obwohl Jerome zwischenzeitlich immer einmal (wohl eher im Scherz) verlauten lies „Unser letzter Song“, wurde erst mit „Der Erscheinungen Flucht“ dann wirklich der letzte Track des Abends dargeboten. Zumindest der letzte vor der Zugabe. Jerome, Patrick und Nikos verließen die Bühne für eine kurze Weile. Das Licht wurde gedämpft und die Nebelmaschine zauberte Nebelschwaden hervor. Die Halle erbebte in Pfeifen und Zugaberufen. Dann ein roter Lichtstrahl. Nikos erschien allein auf der Bühne und betörte mit einem exzellenten Violinensolo die vor Schweiß triefende Masse. Danach traten auch Patrick und Jerome zurück auf die Bühne und legten mit einer viertrack-starken Zugabe noch einmal ordentlich nach. Das sehr ruhige „The Accidents Of Gesture“, ein weiterer Titel des neuen Albums „Flowers from Exile“, schlug gleichermaßen ein wie die beiden bekannten Stücke „Querkraft“ und das martialische „Der Brandtaucher“. Mit dem ebenfalls vom neuen Album stammenden fulminanten „Swords To Rust – Hearts To Dust“ verabschiedeten sich ROME mit Verneigungen und dem Dank auf die Stirn geschrieben von der Bühne. Und mir liefen die Tränen…

Alles in Allem waren dies die schönsten knapp 100 Minuten meiner musikalischen Hingabe. Und ich bin mir sicher, dass dies nicht nur mein alleiniges Empfinden war. Dieses Konzert erregte so viele Gefühle und brachte enorme Emotionen rüber wie kein anderes. Es ist einfach nur der Wahnsinn, wie ROME den Inhalt ihrer Texte musikalisch umzusetzen wissen und die Musik dementsprechend in perfekter Einheit ins Publikum transportieren. Die feinen Lauten der Violine paarten sich mit den Klängen der Gitarren zu einem atmosphärisch schönen Soundgemisch, welches durch Jeromes unikalen Gesang und dessen Mimik und Gestik noch besonders unterstrichen wurde. Dieses Konzert zeugte so sehr von Mystik, Trauer, Emotionen, Wut und Begeisterung zugleich, dass ich wohl noch eine lange Zeit freudig auf diese Momente in Mannheim zurückblicken werde. Jerome, Patrick und Nikos mischten sich anschließend auch unter das Publikum, was von persönlicher Nähe zum Fan zeugt und meines Erachtens auch die letzten Zweifel über kommerziellen Ausverkauf auslöschen sollte! Vielen Dank ROME und bis zum nächsten Mal!

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