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RON DIVA & BAND

Ort: Bad Salzuflen – Gleis 1

Datum: 23.01.2015

Bad Salzuflen scheint ein gutes Pflaster für Musiker zu sein. FRANK SPILKER (DIE STERNE), JOCHEN DISTELMEYER (BLUMFELD), BERND BEGEMANN und BERNADETTE LA HENGST (DIE BRAUT HAUT INS AUGE) haben hier ihre Wurzeln. RON DIVA kommt zwar gebürtig aus Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern, aber auch er zählt den ostwestfälischen Kurort zu seiner Heimat. Gelegentlich sollte man sich ja auch mal zuhause blicken lassen und da bietet es sich natürlich durchaus an, seine Gitarre und noch ein paar Jungs mit weiteren Instrumenten mitzubringen. Eigentlich war dieser Homecoming Gig im Gleis 1 bereits für den 20. November letzten Jahres terminiert, doch Ron musste aufgrund massiver Rückenbeschwerden verschieben, was vielleicht für die Besucherzahlen in dem Kulturverein im Bahnhof ganz gut war, denn so rutschte die Veranstaltung vom Donnerstag auf den Freitag und wie könnte man das Wochenende besser einläuten als mit einem guten Konzert?

Das dachte sich auch ein bunt gemischtes Publikum, das die Location dann auch bereits sehr gut gefüllt hatte, als RON DIVA und seine Mannen um 20.25 Uhr die Bühne enterten. Neu in der Kapelle war der gerade mal 16-jährige Lennart, der erst vor kurzem den Job hinter der Schießbude übernommen hat und hochkonzentriert bei der Sache war. Ein alter Bekannter war hingegen der Mann am Bass, der im nahen Enger nicht nur seine Wohnung sondern auch ein Tonstudio hat. Die Rede ist von Gunnar Ennen, den der eine oder andere auch von der KNYPHAUSEN-Band kennen dürfte. Ansonsten waren noch die Positionen an Keyboard, Gitarre, Trompete, Saxophon und Posaune besetzt; zunächst startete jedoch der Bandvorstand mitsamt Akustikklampfe und dem Opener „Größer als du“, in den nach wenigen Akkorden auch die Kollegen einstiegen. Bei diesem sehr schönen Auftakt war zunächst nur die Posaune gefragt und auch die konnte sich beim nachfolgenden „Komm an“ zur restlichen Blechfraktion ins Off begeben. Kaum wurden jedoch ein „Freigetränk“ angekündigt“, fand sich das Trio wieder auf der Stage ein, musste sich allerdings in Hinblick auf den versprochenen Gerstensaft noch einen Moment gedulden, da ein Großteil der Bestellung leider baden gegangen war. Der großartigen Stimmung tat dies aber keinen Abbruch und Ron sang mit viel Groove über seine Hassliebe „HH“. In Hamburg, würde er diesen Song übrigens gern mal spielen und sähe die Leute gern dazu ausflippen sehen. Dunkle Paukenschläge begleiteten währenddessen „Letzte Bahn“ – ein Stück über das Wiedertreffen der ersten Liebe, was im Falle von Herrn Diva übrigens Uschi Glas bzw. besser gesagt Winnetous Schwester Apanatschi gewesen wäre. RON DIVA plauderte gern aus dem Nähkästchen, schien jedoch immer auch ein bisschen aufpassen zu müssen, seine Combo damit nicht zu langweilen, weshalb er dem Auditorium auch sein Solokonzert am 27.02.2015 in Bielefeld ans Herz legte, wo es sicherlich insgesamt deutlich getragener zugehen wird als dies mit großer Instrumentierung üblich ist. So entpuppte sich das „große Balladen-Best-of“ auch ganz schnell als sehr knackige Angelegenheit, die mit „Lauf“ eröffnet wurde und im Folgenden Gunnar an die Pedal Steel Guitar („Ich schlafe auf dem Boden“) und ans Banjo („Du machst das gut“) verortete. Der Mann ist halt ein Multiinstrumentalist mit einer nach eigener Aussage unbestimmten Anzahl von Gitarren und auch seine Sache als Produzent macht er gut, denn dass „Irgendwann“ ein wenig nach NEIL YOUNG klang, ist auf seinem Mist gewachsen und auch den Chor bei „Hals über Kopf“ hat er zu verantworten. Neben dem Gebläse war dann selbstverständlich auch der Einsatz der Zuschauer bei diesem Lied gefragt und tatsächlich haben die Ostwestfalen ihre Sache wirklich gut gemacht. Dafür wurden sie nicht nur mit dem druckvollen „Es geht manches“ belohnt, sondern auch mit einer kleinen Solo-Session von Ron, der kurz vor 22.00 Uhr den Zugabenblock im Alleingang einläutete.

Den Anfang machte ein neuer Song, den es vermutlich demnächst auf der dritten Platte des langen Schlacks zu hören geben wird und sehr emotionale Themen wie das Sterben und die Kindheit behandelte. Mit viel Gefühl schloss sich auch das wunderbare „Sonnenschein“ an, mit dem er bereits INA MÜLLER zu Tränen gerührt hat und das ihm vor gut fünf Jahren eine Einladung in den Schellfischposten zu „Inas Nacht“ einbrachte. Damit wurde nicht nur das selbstbetitelte Debüt schlagartig bekannt, auch für den Künstler änderte sich einiges, was sich durchaus in einer gewissen Hotelzimmer-Melancholie widerspiegelt, die in „Stunde für Stunde“ ihre musikalische Entsprechung fand. Nun, bis zum aktuellen Wohnort Bielefeld war es nicht weit und so drängte auch die Zeit nicht, weshalb es noch einen weiteren Nachschlag in Bandstärke gab. Dafür und für den langsamen Growner „Weil du da bist“ vom 2013er Album „Im Westen der Stadt“ griff Saxofonist Juli zum Sechssaiter, begab sich fürs tiefer gelegte „Leih mir dein Mofa“ aber wieder ans Sax, bevor er schließlich gemeinsam mit Trompete und Posaune Feierabend machen konnte. Die restliche Mannschaft performte noch „Tag für Tag“, dem es überhaupt nicht geschadet hat, dass der Bandleader Textaussetzer hatte. Nachdem die Nummer leise begonnen hatte, gingen die Herrschaften nochmals in die Vollen und ließen es derart scheppern, dass die Lyrics in den Hintergrund rückten.

Nach rund zwei Stunden war’s das dann im ehrwürdigen Bahnhofsgemäuer mit der Live-Beschallung, doch RON DIVA hatte versprochen, noch für einen Plausch zur Verfügung zu stehen und selbstverständlich konnte man zusätzlich noch Konservenkost für das heimische Wohnzimmer erwerben. Wobei man sich den Mann im Übrigen auch leibhaftig in die gute Stube holen kann, wenn die Rahmenbedingungen passen. Sicherlich ein Garant für einen ganz besonderen Abend, doch auch im Gleis 1 gab es nichts zu meckern. Und wie in Mecklenburg gilt auch in OWL ein „gar nicht schlecht“ als ausgesprochenes Kompliment. In diesem Sinne erwidere ich Rons lobenden Worte ans Publikum mit einem euphorischen „Konnte man sich wohl anhören“!

Setlist
Größer als du
Komm an
Du kennst dich aus hier
Sag mir
Freigetränk
HH
Letzte Bahn
Lauf
Ich schlafe auf dem Boden
Du machst das gut
Irgendwann
Was allein nie heilt
An dem Tag
Hals über Kopf
Es geht manches

Neuer Song
Sonnenschein
Stunde für Stunde

Weil du da bist
Leih mir dein Mofa
Tag für Tag

Copyright Fotos: Sascha Uding – www.arternative-design.com

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