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RONAN KEATING – ERIK PENNY

Ort: Düsseldorf - Philipshalle

Datum: 26.03.2010

Als Terrorverleger sollte man die Abwechslung lieben, schließlich könnte es passieren, dass man sich ganz unverhofft bei einem RONAN KEATING-Konzert wiederfindet. Zwar steht diese Musik nicht ganz oben auf meiner Favoritenliste, aber warum nicht mal an Grenzen gehen? Also wurde kurz entschlossen der fahrbare Untersatz Richtung Düsseldorf gelenkt, wo es in eine fast komplett ausverkaufte, bestuhlte Philipshalle ging. Das Publikum war erwartungsgemäß überwiegend weiblich; die eine oder andere Dame hatte jedoch auch ihre bessere Hälfte dabei, wenn sie nicht mit der werten Frau Mama oder besten Freundin angereist war. Der blonde Charmebolzen, der seine größten Erfolge mit der irischen Boygroup BOYZONE feierte, ist halt ein echter Schwiegermuttertyp, der generationenübergreifend der Damenwelt ein verträumtes Seufzen entlockt.

Bevor die holde Weiblichkeit das Vergnügen hatte, sich die Gehörgänge von der sanften Stimme des Iren massieren zu lassen, enterte allerdings ein Herr die Stage, der mit heiser-rauem Gesang, welcher nur von akustischen Gitarrenklängen begleitet wurde, die ersten 20 Minuten Aufmerksamkeit für sich beanspruchte. Die Rede ist vom US-Amerikaner ERIK PENNY, der seit 2008 in Berlin lebt und unlängst sein drittes Album „Bend“ veröffentlicht hat. Das poetische „Bend“ hat mich vom ersten Hören an begeistert und so freute ich mich, gleich vier Songs des Silberlings live genießen zu können. Mr. Penny erntete für seine Musik auch durchaus freundlichen Beifall; der Publikumsgesang beim eingängigen „Under The Gun“ war vielleicht noch etwas ausbaufähig, dafür klappte das Klatschen beim schrammeligen „Side of The Road“ umso besser. Der Song machte ebenso wie das getragene „Honey Please“ und der gefühlvolle Titeltrack „Bend“ viel Spaß und auch ERIK PENNY , der den Abend mit dem Stück „2005“ in bester Singer-/Songwriter-Manier begonnen hatte, trug mit seinen launigen, teilweise deutschsprachigen Ansagen dazu bei, das Auditorium bestens zu unterhalten. Für mich hätten es gern noch ein paar Lieder mehr sein dürfen, aber der Abend gehörte ganz klar RONAN KEATING.

Setlist ERIK PENNY
2005
Bend
Under The Gun
Side of The Road
Honey Please

Für den Auftritt des 33-jährigen fielen dann auch die riesigen Vorhänge, hinter denen sich treppenartige Bühnenbauten befanden, auf denen nach zwanzig Minuten Umbaupause in oberster Reihe drei Violinistinnen und eine Cellistin Platz nahmen, die den Gig mit einem Streicher-Intro begannen, während in der Mitte ein Gitarrist, der Keyboarder, der Mann hinter der Schießbude und der Bassist Aufstellung nahmen. Sozusagen zu ebener Erde fanden sich schließlich ein weiterer Sechssaiter, der auch für den Backgroundgesang zuständig war, eine Sängerin und ein Tastenmann für das elektrische Piano ein, bevor es dann mit Mr. Keating an der Gitarre und „Friends In Time“ vom 2006er „Bring You Home“ losgehen konnte. Die Fans im Saalinnenraum hielt es zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr auf ihren Stühlen, vielleicht lag das aber auch nur daran, dass alle lange Hälse Richtung Bühne machen wollten, um einen möglichst guten Blick auf RONAN KEATING zu werfen, der eine etwas seltsame Pluderhose zu seinen klobigen Stiefeln trug. Mr. Keating ließ routiniert seinen Charme sprühen, während es mit „I Love It When We Do“ (2002 auf „Destination“ erschienen) flott weiterging, um mit „The Way You Make Me Feel“ vom ersten Solo-Longplayer „Ronan“ einen echten Schmachter abzuliefern, bei dem auch rote Rosen auf den Videoleinwänden nicht fehlen durften. An der aufwändigen Bühnentechnik mit allerlei Effekten hatte der Ire zweifelsohne nicht gespart. So verschwand das Streich-Quartett bei diesem Song beispielsweise hydraulisch in der Versenkung, während unzählige Lämpchen glitzerten und zuckten und auf den Projektionsflächen Videos und Animationen erschienen. So wie das Labyrinth, das den musikalischen Himmel voller Geigen visuell begleitete als „If Tomorrow Never Comes“ für kollektive Seligkeit im Auditorium sorgte. Hier zeigten die Fans dann auch erstmalig ihr Können als Backgroundchor, nachdem die Aufwärmübung mit ERIK PENNY wohl noch nicht gereicht hatte, denn bei „The Way You Make Me Feel“ klang der Saal doch noch ein wenig dünn. Dafür schmetterte Ronan sein „Time After Time“ besonders innig. Das CINDY-LAUPER-Cover stammt von der letztjährigen Langrille „Songs For My Mother“, die er seiner an Krebs verstorbenen Mutter gewidmet hat und Lieder umfasst, die er mit ihr gemeinsam – etwa bei Autofahrten – gehört hat. Wie nicht anders zu erwarten, klang die Nummer bei RONAN KEATING ausgesprochen gefühlvoll – und ein wenig irisch. Dieser Umstand war einer kleinen Flöte geschuldet, die immer mal wieder zum Einsatz kam und den typisch-irischen Sound einer Tin Whistle mitbrachte. 2009 gab es noch eine zweite CD namens „Winter Songs“, auf der Keating sich der Themen Weihnachten und Nachhausekommen angenommen hat. Zwar steht Ostern kurz bevor, aber „Stay“ (inklusive Ronans blankem Oberkörper per Videountermalung) und „Horward Bound“ (im Original von SIMON & GARFUNKEL) passten unabhängig von Jahreszeit und kirchlichen Festen zur durchgängig emotionalen Stimmung des Abends, wenngleich es mit dem Uptempo-Song „If You Love Me“ auch wieder etwas zum Mitklatschen gab. Wer hätte gedacht, dass RONAN KEATING mit der Deutschen Bahn von Konzert zu Konzert reist? Zumindest ist er nach dem ersten Deutschland-Konzert tags zuvor von Frankfurt mit dem Zug nach Düsseldorf gekommen und war ganz begeistert von der Pünktlichkeit unseres Schienentransportmittels. Oder sollte ich da eine gewisse Ironie nicht verstanden haben? Ich glaube nicht, denn wer so schmusige Sachen wie „Last Thing On My Mind“ oder „This Is Your Song“ macht, der meint jedes Wort absolut ernst. Mit Sicherheit trifft dies auf die Ausführungen zu „In This Life“ zu, denn die Nummer haben BOYZONE auf der Beerdigung ihres am 10. Oktober letzten Jahres überraschend auf Mallorca verstorbenen Bandkollegen und Freundes Stephen Gately gesungen. Nicht nur, weil natürlich auch unzählige BOYZONE-Fans die Reihen der Philipshalle säumten, war dieser Teil der Show sehr persönlich, da passte es gut, dass sich mit „Winter Song“ ein weiterer ruhiger Track anschloss, der übrigens ganz ohne Gitarren auskam und stattdessen vom Piano und den Streichern dominiert wurde. Gegen Ende musste es auch ohne Ronans Vocals gehen, denn der Herr verschwand kurzfristig hinter der Stage, um sich umzuziehen. Angetan mit einem weißen Jackett, einem gleichfarbigen T-Shirt und einer nicht mehr ganz so weiten schwarzen Hose mit Kummernbund, kehrte er alsbald zurück und stimmte im Lichtermeer der Bühne „Wild Mountain Thyme“ an, wozu der Pianist erneut zur Tin Whistle griff, ehe es beim rhythmusbetonten „Summer Inside“ sogar eine kleine Irish-Dance-Einlage des blonden Frauenschwarms gab. Mit BOYZONE ist RONAN KEATING bekannt geworden, seinen ersten Solo-Erfolg verdankt er jedoch einem überaus erfolgreichen Kinofilm. Die Rede ist selbstredend von „Notting Hill“ mit Julia Roberts und Hugh Grant, für den er 1999 eine Coverversion des Countryhits „When You Say Nothing At All“ aufnahm. Dieses Lied durfte selbstverständlich auf gar keinen Fall auf der Setlist fehlen und wurde entsprechend mit stürmischen Akklamationen bedacht, ehe es mit dem groovigen „Lovin Each Day“ und farbenfrohen animierten Discokugeln weiterging. Für den Feel-Good-Song „Life Is A Rollercoaster“ gab die Security dann auch den Bühnenrand frei und die Damenwelt durfte nach vorn, um auf der Zielgeraden ihrem Idol ganz nah zu sein. Da jedoch auch bei den Herren, die ihre klatschenden Frauen in den Armen hielten, kräftig mitgesungen wurde, darf davon ausgegangen werden, dass zumindest nicht alle männlichen Besucher nur als Fahrer und Begleitperson dabei waren.

Mit der ersten Zugabe „Turn It On Again“, die ohne Streicher auskam, wurde es sogar relativ rockig, ehe zum BOYZONE-Klassiker „Picture On You“ wieder die bunte Glitzerwelt Überhand nahm. Ronan zeigte sich fannah und klatschte unzählige Hände ab, bevor er seine Begleitmusiker vorstellte und mit „The Long Goodbye“ das gefühlvolle Finale einläutete, mit dem schließlich 100 Minuten perfekter Pop endeten. RONAN KEATING wurde dabei seinem Ruf eines Charming Boys gerecht, unterhielt mit kleinen Anekdoten und natürlich seiner Musik. Ich war derweil erstaunt, wie gesittet es auf Konzerten zugehen kann. Getanzt wurde nur am Rande, Gedrängel gab es schon allein wegen der Bestuhlung nicht und in Schweiß ist vermutlich zumindest im Auditorium auch kaum jemand gekommen. Eher ist der Blutdruck ob des Anblickes des Herren Keating bei der einen oder anderen Dame (und des einen oder anderen Herren) gestiegen, glücklicherweise ist die Anhängerschaft jedoch dem Kreischalter entwachsen, so dass mein Trommelfell keinen Schaden genommen hat. Allerdings muss ich gestehen, dass ich für die Rückfahrt nach diesem Kuschel-Overkill erst einmal härtere Klänge brauchte.

Setlist RONAN KEATING
Streicher-Intro
Friends In Time
I Love It When We Do
The Way You Make Me Feel
If Tomorrow Never Comes
Time After Time
Stay
Homeward Bound
If You Love Me
Last Thing On My Mind
This Is Your Song
In This Life
Winter Song
Wild Mountain Thyme
Summer Inside
When You Say Nothing At All
Lovin Each Day
Life Is a Rollercoaster

Turn It On Again
Picture On You
The Long Goodbye

Copyright Fotos: Uli Klenk

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