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ROSENSTOLZ

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 17.04.2004

ROSENSTOLZ sind aktueller denn je! Das wurde schon an der unglaublichen Schlange vorm Ringlokschuppen deutlich, die bis ans Ende der Zufahrtsstrasse reichte. Und es wurde auch schon klar, dass mir meine persönliche Hölle bevorstand. Jeder der mich kennt, weiß um meine obsessive Vorliebe für kurzhaarige Frauen und diese waren in Hülle und Fülle zugegen… nur: Sie waren fast ausschließlich gleichgeschlechtlich orientiert! Obwohl ich einen großen Anteil homophiler Fans erwartet hatte, war dann die persönliche Unerreichbarkeit doch schmerzlich. Aber zurück zum Konzert: Die Queue wurde zum Glück recht schnell abgearbeitet und wir betraten um kurz vor 20 Uhr den großen Saal des RLS’, der mit ca. 2000 Leuten rappelvoll war. Schnell wurde bekannt, dass es keine Vorgruppe gebe würde, von daher erwartete ich eine lange Spielzeit der stolzen Rosen.

Dem Bericht möchte ich das Eingeständnis voranstellen, dass ich nicht der größte ROSENSTOLZ-Experte bin, von daher habe ich das Konzert einfach mal auf mich wirken lassen und schildere meine Gefühle/ das Erlebte. Immerhin 9 Musiker betraten die 2stöckige Bühne, die genügend Auslauf für alle Beteiligten bot. Neben Peter und AnNa waren dies 2 Gitarristen, 1 Bassist, 1 Drummer, 1 Keyboarder, 1 Saxophonist und die sehr nett anzuschauende Backgroundsängerin Anne de Wolff von den POEMS FOR LAILA (siehe Interview), die auch mit der Violine in der Hand eine gute Figur abgab. Drei Leinwände verschiedener Größe waren versetzt an der Decke angebracht, auf denen (nicht bei allen Songs) Videoeinspieler oder Bilder gezeigt wurden. Ansonsten blieb das Bühnenbild eher schlicht und so konzentrierte man sich auf die emotionale Musik. Von den Anfängen in Berlins Hinterhöfen bis zu vollen Hallen der heutigen Tage haben ROSENSTOLZ einen langen, manchmal dornigen Weg hingelegt. Aber man besitzt dadurch Authentizität und enorme Live-Erfahrung, die man den ganzen Abend über förmlich greifen konnte. AnNas Vorliebe für Hüte und kurze Röcke ist bekannt und so durfte man mehrere Kombinationsmöglichkeiten bestaunen. Nach einem „schwarzen“ Beginn wurde die Farbe dann passend zum „Gelben Monster“ gewählt, übrigens eins meiner Lieblingsstücke vom neuen Album „Herz“. Schließlich kam auch noch ein rotes Hütchen zum Einsatz. Peter trug den ganzen Abend über sein „Gelbes Monster“-Shirt und man nahm ihm diese Selbstbeschreibung auch wirklich ab. Von der aktuellen Scheibe spielte man das flotte „Eine Frage des Lichts“ genauso wie das nachdenkliche „Ausgesperrt“. Die letzten beiden Songs der regulären Spielzeit waren dann auch der Opener „Willkommen“, bevor das wunderbare „Liebe ist alles“ aus tausend Kehlen mitgesungen für einen ersten Schlusspunkt sorgte. Als Einstieg in die gefühlvolle Ballade wählte man zusätzlich das Stück „Amo Vitam“. Aber auch viele alte „Gassenhauer“ bezauberten das Publikum: „Sternraketen“, „Schlampenfieber“, „Sex im Hotel“ oder die SELIG-Coverversion „Ohne Dich“ („das beste Lied, das WIR nicht aufgenommen haben…“). Bei „Die Schlampen sind müde“ wurde ein richtiges Piano auf den breiten Steg ins Publikum gerollt, das dann von Peter bedient wurde, während AnNa das Stück gesanglich aufarbeitete, Gänsehaut pur. Die beteiligten Musiker schienen fast ein wenig überrascht zu sein von der ostwestfälischen Begeisterung und man kündigte an, ab sofort jedes Jahr hier zu erscheinen. „Die Zigarette danach“ intonierte Peter dann solo, aber nicht ohne sich vorab einen Glimmstengel zu erschnorren. Ein rosafarbener Slip war ein weiteres Beutestück. Neben all der ausgelassenen Freude wurden auch die ernsten Seiten des Lebens nicht vergessen, man ließ Spendenbecher für die Aidshilfe herumgehen und verwies auf den Stand im Foyer.

Nach dem schon erwähnten „Liebe ist alles“ machte man artig den Diener, um dann für sehr kurze Zeit zu verschwinden, länger hätte es das Publikum auch nicht geduldet. Man spielte dann noch 2 mal 3 Zugaben, zu denen „Das beste im Leben“, „Königin“ und „Der Moment“ gehörten. Mal wurde dazu ein Saxophon, mal eine Akustikgitarre (sitzend), mal die Violine eingesetzt, das alles ergab einen unglaublich warmen Sound, der vor allem auch nicht zu laut ausgesteuert war, mein Lob an den Mischer. Dazu will ich auch nicht vergessen, AnNas außerordentlich gute Livestimme zu würdigen, die mit der frechen Optik eine angenehme Allianz einging. Die 2 Stunden vergingen wie im Flug und am Ende konnte man schon ein paar feuchte Augen im Publikum wahrnehmen. ROSENSTOLZ sind auf der Erde geblieben und dafür heben sie ihre Fans in den Himmel. Der normale Discobetrieb bahnte sich an und schnell verließen die kurzhaarigen Frauen den Schuppen. Später in der Nacht sollte mit FREIZEICHEN sogar noch ein weiterer Act in der kleinen Halle für audiophiles Vergnügen sorgen! Und wer den Weg heute nicht auf sich nehmen konnte, sollte die „Herz“-DVD nicht verpassen, die am 19.4. erscheinen wird.

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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