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ROSENSTOLZ

Ort: Bielefeld - Stadthalle

Datum: 25.04.2006

Fast genau auf den Tag 2 Jahre nach dem letzten Gastspiel in der ostwestfälischen Metropole fanden sich ROSENSTOLZ wieder in Bielefeld ein, um ihre zahlreichen Fans mit Liveklängen zu erfreuen. Nach dem Ringlokschuppen war dieses mal die Stadthalle dran, ein eher seltener Austragungsort für terrorrelevante Konzerte. Bereits gegen 19 Uhr hatte sich ein großer Pulk vor dem Eingang gebildet, wie eigentlich nicht anders erwartet. Pärchen sämtlicher Regenbogenfarben mit einem eher weiblichen Übergewicht bildeten das Gros des Publikums, welches im folgenden in die Halle strömte, um einen möglichst guten Platz zu ergattern. Einige nahmen auch auf den Oberrängen Platz, so dass insgesamt wieder zwischen 2500 und 3000 Fans anwesend gewesen sein dürften. Fast obligatorisch gab es keine Vorgruppe, dafür aber einen leicht durchsichtigen Vorhang, auf dem gegen 20 15 Uhr die Worte „Nichts von alledem tut uns leid“ erschienen, gefolgt von einer Videoprojektion des Songs.

Daraufhin erschienen die Musiker dann auch livehaftig, zu unserer und der Umherstehenden Überraschung befanden sich AnNa R. und Peter Plate links auf einem Steg, auf der anderen Seite der Halle. Zum Glück wurde dieser nur temporär für spezielle Einlagen genutzt, so dass wir visuell auch noch recht nahe an das dynamische Duo kamen. Die Begleitband zählte immerhin 7 Personen, darunter der glatzköpfige Keyboarder Zorro und die überaus vielseitige Anne de Wolff, ihres Zeichens auch bei POEMS FOR LAILA unterwegs. Sie spielte Violine und Akkordeon, sorgte für Percussion aller Art und den gelungenen Background-Gesang. Zurück zur Setlist: Als Opener wählte man passenderweise „Willkommen“ vom Vorgängerwerk „Herz“, welches mir nebenbei gesagt ein Stück weit besser als die aktuelle Scheibe gefällt. „Das Grosse Leben“ enthält für meinen Geschmack zu viele ruhige Songs, die sich live aber sehr gut machen. Und ROSENSTOLZ performten fast alle neuen Tracks wie etwa „Auch im Regen“, „Ich bin verändert“ oder „Ich hab genauso Angst wie du“. Stichwort Angst: Viele Kompositionen der beiden haben mit diesem Schlüsselbegriff zu tun, quasi als Beweis spielte man das länger nicht mehr aufgeführte „Fütter deine Angst“ von der Zucker-VÖ. Immerhin feiert man ja „nebenbei“ noch 15-jähriges Bühnenjubiläum, da kann man schon mal ein paar alte Sachen hervorkramen, die allen noch bestens bekannt schienen. „Klaus (Trophobie)“ z.B., bei dem Keyboarder Zorro mit einem alten, umhängbaren Billigkeyboard auftrumpfen konnte. Waren das noch Zeiten! Natürlich gab es auch viele gefühlige Momente, so bei den beiden „Peter-Stücken“ „Die Zigarette danach“ (Oben ohne!) und dem neuen „Ein Wunder für mich“, bei dem Herr Plate sich über die bereits vorhandene Textsicherheit freuen konnte. Diese kurzen Pausen nutzte seine Partnerin dazu, sich in neue Outfits zu werfen, welche ihre Oberweite allesamt gut betonten. Aber auch verbal konnte sie jederzeit überzeugen, das Entertainen liegt ihr halt im Blut und die Stimme klingt makellos. Nicht vergessen sollte man auch den Einsatz für die Aids-Hilfe, die ROSENSTOLZ seit vielen Jahren unterstützt. Sammelbüchsen wurden im Auditorium herumgereicht, und der Herr im weißen Feinripp da oben auf der Bühne kommentierte die Päpstlichen Gedanken zu diesem Thema mit den wahren Worten „Ich schäme mich für den deutschen Papst“. Der Hauptteil des Sets neigte sich derweil langsam dem Ende zu. „Schlampenfieber“ in der Keyboard-Mega Power-Version wurde frenetisch mitgesungen, ebenso wie natürlich das wunderschöne „Lass es Liebe sein“. Die noch aktuelle Single „Ich bin ich (wir sind wir)“ beendete den Hauptteil nach immerhin bereits 120 Minuten und einer vortrefflichen Licht/ Sound-Untermalung.

Es dauerte nicht allzu lange und das feierwillige Volk rief zur ersten Zugabe, die aus 2 Gänsehaut-Stücken am Piano bestand. „Lass sie reden“ und „Die Schlampen sind müde“ sagen wohl einiges über die Denkweise der meisten Anwesenden aus. Für die zweite Verlängerung war auch die Band wieder an Bord, welche nochmals drei Lieder intonierte. „Anders als geplant“ überraschte dabei mit seinem Stage-Hit-Potenzial. „Etwas zerstört“ hieß der Rausschmeißer, aber dies war keinesfalls die Maxime des 135 minütigen (!) Abends. Vielmehr haben ROSENSTOLZ die Bande zu ihren Fans nach nunmehr 15 Jahren Beziehung noch ein Stückchen enger gezogen!

Setlist
Willkommen
Es könnt‘ ein Anfang sein
Perlentaucher
Ich geh‘ in Flammen auf
Auch im Regen
Die Zigarette danach (Piano)
Nur einmal noch
Klaus (Trophobie)
Wo bist du? (SILLY-Cover)
Aus Liebe wollt‘ ich alles wissen
Fütter deine Angst
Ich hab genauso Angst wie Du
Lass es Liebe sein
Ein Wunder für mich (Piano)
Ich bin verändert
Schlampenfieber (Megapower-Version)
Königin
Lachen
Nichts von alledem (tut mir leid)
Ich bin ich (wir sind wir)

Lass sie reden (Piano)
Die Schlampen sind müde (Piano)

Anders als geplant
Der Moment
Etwas zerstört

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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