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ROXETTE – MOBILÉE

Ort: Halle (Westf.) - Gerry Weber Stadion

Datum: 14.10.2011

Wie in der Vorwoche zog es uns auch an diesem Freitag Abend ins beschauliche Halle zu Westfalen, um uns von musikalischen Klängen verwöhnen zu lassen. Mit ROXETTE standen zwar nicht gerade „Helden unserer Jugend“ auf dem Programm, doch haben die sympathischen Schweden in den 80ern/ 90ern zweifellos Musikgeschichte geschrieben mit ihren Hits. Aber auch das erste Album nach der schweren Erkrankung von Sängerin Marie Fredriksson konnte wieder Erfolge einfahren, so dass ein großer Andrang alter wie neuer Fans garantiert war. Und tatsächlich wurde die Zuschauerzahl von Kollege JAMES BLUNT 7 Tage zuvor nahezu verdoppelt – schätzungsweise 6000 (plus) Anwesende dürften es schon gewesen sein.

Wir trafen fast pünktlich zur Beschallung durch den Support ein, der heuer auf den Namen MOBILÉE hörte. Eine noch relativ unbekannte Formation aus Duisburg, die nach eigenem Bekunden eine Mischung aus Pop und Folk fabriziert. 5 Herren an den Instrumenten plus die mit 21 Jahren noch relativ junge Caroline Wolter am Mikro plus mehrere Teppiche auf der Haller Bühne – das war die Ausgangsposition, aus der die Deutschen das beste machten. Zwar agierte man anfangs noch merklich unsicher, doch das legte sich schnell, denn offensichtlich war das Publikum in Feierlaune und ging bereits jetzt mächtig mit, egal ob es um Mitsingspielchen oder rhythmische Handbewegungen ging. Dabei haben MOBILÉE noch gar kein Album draussen, erst im Frühjahr 2012 soll das Debüt namens „Walking on a twine“ erscheinen, auf dem sicher einige der hier und heute performten Songs stehen werden. Namentlich etwa „Let The Great World Spin”, “Lay Down Here” oder “Talking Quietly”, die allesamt technisch einwandfrei und in gutem Sound reproduziert wurden. Wer wollte, durfte sich im Anschluss an das Konzert einen Silberling mit nach Hause nehmen, um damit per Download-Code genau jene Titel aus dem Internet herunterzuladen. Marketingtechnisch ist die Band gut dabei, was man auch an ihrer Facebook-Seite und dem Wohnzimmer-Konzert-Gewinnspiel ablesen kann. Mir persönlich war der Sound ein wenig zu brav, ja fast bieder, wie eine Mischung aus TEXAS LIGHTNING und COLBIE CAILLAT im Biedermeier-Outfit. Aber ich bin auch nicht die Zielgruppe und so lässt sich konstatieren, dass die gemeinsame Tour mit den Weltstars für MOBILÉE sicher ein großer Schritt nach vorne in der Karriere ist.

Das buntgemischte Publikum freute sich nun auf ROXETTE, die um kurz nach 20 Uhr die Bühne betraten. Marie Fredriksson, platinblond und mit einer Figur wie vor 20 Jahren, jedoch spürbar gehandicapt, an ihrer Seite Per Gessle und fünf Livemusiker im Hintergrund (darunter der langjährige Livedrummer Pelle Alsing, Gitarrist Christoffer Lundquist und Produzent Clarence Öfwerman an den Keys). Mit „Dressed for success“ und „Sleeping in my car“ ging es gleich mit Volldampftiteln los, doch im Gegensatz zu früher, wo Marie klar der dominierende Part des Duos war, brauchte sie nun einige Songs, um stimmlich in Fahrt zu kommen und überließ alle Agilität auf der Bühne ihren Mitstreitern, allen voran Per Gessle, der die Ansagen übernahm. Das ostwestfälische Publikum freute sich jedoch über eine Zeitreise in die oft nicht allzu ferne Jugend, Damengrüppchen fielen sich in die Arme und schwelgten in Erinnerungen. Vielleicht auch an den ersten Liebeskummer? ROXETTE – der Name stand auch immer für gefühlvolle Balladen, die auch an diesem Abend nicht zu kurz kommen sollten. „Things will never be the same“, „It must have been love“ oder „Crash! Boom! Bang!” wurden lautstark vom gut gefüllten Rund mitgesungen. Da blieb wenig Platz in der Setlist für Titel vom aktuellen Album „Charm school“. Die Single „She’s got nothing in“ kannten wohl noch viele aus dem Radio, „Only when I dream“ oder auch „Opportunity Nox“ aus 2003 fanden aber bei weitem nicht den Anklang wie die alten Klassiker. Doch das Hitkonto von Roxette ist ja gerade aus den Hochzeiten zwischen 1989 und 1994 zum Bersten voll und so hielt es bei „How do you do!“, „Dangerous“ und „Joyride“ zum Ende des Sets keinen mehr auf den Sitzen.

Nachdem die Fans den Musikern, allen voran Marie eine Verschnaufpause gegönnt hatten, sollten nun aber noch einige weitere Highlights folgen und so eröffnete Marie den Zugabenreigen mit „Spending my time“ vor einer Wand voller schöner Moodlights, die nun zur vorgerückten Stunde noch besser als am restlichen Abend zur Geltung kamen. „The Look“ brachte natürlich noch mal Bewegung ins Stadion und wurde bestens abgefeiert, ehe ROXETTE erneut die Bühne verließen. Doch noch einmal nahm Marie all ihre Kräfte zusammen und verabschiedete sich von den Fans mit „Listen to your heart“ und „Church of your heart“.

So dürften die meisten Fans den Abend als ein gelungenes „Best of“ Konzert in Erinnerung behalten. Trotzdem blieben die Ausmaße von Maries schwerer Erkrankung unübersehbar, so dass die Schweden nicht mehr an die Triumphe von einst anknüpfen können. Ihre Tapferkeit verdient aber allemal höchsten Respekt und jeder, dessen Herz für die Musik schlägt, wird nachempfinden können, dass es sie noch mal auf die Bühne und zu ihren Fans zieht.

Setlist ROXETTE
Dressed for success
Sleeping in my car
The big L.
Wish I could fly
Only when I dream
She’s got nothing in (but the radio)
Soul deep
Perfect day
Things will never be the same
It must have been love
Opportunity Nox
7 Twenty 7
Fading like a flower
Crash! Boom! Bang!
How do you do!
Dangerous
Joyride

Spending my time
The look

Listen to your heart
Church of your heart

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