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ROYAL REPUBLIC – ETERNAL TANGO

Ort: Münster – Sputnikhalle

Datum: 16.02.2011

Seit Anfang Februar hat Deutschland royalen Besuch aus dem hohen Norden. Wer jetzt glaubt, der Terrorverlag habe die Hofberichterstattung über das schwedische Königshaus übernommen und sich schon auf entsprechenden Klatsch und Tratsch freut, wird möglicherweise enttäuscht sein, dass es sich bei der hochherrschaftlichen Knäckebrot-Abordnung nicht um Blau-, dafür aber um echte Heißblüter handelt. Die Rede ist natürlich von ROYAL REPUBLIC, die der eine oder andere bereits als Support der DONOTS erlebt haben dürfte. Letzten Herbst ist zudem das gelungene Debüt „We Are The Royal“ erschienen; kein Wunder, dass es erstens ziemlich voll in der Sputnikhalle am Hawerkamp war und sich zweitens mit Ingo und Guido Knollmann sowie Alex Siedenbiedel auch drei von fünf Donots unter die Zuschauer gemischt hatten. Bevor es skandinavischen Rotzrock auf die Mütze gab, sorgten allerdings ein paar Jungs aus dem doch eigentlich so beschaulichen Luxemburg dafür, dass schon bald in der alten Industriehalle die Luft brannte.

Leider hatte ich berufsbedingt den Start von ETERNAL TANGO verpasst und stieß erst um 20.15 Uhr dazu, als es gerade ein krachendes Cover des QUEEN-Hits „Don’t Stop Me Now“ gab, das vom Auditorium heftig bejubelt wurde. Westfälische Zurückhaltung war an diesem Abend eh ein Fremdwort und so ging es schon zu recht früher Stunde ordentlich rund vor und auf der Bühne. Bassist und Backgroundsänger Tom Gatti spricht (wie Gitarrist David Schmit) hervorragend deutsch und sorgte mit seinen Ansagen dafür, dass das Publikum ohne Sprachbarrieren perfekt eingenordet wurde, sodass auch gemeinsame Gesänge (mit international verständlichen Texten wie „Oh! No“) reibungslos vonstatten gehen konnten. Auch Sänger David Moreira sorgte mit seinem kräftigen Organ ganz hervorragend dafür, dass keine Langeweile aufkam – natürlich begleitet von seiner schlagkräftigen Truppe an den Instrumenten. Der druckvolle Post-Hardcore ging direkt ins Bein und entsprechend waren sogar Popo und Massenhüpfen angesagt. Seit 2002 ist der Fünfer aktiv und vor einem knappen Jahr ist mit „Welcome To The Golden City“ der zweite Longplayer erschienen – mit absolut livetauglichem Material, wie die sehr präsenten ETERNAL TANGO u.a. mit den beiden letzten Songs „Touch The End“ und dem rumpelnden Rausschmeißer „Da/Da“ zweifelsfrei unter Beweis stellten. So viel Spielfreude wurde selbstredend auch von den Zuschauern belohnt, weshalb es für den knackigen Sound unserer westlichen Zwergenstaat-Nachbarn auch verdientermaßen kräftigen Applaus gab, als die Kapelle um 20.40 Uhr die Stage verließ.

Das Equipment für den Hauptact des Abends war zu diesem Zeitpunkt schon zum Großteil in Position gebracht; ETERNAL TANGO hatten sich mit wenig Platz am Bühnenrand begnügt und auch das schwarze Backdrop kündete schon länger vom Staatsbesuch der royalen Republikaner, die eine halbe Stunde später dann auch mit einer dem Anlass angemessenen Hymne ihre Plätze einnahmen und die Gitarren unter Strom setzten. Gefangene wurden erst gar nicht gemacht, stattdessen brach mit „Walking Down The Line“ ein mittelschweres Inferno über der Westfalenmetropole aus und auch „All Because of You“ ließ es amtlich krachen. An diesem Umstand sollte sich während der gesamten 70 Minuten nichts mehr ändern. Okay, eine kleine Kunstpause war vielleicht mal drin, um die Leute noch heißer zu machen, aber Ziel der Veranstaltung war ganz eindeutig, den alten Beton in der Sputnikhalle Blasen schlagen zu lassen. Spätestens mit „I Must Be Out of My Mind“ hatten Sänger und Gitarrist Adam Grahn und seine drei Mitstreiter den Schuppen entsprechend in einen Hexenkessel verwandelt und die Fans fraßen den smarten Schweden bedingungslos aus der Hand. Wie sich herausstellte, war die überwiegende Mehrheit bereits mit dem hervorragenden ersten Silberling aus der ROYAL-REPUBLIC-Schmiede versorgt; der Vierer konnte an diesem Abend sozusagen ernten, was er in den vergangenen Monaten gesät hatte. Bei „Cry Baby Cry“ waren die ersten Crowdsurfer auf dem Plan, bevor die Kapelle wenig später kurz „Sweet Home Alabama“ von LYNRYD SKYNRYD anspielte, um mit „Full Steam Spacemachine“ wieder in die Vollen zu gehen. Das Video zu der Nummer war übrigens erst am Abend zuvor fertig geworden und Mr. Cool Adam Grahn schien ziemlich stolz auf das Ergebnis. Bilder gab’s zu der ebenfalls sehr coolen Nummer zwar nicht zu sehen, es reichte ja auch, den Muckern zuzuschauen, die gewaltig Dampf machten und mit rasendem Beifall bedacht wurden. „The End“ war glücklicherweise noch nicht der letzte Song, aber die Aufforderung zum Circle Pit, der die ersten Reihen (die auch stetig von der Band mit Wasser versorgt wurden) gern nachkamen. Derweil verehrte Grahn das schwungvolle „President’s Daughter“ seiner Mama, die er auf Tour zu vermissen scheint, bevor mit jaulenden Langäxten und dem knackigen „OIOIOI“ die Meute weiter aufgepeitscht wurde. Dem dunkelhaarige Tollenträger du Bartträger am Mikro war es zu diesem Zeitpunkt schon längst in seiner Lederjacke zu warm geworden, während sich zu „Underwear“ Drummer Per Andreasson derart in Schweiß gespielt hatte, dass er mit blankem Oberkörper weitermachte. In der Zwischenzeit probte Adam, wie das weibliche Gekreische und männliche Gegröle der Anwesenden klang (wobei die Damen erstaunlich laut waren), bevor er sich auch ein wenig an der Schießbude versuchte. Mit „Tommy-Gun“ stand bereits das letzte Stück auf der regulären Setlist. Nochmals war das Publikum gefragt, das nahezu geschossen der Aufforderung nachkam, sich hinzuknien, um auf ein Zeichen hin gemeinsam aufzuspringen. So verging die schweißtreibende schwedische Lehrstunde in Sachen Rotzrock wie im Fluge und die „Oh wie ist das schön“-Gesänge des Auditoriums verrieten, dass die Münsteraner (und die zahlreichen Zugereisten, wie die unterschiedlichsten Nummernschilder rund um den Hawerkamp bekundeten), lange noch nicht genug hatten und sich bestens unterhalten fühlten.

Zur Belohnung gab’s mit „Vicious“ einen neuen Track mit ner fetten Portion Schmackes zu hören, dem umgehend „21st Century Gentlemen“ folgte, in das sich kurzerhand auch das furchtbare „Wind of Change“ der SCORPIONS gemogelt hatte, aber die Jungs von ROYAL REPUBLIC scheinen auch keine großen Fans der Hannoveraner zu sein. Zumindest klang die Intonation und auch Adams Erklärung nicht danach. Dafür klang das finale „The Royal“ umso überzeugender und wurde noch einmal mit allem Zipp und Zapp abgefeiert. Das sollte es eigentlich gewesen sein, aber die Fans ließen die erst seit drei Jahren agierenden Alternative-Rocker gar nicht gehen. Es flogen noch so einige Drumsticks, Wasserflaschen und Handtücher in die Menge und es mussten auch noch eine ganze Reihe Hände abgeklatscht werden, ehe das Quartett aus Malmö zum verdienten Feierabend-Bierchen in den Backstage-Bereich eilen konnte. Wo „We Are The Royal“ als Konserve schon überzeugen konnte, haben ROYAL REPUBLIC live keinen Wunsch offen gelassen und restlos begeistert!

Setlist ROYAL REPUBLIC
Walking Down The Line
All because of You
I Must Be Out of My Mind
Cry Baby Cry
Full Steam Spacemachine
The End
President’s Daughter
OIOIOI
Underwear
Tommy-Gun

Vicious
21st Century Gentlemen
The Royal

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