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RÜDIGER HOFFMANN

Ort: Gütersloh - Stadthalle

Datum: 29.11.2007

Gütersloh ist ja, was kulturelle Veranstaltungen angeht, eher eine Art Diaspora, von daher nimmt unsereins jedweden Künstler von Format gerne mit, selbst, wenn es sich um Comedy/ Cabaret handelt. RÜDIGER HOFFMANN aus dem benachbarten Paderboring wurde als Ausbund der Langsamkeit berühmt, sein „Hallo erstmal…“ eine Zeitlang in aller Munde. Mittlerweile muss der Anfang-Vierziger allerdings etwas kleinere Brötchen backen, seine Medienpräsenz ließ in letzter Zeit etwas nach. Was allerdings nichts mit mangelnder Klasse zu tun haben muss, ganz im Gegenteil. So machten wir uns gegen 19 30 auf zur Stadthalle, in der sich schon ein bunt gemischtes und relativ zahlreiches Publikum auf einen unterhaltsamen Abend eintrunk.

Passend zum neuen Album „Sex oder Liebe“ (sicherlich DIE Gretchenfrage der Nation) stand auch die Tour unter dem Motto, hierzu war die Bühne einfach aber geschmackvoll hergerichtet mit einem Flügel als Zentrum. Der Ostwestfale versteht sich nämlich nicht nur auf verbale Heiterkeit, er ist auch durchaus an der Lage musikalisch Akzente zu setzen, wobei seine Stimme mehr als einmal an WESTERNHAGEN erinnert. Songs wie „Testosteron“, „Kondom“ oder „Das Körperliche kann warten“ (ach ja???) behandeln ganz offensichtlich keine politischen Themen, sorgen aber immer wieder für ein Schmunzeln im Auditorium. Das wurde dabei übrigens desöfteren von Kameras eingefangen. Aufgrund der matten Optik sahen wir auf dem Riesenbackdrop irgendwie wie dröges 70er Jahre Publikum aus. Dagegen konnte aber mit weiblichem Kreischen und männlicher Bewunderung von Rüdigers virilem Körper ein wichtiger Gegenpart gesetzt werden. Seine kleinen Geschichten über die Probleme der Kindererziehung, esoterische Lebensgurus oder den ganz normalen Disco Aufriss wird sicher manch einer nachvollziehen können, eher überraschend in diesem Kontext fiel die recht harsche Kritik an George W. und unseren geliebten „Papst Benedetto“ aus. Deren Agitation gegen Kondome wurde auf ziemlich beißende Art und Weise kommentiert, erstaunlich für jemanden, der aus einer katholischen Hochburg stammt. Dafür beschwor Herr Hoffmann seine Vorliebe für die normale Missionarsstellung, einmal die Woche ohne jedwede Perversionen („Kein Bi, kein Paar, kein Po“). Nach einer knappen Dreiviertelstunde wurde zur ersten Pause geläutet, in der sich Gütersloher plus Anhang mit Gratis Hustenpastillen (für die R.H. Werbung macht) und nicht so günstigen Getränken eindecken konnten.

Die 2te Halbzeit wurde mit einer netten RAMMSTEIN-Persiflage gestartet, inklusive rollendem Rrrr, Metal Shirt und Monsterketten. Schließlich ist Rüdiger ja unter die Rocker gegangen, was ihm ganz neue Perspektiven bei der Damenwelt verschafft haben soll. Vielleicht ist sein kurzer Oberkörperfreier Auftritt beim Wechseln der Garderobe auch in diesem Zusammenhang zu sehen. Der 2te Teil schien mir ein wenig spritziger auszufallen, das ist aber durchaus Ermessensache. Insbesondere das abschließende „Oma hatte sie alle“ als amüsant-sentimentale Zeitreise durch die jüngere deutsche Geschichte konnte durchaus Anteilnahme erwecken. Konsequenterweise blieb der Künstler vor Zugaberufen nicht gefeit, hier gab es noch eine Nummer über bestialische Mordanschläge freilaufender Kinder in einer Pizzeria sowie eine (nicht so tolle) Hausmeister Krause-Parodie zu hören. Mit einer Ode an die Frauen (oder eine ganz bestimmte Frau) wurde der Abend mit kräftigem Beifall kurz vor 23 Uhr dann angemessen beendet. Man kann nicht behaupten, dass RÜDIGER HOFFMANN das Publikum nun von den Sitzen gerissen hat, aber insgesamt bot der Glatzkopf eine amüsante Performance mit ein paar ironisch-ernsten Untertönen. Die Langsamkeit früherer Tage wurde nur noch als Selbstpersiflage eingesetzt, die Weiterentwicklung scheint gelungen, ohne dabei auf infantilen Humor zu setzen. Nur die entscheidende Frage, ob Sex oder Liebe, blieb auch an diesem kalten Novembertag ungeklärt…

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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