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RUNES & MEN FESTIVAL 2016

Ort: Leipzig - Volkspalast

Datum: 14.10.2016 - 15.10.2016

Tag 1

BLOOD AXIS – ORDO ROSARIUS EQUILIBRIO – NAEVUS – DIE WEISSE ROSE – ARNICA – LARRNAKH

Es ist soweit: der letzte Akt des legendären Festivals „Runes & Men“ geht in seine letzte Runde. Mit einer Location, die nicht besser hätte gewählt werden können, dem Leipziger Volkspalast, mit seiner riesigen Kuppelhalle und einem Eingangsbereich, der an das römische Pantheon erinnert. Passend auch das Line Up: Alles, was Rang und Namen in der Neofolk-Szene hat. „Vorbands“ im klasischen Sinne gibt es nur wenige, fast jeder Act ist für sich genommen schon ein Headliner. Und so machen wir uns pünktlich auf den Weg, vorbei an den Lederhosen und Dirndl vom gleichzeitig nebenan stattfindenden Oktoberfest und dem Streetfoodmarket (was für ein Kontrast) kommen wir schließlich am Ziel an. Vor dem Eingang stehen die ersten Gleichgesinnten… und es werden immer mehr. Der Weg bis zur Bühne dauert schließlich fast 1,5 Stunden. Nicht weil es so voll war, sondern weil es überall wen zum Begrüßen und Schwätzchen halten gab.

So haben wir auch leider den Anfang verpasst. Den Opener für den Freitag-Abend macht LARRNAKH. Das ungarische Projekt um Sörös Gergö spielt klassischen Lagerfeuer-Neofolk mit Akustikgitarre, Geige, Cello und anderen Instrumenten, bedient sich allerdings auch einiger Industrial-Elemente, die immer wieder die Harmonie unterbrechen. Im akustischen Teil der Performance ist eine Reminiszenz an CAWATANA nicht zu verleugnen, Gergö war schließlich auch Gründungsmitglied und Sänger dieser Band.

Nach einer kurzen Pause geht es mit ARNICA weiter. Und hier wird es archaisch, der Auftritt beginnt mit Masken aus Tierschädeln. Zwei wilde Kerle und eine hübsche Dame von der iberischen Halbinsel präsentieren Ur-Folk in alter Landessprache. Mit gigantischen Trommeln, Horn, Akustikgitarre und druckvollem Schreigesang war das ein sehr energetischer Auftritt, der auch den letzten Zuschauer in der inzwischen gut gefüllten Kuppelhalle aufgerüttelt haben dürfte. Unterstützung gab es hier zeitweilig noch von Michael Moynihan von BLOOD AXIS.

Martialisch geht es in die nächste Runde. „Immer weiter und weiter …“ liefert Thomas Bøjden ein beeindruckendes Trommelfeuerwerk mit seinen Kollegen Kim Larsen (:OF THE WAND AND THE MOON:) und Gary Carey (JOY OF LIFE) ab. Dazu Geige und Bombast-Orchester vom Band. Auch nach dem 10. Oder 20. Besuch ein grandioser Auftritt, der keiner Veränderung bedarf.

NAEVUS haben wir leider verpasst, die Autobar war einfach zu gut besucht. Das aus London stammende Projekt um Lloyd James dürfte aber der rockigste Höhepunkt des Abends gewesen sein. Mit ordentlichem Bass-Spiel und lauter E-Gitarre dürfte sich NEAVUS auch bei Rock- und Punkrock-Freunden großer Beliebtheit erfreuen. In der Neofolk-Szene sind sie zu recht seit Jahren schon fester Bestandteil und überzeugen immer wieder durch energetische Auftritte.

Eine meiner ersten Lieben der Neofolk-Musik waren ORDO EQUILIBRIO, damals noch eher Dark Ambient mit einigen Gitarrenstücken. In den inzwischen mehr als 20 Jahren Bandgeschichte, die Erweiterung zu ORDO ROSARIUS EQUILIBRIO und dem Wechsel zum Major-Label Trisol ist die Formation um den Schweden Tomas Pettersson relativ poppig und eingängig geworden. Viele Stücke haben ihren Reiz aber dennoch nie verloren. Und davon gab es in Leipzig zahlreiche zu hören, sogar ausschließlich auf Vinyl erschienene Hymne „Nature seeking equilibrium/ War for the principal of balance“ wurde gespielt. Trommeln und Gitarren wurden von dem Quintett live eingespielt, der Rest verständlicherweise aus der Konserve.

Den Schlussakt für den Freitag bestreitet BLOOD AXIS. Legenden der Szene und vor allem die älteren Stücke wahre Meisterwerke martialischer Trommelmusik. In den Genuss, diese Band live zu erleben, war ich bisher leider nie gekommen. Stattdessen schwebte mir immer die legendäre Live-Veröffentlichung „Blót: Sacrifice in Sweden“ aus dem Jahre 1998 vor den Augen… oder besser vor Ohren. Als dann Michael Moynihan, Annabel Lee an der Geige und Robert Ferbrache an der E-Gitarre loslegen, bin ich ein wenig enttäuscht. Der Rest, und vor allem die wuchtigen Trommeln kommen blechern und mit wenig Druck aus der Konserve, dabei gäbe es an dem Wochenende zahlreiche fähige Trommler in der Gegend. Einziges „Schlagwerkzeug“ war das von Moynihan gespielte Tamburin. Dennoch war es ein schöner Auftritt mit sämtlichen Hits, die Erwartungen waren einfach zu groß. Da wäre durchaus mehr möglich gewesen, einige andere sahen das ähnlich und verließen vorzeitig den Saal.

Im Anschluss gab es noch feine musikalische Beschallung zum Tanz, es leerte sich aber recht schnell und irgendwann wurden auch wir letzten Besucher raus gekehrt… mit zahlreichen Erinnerungen an einen tollen Abend mit vielen schönen Konzerten und Begegnungen.

Tag 2

DEATH IN JUNE – SPIRITUAL FRONT – :OF THE WAND AND THE MOON: – DARKWOOD – FIRE & ICE – VURGART

Nach einem sehr entspannten Tag geht es gut gestärkt abends wieder zurück in den Volkspalast. Sechs weitere tolle Bands stehen für heute auf dem Programm. Den Anfang macht VURGART, was bis zuletzt nicht ganz sicher war. Krankheitsbedingt schwankte der Auftritt des Projektes von Matthias Krause (JÄNNERWEIN) – und einen Trommler gab es auch noch nicht. Aber schließlich ging alles gut, und als dann auch noch 1,5 Stunden vor Konzertbeginn der Schlagwerker von DARKWOOD zusagte, war der Auftakt gerettet. Benjamin Sperling von JÄNNERWEIN am Bass und Lena an der Geige komplettierten das Line Up. VURGART gibt es bereits seit zehn Jahren, aber bisher existieren gerade zwei Alben, die in Eigenregie und Kleinstauflage herauskamen. Textsicher war daher kaum einer im Publikum, bis auf das FORSETI-Cover „Welkes Blatt“. Musikalisch spielt VURGART auch in diesem Genre, klassischer Akustik-Folk mit Lagerfeuerstimmung. Ein schöner und denkwürdiger Auftritt und Auftakt für den Konzertabend.

Bereits als zweite Band spielt eine lebende Neofolk-Legende: FIRE & ICE. Unterstützt wird Ian Read von der kompletten BLOOD AXIS-Besetzung. Und was dieser unscheinbare Mann mit seiner einerseits zerbrechlichen aber auch eindrucksvollen Stimme auf die Bühne zaubert, treibt so manchem gestanden Neofolker Tränen in die Augen. Ein großartiger Auftritt mit perfekter Instrumentierung, Interaktion mit dem Publikum und schließlich noch einem Gastauftritt von Douglas Pearce an der Gitarre bei „Take my hand“. Wunderschön.

Und mindestens genauso gelungen geht es weiter mit DARKWOOD. Das Projekt des Dresdners Henryk Vogel präsentiert seine Meisterwerke auf sehr kraftvolle Weise dem Publikum, live eingespielt mit Trommeln, Gitarre und Geige. Beschauliche Lagerfeuer-Stücke wechseln mit druckvolleren Trommelstücken und majestätischen Hymnen. Ebenfalls ein fantastischer Auftritt.

Und schon folgt der nächste Neofolk-Topact: OF THE WAND AND THE MOON ist das Projekt des Dänen Kim Larsen und zählt nahezu mit Gründung 1998 zu meinen Lieblingsbands. Fantastische Instrumentierung in voller Bühnenbesetzung, die wunderbare Stimme von Larsen und zahlreiche Hits machten auch diesen Auftritt wieder einmal zu einem unvergesslichen Auftritt. Das Ganze unterlegt mit prägnanten Videosequenzen, u.a. Ausschnitte aus Jodorowskys „Montana Sacra“ („Der heilige Berg“). Hin und wieder streift man gar das Post Rock-Genre!

Kommen wir zum „Mädchenschwarm“ des Abends: Simone Salvatori mit kompletter Band SPIRITUAL FRONT. Das Album „Armageddon Gigolo‘“ schlug 2006 ein wie eine Bombe. Die Italiener hatten zwar bereits vorher schon einige Veröffentlichungen, unter anderem eine Split-VÖ mit ORDO ROSARIUS EQUILIBRIO, aber mit diesem Album wurden sie umgehend zu einer Art „Neofolk/ Suicide Pop-Superstars“. Smart, charmant und energievoll präsentiert sich Salvatori gewohnt dem Publikum, so dass einige Frauenherzen sicherlich höhergeschlagen haben (2 davon tanzten sehr auffällig und ekstatisch am linken Bühnenrand). Neben bewährten Hits wie „Jesus died in Las Vegas“, „No kisses on the mouth“ oder „I walk the (Dead)Line”, bei denen das gesamte Publikum mitsang, gab es auch ein Paar neue Songs des bereits seit geraumer Zeit angekündigten neuen Albums sowie das eher unbekannte „Vladimir Central“ von der gleichnamigen Vinyl-Single. Ebenfalls großartig.

Und mit reichlich Verspätung (mittlerweile fast 2 Uhr morgens!) ist es dann endlich soweit. Die ach so bösen Totenköpfe, versehen mit dickem Schmollmund, werden heruntergelassen und der Urvater des Neofolks betritt die Bühne: Douglas Pearce mit seinem Projekt DEATH IN JUNE. Und selbst nicht eingefleischte Fans können dem Mann eine gewisse Aura nicht abstreiten. Anfangs noch mit Miro Snejdr (am Piano) und Maske füllt Pearce den Großteil des fast zweistündigen Auftritts alleine… mit Gesang und Gitarre. Genug Platz für einen Hit nach dem anderen… bis auf einen: Den Namensgeber der Veranstaltung „Runes & Men“. Diese Hymne schließt letztendlich das fünf fantastische Jahre währende „beste“ Festivals der Welt ab. Und nach und nach betreten noch Gary Carey, Michael Moynihan, Annabel Lee, Robert Ferbache, Ian Read, Simone Salvatori Kim Larsen, Thomas Bøjden und Matthias Krause die Bühne und stimmen ein. Was für ein Abschluss eines fantastischen Konzertabends. Mit den Worten „Be careful and have a fantastic life!“ verlässt Pearce schließlich die Bühne.

Was soll jetzt die Leere ohne die Vorfreude auf ein nächstes „Runes & Men“ ausfüllen? Was erst einmal bleibt, ist die Erinnerung an zwei fantastische Konzertabende mit wundervollen Musikern und Menschen, Menschen, die die Musik vereint. Vielen Dank dafür auch an die Veranstalter Equinoxe Organization, die so eine Atmosphäre zusammengebracht haben und eine kürzlich getroffene Aussage, Neofolk sei „die langweiligste Musik auf Erden“, wieder einmal Lügen strafen. Es war ein Vergnügen, Teil dieser denkwürdigen Veranstaltung gewesen zu sein. Heilige!

Copyright Fotos: Kai-Uve Altermann

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