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RUNRIG – MADVIOLET

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 10.11.2007

RUNRIG – der Name steht seit über 30 Jahren für feinen Folkrock. Im Frühjahr hatte sich das Sextett aus Schottland nach über 4 Jahren mit einem neuen Album zurückgemeldet und da brauchte die treue Anhängerschaft keine Extraeinladung, die neuen Stücke auch live zu hören. Der Ringlokschuppen vermeldete erwartungsgemäß „Ausverkauft“ und so war der große Saal schon zum Bersten voll, als wir um kurz vor halb Acht eintrafen. Mittlerweile bringen die Fans erster Stunde schon ihre Kinder mit, das Publikum also generationsübergreifend und bunt gemischt. Das mit der gesunden Mischung hatten sich die sechs Herren des Hauptacts wohl auch überlegt und sich mit dem Singer-/ Songwriterduo MADVIOLET zwei fesche Mädels aus Kanada als Support mit auf Reisen genommen. Vielleicht gibt es hier auch Verbindungen über RUNRIG-Sänger Bruce Guthro, der ja als einziges Bandmitglied nicht aus Schottland, sondern Neuschottland stammt. Lisa MacIsaac und Brenley MacEachern hatten zu diesem Zeitpunkt bereits mit ihrer Darbietung begonnen. Beide versiert an der Gitarre und mit angenehmen Stimmen gesegnet, präsentierten eine halbe Stunde Stücke aus ihren bislang erschienenen Alben „Worry the jury“ und „Caravan“. Wobei Lisa auch öfter zur Geige griff, was insgesamt etwas an THE CORRS erinnerte. Den Bielefeldern gefiel’s und der Applaus war von Anfang an äußerst wohlwollend, was die Damen sichtlich zu großer Spielfreude motivierte. Beschwingtes und Getragenes wechselten einander ab, wobei die Zwei gut aufeinander abgestimmt wirkten und sich auch stimmlich gut ergänzten. Nach rhythmischen Mitklatschspielchen, einem launigen Exkurs über deutsches Bier und CDs, die versehentlich in Rostock gelandet sind, gab es noch ein Instrumentalstück auf die Ohren, dann überließ das charmante Duo mit warmem Applaus bedacht die Bühne dem Schottenvolk.

Setlist MADVIOLET
Haight Ashbury
Laura Lee
Wake up
Skylight
Hi Boo
I’m your lady
G Group
Never saw an ending

Nach einer halbstündigen Umbaupause, in der es im Prinzip nichts mehr umzubauen gab, betraten nun von einem schönen Intro untermalt nach und nach alle Bandmitglieder RUNRIGs die Bühne. In der hinteren Reihe Gründungsmitglied Calum MacDonald an den Perkussion, daneben Iain Bayne an den Drums und rechts Youngster Brian Hurren an den Keys, der zu Gründungszeiten noch in der Ursuppe schwamm. Vorne die Saitenfraktion mit Calums Bruder Rory, Bruce Guthro und Malcolm Jones. „Year of the flood“ – Opener des aktuellen Albums „Everything you see“ machte auch an diesem Abend den Anfang, gefolgt vom Klassiker „Beat the drum“, mit dem man das Publikum sofort fest in der Hand hatte. Zwar konnte nicht mit dem gleichnamigen Bier angestoßen werden, das eine schottische Brauerei den Jungs gewidmet hat, doch das sollte einer gepflegten Party keinen Abbruch tun. Nach „Road Trip“ vom aktuellen Album betrat nochmals Lisa MacIsaac die Bühne, um „Proterra“, Titelstück des letzten Albums, mit ihrem Geigenspiel zu bereichern. „Wenn die Welt zu sehr schmerzt, schau aufs Meer“. Von diesem Rat eines alten Fischers inspiriert folgte die wunderschöne Ballade „The Ocean Road“. Doch danach sollte es wieder mit Schwung weitergehen. Mit „Toll dubh“ und „Sona“ standen zwei gälische Songs auf der Setlist. Für „The engine room“ griff Malcolm zum Dudelsack, bevor Bruce „Every river“ zunächst allein mit Akustikgitarre begann und alsbald von Malcolm unterstützt wurde, der am Ende wie so oft mit einem feinen Gitarrensolo brillierte. „Es ist schön, in Bielefeld zu sein“ rief Bruce in die begeisterte Menge, bei der nun zu Akkordeonklängen die Post abging. Mit „A Reiteach“ hatte das Sextett auch wieder eine fantastische Trommel-Performance im Gepäck, die mich bei jedem Auftritt aufs neue begeistert. Getragenere Töne stieß Bruce mit der erhabenen Hymne „In Scandinavia“ an, zu der Wunderkerzen und entsprechende Fähnchen geschwungen wurden. Mit den letzten Stücken des regulären Sets zog das Tempo nochmals merklich an. „The stamping ground“ darf natürlich nie fehlen und „Skye“ wurde eingerahmt von einem ordentlichen Schlagzeuggewitter bis „Hearts“ die Gemüter mit langsamen Klavierklängen wieder beruhigte und die Sechs zum ersten Mal die Bühne verließen.

Doch mit „On the edge“ durfte erneut Malcolm seine Fähigkeiten an der Gitarre ausleben untermalt von wunderschönen Landschaftsaufnahmen im Hintergrund, ehe noch „Protect“ gespielt wurde. Klar, dass auch hier noch nicht Schluss sein konnte, auch wenn sich RUNRIG erneut zurückzogen. Beim Finale war dann mit „Something’s got to give“ auch für Keyboarder Brian die Chance gekommen, sein Sangestalent unter Beweis zu stellen, ehe zu „Loch Lomond“ noch einmal rhythmisches Klatschen angesagt war. Unter lang anhaltendem Applaus und Gejohle verabschiedeten sich die Schotten und sangen zum Abschied zusammen „Golden Stories“ am vorderen Bühnenrand. So hieß es nach fast zwei Stunden die Fahnen wieder zusammen zu rollen, doch die „Riggies“ traten erschöpft und zufrieden den Heimweg an. Wieder einmal hatten RUNRIG bewiesen, dass sie über eine wunderbare stimmliche Vielfalt verfügen, alle Meister ihrer Instrumente sind und Tradition und Moderne vortrefflich zu verbinden wissen.

Setlist RUNRIG
Intro
Year of the flood
Beat the drum
Road trip
Proterra
The ocean road
Toll dubh
Sona
The engine room
Every river
Cutter/ Maymorning
A reiteach
In Scandinavia
The stamping ground
Clash of the ash
Skye
Hearts

On the edge
Protect

Something’s got to give
Loch Lomond
Golden Stories

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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