Konzert Filter

RUNRIG – EMILY BARKER

Ort: Bielefeld - Stadthalle

Datum: 28.10.2016

Im Januar dieses Jahres haben die Schotten-Rocker RUNRIG ihr 14. Studioalbum „The Story“ veröffentlicht und gleichzeitig bekannt gegeben, dass es sich dabei um ihr letztes handeln wird. Nun sind sie nach längerer Tourpause wieder in Deutschland unterwegs und wie zu erwarten, strömen die Anhänger gepflegter Folkmusik in Scharen in ihre Konzerte. So auch an diesem Abend in der Bielefelder Stadthalle. Ein Blick auf die Nummernschilder in der langen Schlange zum Parkhaus ließ auf ein recht großes Einzugsgebiet schließen, die Halle präsentierte sich mit über 3.000 Zuhörern an ihrer Kapazitätsgrenze.

Zur Einstimmung gab es zunächst eine gute halbe Stunde Musik von EMILY BARKER. Die gebürtige Australierin lebt in England und kann schon auf eine zehnjährige Karriere zwischen Folk und Country zurückblicken. Begleitet vom Kontrabassisten Lukas Drinkwater eröffnete sie ausgerüstet mit Gitarre und Mundharmonika den Abend gegen 19.30 Uhr mit zwei dynamischen Bluegrass-Nummern „Dear river“ und „Blackbird“ und traf damit den Nerv der Zuhörerschaft. Wirkten sie und ihr Kompagnon optisch etwas verloren am Rand der riesigen Bühne mit den opulenten Aufbauten für den Hauptact im Hintergrund, konnte die 35-jährige jedoch schnell durch ihr selbstsicheres Auftreten und ihre wunderbare Stimme überzeugen. Es folgte mit „Nostalgia“ ein sehr gefühlvoller Song, der bekannter wurde durch seinen Einsatz in der Krimireihe „Wallander“, auch wenn der Inhalt des Songs wie sie lachend kommentierte „nichts mit Schwedenkrimis zu tun hat.“ Danach wechselte sie ans Piano, um ihren brandneuen Song „Sister Goodbye“ zu performen, der auch auf ihrem nächsten Album wiederzufinden sein wird und der US-Bluessängerin und -gitarristin Sister Rosetta Tharpe gewidmet ist. Nachdem sie sich für „Tuesday“ wieder die Gitarre umgeschnallt hatte, folgte mit „Fields of June“ ein energetisches Duett, für das Lukas den ursprünglichen Gesangspart von Frank Turner übernahm. Mit „Disappear“ ging nochmal gut die Post ab, anschließend verließ Lukas die Bühne und Emily sang zum Abschluss völlig ohne Instrumentalunterstützung ein Cover von Rosetta Tharpe „Precious memories“. Ein wunderbarer Blues-Moment und ein eindrucksvolles Statement am Ende einer gut gewählten kleinen Werkschau, die das Publikum mit entsprechendem Applaus bedachte. Ich hätte Emily Barker länger zuhören können, wem es auch so geht, bekommt am 12.03.2017 im Bunker Ulmenwall Gelegenheit dazu.

Setlist EMILY BARKER
Dear river
Blackbird
Nostalgia
Sister Goodbye
Tuesday
Fields of June
?
Disappear
Precious memories

Als der Zeiger auf 20.30 Uhr rückte wurden die Riggies langsam unruhig. Doch dann betraten die Geschwister Rory und Calum Macdonald, Iain Bayne, Malcolm Jones, Brian Hurren und Bruce Guthro nach und nach zu den opulenten Klängen von „Onar“ die Bühne, um gleich mit der schönen Hymne „The years we shared“ von ihrem aktuellen Album nachzulegen. So richtig los ging die Party aber erst mit „Pride of the summer“ besser bekannt als „Beat the drum“, zu dem die Fans gleich nach altbekannter Manier geschlossen rhythmisch klatschten. Sicher hätte der ein oder andere auch das Tanzbein geschwungen, aber dazu fehlte die nötige Bewegungsfreiheit. Weiter ging es mit dem alten Song „Harvest moon“, sehr schönem Harmoniegesang und wie bei vielen anderen Songs auch mit stilvollen Videosequenzen unterlegt. Vor und zurück in der Bandgeschichte begeisterten die nächsten Songs durch lange Instrumentalpassagen sowie ein Gitarrensolo von Malcolm Jones und selbst der Mythos, das Bielefeld möglicherweise gar nicht existiert, ist bis zu den Schotten vorgedrungen. Den nächsten Höhepunkt markierte „Rocket to the moon“ nur mit Gitarre am Bühnenrand von Bruce Guthro vorgetragen, wohl der intimste Moment des Konzerts und ebenso mit frenetischen Applaus bedacht wie alle Songs vorher. Doch mit „The place where the river runs“ und „What time?“ ging die Party wieder laut und von vielerlei Percussion flankiert weiter, abgerundet von einem perfekten Trommelsolo von Iain Bayne. Zu „Only the brave“ und „Alba“ waren wieder die Mitmachqualitäten der Fans gefragt, egal ob ins große „Hoho“ einzustimmen oder die Arme in die Luft zu reißen. Da durfte zum Abschluss des regulären Sets eine weidlich ausgedehnte Version des Klassikers „Skye“ nicht fehlen.

Doch die mehrere Generationen umfassende Schar der Riggies wollten ihre Schotten-Fahnen noch nicht wieder einrollen und nach entsprechenden Zugabe-Rufen wurden diese noch in vierfacher Form gewährt. Los ging es auf Gälisch mit „When the beauty“, ehe es mit „Clash of the ash“ nochmal ordentlich abging. Wie ließe sich diese Spektakel noch steigern? Natürlich fehlten noch zwei obligatorische Songs: Zu „Loch Lommond“ taten sich Band und Publikum nochmals zu einem großen Chor zusammen, ehe die Schotten-Sause mit einer Acapella-Version von „Hearts of olden glory“ nach 2 Stunden ihr Ende fand. Doch nicht bevor Iain den jubelnden Fans versprochen hatte: Die Geschichte geht weiter…

Danach ging es für alle Kilt-Träger und den Rest hinaus in die kalte Nacht. RUNRIG hatten wieder einmal eine gute Mischung aus Ab- und Mitgehnummern, Altem und Neuem, ruhigen und lautstarken Momenten geboten. Mir persönlich an manchen Stellen zu glatt und überproduziert, aber in der Perfektion von Gesang und Instrumentalisierung wohl kaum zu toppen.

Setlist RUNRIG
Onar
The years we shared
Pride of the summer
Harvest moon
Rise and fall
Elegy
Dance called America
Maymorning
Every river
Rocket to the moon (Acoustic)
The place where the river runs
What time?
The story
Flower of the west
Only the brave
Alba
Skye

When the beauty
Clash of the ash
Loch Lommond
Hearts of olden glory (Acapella)

Copyright Fotos: Jörg Rambow

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu EMILY BARKER auf terrorverlag.com

Mehr zu RUNRIG auf terrorverlag.com