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SADE – THE JOLLY BOYS

Ort: Oberhausen - KöPi-Arena

Datum: 04.05.2011

Willst Du gelten, mach Dich selten. Das trifft wohl auch auf SADE zu. 18 Jahre mussten die Fans in Deutschland warten, um die dunkelhäutige Schöne mit der Cashmere-Stimme mal wieder live zu erleben. Und so war ein reger Publikumsstrom zur KöPi-Arena in Oberhausen zu verzeichnen, als der Zeiger Richtung 20 Uhr schritt.

Doch zunächst ging es in die Aufwärmrunde mit den JOLLY BOYS. Die sechs rüstigen Herren aus Jamaika frönen dem Mento, also der landestypischen Folklore, eine Art Gute-Laune-Reggae ohne kritischen Anspruch. Die Veteranen dieser Zunft spielten bereits auf Partys von Errol Flynn, der den Jolly Boys ihren Namen gegeben haben soll. An diesem Abend gab es eine gute halbe Stunde altbekannte Songs im Mento-Gewand auf die Ohren, darunter „Golden Brown“ von THE STRANGLERS, „Perfect day“ von LOU REED oder JOHNNY CASHs „Ring of fire“. Die 7000 Zuhörer in der damit fast ausverkauften Arena nahmen die Einladung zum Mitwippen an und dankten der Combo mit warmherzigem Applaus.

Nun hieß es noch 40 Minuten bis zum Hauptact warten. Bereits das Intro ließ auf einen selbstbewussten Start mit „Soldier of love“, der ersten Single aus dem gleichnamigen, aktuellen Album schließen und zu kraftvollen Beats fuhr SADE mit 8-köpfiger Verstärkung effektvoll aus dem Boden auf die Bühne hoch und wurde vom Publikum frenetisch willkommen geheißen. Mit den typischen Saxophon-Klängen der 80er ging es mit „Your love is king“ ganz an den Anfang der Bandgeschichte. SADE, ihrem Stil treu hauteng in schwarz gekleidet, auf Highheels, mit knallroten Lippen, strengem Pferdeschwanz und Riesenkreolen schritt die Bühne ab und wurde dabei von Kameras für 2 große Projektionswände rechts und links der Bühne festgehalten. Nach dem neuen „Skin“ folgte mit „Kiss of life“ leichte Kost aus 1993, dazu die Bühne in frisch-grünem Licht und im Hintergrund das Video, in dem sich eine etwas jüngere SADE auf einer Blumenwiese rekelt. Ganz anders inszeniert nun das fast einer Beschwörung gleiche „Love is found“ mit Schattenspiel im Hintergrund. Danach kam kuscheliges Lounge-Feeling auf. Die gesamte Band gruppierte sich locker auf der rechten Bühnenhälfte, SADE nahm auf einem Barhocker Platz, um nun „In another time“ vom aktuellen Album zu performen.

Polizeisirenen, flackernde Neonschilder und ratternde Subways ließ das Auditorium anschließend in die Gangsterwelt Chicagos in den 30er Jahren eintauchen und den Protagonisten Zeit für einen Kostümwechsel. In weißer Bluse mit schwarzer West erschien SADE wieder auf der Bühne, um mit ihren Kollegen im Al Capone-Outfit den Welthit „Smooth operator“ unter das begeisterte Publikum zu bringen, das es nun zu großen Teilen schon nicht mehr auf den Stühlen hielt. Doch nun war wieder Zeit für die zarten Töne und einen weiteren Hit: „Jerzebel“, den SADE lässig am Bühnenrand sitzend sehr intim vortrug. Am Ende fiel ein weißer, fast durchsichtiger Vorhang rund um die Bühne und während auf diesen Vorhang Kamerafahrten mit dem Zug oder entlang langer Alleen projiziert wurden, sang SADE dahinter quasi als Untermalung kongenial „Bring me home“. Mit „Is it a crime“ folgte ein weiterer Hit aus 1986, die Bühne dazu passend zur samtenen Stimme von Frau Adu mit riesigen roten Stoffbahnen drapiert, ein weiteres Fest für die Sinne und entsprechend emotional die Reaktionen aus dem Publikum. Nach „Still in love“ ging es mit flockigen Reggae-Rhythmen und „All about our love“ weiter, ehe „Paradise“ wieder die Leute von den Sitzen riss. Es wurde bis hoch in die Ränge getanzt und am Ende überließ SADE ihren Jungs die Show, die mit Mitsingspielchen die Zeit für einen weiteren Kostümwechsel geschickt überbrückten.

Erneut fiel der weiße Vorhang und nur schemenhaft war SADE dahinter im eleganten Abendkleid mit offenem Haar zu sehen, außen gab es graue Projektionen von Baumkronen zum melancholisch schönen und doch tieftraurigen „Morning bird“ vom aktuellen Album, für mich einer der Höhepunkte. Doch zu „King of sorrow“ sollte sich der Vorhang wieder lichten und zu „Sweetest taboo“ war die Tanzfläche erneut eröffnet. Nebel- und Windmaschine erzeugten dabei perfektes 80er Feeling und man musste schon ganz genau hinschauen, um festzustellen, daß die Zeit doch nicht stehen geblieben ist. Es ging weiter mit aktuellem Material und „The moon and the sky“, wozu sich SADE im Videoeinspieler Lasso-schwingend als fleischgewordene Männerphantasie präsentiert. Danach jedoch nachdenkliche Töne mit „Pearls“ von SADE ganz allein auf der Bühne performt. Nach „No ordinary love“ stand Frau Adu nun schon über 100 Minuten auf der Bühne und so fand das reguläre Set mit „By your side“ unter Konfetti-Regen sein Ende.

Mit anhaltenden Standing Ovations mussten die Fans lange um eine Zugabe kämpfen, die dann noch mit „Cherish the day“ erfüllt wurde, währenddessen ich angesichts der langen Heimfahrt die Segel strich. Noch lange halte das atemberaubende Sinnesspektakel nach. Wobei nicht mal spektakuläre Effekte, sondern die ästhetische Stimmigkeit zu bezaubern wusste. SADEs einzigartige Stimme ging bei kraftvollen wie zarten Stücken eine perfekte Symbiose mit der Licht- und Bilderinszenierung ein, die den Charakter des jeweiligen Songs brillant auf den Punkt brachten. Auf Opulenz folgte Reduktion, auf Nachdenkliches Leichtfüßiges und wie immer geht es um die Liebe, mal um die strahlenden Seiten, dann wieder um die Schatten. Gänsehautgarantie für fast 2 Stunden und zu Recht von den Anwesenden frenetisch gefeiert. „It’s good to be back“ hatte SADE das Publikum begrüßt. YES.

Setlist SADE
Soldier of love
Your love is king
Skin
Kiss of life
Love is found
In another time

Smooth operator
Jezebel
Bring me home
Is it a crime
Still in love
All about our love
Paradise

Morning Bird
King of sorrow
Sweetest taboo
The moon and the sky
Pearls
No ordinary love
By your side

Cherish the day

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