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SAMSAS TRAUM – ILLUMINATE – END OF GREEN – FANOE – DEVILSKISS

Ort: WGT Leipzig Parkbühne

Datum: 03.06.2006

Fast schon traditionell entschieden wir uns am Samstag, den auf der Parkbühne stattfindenden Konzerten zu lauschen. Gegen 15 Uhr war noch nicht wirklich viel los, zumindest an der Bühne – am Himmel zogen sich leider düstere Wolken zusammen.

Und los geht’s: Die seit 6 Jahren bestehende Band DEVILSKISS – von der man vielleicht gedacht hätte, dass sie auf Deutsch singt – legte einen guten Start vor leider wenig Publikum hin. Wunderte sich der eine oder andere, Louis Manke bei der Technik herumlaufen zu sehen, erklärt sich dies bei einem Blick in die Bandgeschichte: Der Gitarrist von TERMINAL CHOICE hatte schon 2003 den Titel „Der Teufel“ mit der Formation produziert. Zurück zum Konzert: Texte, die denen von RAMMSTEIN ähneln und starker Sound, der von Schlagzeug und Gitarre lebt, lassen DEVILSKISS aus dem Einheitsbrei der „Quasi-Vorbands“ deutlich herausstechen. Dabei bringen die vier Jungs erst in der zweiten Hälfte dieses Jahres ihr „richtiges“ Debütalbum heraus und haben bislang vom Erscheinen auf Samplern und mit einer eigenproduzierten EP gelebt. Man darf gespannt sein – live knallten „Kerzenblut“ und „Fleisch“ auf jeden Fall schon mal ganz schön. Aber auch die eventuell bekannten Songs wie „Henkersmahl“ waren doch mehr als nett zu nennen.

Diesmal wurde die volle Spielzeit nicht ausgenutzt und der Umbau war im Nu erledigt, so konnten FANOE, die zweite Band an diesem Tag, bereits gegen 16.30 Uhr loslegen. Vom Namen her hätte ich auf eine Mittelalterformation getippt – und weit daneben gelegen, denn die Schweizer Formation macht laut eigener Aussage „Industrial Electric Rock“. Ja, da würden wir zustimmen – allerdings waren die Musiker auf der Bühne dann doch irgendwie unsicher und versuchten mit erzwungen witzigen Ansagen den Auftritt aufzulockern, was jedoch gründlich misslang – auch wenn die Musik in Ordnung war. Allerdings nützt das allein bei einem Gig herzlich wenig. Mit „Empire Dirt“, dem Titelsong ihres Albums, verabschiedeten sich die Jungs um Klaus Fanoe von der Bühne – in dem Fall tat uns das nicht wirklich Leid.

Inzwischen hatte – ebenfalls traditionell – dauerhafter Nieselregen eingesetzt, der die Stimmung des inzwischen angewachsenen Publikums nicht gerade verbesserte. Überall wurden Schirme ausgepackt, so dass man spätestens ab der vierten Reihe nichts mehr sehen konnte – noch einmal: Wozu ist man auf einem Festival? END OF GREEN, die recht pünktlich begannen, entschädigten durchaus für diese beiden Mankos. Die Stuttgarter langten gut in die Gitarrensaiten und boten Gothmetal vom Feinsten, der jedoch nie in Geknüppel ausartete, sondern sogar tanzbar und mitsingbar war (hätte man die Lyrics gekannt). Optisch gesehen war das allerdings etwas gewöhnungsbedürftig – zwei Kerle mit langen Haaren dabei, wie man es vom Sound her erwartet hätte, ja. Aber der gut aussehende Gitarrist mit den Dreads namens „Sad Sir“ und der mit seiner Mütze und dem Rest seines Outfits doch etwas „Emo“ wirkende Sänger „Michelle Darkness“ passten nicht ins Bild – und der im Gegensatz zu den Anderen brav wirkende Bassist erst recht nicht. Macht nichts, denn gerade „Sad Sir“ ließ die Mähne fliegen und animierte das Auditorium zu springenden, rhythmischen Bewegungen. Unsere Meinung: END OF GREEN dürfen gerne wiederkommen – haben sie doch schon drei Alben herrausgebracht und wir kannten sie trotzdem noch nicht… (wobei sich das „wir“ nicht auf den ganzen Terrorverlag bezieht, Anm. der Red.)

Beim nächsten Act regnete es verstärkt, und diesmal führte das doch zu irgendwie reichlich schlechter Laune –so gesehen war der Samstag ein einziges Auf und Ab an der Parkbühne. Hatten wir eine gute Band, eine nicht so tolle, eine wirklich gute – kam für uns eine herbe Enttäuschung. ILLUMINATE, deren Musik bei mir auch schon mal im CD-Player läuft, waren live schlicht und einfach langweilig. Gut, dass man bei Songs aus diesem Genre nicht gerade herumhüpft und enthusiastisch mit den Armen wedelt ist klar, aber ein bisschen mehr hätte da schon kommen können. Johannes Berthold am Mikrofon war ebenso wenig überzeugend wie Conny am zweiten Mikro, die sich mehr oder weniger (eher weniger) rhythmisch bewegte. Eigentlich schöne Titel wie „Du liebst mich nicht“ oder „Nur für dich“ waren so leider nicht das, was man sich erhofft hatte. Der Applaus fiel auch entsprechend schmal aus und die Zugabe, die ILLUMINATE gaben, wurde vom Publikum eigentlich nicht gefordert.

Doch schon wenig danach wurden wir für diesen Tiefpunkt entschädigt – denn inzwischen war die Bühne bereit für SAMSAS TRAUM, und Alexander Kaschte betrat nach seinen Musikern die Bühne, um zu „Es war einmal“ anzusetzen – doch schon nach weniger als einer halben Minute ließ die Technik die Jungs im Stich – und Alex kündigte an, wenn sich das Problem nicht beheben lasse, müsse er sich wohl was einfallen lassen. Aber soweit kam es nicht, und mit den Worten „Wir tun jetzt, als würden wir noch mal anfangen“ animierte er die Zuhörerschaft zu fordernden „SAMSAS TRAUM, SAMSAS TRAUM“ – Rufen wie vor Beginn des Konzerts. Der Regen schien die Verbliebenen kein bisschen zu stören, denn als der Opener nun endlich gespielt werden konnte, brach eine halbe Raserei aus. Bei „Sisyphos“ tauchte neben dem Keyboard auf einmal eine hübsche Tänzerin auf – irritierend, aber vielleicht ja ein Gag? Wohl auch für Alex, denn der drehte sich nach dem Ende des Songs um und fragte „Junge Dame, wer sind Sie eigentlich“ – woraufhin sie irgendwas ähnliches wie „Zeraphine“ murmelte (??!). Und daraufhin ließ man – irritiert zwar, aber an dem Anblick wollte man sich ja wirklich nicht stören – ein Podest vors Banner tragen, damit man der Lady die Gelegenheit geben konnte, direkt „mit“ SAMSAS TRAUM zu tanzen. Das sollte aber nicht der letzte Gag gewesen sein, selbstironisch merkte Alex dazu noch an, dass man sich ja „vorkomme wie am ersten Tag der OOMPH!-Tour, wo man mal ein bisschen die Kollegen verarscht habe“ und sie „fühlten sich ja noch ein wenig geOOMPHT!“ (was das auch immer heißen mag…) und daher würde es jetzt erst mal richtig abgehen. Das Versprechen konnten SAMSAS TRAUM mehr als halten.

Eine rasante Reihe von Songs über „Stromausfall im Herzspital“ und „Ein Foetus wie du“ ließ nicht nur Alexander Kaschte auf der Bühne explodieren, sondern sein Publikum mit ihm. Da er der Angewohnheit nicht widerstehen konnte, ein paar bisher nicht käufliche Shirts ins Publikum zu feuern, wurde er in der Mitte des Konzerts mit selbstgemalten T-Shirts von seinen Fans beworfen – ausgerechnet in Pink und rosa! Alle Bandmitglieder zogen eines aus dem riesigen Haufen an, und nach „Einer gegen alle“ war der Frontmann glücklich, denn der Titel hat sich wohl bisher immer etwas lächerlich angefühlt – aber nicht, wenn man „ihn im rosa Shirt singt“. Als Zugaben bekam das Publikum nach 40 rasanten Minuten noch „Bis an das Ende der Zeit“ und „Wir sind wirklich krank“ – wo ich nur noch sagen kann: Ja, zum Glück!

Copyright Fotos: Steve Urbanczyk

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