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SAMSAS TRAUM – THE VEIL

Ort: Herford - X

Datum: 13.03.2008

Nachdem man ja über mehrere Bulletins bei MySpace schon diverse Aussagen von Herrn Kaschte bezüglich der anstehenden „Heiliges Herz“ Tour zu hören bekommen hatte, war ich natürlich sehr gespannt, was mich bei meinem mittlerweile fünften SAMSAS TRAUM Konzert erwarten würde. So machten wir uns tapfer auf den Weg nach Herford und trafen dort auf die erste Überraschung. Der Laden war zwar bei weitem nicht voll, aber es waren doch immerhin mehr Menschen anwesend als noch vor einem Jahr. Auffällig auch, dass vergleichsweise wenige Goten erschienen waren, sondern mehr so der Typ „ungewaschener Metaller“ mit mindestens schulterlangen Haaren. Auch der Altersdurchschnitt schien gestiegen zu sein. War dies doch genau das, was Herr Kaschte mit seinen kleinen aber feinen Rundbriefen beabsichtigt hatte.

Auftakt machten dieses Mal die Franzosen von THE VEIL, eine bis dato mir völlig unbekannte Band. Im Laufe des Sets sollte sich auch herausstellen warum. Bestehend aus den Pseudonymen (?!) Jensara Swann, Ben Notox, Gregory Staley und Julian Gray legte man dann pünktlich um halb neun vor einem riesigen Backdrop los. Der erste Song ließ sich auch noch ganz gut an. Gothrock mit Metaleinschlag und einer netten Frauenstimme dazu. Kennt man zwar irgendwie schon, aber dennoch nicht schlecht. Auch wenn Jensara mit ihrem kurzen Höschen, den Stiefeln und den Nietengürteln eher an einen schlechten Lara Croft Verschnitt erinnerte (obwohl ihre Brüste dafür definitiv zu klein waren). Doch bereits beim zweiten Titel begann sich langsam aber sicher Langeweile einzustellen. Die Band machte keinen besonders motivierten Eindruck, was aber auch irgendwie verständlich war, wenn unten nur einige wenige Menschen stehen, die offensichtlich auch noch eher auf den Headliner warteten. Trotzdem wurde oben auf der Bühne tapfer das Haupthaar geschwungen und zwischendurch gelang es sogar, einige Leute zum Mitklatschen zu bewegen. Aber irgendwie fehlte bei THE VEIL das gewisse Etwas. Es klang zu gewöhnlich, um richtig ins Ohr zu gehen oder sogar mitzureißen. So war auch der Applaus nach den Stücken eher verhalten. Zwischendurch stellte Frontfrau Jensara noch ihre Deutsch- und Englischkenntnisse unter Beweis, was einen Bekannten zu dem gewagten Ausspruch „Wahrscheinlich wurde sie gezwungen, das zu sagen, sonst hätten sie sicher kein Geld bekommen. Franzosen weigern sich ja sonst, andere Sprachen zu sprechen.“ verleitete. Damit wurden dann auch die Vorurteile bedient und man konnte sich wieder der Musik zuwenden. Leider hatte sich an selbiger inzwischen nichts geändert und so langsam wünschte man sich nach Songs wie „3DaysBlack“ das Ende herbei, was dann auch recht bald kam. Wäre man mal lieber SPIRITUAL FRONT treu geblieben. Aber das hätte wohl nicht so ganz zu dem gepasst, was nun kommen sollte.

Kurze Umbaupause, schnell noch eine geraucht (ja, wir sind in NRW und ja, wir dürfen das noch) und das Bier ausgetrunken, um sich dann in Richtung Bühne zu bewegen. Die war inzwischen eingenebelt und mit einem Mal brach ein Strobogewitter los, an dem jeder Epileptiker seine helle Freude gehabt hätte. Eine Freundin sagte in diesem Augenblick noch, dass sie furchtbar lachen müsse, wenn Kaschte jetzt ein Corpsepaint trüge. An dieser Stelle kann ich verraten, dass wir nicht enttäuscht wurden, als der Herr sich umdrehte. Und wieso hatte ich in diesem Augenblick den Gedanken „Wie niedlich, ein Panda“ im Kopf?! Losgelegt wurde mit „Das Zeitalter der Bäume“ und ich kann es nicht anders beschreiben: Bretthartes Geknüppel mit wildem Headbangen. Worauf hatte ich mich da nur eingelassen? An dieser Stelle sei gesagt, dass mir das aktuelle Album „Heiliges Herz – Das Schwert deiner Sonne“ nur ansatzweise bekannt ist und ich nur erahnen konnte, was da auf mich zukommt. Nach dem ersten Song schon dehydriert, musste Alex sich an einer Wasserflasche vergreifen, von der er die Hälfte der ersten Reihe über die Köpfe schüttete, um sie dann achtlos ins Publikum zu werfen. Dummerweise traf die Flasche den Herrn neben mir direkt am Kopf. Man spielte jetzt also nicht nur (Black) Metal, sondern benahm sich anscheinend auch so. Weiter ging es mit „Auf den Spiralnebeln“ und „Durch springende Lippen“. Die Menge bangte und ich war mehr als fasziniert angesichts dieses Schauspiels. Nach den beiden Titeln „Schlaf in den Flammen“ und dem wunderschönen „Liebeslied“ verschwand die Truppe von der Bühne und das Publikum wurde in der Zwischenzeit mit einem gesprochenen Text im Stile von „Angst“ und „Angst II“ vom Band unterhalten. Kurze Zeit später dann das zweite Highlight des Abends. Alexander im Feinrippunterhemd über und über mit Kunstblut beschmiert. Ein Fest für einen Blutliebhaber wie mich. Hätte die erste Reihe geahnt, was nun kommen würde, hätte sie sich sicher nicht dort aufgehalten. Aus dem Glas, welches der Mastermind mit sich führte, nahm er große Schlucke „Lebenssaft“, nur um es dann fröhlich in die Menge zu spucken. Aha, interessant. Aber irgendwie auch ein bisschen eklig.

Aber eins muss man Herrn Kaschte ja lassen, einen gewissen Unterhaltungswert kann man ihm nicht absprechen. Im weiteren Verlauf wurden dann noch die restlichen Titel des aktuellen Albums zum Besten gegeben und bei „Heiliges Herz“ bekam Alex dann tatkräftige Unterstützung von THE VEIL-Sängerin Jensara. Hörte sich gar nicht mal schlecht an in Kombination mit der weiblichen Stimme. Nun verließ die Truppe, bis auf Drummer Michael „Cain“ Beck, ein weiteres Mal die Bühne und die Menge bekam ein Drumsolo geboten, welches man bis tief in den Magen spürte. Damit wurde dann der zweite Teil des Abends eingeläutet, denn oh Wunder, man hatte sich abgeschminkt und kündigte ein paar „alte poppige Stücke“ an. Plötzlich war Alexander auch wesentlich gesprächiger und weniger unnahbar. So spielte man dann Klassiker wie „Stromausfall im Herzspital“, das allseits beliebte „Rache“, welches sonst immer als Zugabe diente und die beiden Songs vom Saw II- bzw. Saw III-Soundtrack. Passte gut, da Teil IV ja gerade in den Kinos läuft. Zum Abschluss wurde dann noch eine Cover Version des DARKTHRONE Originals „Graveyard Slut“ zum Besten gegeben (was die „bösen“ Fans mit MAYHEM usw. Shirts sicher befriedigte), bevor man sich verabschiedete. Doch schon wurden Zugabe Rufe laut, denn als geneigter Fan weiß man, dass da aber noch was fehlte. So ließ man sich auch nicht lange bitten und enterte erneut die Bühne, um „Anti“ anzustimmen. Vor „Die Zärtlichkeit der Verdammten“ fragte Alex dann im Publikum nach, ob jemand zufällig eine – für dieses Lied obligatorische – Handpuppe dabei hätte, denn die Andere ist meines Wissens schon vor längerer Zeit in die ewigen Jagdgründe eingegangen. Er hatte wohl nicht damit gerechnet, dass tatsächlich jemand eine zur Verfügung stellen konnte. Auch wenn es nur eine Ente war, die dem Original nicht mal annähernd ähnelte und auch noch lustige Quakgeräusche von sich gab. Aber sie erfüllte ihren Zweck. Im Anschluss wurden noch meine absoluten Favoriten „Ein Foetus wie du“ und „Kugel im Gesicht“, eigentlich ein WEENA MORLOCH Stück, dargeboten, bevor dann endgültig Schluss war und das Licht anging. So konnten wir uns dann mit vielen neuen Eindrücken auf den Heimweg machen und obwohl es sehr ungewohnt war, war es doch ein ausgesprochen gelungener Konzertabend.

Ich gebe zu, dass das neue Material überhaupt nicht mehr „meine“ Musik ist, was ich ja sogar vorher wusste. Trotzdem musste ich mir das Schauspiel anschauen (eine Art SATYRICON-Parodie, Anm. des Fotographen), da ich Alexander Kaschte einfach zu amüsant finde, um mir das entgehen zu lassen. Und die alten Sachen gefallen mir sogar im neuen Metalgewand noch gut. Ich bin also auch beim nächsten Mal mit Sicherheit wieder mit von der Partie, wenn es heißt: SAMSAS TRAUM spielen in Herford auf.

Setlist SAMSAS TRAUM
Das Zeitalter der Bäume
Auf den Spiralnebeln
Durch springende Lippen
Schlaf in den Flammen
Liebeslied
Der Tag stummer Rache
Hirte der Meere
Im Auge des Sturms
Heiliges Herz
Das Schwert Deiner Sonne
Rache
Stromausfall im Herzspital
Für Immer
Bis an das Ende der Zeit
Graveyard Slut

Anti
Die Zärtlichkeit der Verdammten
Ein Foetus wie du
Kugel im Gesicht

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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