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SASHA – MAYA SABAN

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 05.02.2007

Traum aller Schwiegermütter, Herzensbrecher UND Kumpel fürs Feierabendbier – nicht viele Männer schaffen es, all diese Attribute auf sich zu vereinen. Kai Pflaume fällt mir vielleicht noch ein oder eben: SASHA. Erste Erfolge feierte er als Schnulzenpopper, dessen überdrüssig schuf er sich DICK BRAVE als Alterego und konnte auch hier punkten, im Frühjahr letzten Jahres meldete er sich dann mit seinem Album „Open water“ wieder unter dem Namen SASHA zurück. 10 Jahre macht er nun schon Musik, Grund genug ein „Best of“–Album unters Volk zu bringen und dieses Bühnenjubiläum mit seinen Fans zu feiern. Und die waren auch in Bielefeld zahlreich zur Party erschienen, im Durchschnitt deutlich älter als ich vermutet hatte (was vielleicht auch an den deftigen Ticketpreisen lag) und zu meinem ebenso großen Erstaunen mit gar nicht so geringer Männerquote (vielleicht alles vorgezogene Valentinsgesten?).

Als wir gegen 20 Uhr im Ringlokschuppen eintrafen, hatte aber zunächst gerade MAYA SABAN an einem Piano den Abend eröffnet. Die aparte Sängerin mit israelischen Wurzeln wird Ende März ihr zweites Album herausbringen, aus dem sie nun schon einige Titel vorstellte. Ihr zur Seite stand dabei eine 6-köpfige Begleitband, die nun die Bühne betrat. Musikalisch, lyrisch und auch optisch bewegt sich MAYA dabei zwischen JOY DENALANE und GLASHAUS – nennen wir es deutschen Soul-Pop oder um es mit den Worten meiner Begleitung zu sagen: „Die Frau hat in ihrem jungen Leben wohl schon viel Herzschmerz erlebt.“ Da durfte auch ihre 2005er-Single „Das alles ändert nichts daran“, die sie zusammen mit COSMO KLEIN eingespielt hat und ihre aktuell erscheinende Single „Hautnah“ nicht fehlen. „Ich will Liebe“ ruft sie den Bielefelder zu und das diese auch „Gefährlich“ seien kann, davon weiß sie auch ein Lied zu singen. Nach einer guten halben Stunde und 8 Titeln erntet sie für ihre Performance höflichen bis wohlwollenden Applaus.

Punkt 21 Uhr eröffnete dann SASHA mit einem Videoeinspieler seine Show. Zunächst bekommen die Fans jede Menge Video-Ausschnitte im Zeitraffer zu sehen, dem sich ein Album sympathischer, lustiger und selbstironischer Fotos anschließt. So ist das Publikum aufs beste eingestimmt und SASHA wird frenetisch auf der Bühne begrüßt, als er mit „Miracle Mile“ eröffnet. Der Sunnyboy ist bestens aufgelegt und legt mit „This is my time“ gleich nach. Da brauchte es zur Textzeile „Never give it up“ nicht großer Bemühungen seinerseits zur Interaktion – die Leute fraßen ihm von Anfang an aus der Hand. „Ihr werdet heute Abend alle meine Singles hören“ verspricht er zur Begrüßung „und zwar in 90% aller Fälle besser als vorher…äh, nee, so wollte ich das nicht sagen….moderner eben“. Und wie er das meinte, ließ er uns die darauf folgenden 90 Minuten wissen. So wurde aus „Let me be the one“ mit 4/4-Beat und ordentlichen Gitarreneinlagen von Oliver Rüger ein satter Disco-Groover, bei „Rooftop“ greift SASHA selbst zur Mundharmonika, um am Ende nahtlos in den TEMPTATION-Klassiker „Papa was a rolling stone“ überzugehen. Mit jeder Menge Energie rennt er von einer Bühnenseite zur anderen und braucht nur etwas an seinem weißen Hemd zu nesteln, um den halben Saal in größte Euphorie zu versetzen Die ersten Reihen kommen schon mächtig ins Schwitzen, aber SASHA ist da Kumpel und verschenkt nach dem jeweils ersten Schluck diverse Wasserflaschen (ob diese dann andächtig nach Hause getragen wurden oder wirklich der Dehydrierung entgegengewirkt haben, war leider nicht zu eruieren.). „Good things“ widmet er all seinen Ex-Freundinnen und beim fast kitschfrei vorgetragenen „If you believe“ singen sogar etliche Männer um uns herum lauthals mit.

Es folgt nun der zweite Akt der Performance: SASHA gruppiert sich mit Bassist Ray, Pianist Mike und Gitarrist Ali am Bühnenrand, stellt seine Kollegen vor und veranstaltet eine kleine Junggesellen-Versteigerung ehe die 4 Kerle eine prima A-cappella-Version von „Coming come“ präsentieren. Anschließend greift Mike zum Akkordeon und unter orientalischen Klängen vernehmen wir das fast nicht wieder zu erkennende „Chemical reaction“, in dessen Mitte SASHA einen Texthänger gekonnt mit unwiderstehlichem Hüftschwung überspielt. Bei „Owner of my heart“ ist es dann soweit: Der erste (und für diesen Abend auch letzte) BH fliegt auf die Bühne, und SASHA dichtet spontan um zu „Owner of my BH“. Nach einem PRINCE-Cover präsentiert er seine nächste Single „Lucky day“ um auf die gleiche Melodie einen Bogen zu seiner ersten Single „I’m still waitin’“ zu schlagen.

Auch im Schlussakt geben sich alte und neue Hits die Klinke in die Hand und es darf noch mal kräftig mitgesungen werden, ehe SASHA die Bühne zum ersten Mal verlässt. Die Zugabe gibt er in Schiesser – Unterhemd und ganz offensichtlich hat der Mann auch noch Zeit ins Studio zu gehen. Den Zugabenteil eröffnet er mit dem NIK KERSHAW-Cover „Wouldn’t it be good“, tritt anschließend den Beweis an, dass sich selbst aus einem unsäglichen Titel wie „I feel lonely“ noch eine veritable Rock-Ballade zaubern lässt, um sich mit „Goodbye“ endgültig zu verabschieden.

Und er hatte nicht zu viel versprochen: Wir hatten alle großen Hits gehört und die Bemühungen, allzu schnulzige Titel ins hier und jetzt zu holen, waren mehr als gelungen. Ob man dies dem Einfluss seiner Partnerin Marta zu verdanken hat? Die Wandlung vom Teenie-Schwarm zum Ü30-Entertainer ist jedenfalls auf sympathische Weise gelungen und wer weiß, vielleicht klappt es langfristig sogar mit der Samstagabend-Fernsehunterhaltung…

Setlist SASHA (ohne Gewähr)
Miracle Mile
This is my time
Let me be the one
Rooftop
Good things
?
If you believe
Coming home
Chemical reaction
Owner of my heart
? (PRINCE Cover)
Lucky day – I’m still waintin’
Slowly
We can leave the world behind
Here she comes again
Turn it into something special

Wouldn’t it be good (NIK KERSHAW)
I feel lonely
Goodbye

Copyright Fotos: Holger Ebert

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