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SATYRICON – SHINING – DARK FORTRESS – POSTHUM

Ort: Glauchau - Alte Spinnerei

Datum: 18.12.2009

Weihnachten steht kurz vor der Tür, da öffnet sich der Metal-Gabenkorb und holt seinen Knüppel aus dem Sack: SATYRICON zirkulierten mit ihrer Finale In Black Tour durch Deutschland und gaben den letzten Gig am vergangenem Freitag in Glauchau. Mit aus dem Sack hüpften 3 weitere Bands: POSTHUM, DARK FORTRESS und SHINING! Ob da der Wettergott wohl traurig wurde? So wollte auch er für weihnachtliche Vorfreude sorgen und so schüttelte Frau Holle kräftig die Kissen und ließ unaufhörlich die Schneeflocken auf uns herabtanzen. Wundervoll – nur nicht für motorisierte Metalheads. Und so bekommen wir dank des Schnee-Chaos leider nur noch das Ende von POSTHUM mit. Immerhin schaffen es die norwegischen Newcomer mit den letzten 2 Songs ihres Sets einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Packender kräftiger nordischer Black Metal mit einem Satz Melancholie und angenehmen Vocals, welcher sich von typischen Bands dieses Genres deutlich abzuheben weiß. Na ja, was das Publikum betrifft, hebt hier aber niemand ab. Außer ein paar Hanseln direkt vor der Bühne hält sich der Rest noch mit Currywurst und Bier im hinteren Teil der Alten Spinnerei auf!

Ziemlich heftig geht es weiter mit DARK FORTRESS und feinstem Black/ Thrash Metal aus Landshut. Optisch zwar mit Klischees werfend (Corpse Paint, Nieten und was eben zum Black Metal Image gehört), ballern die Jungs musikalisch Überdurchschnittliches an den kleinen bösen Metaller. Die Worte voluminös, düster, morbide, mit energiegeladenem Flow treffen es wohl am besten. Rohe Riffs, Wechsel zwischen Blast und Midtempo und ein Fronter Morean, der über allem zu thronen scheint. Kein Zweifel, hier muss das Black Metal – Herz einfach höher schlagen! Und das tut es auch – Glauchau gibt ordentlich Vollgas und die Banger nehmen zahlreich ihre Positionen ein. Saubere Show, Jungs!

Da ich an diesem Abend bereits diverse Geschichten über SHINING hören durfte, war ich zugegebenermaßen ziemlich neugierig, was nun geboten werden sollte. Aber schnell wurde mir klar, dass man sich diese Band einfach nur schenken kann. Sänger Kvarforth schüttet sich permanent Sprit aus einen seiner Wein-, Whiskey- und Vodkaflaschen in den Rachen und leiert gelangweilt und ausdruckslos seine lyrics, die allesamt von Suizid und autoaggressivem Verhalten handeln, runter. Um das Publikum bei Laune zu halten, gibt es Suff per Kuss, was so aussieht, dass er nach einem großen Schluss Whiskey diesen Bassist Andreas oral einflößt und danach gelassen cool auf die Bühne rotzt. Meinen letzten Respekt verlier ich als sich Kvarforth sein Shirt hochzieht und seine Zigarettenkippe auf dem blanken Oberkörper ausdrückt, kenn ich solche Verhaltensweisen doch nur aus meinen Psychiatriebüchern. Show hin oder her, aber so etwas geht gar nicht! Laut dem Fronter soll es auch schon Suizidfälle unter Einfluss seiner Musik gegeben haben, worauf er natürlich stolz ist, wünscht er sich doch mehr selbstverletzendes Verhalten auf Seiten seines Publikums – wie psychisch gestört muss man eigentlich sein? Musik, oder sollte ich sagen belanglos runtergespielter Black Metal, wurde übrigens auch gespielt. Der Rekord wurde mit „Submit To Self-Destruction“ aufgestellt: Die ersten drei Reihen toben – meine Fresse! Bloß Finger weg von diesem kranken Zeug!!! (da kenne ich allerdings diverse Terrorverleger, die anderer Meinung sind – die Red.)

Nach einer langen Umbaupause ist es endlich Zeit für die Heroen von SATYRICON! Erhaben entert Fronter Satyr als letzter der Truppe die Bühne, während alle schon zum Opener „Possessed“ komplett ausrasten! Besonders von den Balkonen der Alten Spinnerei wird das Geschehen visuell interessant. Das Publikum rockt ohne Pause als würde es kein Morgen geben. Satyr mit schön klischeehaft arrogantem Gesichtsausdruck thront mit seinem Mikro-Dreizack erhaben über der Meute, Frost (neuerdings mit Vollbart!) knüppelt wie ein Besessener auf sein Drumkit ein (welches zu Beginn übrigens nicht in seiner prallen Pracht erblüht und nach einigen Songs noch mal festgeschraubt wird, bevor dann wieder auditiver Hochgenuss einkehrt). Die Statisten am Keyboard, Bass (immerhin Anders Odden aka Neddo, ex-APOPTYGMA BERZERK/ ex-CADAVER) und Gitarre posen wie wild und lassen ihre Haare rotieren, was teilweise aber ziemlich aufgesetzt wirkt. So hangelt man sich durch düsteren Black’N’Roll, der weder Bein noch Kopf niet- und nagelfest lässt. Doch Frost will immer mehr! So stachelt er das Publikum unaufhörlich an und macht es schön aggressiv (Go Go Go!!!). Wer an einem Freitag nicht völlig ausrasten kann, kann nicht ganz richtig sein. In diesem Sinne knüppelt und drischt sich das Publikum ins Metal-Delirium. Zu „Last Man Standing“ und „The Pentagram Burns“ schnappt sich Satyr seine Klampfen und lässt rocken, während sich im Publikum die ersten nicht mehr auf ihren Beinen halten können. Doch nach 10 Songs ist das reguläre Set bereits Geschichte. Grund genug auszurasten, so wird bei der Zugabe „Fuel For Hatred“ sogar ein für Black Metal völlig untypischer Moshpit angezettelt! „One more???“ grölt Satyr selbstverliebt in die Reihen! Klaro, aber geschenkt wird einem üblicherweise ja nichts. Satyr befiehlt für ihn die Melodie von „Mother North“ zu singen. Aber gebacken kriegt es keiner, erst als das Keyboard den Song anstimmt. Da wird Satyr wohl bedient gewesen sein!!! Was bleibt sind zerrende Nackenmuskeln und ein Haufen betrunkener Metalheads – na da hat sich doch der Abend für alle gelohnt. Fazit: Mit Ausnahme von SHINING wurde heute Abend nur Metal der oberen Klasse geboten – beide Daumen hoch dafür!

Setlist SATYRICON
Possessed
The Wolfpack
Now, Diabolical
Du Som Hater Gud
Black Crow On A Tombstone
A New Enemy
My Skin Is Cold
To The Mountains
Last Man Standing
The Pentagram Burns

K.I.N.G.
Fuel For Hatred
Mother North

Copyright Fotos: Tine Kersten

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