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SAUNA OPEN AIR 2009 – TAG 1

Ort: Tampere (FIN) - Eteläpuisto

Datum: 05.06.2009

Finnland ruft mal wieder. Da Tampere mit seiner Seelage während des Sommers eine der schönsten Städte Finnlands ist und das dortige Festival SAUNA OPEN AIR direkt in der Stadt liegt, konnte ich Ryan Air sei dank nicht widerstehen, mal wieder einen Trip in den hohen Norden zu unternehmen. Doch nach Wochen Bombenwetters in ganz Europa machte uns der Wettergott einen Strich durch die Rechnung, Regenwetter und fast schon eisige Temperaturen für Juli von 7°C sorgten an den ersten beiden Festivaltagen für so manch kalte Finger und Nasen, doch wie sagt man so schön: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. So hatte nicht nur ich 2 Pullis plus Regenjacke hervorgekramt, auch die Eisstände (!) schalteten schnell und nahmen zusätzlich Kaffee mit in ihr Angebot, um den verfrorenen Fans auch etwas Wärme von innen bieten zu können. Hätten doch nur die Organisatoren nun noch ihren Festivalnamen wörtlich genommen und ein paar Saunen am Seeufer aufgestellt, ich wette, das hätte der eine oder andere gern genutzt!

Während wir noch in der schier endlosen Schlange am Einlass standen, gaben DEUTERONIUM als erste Band des Tages ohrenscheinlich schon mächtig Gas. Aber Murphy’s Law war mal wieder gegen uns und so wurden AMORPHIS unsere „Debütanten“. Trotz neuen Albums und eigentlich recht ansehnlichen Status mussten die Herren schon sehr früh auf Bretter und ob es nun an der Uhrzeit oder am Schmuddelwetter lag, so wirklich warm wurden hier weder die Fans noch die Band. Tomi Joutsen gab natürlich alles, nachdem er sich erstmal in Form gesungen hatte, doch trotz vieler neuer Songs und altbewährten Hits („Cast Away“, „Into Hiding“, „House of Sleep“) blieb hier die Stimmung noch auf einem Tief.

Dem allgemeinen Gekreische zufolge kündigte sich mit DUFF MCKAGAN’S LOADED der erste Höhepunkt des Tages an, was hab ich nun wieder verpasst? Zugegebenermaßen, mein Musikwissen jenseits der Grenzen Europas ist begrenzt, so wurde mir schnell auf die Sprünge geholfen, dass ein gewisser Duff McKagan jahrelang den Bass bei GUNS N’ROSES schwang (und dies noch immer bei VELVET REVOLVER tut), doch so mit kurzen unter einer Mütze versteckten Haaren, Sonnenbrille (bei dem Wetter???) und schlichtem schwarzen Outfit, das so gar nicht nach Rockstar aussah, schaltete nicht mal mein visuelles Gedächtnis. Entsprechend der gediegeneren Kleidung legten die Amis auch musikalisch einen niederen Gang ein, so stand hier fast schon eingängiger Rock mit großer Radiotauglichkeit auf dem Programm. Da man in Finnland ja immer sehr von internationalem Besuch von weit her angetan ist, wurde die Truppe natürlich gebührlich bei ihrem ersten Landesbesuch gefeiert.

Da MESHUGGAH wenige Tage vorher wegen der noch nicht ausgestandenen Rückenverletzung ihres Drummers absagen mussten, sprangen die Finnen MEDEIA kurzfristig ein. Größenmäßig zwar absolut kein Ersatz, doch machten dies die Mannen um ROTTEN SOUND-Shouter Keijo mit ihrer Spielfreude absolut wett. Als erste Band des Tages gaben die Lokalmatadore so richtig Gas und konnten sich voller Elan nicht oft genug in Pose schmeißen, da merkte man deutlich, dass die Truppe ihre Chance nutzen wollte, sich einem breiteren Publikum vorzustellen. Musikalisch bot man mit technisch angehauchtem Death Metal neben den noch kommenden FINNTROLL die wohl härteste Gangart, das musste zum ausgiebigen Haare Schwingen genutzt werden.

Wer bei einem Bandnamen wie VIIKATE (zu deutsch: Sense) handfesten Metal erwartete, wurde schnell eines besseren belehrt. Mit ihrem folkloristischen Rock, der von den Liebesfilmen der 50er Jahre inspiriert ist und daher natürlich typisch nordisch melodisch rüberkommt, sind sie ja eigentlich fast schon Nationalhelden, und daher wundert es auch nicht, dass die Fläche vor der Bühne packenvoll ist. Urfinnischer geht’s wohl nicht mehr.

Da APOCALYPTICA vielen immer noch in erster Linie als METALLICA covernde Cellisten bekannt sind, wunderte es nicht, dass sie auf so einem Festivalgig auch hauptsächlich Coversongs von jener Band im Gepäck hatten. Dann aber mit einem auch für METALLICA- Verhältnisse kleineren Song wie „Wherever I May Roam“ anzufangen ist schon etwas mutig, doch „One“, bei dessen Solo sich sicher auch ein Kirk Hammet verneigen müsste, „Enter Sandman“ und „Seek and Destroy“ verfehlten ihre Wirkung natürlich nicht. Bandkopf Eicca Toppinen kann sich angesichts des grässlichen Wetters auch einen englischen Kommentar an die internationalen Fans nicht verkneifen („Welcome to our Finnish summer“), doch ob es nun an der Kälte oder der geringen Zahl Tagesbesucher liegt, die Menge vor der Bühne ist doch kleiner als erwartet. Dabei hatte sich die sonst sängerlose Band mit Toni Kakko (SONATA ARTICA) für 3 Songs einen Gastsänger ins Boot geholt, der jedoch wieder seinem Ruf alle Ehre machte und entweder schiefe oder schlichtweg grausige Töne von sich gab. „Life Burns“, das auf Platte von THE RASMUS Sänger Lauri Ylönen vertont wurde, wurde so eher zur Geduldsprobe, da frag ich mich immer wieder, warum man bei den all den fähigen Sängern in Finnland ausgerechnet Herrn Kakko ans Mikro lassen musste?!

Ansonsten waren zu diesem Zeitpunkt sicher alle durchgefrorenen Seelen froh, dass bereits um kurz nach 22 Uhr Schluss ist, so dass hier alle nur allzu freudig in die Metal- und Rockbars (Inferno – offizielle Afterparty -, Sputnik oder Amadeus) aufbrechen.

Copyright Fotos: Juliane John

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