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SAUNA OPEN AIR 2009 – TAG 3

Ort: Tampere (FIN) - Eteläpuisto

Datum: 07.06.2009

Der Wettergott hielt sein Versprechen, am letzten Tag kam nun doch noch endlich die Sonne raus, so dass man stellenweise sogar auf langärmelige Oberkleidung verzichten konnte. Ergo streckte hier heute jeder allzu wolig seine Nase gen Himmel, so dass die „Heimatindustrie“ von KOTITEOLLISUUS irgendwie ein bisschen unterging. Mit wenig Elan und einem offensichtlich nicht mehr ganz jungfräulichen Promillespiegel (der wohl zu dem feuchten Schmatzer unter Männern der beiden Saitenzupfer Jouni Hynynen und Janne Hongisto führte) präsentierten sie hier weitestgehend Stücke vom neuen Album „Ukonhauta“ ,doch trotz Superwetters wollte hier nicht so recht Stimmung aufkommen.

OMNIUM GATHERUM schickten sich schon mehr an, die Menge miteiner energiegeladenen Show zu begeistern, Frontmann Jukka Pelkonen konnte nicht oft genug die Pommesgabel Richtung Menge strecken und auch seine Mannen stehen ihm in Sachen Posen in nichts nach, dazu gab’s Melodeath mit Thrash- Schlagseite, wer sich in Sachen Finnenmelodik weiterbilden möchte, darf hier gern mal reinhören. Ansonsten war hier munteres Headbangen und einfach mal Spaß haben angesagt, es braucht ja nicht immer gleich ne Riesenshow.

Wenn eine Band die 80er wieder aufleben lässt, dann sind es wohl BULLET. In Stretchjeans, freiem Oberkörper, Lederjacke und Nieten gekleidet und mit bester Laune bewaffnet legten sie gleich mit Vollgas los, ganz nach dem Motto ihres ersten Albums „Heading to the Top“. Das hier Parallelen zu AC/DC wohl kaum zu verleugnen sind, lag nicht nur an Sänger Hell Hofers Organ, doch wer mit so viel Elan und Fröhlichkeit zur Sache ging, hatte sich wahrlich jedes bisschen Applaus verdient. Hier gibt’s definitiv den Happy Metal Award!

Mit Happy Metal ging es weiter und das auch gleich von den Meistern. Zwar ließen STRATOVARIUS die Fans erstmal geschlagene 10 Minuten zwecks ewig andauernden Soundchecks warten, dafür legten die Power Metal Pioniere dann aber umso energiegeladener los. Trotz oder wohl gerade wegen des Ausstiegs des Stressmachers Timo Tolkki ist die Truppe wieder 100% bei der Sache, auch wenn sie mit „Hunting High and Low“ gleich zu Beginn einen ihrer größten Hits verpulverten. Sausemann und Poser vom Dienst Timo Kotipelto hatte die Menge vollends im Griff und bewies, dass STRATOVARIUS locker mit den gestrigen Headlinern von MÖTLEY CRÜE mithalten konnten. Beide Daumen nach oben!

THOR wurden bereits vor über 30 Jahren von Ex-Bodybuilder und später auch Schauspieler Jon Mikl Thor gegründet, wegen zwei längerer Pausen ist das bisherige Schaffen doch eher übersichtlich. Obwohl für frühere Exzesse bei Liveshows bekannt, konzentriert sich der Kanadier heutzutage eher darauf, möglichst viele Masken und Requisiten in möglichst kurzer Zeit zu verwenden, so wurde der Beginn seines Gigs von zwei Tänzerinnen in steinzeitlichen Outfits angekündigt, die natürlich den Thorhammer schwangen. Thor selbst legte mit gefühlter „eine Maske pro Song“ ein Rekordtempo an Garderobenwechseln vor, mal als Puma, Wikinger, Skelettmonster, Geist, venezianisches Phantom oder Fischmonster gab er seine Songs zum besten. Wenn MANOWAR Klischee sind, treibt THOR es eindeutig auf die Spitze, doch da sein Mix aus MOTÖRHEAD meets Viking allerdings absolut partyfähig ist, kam der Auftritt bestens an!

Nach zwei Jahren ist die Schonzeit für Miss Olzon bei NIGHTWISH nun endgültig vorbei und auch wenn die Band in den meisten Ländern weiterhin riesige Erfolge und ausverkaufte Touren feiern kann, zeigt sich meiner Meinung nach, dass die Schwedin einfach kein würdiger Ersatz ist. Wer mit Ende 30 noch wie ein Teenager absolut peinlich über die Bretter hüpft, selbst bei den eigenen Songs die Töne nicht trifft (geschweige denn bei den alten) und dazu mit Shorts und Leopardenoberteil den Sehnerv gefährlich strapaziert, der gehört einfach nicht auf eine Bühne mit NIGHTWISH. Hinzu kamen absolut sinnfreie Ansagen, in denen Anette von ihrem Zypernurlaub erzählte und sich wunderte, dass in Finnland gerade keine 35°C in der Sonne herrschten, vielleicht sollte man sie über den Sinn von Wettervorhersagen aufklären. Die Songauswahl betreffend macht man auch weiterhin den Fehler, „The Siren“ spielen zu wollen und das, obwohl Tuomas selbst schon eingesehen hat, dass Anette mit den Song Probleme hat. Auch „7 Days to the Wolves“ oder „The Poet and the Pendulum“ wurden zur Geduldsprobe, einzig „Amaranth“ (mit seiner mittleren Stimmlage perfekt für ihre Stimme), „Nemo“ und „The Islanders“, das hauptsächlich von Marco Hietala intoniert wird (der allerdings erstmal den Text vergaß und neu anfangen musste), waren hier akzeptabel. Wirklich schade, wie eine einst grandiose Band hier leider immer mehr an Klasse verliert!

So endete das SAUNA OPEN AIR 2009, mit entsprechendem Wetter wäre das ein wirklich tolles Festival geworden. Insgesamt hätte dem Billing die eine oder andere härtere Band zwar noch gut getan, doch wer die melodischeren Genres liebt, kam hier voll und ganz auf seine Kosten.

Copyright Fotos: Juliane John

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