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SCHANDMAUL – BURN

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 17.03.2011

Die guten alten Schandmäuler mal wieder zu Gast in Bielefeld, in einer Location, die ihrer eigenen Aussage nach zu den Schönsten in Deutschland gehört. Was kann da schon schiefgehen? Dachten sich wohl auch die Massen an Mittelalter-Folk-Rock-Fans, die gegen 19 30 Uhr in einer langen Schlange vor dem Ringlokschuppen in der Kälte bibberten. Zum Glück nicht allzu lange, der Einlass ging zügig vonstatten und bevor man mit der Top4-Albumcharts-Band abfeierten konnte, stand noch ein interessanter Opener auf dem Programm.

Der hörte auf den Namen BURN, stammt aus meiner Studentenstadt Münster und hat mit dem Debüt „The Truth“ unlängst ein von Kritikerseite aus recht wohlwollend beurteiltes Debüt unters Volk gebracht. Besonders nett folgender Satz im Pressetext: „Früher sah man den Sänger zwischen den tristen Hochhausmauern in Münsters Problemviertel Kinderhaus als einzigen Goth herumlaufen.“ Also ich war in meiner Jugend auch einige Male in diesem Stadtteil unterwegs, mir sind weder großartige Probleme noch Gothen in Erinnerung geblieben, doch macht sich das Statement in einer Vita sicher gut. Und MS-Coerde war definitiv ein kaputterer Ort, doch ich schweife ab. Dem Vierer um den gerade angesprochenen Felix Friberg merkte man eine gewisse Nervosität an, man spielt ja auch nicht alle Tage vor annähernd 2000 Menschen, doch SCHANDMAUL-Fans sind ja bekanntlich nett und bedachten den Support Act von Anfang an mit warmherzigen Applaus. So richtig sprang der Funke bei den 6 Stücken allerdings nicht über, was vor allem am etwas missratenen Sound lag. So war der Gesang so gut wie gar nicht zu vernehmen, wohingegen die Drums laut und heftig polterten. Immerhin war zu erkennen, dass es sich beim BURNschen Sound um eine Art Rock mit Wavigen Einflüssen handelt, der dann und wann sogar richtig heftig ausfällt (Stichwort Double Bass). Felix‘ Stimme hat einen deutlichen CURE-Einschlag inne, soviel wurde immerhin trotz der angesprochenen Probleme deutlich. Eine Band mit Potential, die weiter an sich arbeiten muss, wenn sie sich richtig freischwimmen will, um mal diesen Allgemeinplatz zu verwenden. Noch kurz mit dem Handy die Menschenmengen für die lieben Verwandten aufgezeichnet, verabschiedete man sich nach einer guten halben Stunde dann auch schon wieder artig vom Bielefelder Publikum.

Setlist BURN (ohne Gewähr)
Burn for you
Ghost
Bunny
Aline
Summer
The Truth

Nun sollten noch einige Minuten vergehen, bevor die sympathischen Süddeutschen die Bühne enterten, doch die Anwesenden feierten einfach schon mal sich selbst bzw. tanzten gedankenverloren, wie die Mittelalter“elfen“ zu meiner Rechten. Gegen 21 15 Uhr war es dann soweit: Kein Schnickschnack auf der Bühne, nur ein Podest für Schlagzeuger Stefan Brunner und die beiden Saitenkünstler. SCHANDMAUL überzeugen durch Spielwitz und Publikumsnähe, nicht durch Inszenierung. So hat man es im Laufe der Jahre immerhin unter die ganz Großen einer Szene gebracht, die mittlerweile auch im Mainstream verankert ist. Und der Spaß, den die 6 Damen und Herren augenscheinlich bei ihrer „Arbeit“ (immer noch) haben, überträgt sich sofort auf die Besucher, die mitsingen, tanzen, springen und schreien, als gäbe es kein Morgen. Im Vordergrund stand an diesem kalten Donnerstagabend natürlich das aktuelle/ sehr erfolgreiche „Traumtänzer“-Release, das von den Fans ohrenscheinlich schon bestens verinnerlicht ist. Textprobleme gehen anders. Und auch wenn meiner bescheidenen Meinung nach der SCHANDMAUL-Sound auf Konserve etwas vorhersehbar geworden ist, live funktionieren Stücke wie „Hexeneinmaleins“, „Bis zum Morgengrauen“ (mag da jemand Stephenie Meyer?) oder „Der Alchemist“ prächtig. Thomas Lindner führt wie ein schwarzer Conférencier durch den Abend, erzählt Anekdoten, lobt Wolfgang Hohlbein und schafft es gar, das Auditorium zurück in die Grundschulzeit zu führen, indem er die Menge den Klassiker „Bruder Jakob“ als vierstimmigen Kanon aufführen lässt. Mannheim hatte nur 2 Stimmen geschafft… Da fällt es auch nicht ins Gewicht, dass er bei „Lichtblick“ einen leichten Texthänger hat, der charmant überspielt wird und insbesondere bei den beiden Grazien im Line Up für Gelächter sorgt. Überhaupt, die Damen: Birgit Muggenthaler-Schmack, die gerade erst ein Kind zur Welt gebracht hat (welches im Übrigen sogar auf Tour dabei ist), überzeugt mit Top-Figur und Höchstleistungen an den diversen Flöten. Anna Katharina hingegen brilliert an der Violine, lacht, scherzt und strahlt eine Lebensfreude aus, die ganz einfach mitreißt. Die gelegentlichen Gitarrensoli und der generell recht „harte“ Sound sorgen für ordentlichen Druck im Hintergrund. Jeder Musiker bekommt die Chance, sich in Szene zu setzen, Platz für Eitelkeiten gibt es dagegen keinen. Besonders schön auch immer wieder das Einbinden alter Klassiker, insbesondere das rassige „Leb!“, „Drachentöter“ und „Walpurgisnacht“ sind hier zu nennen, letztgenanntes Stück rundete auch das reguläre Set unter tosendem Applaus ab.

Für die Zugabe wurde dann ein Backdrop mit Scherenschnitten der Musiker in stimmungsvolles rotes Licht getaucht, während gleichzeitig der „Feuertanz“ performt wurde. Und obwohl noch der eine oder andere Titel auf der Setlist zu finden war, machten wir uns langsam auf in Richtung Heimat, der Konzertmarathon in den nächsten Tagen sollte noch anstrengend genug werden. SCHANDMAUL hatten mal wieder vollends überzeugt, nicht durch Rockstar-Gehabe, sondern durch ehrliche, schweißtreibende Arbeit und diese Form der Kunst verdient noch immer die höchste Anerkennung!

Setlist SCHANDMAUL (ohne Gewähr)
Kein Weg zu weit
Missgeschick
Auf hoher See
Assassine
Leb!
Der Alchemist
Die Tür in mir
Käpt’n Coma
Teufelsweib
Bis zum Morgengrauen
Lichtblick
Geas Traum
12. Der Drachentöter
Traumtänzer
Pakt
Hexeneinmaleins
Frei
Walpurgisnacht

Feuertanz
Der Spion
Dein Anblick

Krieger
Mitgift
Trinklied
Willst Du?

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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