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SCHANDMAUL – KRIEGER

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 24.04.2008

Die Mittelalter-Folkrocker SCHANDMAUL feiern Ende des Jahres ihr zehnjähriges Bandbestehen und sind bereits jetzt mit neuer Platte auf großer Jubiläumstour, welche die sechs Bayern auch in den mit knapp 2.000 Leuten gut gefüllten Ringlokschuppen führte. Als Support war in Bielefeld die Dresdner Combo KRIEGER angetreten, die entgegen den Veröffentlichungen auf der Ringlokschuppen-Homepage bereits um 20.00 Uhr die Bühne geentert und diese zur genannten Startzeit 20.30 Uhr auch schon wieder verlassen hatte. Damit hatte ich keine Chance, den Mix aus Neuer deutscher Härte und Deutschrock zu hören (schon im Vorprogramm einiger musikalische Größen), aber immerhin können wir euch mit einigen Fotos versorgen.

Zweifellos lag das Hauptaugenmerk der Anwesenden auch auf dem mit Spannung erwarteten Hauptact des Abends, der um 21.10 Uhr nach einem gesprochenen Intro, das stark an Märchenonkel Hans Paetsch erinnerte, mit „Wolfmensch“ vom besagten sechsten Studioalbum „Anderswelt“ loslegte. Die Ostwestfalen vergaßen umgehend ihre sonst so typische Zurückhaltung und klatschen eifrig mit. Als Belohnung folgte mit „Herren der Winde“ vom zweiten Longplayer „Von Spitzbuben und anderen Halunken“ aus 2001 gleich das erste Highlight, zu dem die Band Ringelreihen tanzte und auch im Auditorium bereits kräftig gehüpft wurde. Mit „Leb“ von der 2004er VÖ „Wie Pech und Schwefel“ ging’s gleich knackig weiter, nachdem Sänger Thomas Lindner die Fans begrüßt und sich für Platz Acht in den Verkaufscharts für „Anderswelt“ bedankt hatte. Dazu gab es im Hintergrund auf fünf Leinwänden, die ein wenig wie riesige Bilderrahmen aussahen, Bilder zu sehen, die direkt von den Objektträgern eines Mikroskops zu stammen schienen. Etwas ruhiger ließ es „Lichtblick“ angehen, wobei der Song der vorletzten Langrille „Mit Leib und Seele“ (2006) auch mit druckvollen Passagen aufwarten konnte. „Zweite Seele“ setzte da gleich auf härtere Töne und zeigte sich gitarrenorientiert. Thomas, der zwischen den Stücken gern ein bisschen mit dem Publikum plauderte, verriet im Folgenden, dass er nachmittags „Bielefeld“ gegoogelt habe und feststellen musste, dass es die Stadt eigentlich ja gar nicht gäbe. Das weckte den verletzten Lokalpatriotismus der Schwarzkittel, die aber schnell mit dem kraftvollen und sehr rhythmischen „Die Tür in mir“ besänftigt werden konnten. Außerdem wissen wir jetzt, dass es nicht nur schmerzhaft ist, in seine eigene Klinge zu laufen, sondern auch, dass auch ein Kleiderbügel dem Gemächt unangenehme Schmerzen zufügen kann. Ein ähnliches „Missgeschick“ wird auf der aktuellen Langrille besungen und wurde in Puddingtown bereits ordentlich abgefeiert. Überhaupt schienen die SCHANDMAUL-Jünger schon bestens vertraut mit dem neuesten Werk der Münchner, so dass auch der gefühlvolle Titeltrack vielfach mitgesungen wurde. Wenig später erzeugte blaues Licht auf der Stage eine kühle Atmosphäre für die „Geisterschiff“-Ankunft. Dazu hatten Anna Katharina Kränzlein an der Violine und Birgit Muggenthaler an der Flöte rechts und links am Bühnenrand auf Erhöhungen Stellung bezogen und ließen von Spots angestrahlt ihre reich verzierten langen Gewänder wirken. Auch Thomas war in einen mittelalterlichen Gehrock geschlüpft, während Stefan Brunner (Schlagzeug), Martin Christoph „Ducky“ Duckstein (Gitarre) und Matthias „Hiasl“ Richter (Bass) eher martialische Kleidung bevorzugten. Beim nächsten Song „Mitgift“ konnten man sich die Klamotten der Saitenfraktion etwas genauer anschauen, da zu der treibenden Nummer Ducky und Hiasl die Plätze der Damen einnahmen. Beim „Feuertanz“ schaltete das Sextett einen Gang zurück, um mit „Der Talisman“ typischen Mittelalterrock abzuliefern, dem ausgiebig applaudiert wurde. Bei „Das Tuch“ fanden die Instrumente eine stärkere Betonung, so durften Drums und Bass jeweils ein Solo zum Besten geben, was beim Publikum hervorragend ankam. Der „Fiddlefolkpunk“ kam gleich ganz ohne Gesang aus, bevor harte Langäxte und eindrucksvolle Lichteffekte den „Krieger“ auf den Plan riefen. Auch das brandneue „Frei“ animierte die Bielfelder zum kollektiven Klatschen und ist bereits auf dem besten Wege, eine SCHANDMAUL-Hymne zu werden. Selbiges ist „Walpurgisnacht“ natürlich schon lange, immerhin ist der Song auch bereits 2002 auf „Narrenkönig“ erschienen und wurde erwartungsgemäß vollkommen abgefeiert, auch wenn bis zum 30.04. noch ein paar Tage Zeit ist. Ebenso war zu erwarten, dass „Letzter Tanz“ auch den finalen Titel des regulären Sets markieren würde, aber Thomas hatte ja zwei Stunden SCHANDMAUL mit alten und neuen Liedern angekündigt und die waren um 22.35 Uhr noch nicht um.

Also ging’s mit „Das Mädchen und der Tod“ flugs in die Verlängerung, wozu zunächst nur Birgit und Stefan zurückgekehrt waren, um den Anfang zu machen. Es dauerte jedoch nicht lange und der Rest der Truppe kehrte zu einem weiteren Instrumental mit High-Speed-Zielgerade zurück auf die Stage. Für „Die Braut“ griff Thomas etwas widerwillig zum Akkordeon, das wohl nicht zu seinen Lieblingsinstrumenten gehört, da er sich damit wie eine hochschwangere Frau fühlt. Irgendwie animierte dies die Zuschauerschaft zu „Ausziehen“-Rufen, denen der Fronter jedoch nur hinsichtlich seines Schuhwerkes nachkam. Stattdessen bedankte er sich bei der Tour-Crew für die unermüdliche Arbeit, die sie sich täglich mit dem umfangreichen Bühnenequipment macht und verwies auf die Münchner Jubiläumsshow am 14.11.2008, die auch für eine DVD aufgezeichnet werden wird und wo auf irgendeine Art und Weise auch das weiße Laken zum Einsatz kommen wird, das im Foyer darauf wartete, von den Fans unterschrieben zu werden. Zunächst gab es allerdings ein Liebeslied zum Mitsingen: „Dein Anblick“ stand auf dem Programm und wurde natürlich lauthals mitgesungen. Auch als auf der stimmungsvoll ausgeleuchteten Stage keines der Schandmäuler mehr zu sehen war, sang und klatschte das Publikum immer noch eifrig weiter, womit sie die Sechs auf wieder zurück ins Rampenlicht locken konnten. „Denk an mich“ vom Debüt „Wahre Helden“ setzte noch mal auf vertraute SCHANDMAUL-Sounds, dann wurde es mit „Prinzessin“ abermals romantisch. Ein letzter lieber Gruß an alle, die am nächsten Tag arbeiten mussten und direkt nach diesem letzten Song nach Hause aufbrechen mussten. Mit dem Rest wollte Thomas noch ein Bier trinken, da hatte er sich noch was vorgenommen…

Augenscheinlich erfreut sich Mittelalterrock immer noch einer sehr großen Beliebtheit, wie die zahlreichen Besucher des Ringlokschuppen erahnen ließen. Sie wurden mit einer ausgefeilten Bühnenshow und einer Band belohnt, die ofenkundig Spaß an ihrer Musik hat und die Nähe zu ihrem Publikum liebt. Die Kombination aus mittelalterlichen Klängen, für die u.a. Drehleier und Dudelsack verantwortlich zeichnen, mit Folk-Attitüden wie sie Geige und Schifferklavier transportieren und sattem Gitarrenrock macht SCHANDMAUL abwechslungsreich und erklärt neben der Livepräsenz den Erfolg der süddeutschen Musiker.

Setlist SCHANDMAUL
Wolfsmensch
Herren der Winde
Leb
Lichtblick
Zweite Seele
Die Tür in mir
Missgeschick
Anderswelt
Geisterschiff
Mitgift
Feuertanz
Der Talisman
Das Tuch
Großes Wasser
Fiddlefolkpunk
Krieger
Frei
Walpurgisnacht
Der letzte Tanz

Das Mädchen und der Tod
Die Braut
Dein Anblick

Denk an mich
Prinzessin

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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