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SCHILLER

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 08.05.2006

Fast auf den Tag genau 18 Monate nach dem letzten Gastspiel im Bielefelder Ringlokschuppen schlugen SCHILLER wieder in OSTWESTFALEN auf, zumindest das Wetter unterschied sich radikal von dem eiskalten Novembertag im Jahre 2004. Und wir machten uns deutlich früher auf den Weg, um nicht wieder in Hektik zu verfallen und stattdessen die Performance von der ersten Minute an genießen zu können. Um 19 30 Uhr befand sich bereits eine ordentliche Menschentraube vor dem ehemaligen Bahngebäude, dennoch wurde bereits jetzt deutlich, dass die Zuschauerresonanz ein wenig zurückgegangen war, gut 40 Euro sind ja auch nicht gerade Low Budget. Und so dürften es gut 1.500 Zuschauer gewesen sein, zumeist Pärchen ab 30 aufwärts, die sich einer sphärischen Musikbehandlung unterziehen wollten. Vor der riesigen Bühne befand sich zunächst noch ein Vorhang, auf den passend zum Titel der aktuellen Scheibe „Tag und Nacht“ verschiedene Mondphasen projiziert wurden. Kurz nach 20 30 Uhr wurde dann die Sicht freigegeben auf Christopher von Deylen und seine 5 Mitmusiker: Am Bass Thissy Thiers, an der Gitarre der Bielefelder Virtuose Mickey Meinert, akustisches („normales“) Schlagzeug Ralf Gustke (SÖHNE MANNHEIMS), elektronisches Drumkit Cliff Hewitt (Engländer, auch für Jean-Michel Jarre tätig) sowie der 2te Keyboarder Christian Kretschmar (ebenfalls aus Bielefeld stammend). Thiers und Meinert waren bereits beim letzten Mal mit an Bord, der PINK FLOYD-Schlagwerker Gary Wallis wurde somit von gleich 2 Kollegen „ersetzt“.

Zunächst erklang erwartungsgemäß die Einleitung der neuen Scheibe, bevor es mit den beiden Instrumentalstücken „Nachtflug“ und „Morgentau“ in die vollen ging. Sound und Licht fielen fast ebenso erwartungsgemäß bombastisch aus: In der Mitte der Halle hatte man weitere Lautsprecher postiert, um einen quadrophonen Sound zu erzeugen, und die 5 leicht gewölbten Moodlight-Streifen zauberten ein ums andere Mal faszinierende Bilder auf die Bühnenrückseite. Teilweise spürte man die Wucht von Bass und Trommelschlägen anhand der Vibrationen in der Magengrube fast körperlich. Bei Song Numero 3 betrat erstmals die „neue“ Gastsängerin Jette von Roth die Stage, passenderweise in einem roten Kleid gewandet. Wir haben bereits 2 mal über sie berichtet, in ihrer „hauptberuflichen“ Funktion als Frontdame von KAYCEE und als Support von CAMOUFLAGE sowie CLIENT. Heute blickte sie natürlich in weit mehr erwartungsfrohe Augen im Auditorium. Stimmlich gab sich die Elfenartige Dame keine Blöße bei Liedern wie „What’s Coming“ oder dem bisher unveröffentlichten Titel „Drifting“, allerdings merkte man ihr eine leichte Schüchternheit vor so vollem Haus durchaus an. Außer 2 kurzen Danksagungen kommunizierte sie nicht mit den Fans, und ihre Bewegungsabläufe wirkten hin und wieder auch etwas drollig. Während Jette also eher die kühl-synthetische Seite von SCHILLER repräsentierte, zeigte kurze Zeit später die dunkelhäutige Kim Sanders, wie man die Massen zum Kochen bringt. Analog zur letzten Tour wieder barfuss spürte man förmlich, wie augenblicklich der Funke übersprang, als sie in einer putzigen Mischung aus Deutsch und Englisch mit den Leuten palaverte. Darauf hatten die Ostwestfalen anscheinend gewartet, die nun endlich etwas aus dem Quark kamen, mitsangen und -klatschten. Frau Sanders sprach einen wehmütigen Fan in der ersten Reihe direkt an, und Frau Sanders ließ sich einen ortsspezifischen Satz zutragen, der da lautete: „Bielefeld steigt nicht ab“. Na ja, vielleicht im nächsten Jahr… Nach ihren drei musikalischen Vorträgen „I know“ und „I saved you“ und „Distance“ waren wieder die Instrumentalisten am Zuge, die sich allesamt in launiger Spielfreude präsentierten. Jette gab dann noch einen 2ten Gesangsblock zum Besten, sie trug bei „Sleepy Storm“ und dem erotischen „Der Tag“ weiß und wurde von Lichtspielereien als lebendige Projektionsfläche genutzt, ein Schelm, der ihr dabei das Attribut „farblos“ zuordnen wollte. Leider leider wurde alsbald klar, dass der dritte Gastsänger der Tour, WOLFSHEIM-Chanteuse Peter Heppner, nicht mit nach Ostwestfalen gereist war, aus Gründen, die mir nicht bekannt sind. Insbesondere, wenn man den Berichten anderer Städte glauben schenkt, waren seine Auftritte mit die Höhepunkte des jeweiligen Abends. So wurden die beiden Hits „Dream of you“/ „Leben – I feel you“ kurzerhand aus der Setlist gestrichen, und der Hauptteil der Darbietung fand mit „Berlin Bombay“ ein umjubeltes Ende.

Natürlich gab es dann noch mal eine Verlängerung in Form von „Ein schöner Tag“ und „I’ve seen it all“ (wieder mit Kim), bevor sich alle Musiker des Abends richtig feiern ließen. Die anhaltenden Zugabenrufe führten dann noch zu einem Abschluss der gelungenen Performance mit dem vergleichsweise alten Track „Das Glockenspiel“. Alles in allem eine faszinierende Show, vielleicht eine Spur zu technisch ohne den guten Peter, aber mit Verve und Leidenschaft vorgetragen, womit letztlich der hohe Eintrittspreis sicher gerechtfertigt war. Bielefeld strömte in die Nacht…

Setlist (ohne Gewähr!)
Willkommen
Nachtflug
Morgentau
Drifting (Jette)
What’s Coming (Jette)
Schiller
Sommerregen
I saved you (Kim)
I know (Kim)
Distance (Kim)
Feuerwerk
Irrlicht
Sleepy Storm (Jette)
Der Tag… du bist erwacht (Jette)
Ruhe
Berlin Bombay

Ein schöner Tag
I’ve seen it all (Kim)

Das Glockenspiel

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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