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SCHILLER

Ort: Bielefeld – Ringlokschuppen

Datum: 29.11.2012

In schöner Regelmäßigkeit beehrt Meister SCHILLER aka Christopher von Deylen seine willigen Schäfchen in Ostwestfalen und seit 2004 ist auch der Terrorverlag immer mit an Bord, um sich den sphärischen Electroklängen hinzugeben. Das neue Album „Sonne“ ist (mal wieder) auf Platz 1 in die Charts eingestiegen und somit war es auch kein Wunder, dass an diesem eiskalten Donnerstag der Ringlokschuppen proppenvoll war. Zumeist mit Pärchen mittleren Alters, die nicht gerade aus sozialen Brennpunkten stammen dürften. Der SCHILLER-Sound ist eben gediegen, aber auch relativ überraschungsarm. Wie üblich ohne Vorband aber dafür mit einer perfekten Lightshow stiegen die 6 Herren relativ pünktlich in ihr Set ein, die Protagonisten wohlbekannt. Neben dem kahlköpfigen Mastermind noch Tissy Thiers am Bass (in den 80ern übrigens mit Michael Cretu unterwegs), Andreas Binder an den Gitarren, Christian Kretschmar (Synthies) sowie 2 Schlagzeuger an den elektronischen bzw. akustischen Drums. Wie üblich wurde kaum mit den Zuschauern interagiert, wie üblich war der Sound bombastisch klar (wenn auch recht laut) und wie üblich wechselten sich instrumentale Blöcke mit gesungenen Stücken ab, für die (ja wie üblich) Gastsänger verantwortlich zeichneten. Bzw. in diesem Falle ausschließlich Sängerinnen: Kate Havnevik aus Norwegen (bereits SCHILLER-erprobt) und die niederländisch-stämmige Meredith Call, sonst in einer Formation namens WINTER KILLS aktiv. Schnell wurde deutlich, dass die Grazien zwar gut bei Stimme waren aber leider nur über wenig Ausstrahlung verfüg(t)en, zumindest verglichen mit der schmerzlich vermissten Kim Sanders, die immer so etwas wie der „Missing Link“ zwischen Band und Publikum war bei vergangenen Auftritten. Kate und Meredith rissen ihre Songs professionell runter, schienen aber froh zu sein, jeweils wieder von der Bühne verschwinden zu dürfen. Deutlich schwungvoller wirkten da die Instrumental-Sachen wie natürlich „Sehnsucht“ oder „Das Glockenspiel“, wo die Zuschauer dann auch mal ein wenig mehr mitgingen. Vermisst wurde auch die dritte SCHILLERrette namens Anggun, die zumindest in Düsseldorf noch auf Deck war, wenn man dem Internet glauben darf. Ihre Tracks wurden ersatzlos gestrichen.

So endete dann auch der Hauptpart relativ unspektakulär, zu mehr als einem Gruß in Richtung Bielefeld hatte sich von Deylen nicht hinreißen lassen. Das mag sich jetzt alles recht kritisch anhören, so schlimm war es natürlich nicht. Der Surround-Sound und die wunderschöne Lichtdramaturgie wussten zu überzeugen und auch die Musiker sind über jeden Zweifel erhaben. Nur eben wirkte das alles recht routiniert und leidenschaftslos. Die meisten Anwesenden schienen aber durchaus zufrieden zu sein. Leider fehlte auch das vom „Grafen“ veredelte „Sonne“, wohl mangels männlicher Vocals. Hätte man ja vielleicht einspielen können per Video. So war dann „Ein schöner Tag“ in der Zugabe noch mal ein Höhepunkt und zugleich unser Weckruf für die Heimreise, ich persönlich fand die beiden SCHILLER-Tracks, die 3 Tage zuvor PETER HEPPNER in Dortmund präsentiert hatte, spannender als diesen Abend in der OWL-Metropole. Insgesamt sicher ok, aber ich denke, beim nächsten Mal darf jemand anderes diesen Bericht übernehmen.

Setlist (ohne Gewähr)
Lichtermeer
Kon-Tiki
Revelation
Velvet Aeroplane (Kate Havnevik)
Schiller
The Silence (Meredith Call)
Reach Out (Meredith Call)
Sommernacht
Berlin – Moskau
Leidenschaft
Ghost (Kate Havnevik)
The Fire (Kate Havnevik)
Sehnsucht
Das Glockenspiel
Einklang
Epic Shores (Meredith Call)
Heimathafen

Playing With Madness
Nachtflug

Ein schöner Tag
Ruhe

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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