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SCHILLER

Ort: Münster - Halle Münsterland

Datum: 19.05.2008

„Schließen Sie die Augen, entspannen Sie sich…“

Genau das hatte ich heute auch bitter nötig. Nach zwei nervenaufreibenden und anstrengenden Wochen, die nun hinter mir lagen, kam Entspannung gerade recht. Und was eignet sich da besser als (s)chilliger Sound mit schillernder und atmosphärischer Lightshow?! Deswegen hieß es dann auch an diesem Montagabend: Auf nach Münster zum SCHILLER Konzert. Dank des guten Zeitmanagements fanden wir schnell einen Parkplatz und betraten fast überpünktlich die Halle Münsterland. Da der Teil, in dem das Konzert stattfinden sollte, noch hell erleuchtet war, wollte sich die richtige Stimmung aber noch nicht so recht einstellen. Zumal das ganze irgendwie mehr an eine Turnhalle erinnerte als an eine Konzertstätte. So wurde dann erstmal ausgiebig das restliche Publikum analysiert. Viele Paare, einige Holländer in meiner Nähe, die sich anscheinend die ein oder andere psychoaktive Substanz aus der Heimat mitgebracht hatten und jede Menge Damen, die vom mitgereisten Fotografen wohlwollend betrachtet wurden. Auch wenn er später ernüchtert feststellen musste, dass bei Licht besehen nicht jede (kurzhaarige) Frau auch gut aussieht. Altersmäßig war zum Großteil die Generation 30+ vertreten, von denen sich einige gleich erstmal die Sitzplätze gesichert hatten. Aber genug gelästert und zurück zum Hauptgeschehen, denn inzwischen war es 20 Uhr und das Erlebnis konnte beginnen.

„…willkommen in der neuen Welt von Schiller.“

Und diese Welt kann man nur als absolut traumhaft beschreiben. Bombastischer Sound (zu Beginn deutlich zu laut – der mitgereiste Fotograph), der Dank der im Raum verteilten Lautsprecher, aus allen Richtungen zu kommen schien, farblich unterstützt durch riesige LED Schirme im Hintergrund der Bühne. Rotes und orangefarbenes Licht, das ein wenig an einen Sonnenuntergang erinnerte, ließ tatsächlich „Sehnsucht“ aufkommen, welches nach „Willkommen“ der erste Song des Abends sein sollte und zugleich Titeltrack des aktuellen Albums ist. Doch leider wurde dieser ohne Xavier Naidoo dargeboten. Stößt der Herr bei mir sonst auf wenig Gegenliebe, wäre es bei diesem Stück doch irgendwie schöner gewesen, hätte er dazu live seinen Gesang beigesteuert. Nach „Wunschtraum“ ging es dann auch sofort weiter mit dem ersten Gastauftritt des Abends. Jette von Roth, inzwischen schon zum zweiten Mal mit von der Partie, intonierte mit ihrem kühl-distanzierten Gesang die beiden Stücke „Der Tag“ und „Black“, wobei mich ihr Gesang ein bisschen an BJÖRK erinnerte. Danach ging es, wie schon gewohnt, mit den beiden Instrumentalstücken „Schiller“ und „Herzschlag“ weiter, bei dem Keyboarder Kretschmar mal eben vom Keyboard ans Cello wechselte, was der schönen Atmosphäre nur zuträglich war. Und nun Gastauftritt die Zweite: Die quirlige Sängerin Kim Sanders, ihres Zeichens schon fast fester Bestandteil einer SCHILLER-Show, betrat die Bühne, um mit ihrer überragend guten und souligen Stimme die Stücke „I know“ und „Forever“ darzubieten. Gänsehautfeeling pur. Bei „Das Glockenspiel“ kochten neben mir die holländischen Emotionen über und es wurde getanzt, gejubelt und applaudiert. Insgesamt muss man sowieso sagen, dass das Publikum zwischen den einzelnen Stücken sehr enthusiastisch war, kräftig applaudierte und pfiff. Habe ich so bisher selten erlebt oder ich gehe einfach auf die falschen Konzerte.

Und schon stand der dritte Gastauftritt des Abends auf dem Programm. Neu dabei Jaël, ihres Zeichens Sängerin der Schweizer Band LUNIK. Sie sang die beiden Stücke „Tired“ und „I need you“, aber irgendwie fehlte mir hier der richtige Schwung. Hörte sich zwar gut an, aber etwas kraftlos. Zu „In the dark“ und „Sleepy storm“ kam Jette von Roth dann noch mal ans Mikro, bevor mit „Sommernacht“ das letzte Instrumental des Hauptteils dargeboten wurde. Und dann kam für mich der Höhepunkt des Abends. Kim Sanders intonierte „Dancing with loneliness“, ein Lied das im Herzen weh tut und das Gefühl der Einsamkeit fast greifbar werden lässt. Melodramatisch aber wunderschön. Nachdem man gerade überlegt hatte, welche Art des Suizids wohl die schmerzfreieste ist, konnte jetzt zum lustigen Teil des Abends übergegangen werden. In einem Kauderwelsch aus Englisch und Deutsch und mit einem Weinglas in der Hand plauderte Kim mit dem Publikum und fragte dann, taktisch vielleicht etwas unklug, ob man sich langweilen würde, da Menschen gesichtet worden seien, die mit verschränkten Armen und mürrischen Gesichtern herumständen/ säßen. Dies sorgte dann aber doch für einige Erheiterung. Daraufhin kündigte sie ganz geheimnisvoll an, dass sie jetzt etwas ausziehen würde, was wohl für einige große Augen gesorgt haben dürfte, da Kim jetzt nicht allzu viel am Leib trug. Zum Glück (oder auch nicht) handelte es sich dann aber nur um ihre Schuhe, derer sie sich entledigte. Sie gab noch zwei weitere Songs zum Besten, bevor der Hauptteil seinen Abschluss fand und man ließ sich danach dann auch noch recht lange unter frenetischem Applaus und Zugaberufe bitten, bis Mastermind Christopher van Deylen mit Band wieder die Bühne betrat, um noch drei Instrumentalstücke als Zugabe zu spielen. Zur Verabschiedung kamen dann auch noch mal die drei Grazien Kim, Jette und Jaël mit dazu.

Einziger kleiner Kritikpunkt ist, dass es einfach ein bisschen zu laut war. Surround-Sound schön und gut, aber ein wenig leiser hätte es genauso gut gewirkt, vielleicht sogar noch ein wenig besser. Und ich muss gestehen, dass ich es schade fand, dass Ben Becker nur bei dem Auftritt in Köln mit dabei war. Das hätte ich zu gerne gehört. Insgesamt auf jeden Fall ein wunderbarer Konzertabend, der wirklich entspannend war und auch optisch ein absolutes Erlebnis bot. So konnten wir uns müde und geschafft, aber glücklich, auf den Heimweg machen

Setlist SCHILLER (ohne Gewähr!)
Sehnsucht
Wunschtraum
Der Tag (Jette)
Black (Jette)
Schiller
Herzschlag
I know (Kim)
Forever (Kim)
Denn wer liebt
Das Glockenspiel
Tired (Jael)
I need you (Jael)
Irrlicht
Ein schöner Tag
In the Dark (Jette)
Sleepy Storm (Jette)
Sommernacht
Dancing with loneliness (Kim)
Distance (Kim)
Let me love you (Kim)

Dream of you
Ruhe

???

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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