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SEA & AIR – MISTER & MISSISSIPPI

Ort: Bielefeld - Forum

Datum: 14.01.2016

Für den Start ins neue Konzertjahr fiel meine Wahl auf das Deutsch-/ Griechische Ehepaar SEA & AIR, deren Live-Qualitäten allerorten hoch gelobt werden. Nun bot sich die Gelegenheit, sich mal persönlich davon zu überzeugen. Als wir zum angekündigten Starttermin im Forum eintrafen, waren die Zwei jedoch noch mit dem Soundcheck beschäftigt. Das Winterwetter hatte zu einer unverhältnismäßig langen Anfahrt aus Köln geführt, wie wir später erfahren sollten.

So wurde es 21 Uhr, als zunächst der Support MISTER & MISSISSIPPI die Bühne betrat. Der weiblich gefrontete Vierer aus den Niederlanden hat in seiner Heimat bereits zahlreiche Bandwettbewerbe gewonnen und bislang 2 CD veröffentlicht, aus denen sie 5 Stücke vorstellten. Zum Einstieg wählten sie das sphärische „A void of fame“ und auch mit „Gloom“ ging es elegisch weiter, so dass die Marschrichtung gleich klar wurde: Hier wird im Fahrwasser von LONDON GRAMMAR geschippert und das richtig gut, was auch das Publikum gleich mit wohlwollendem Applaus zu goutieren wusste. Für „Where the wild things grow“ gesellte sich zur warmen Stimme von Sängerin Maxime die von Schlagzeuger Samgar fast aus dem OFF des hinteren Bühneneckchens hinzu. Dieser bat anschließend das überwiegend studentische Publikum auf putzigem Deutsch, doch bitte ihren Sicherheitsabstand zur Bühne aufzugeben – mit Erfolg. Es ging hypnotisch weiter mit „Circulate“, ehe die Vier, die sich alle auf der Musikhochschule in Utrecht kennen gelernt haben, für ihren letzten Song „Nemo Nobody“ die Stecker zogen, die Bühne verließen und sich in die Mitte der etwa 250 Zuhörer schlängelten. Diese wurden nun Zeuge einer sehr intimen Akustik-Darbietung mit wunderbarem Harmoniegesang, die mucksmäuschenstill verfolgt wurde (ja selbst das laute Gebläse in der Forumhalle hatte jemand geistesgegenwärtig kurz abgeschaltet). Ein bezaubernder Konzertmoment, der anschließend mit entsprechendem Applaus und Zugabe-Rufen bedacht wurde. Leider wurde diesem Wunsch nicht nachgegeben, doch MISTER & MISSISSIPPI dürften an diesem Abend einige Fans hinzu gewonnen haben. Die Vier hatten in einer halben Stunde eine selbstbewusste Visitenkarte abgegeben.

Setlist MISTER & MISSISSIPPI
A void of fame
Gloom
Where the wild things grow
Circulate
Nemo Nobody

Als alle gefühlten 20 Instrumente für Sea & Air, darunter ein Cembalo, diverse Pauken und ein Gong, ihren Bühnenplatz gefunden hatten, entzündeten Eleni Zafiriadou und Daniel Benjamin zu Meeresrauschen einen Kandelaber in der Mitte der Bühne gefolgt von einigen Gongschlägen: Die Show konnte beginnen. Los ging es mit „We all have to leave somebody“ und „Lady Evropi“ vom gleichnamigen, aktuellen Album. Die Ansagen übernahm Daniel, meistens nur ins Mikro gehaucht und stets mit einer ironischen oder subtilen Note versehen. So erzählte er von der gemeinsamen Katze und deren möglichen Drogenkonsum, gefolgt vom kleinen Hit ihres Debütalbums „Do animals cry?“, in dessen zweiten Teil sich Eleni mit animalischer Lautmalerei austobte. Das Publikum ging begeistert mit, so auch beim eigenwilligen „Hahahaha“. Nachdem auch an diesem Abend das Mysterium um die nicht vorhandene Stadt Bielefeld nicht gelöst werden konnte, bestanden das Duo samt Publikum zu „Safe from harm“ den Test zur Stadiontauglichkeit und Daniel begeisterte mit seinem Falsett. Doch es sollten auch ernste Töne ihren Platz finden, so zum Beispiel bei „Should I care“ (dessen politische Aussage im dazugehörigen Video gut zum Ausdruck kommt). Mit „Misery“, „Mercy looks good on you“ und „Follow me me me“ wurden weitere Songs des aktuellen Albums zelebriert. Dabei erzählte Daniel von ihrem zeitaufwändigen Training, alle Instrumente entsprechend in ihre Live-Performance einzubeziehen, zeitweise fünf gleichzeitig. Als sich nach den ersten Konzerten jedoch ihr Training aufgrund von Publikumskommentaren wie „Toll, wie ihr das mit den Loops und Samples macht“ als obsolet herausstellte, reifte wohl die Idee zur nächsten Performance: „We understand you“ wurde komplett Playback gespielt, flankiert von theatralischen Gesten, knapp verfehlten Micro-Einsätzen und Bühnentänzchen mit einem Fan – eine herrliche Persiflage! „Heart of the rainbow“ sollte das reguläre Set nach etwa einer Stunde beenden, eingeleitet von einer launigen Aufforderung in Versform, sich anschießend doch bitte dem Merch-Stand zuzuwenden.

Doch zunächst galt es den vom begeisterten Publikum eingeforderten Zugaben zu lauschen. So gab es noch das etwas entrückte „Flowers from the distance“ auf die Ohren, ehe sich Eleni noch einmal für „Take me for a ride“ ans Cembalo setzte. Einen watte-weichen Abschluss fand dieser Konzertabend mit„You are“, ein paar Gitarrenakkorde und zwei harmonische Stimmen entließen das Publikum gegen 23.15 Uhr in die kalte Winternacht. SEA & AIR hatten einen virtuosen, charismatischen Auftritt geboten, sehr ausgefallen zwischen Bach und SCORPIONS , Melancholie und sympathischer Schrulligkeit.

Setlist SEA & AIR
We all have to leave someday
Lady Evropi
Do animals cry?
Hahahaha
Safe from harm
Pain is just a cloud
Should I care
Misery
Mercy looks good on you
Follow me me me
We understand you
Heart of the rainbow

Flowers from the distance
Take me for a ride
You are

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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