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SELIG

Ort: Gütersloh – Weberei

Datum: 11.05.2015

Lieber SELIG in Gütersloh als UNHEILIG in Bielefeld…

Während wir die Abschiedstour des „Grafen“ am Vorabend im benachbarten Bielefeld geflissentlich ignoriert hatten, machten wir uns voller Freude auf zum Tourauftakt der SELIGen in die gemütliche Weberei. Natürlich nicht ohne uns vorher noch bei allerfeinstem Wetter im Biergarten zu stärken, was übrigens auch Herr Plewka (bekanntermaßen Gesang) und Herr Eggert (Schlagzeug)taten, die 3 Tische weiter logierten und anscheinend weitestgehend unerkannt blieben. Irgendwann war es aber an der Zeit, und wir traten ein in den Konzertsaal, der gegen 20 15 Uhr noch recht spärlich besetzt war, was sich aber rasch änderte, so dass „Die Besten“-Tour vor angemessenem Ambiente stattfinden konnte. Ohne Vorgruppe oder großes Bühnenbild (lediglich 3 mal 5 Stehlampen waren im Hintergrund recht „amüsant“ drapiert worden) ging es dann gegen 20 40 Uhr los mit der auf Quartett-Größe geschrumpften Truppe. Der langjährige Keyboarder Malte hat die Band nämlich verlassen, was dem SELIG-Sound aber nicht abträglich zu sein scheint. So viel kann schon vorweg genommen werden. Dafür gab es einige Wechselspiele an den Instrumenten, was die musikalische Vielseitigkeit der vier Herren dokumentiert, zu denen neben den eingangs bereits Erwähnten auch der hauptamtliche Gitarrist Christian Neander und Bassist Leo Schmidthals zählen, wobei Letzterer häufiger ans E-Piano wechselte und später auch noch ein Cello bedienen sollte. Es mögen die Spiele beginnen…

25 Jahre existieren SELIG nun schon (so denn man die zwischenzeitliche Trennung außer Acht lässt), nach der man die Bandhistorie in 2 Phasen mit jeweils 3 Langspielern sortieren kann. Aktuell hat man eine Art Best Of mit neu arrangierten Klassikern am Start, die gleichsam Namensgeber der Tour ist. So war die Setlist an diesem Abend eine Rundreise durch die Discographie der Hamburger, die überaus sympathisch und bodenständig rüberkamen. Fronter Jan becirct insbesondere die weiblichen Fans mit seinem spitzbübischen Charme, wobei er längere Schwafeleien zumeist unterlässt. Nur ganz zu Beginn erklärte er, dass man noch nie Gütersloh aufgetreten wäre und dass man sich nachmittags im angeblich schönsten Fleckchen der Stadt, dem botanischen Garten, aufgehalten hätte. Ok, da wäre mir persönlich vielleicht noch etwas Besseres eingefallen, aber da fehlt halt die Ortskenntnis… Mit „5000 Meilen“ vom vorletzten Studioalbum ging die Reise los und man ließ sich kurze Zeit später auch vom kurzfristigen Ausfalls des Drum-Sounds nicht großartig irritieren, was charmant überspielt wurde. Band-Klassiker folgte auf Band-Klassiker, wobei insbesondere der doch recht variable Stil hervorzuheben ist. Neben Balladen gab es teilweise auch relativen „harten“ Psychedelic Rock mit ausufernden Instrumental-Passagen auf die Ohren, bevor dann wieder eine vergleichsweise poppige Gangart eingeschlagen wurde. Das alles absolut mitreißend und authentisch, so dass selbst die bekanntermaßen eher lethargischen Ostwestfalen richtig aus sich herauskamen.

Ein paar Highlights: Zu „Popstar“ vom 97er Werk „Blender“ schnallte sich auch Herr Plewka ein Saiteninstrument um, mit dem er ein paar viel umjubelte Licks zum Besten gab. „Hey Ho“ wurde dann akustisch am Bühnenrand präsentiert, Jan und Co. auf den Monitorboxen zum Greifen nahe. Der etwas stoisch agierende Neander griff zudem eh auf ein beeindruckendes Arsenal diverser Gitarren zurück. So verging die Zeit wie im Flug, und es war bereits nach 22 Uhr, als „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ aus Hunderten Kehlen mitgesungen den regulären Teil des Konzerts bestens abrundete. Doch das sollte es noch lange nicht gewesen sein, mit dem etwas unbekannteren „Gott“ (ursprünglich ein Vinyl Bonustrack des 94er Debüts) stieg man in die erste Verlängerung ein, bevor „Schau Schau“ abermals ein Highlight setzte. Natürlich noch übertroffen vom möglicherweise bekanntesten Titel der Band – „Ohne Dich“, bei dem Leo nun endlich das Cello bediente, was gerade unter den anwesenden Pärchen für beste Kuschelathmo sorgte. Abermals zog man sich kurz unter Ovationen zurück, nur um voller Elan mit „Ist es wichtig?“ und dem (hoffentlich) programmatischen Song „Wir werden uns wiedersehen“ scheinbar endgültig auf den Höhepunkt zuzusteuern. Ein nicht enden wollender Gütersloher Chor, der immer wieder den Refrain intonierte, verabschiedete schlussendlich die Norddeutschen unter tosendem Applaus, und die nun in Betrieb genommene Deckenbeleuchtung schien das Ende des Konzerts anzuzeigen… Doch weit gefehlt: Ein allerletztes Mal setzten sich die SELIGen in musikalische Bewegung und präsentierten mit „Fadensonnen“ in einer launigen Umsetzung („Stoppel“ Eggert dabei an einer „kindlichen“ Melodica) den nun endgültigen Schlusspunkt, das noch anwesende Publikum dicht gedrängt vor seinen Helden.

Der Kehraus nach deutlich über 2 Stunden Spielzeit voller Emotionen, herübergebracht von einer spielfreudigen und sympathischen Band, die ihren Zenit noch lange nicht erreicht hat. Und auch das beschauliche Gütersloh hat sich von seiner besten Seite gezeigt, so dass durchaus Hoffnung besteht, bei zukünftigen SELIG-Tourplanungen wieder berücksichtigt zu werden…

Setlist
5000 Meilen
Sie hat geschrien
Arsch einer Göttin
Wenn ich an dich denke
Mädchen auf dem Dach
Die Besten
Alles auf einmal
Regenbogenleicht
High
Hey Ho
Popstar
Kleine Schwester
Glaub mir
Ich fall in deine Arme
Lass mich rein
Wenn ich wollte
Von Ewigkeit zu Ewigkeit

Gott
Schau Schau
Ohne Dich

Ist es wichtig?
Wir werden uns wiedersehen

Fadensonnen

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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