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SELIG

Ort: Dortmund – FZW

Datum: 03.04.2013

Zuletzt waren SELIG wohl an einem 17. Februar in Dortmund, das ist nämlich der Geburtstag von Gitarrist und Band-Mitbegründer Christian Neander und daran konnte sich Jan Plewka, seines Zeichens Sänger der 1993 gegründeten, 1999 aufgelösten und 2008 wiederbelebten Kapelle, erinnern, weil Kollege Neander gleichzeitig auch Dortmunder ist und somit ein Heimspiel im gut gefüllten FZW hatte. Dass die Hamburger nicht vor leeren Rängen spielten, schien den Fronter etwas zu überraschen, da zeitgleich die Borussia in der Champions League gegen Malaga antreten musste. Nun stand der Konzerttermin jedoch schon deutlich länger fest, es war eh kein Heimspiel und ging zudem auch noch torlos aus. Da dürfte der SELIGe Abend mit großartiger Live-Mucke deutlich spannender gewesen sein.

Auf einen Support zum Anheizen der Stimmung hatte das Quintett wie üblich verzichtet und legte stattdessen zur besten Prime Time um 20.15 Uhr mit dem Opener des im Februar veröffentlichten sechsten Studio-Albums „Magma“ los. „Ich lüge nie“ behauptete Jan, der das Auditorium bereits nach wenigen energiegeladenen Akkorden auf seiner Seite hatte. Im Hintergrund sorgten derweil horizontal angebrachte Lichtelemente für die passende optische Untermalung, bevor die Stage für das nicht ganz so schnelle „Sie scheint“ in purpurnes Licht getaucht wurde. Nach diesen beiden Songs des bis auf #4 gekletterten jüngsten SELIG-Outputs, erwartete die Dortmunder mit „Schau Schau“ das erste Highlight vom Reunion-Longplayer „Und endlich unendlich“. Natürlich wurde die Nummer lauthals mitgesungen, bevor es mit „Arsch einer Göttin“ ganz alten Stuff („Hier“ aus 1995) und reichlich Gefrickel von Christian sowie Getanze von Jan gab. Für das knackige „Love & Peace“ griff der Mann an den Tasten, Malte Neumann, zum Megafon und präsentierte zudem sein Instrument ohne die Zebra-Look-Optik, die in den vergangenen Jahren das Keyboard zierte. Zuckende Lichtblitze begleiteten „Danke“ im typischen SELIG-Sound, nachdem Herr Plewka die Aufforderung „Put your energy together!“ unters Volk gebracht hat. Seine Ansagen waren gelegentlich ein wenig sinnbefreit, aber auch das gehört bei einem Gig dieser Combo einfach dazu. Ein Hauch Melancholie sollte sich wenig später mit „Wenn ich an Dich denke“ über die Fan-Gemeinde legen, die der Aufforderung zum Klatschen gern nachkam. Einen weiteren Klassiker der zweiten Langrille gab’s mit „Ist es wichtig?“ auf die Ohren. Der Track wurde vom Publikum, das altersmäßig zu einem Großteil in der Liga einzustufen war, dass sie auch bereits vor 18 Jahren mitgesungen haben dürften, mit Begeisterung aufgenommen. Malte wechselte an dieser Stelle an der Percussions und Jan griff zum Schellenkranz, bevor Stephan „Stoppel“ Eggert für „Der Tag wird kommen“ vom Drumkit an eine separate Trommel wechselte. Angekündigt wurden die folgenden Trommelschläge als „alter rostiger Dieselmotor in einem großen Containerschiff unter irischer Flagge mit acht Mann Besatzung“ – wie gesagt, Herr Plewka holte gelegentlich gern einmal etwas aus und wer sich nach so einer Ansage immer noch nichts unter der gefühlvollen Musik vorstellen konnte, war vermutlich einfach am falschen Ort. Mit „Zeit“ ging es mit ähnlich leisen Tönen weiter, ehe sich „Bring mich heim“ druckvoll anschloss und ausgiebig zelebriert wurde. Nahtlos fügte sich „5000 Meilen“ vom 2010er „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ an, bei dem ich vom Pott schon etwas mehr Enthusiasmus erwartete hätte. Offensichtlich brauchten die Anwesenden jedoch erst einen Moment und kamen schließlich in Fahrt, als sich die Band zurücknahm. Nicht fehlen durfte der Titeltrack „Magma“, bei dem die Leuchtstäbe im Bühnenhintergrund rot vor sich hin glimmten und die Stage in Nebel getaucht wurde, während aus den Boxen Klaviergeplänkel und dezent jaulende Langäxte in Slow Motion drangen. Ein ebenfalls unerlässlicher Bestandteil der Setlist ist der Song „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“, für den noch einmal der FZW-Chor gefragt war. Mit dem knackigen „Die alte Zeit zurück“ ging es in der Tat ganz weit zurück, nämlich bis in die SELIG-Anfangstage und auch „Bruderlos“ hat schon einige Jährchen auf dem Buckel, ist jedoch immer wieder ein akustisches Vergnügen.

So endete dann der reguläre Part nach 90 Minuten, aber natürlich wurde noch nachgelegt. „Sie hat geschrien“ war dabei der rhythmusbetonte Einstieg, für den Herr Neumann mit seinen Percussion-Gerätschaften unter Lichtblitzen an den Bühnenrand wechselte. Klar, dass hier die Zuschauer lauthals mitsangen und auch beim groovenden „Wenn ich wollte“ zeigten sich die Dortmunder textsicher. Spätestens mit dem Liebeslied „Ohne Dich“ waren die Fans auf Betriebstemperatur und gaben noch einmal alles (inklusive „Wir sind alle Dortmunder Jungs“-Gesänge), was ebenso für die Herrschaften auf der rot ausgeleuchteten Bühne galt. Christian Neander tauschte am Ende die Akustikklampfe wieder gegen einen elektrischen Sechssaiter und auch Leo Schmidthals am Tieftöner hatte gut zu tun. Nach einem weiteren kleinen Break kehrte zunächst Malte allein auf die Stage zurück und sorgte mit seinen Keys für flirrende Klanglandschaften, die in „Alles auf einmal“ mündeten und auch den Rest der Mannschaft ins Rampenlicht zurück lockten. Es durfte noch einmal getanzt werden, ehe das wunderbare „Wir werden uns wiedersehen“ gleichzeitig als Verabschiedung und Versprechen durchging. Wie sagte Jan Plewka: „Wir sind SELIG; ich hoffe, Ihr seid es auch!“.

Zumindest deuteten die ausdauernden Oho-Gesänge der Croud darauf hin, dass man im FZW nach gut zwei Stunden noch willens gewesen wäre, SELIG noch länger zuzuhören. Trotzdem verabschiedeten sich die St. Paulianer von ihren Fans und schickten selbige mit einem Outro in die kalte Nacht hinaus. „Sometimes it snows in the April“ wusste Jan zuvor zu berichten – Schneefall blieb allen Beteiligten glücklicherweise erspart und wir hoffen einfach mal, dass Herr Plewka wenigstens für dieses Jahr mit dieser Aussage nicht mehr richtig liegt. Goldrichtig lagen SELIG auf jeden Fall mit ihrer Songauswahl. Die neuen Stücke (bis auf „Schwester Schwermut“ und „433“ wurde der komplette Silberling gespielt) passten hervorragend zu den immer wieder gern gehörten älteren „Schätzchen“, sodass der Abend als rundherum gelungen bezeichnet werden darf.

Setlist
Ich lüge nie
Sie scheint
Schau Schau
Arsch einer Göttin
Love & Peace
Danke
Wenn ich an Dich denke
Ist es wichtig?
Der Tag wird kommen
Zeit
Bring mich heim
5000 Meilen
Magma
Von Ewigkeit zu Ewigkeit
Die alte Zeit zurück
Bruderlos

Sie hat geschrien
Wenn ich wollte
Ohne Dich

Alles auf einmal
Wir werden uns wiedersehen

Copyright Fotos: Daniela Vorndran

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