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SELIG

Ort: Köln - Live Music Hall

Datum: 23.03.2009

„Immer wenn mich jemand gefragt hat, ob das mit SELIG noch mal was werden könnte, habe ich gesagt: Ne, unter Garantie wird das nie mehr was“ Tja Stoppel, so kann man sich irren. Und so schön kann es sein, sich zu irren. Haben wir wirklich 10 Jahre auf SELIG gewartet? Irgendwie hatte ich ja, trotz der Worten von Herrn Eggert, immer so das dumpfe Gefühl, dass das doch noch mal was wird. Gerade wo es um TEMPEAU immer stiller wurde. Irgendwas musste doch da aus der Plewka/ Eggert-Ecke kommen. Als mich dich Nachricht der Re-Union erreichte, war natürlich sofort klar, dass ich so viele SELIG-Konzerte wie möglich besuchen müsse.

Der Auftakt meiner Reise war am 23. März in der Live Music Hall. Als wir um 18:40 Uhr vor der Halle aufschlugen, war es eigentlich noch recht leer. TOLL! Ach ist das schön, keine drängelnden, kreischenden Teenies. Circa 20 Leute warteten auf den Einlass, der um 19 Uhr sein sollte. Zehn Minuten verspätet öffneten sich dann auch die Türen und man trat ein. Ein ziemlich entspannter Einlass und die meisten SELIG-Fans strebten zunächst die Bar anstatt die erste Reihe an. Mein Glück. Das Publikum war ganz gut gemischt. Auch wenn ich im nach hinein den Eindruck habe, dass ich doch die Jüngste war (?). Schon vor Beginn der Show sorgten SELIG für Spannung in der Halle. Der Roadie, der sich liebevoll um Instrumente, Handtücher und Getränke kümmerte, sah einer Star Wars-Figur mehr als ähnlich. Lag natürlich an seinem Kostüm. Fragt mich aber nicht, wen er genau darstellt. Um kurz nach 20 Uhr erlosch das Licht und das erste, das meine leuchtenden Augen sahen war – Stoppel. Aber wir wollen sachlich bleiben. Im ersten Moment konnte man denken, sie wären nie weg gewesen. Natürlich sind die Herren etwas gealtert, aber als die ersten Töne von „Ist es wichtig“ aus den Boxen dröhnten, war es wie eh und je. Plewkas Stimme natürlich großartig und sein Outfit absolut „SELIG-Like“. Ein wenig schräg und doch optimal passend. Wie die Bühnengestaltung selbst auch. Malte Neumanns Keyboard in stilvollem Zebra-Look gehalten und neben Stoppels Schlagwerk eine „Romantik“ verbreitende Stehlampe. Sehr schön! Von altmodisch allerdings keine Spur. Wild flackernde Scheinwerfer taten den Rest, um eine perfekte SELIG-Atmosphäre zu kreieren. Übrigens wurde der Gig live als Videostream auf der Ur-SELIG-Fanpage übertragen. Hätte man mir vielleicht vorher sagen können. Ich mag nicht gern gefilmt werden.

Das Publikum fing schon bei den ersten Akkorden Feuer. Jubelnd und lautstark wurden die seligen Fünf empfangen. Die Freude stand nicht nur mir ins Gesicht geschrieben, sondern durchzog die ganze Halle. Danach folgte mit „Sie hat geschrien’“ gleich der nächste Klassiker. Leo, Christian, Malte und Stoppel wirkten eben so befreit wie Plewka selbst. Fünf Freunde teilen einen bewegenden Moment. Auch wenn sie schon unzählige Konzerte zusammen gespielt haben, merkte man doch deutlich, dass sich etwas geändert hat. Zum Positiven natürlich. Überragend waren auch Maltes Schellenkranz-Einsätze. Er fegte wie ein Wirbelwind über die Bühne, scherzte mit Fans und Bandmitgliedern und sah mit seinem schwarzen Hut manchmal richtig zum anbeißen aus. „Du siehst gut aus“ war der erste Song vom neuen Album „Und Endlich Unendlich“. Die Fünf hatten sichtbar Spaß daran, die neuen Titel zu spielen. Wer aber gedacht hatte, dass die Fans so kurz nach der Veröffentlichung den Text noch nicht könnten, lag falsch. Jede Zeile wurde mitgesungen. Aber die Plewka-Fraktion wäre nicht sie selbst, wenn sie sich nicht etwas Besonderes für ihre Fans ausgedacht hätte. Jan hielt eine wirklich ergreifende „Rede“, über Freunde, das Leben, und Gefühle, und ja, mir kullerten tatsächlich ein paar Tranchen über die Wangen. Das war aber nicht alles. Riesige, weiße Luftballons ließen die Fünf aufsteigen. An jedem ein kleines Stofftier befestigt. Die Fans in den ersten Reihen ergatterten natürlich zuerst welche und hielten sie direkt fest. „Lasst sie los, sie müssen fliegen. Ja. Lasst sie los, so wird man erwachsen“, ermahnte Plewka liebevoll und seine Fans taten wie ihnen geheißen. Bis zur Zugabe spielten SELIG noch Hits wie „Bruderlos“ (Jan erklärte, dass er und Christian diesen Song gemeinsam geschrieben hätten, ja die lieben Einzelkinder), „Glaub mir“, „Lass mich rein“ und die aktuelle Single „Schau, Schau“. „Wir werden uns wiedersehen“ beendete den Hauptteil eines würdevollen, atemberaubenden SELIG-Abends. Als Zugabe trumpfte man noch mal mit wohl bekannten Klängen auf. „Ohne Dich“, den ohne Frage größten Hit, sangen die Fans so gut wie allein und Plewka war sichtlich gerührt. „Regenbogenleicht“ am Ende lieferte den letzten Höhepunkt. Stoppel kam nach vorne auf die Bühne und schwenkte eine übergroße Wunderkerze, während Malte strahlend Blümchen an die Damenwelt verteilte. Was ein Gentleman. Alles in allem: Ein wunderbares Konzert, das besser nicht hätte sein können. Auch wenn ich nun wieder ein ganz kleines bisschen Wehmut nach TEMPEAU-Zeiten verspüre…

Setlist
Ist es wichtig
Sie hat geschrien
Hey, Hey, Hey
Arsch einer Göttin
Du siehst gut aus
High
Mädchen auf dem Dach
Kleine Schwester
Ich fall in deine Arme
Bruderlos
Glaub mir
Schau schau
Lass mich rein
Wir werden uns wiedersehen

Wenn ich wollte
Die alte Zeit zurück
Popstar
Die Besten
Ohne dich

Regenbogenleicht

Copyright Fotos: Ramona Schwarz

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