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SEPULTURA – THE DILLINGER ESCAPE PLAN – MILES TO PERDITION

Ort: Esch-Alzette - Rockhal

Datum: 14.07.2009

„Das härteste Package des Sommers“ hieß es im Veranstaltungskalender der Rockhal. In diesem Paket enthalten waren SEPULTURA, die in diesem Jahr ihr 25 jähriges Bandjubiläum feiern, die absolut durchgeknallten DILLINGER ESCAPE PLAN und der lokale Opener MILES TO PERDITION – kurz gesagt also eine Ladung Metal, gepaart mit Wahnsinn in Reinform.

Der Opener profitierte von der Anzugskraft der beiden anderen Bands und konnte das Liedmaterial vor einer zwar noch nicht gänzlich aber dennoch bereits recht gut besuchten Halle präsentieren. Die Luxemburger legten sich ordentlich ins Zeug und ballerten erstmal eine Runde Deathcore in die Menge. So hatte nicht nur die Band ordentlich Spaß auf der Bühne, dem Publikum schien es auch zu gefallen. Die Jungs wurden von Song zu Song merklich lockerer und legten sich in der ihnen gegebenen kurzen Zeit von knapp 30 Minuten redlich ins Zeug. Ein toller Einstieg in den Abend, bei dem weiterhin erwähnenswert wäre, dass MTP mit Ersatzschlagzeuger am Start waren, denn der alte Drummer hatte kurz zuvor die Band verlassen. Stattdessen schlug nun Laurent Kessel (SCARRED) in die Felle. Anzumerken, war dieser kurzfristige „Wechsel“ der Truppe jedenfalls nicht.

Wohl dem, der sich aufgewärmt hatte und vor allem Kenntnis des nun folgenden Liedmaterials hatte. Denn wenn es eine Band gibt, die live schwer bis gar nicht verdaulich ist, wenn man sie nicht richtig kennt, dann sind es DILLINGER ESCAPE PLAN. Das erklärt auch die Bandbreite, die man manchmal in ihren Livereviews zu lesen bekommt, von „absoluter bescheuert, was soll das?“ bis hin zu „brilliant“ ist da alles vertreten. Nun, ich für meinen Teil habe ewig daraufgewartet mir diesen Math/ Chaoscore Wahnsinn einmal live geben zu können und harrte der Dinge, die nun über uns hereinbrechen sollten. Die ersten Töne erklangen und binnen Sekunden war die Band nicht mehr zu halten.. Stillstehen für ein oder zwei Sekunden? Fehlanzeige. Bereits nach dem ersten Song war es schon mehr als verwunderlich, dass der Gitarrist dem Sänger noch nicht die Gitarre aus Versehen übergebraten hatte oder der Basser vor lauter Rumturnerei am Bühnenrand noch nicht in den Graben gefallen war (oder auch dem einen oder anderen Fotografen fast in die Kamera). Die Band schien 1, 2 Songs Anlaufzeit zu brauchen, um so richtig in Schwung zu kommen, ein paar Timingprobleme gab es wohl, aber ab da ging’s steil aufwärts. „Milk Lizzard“ war bereits ein erstes Highlight.Irgendwann wanderte der Blick des Gitarristen gen Boxenturm, knapp 2,50 hoch, man sah förmlich die Herzchen in seinen Augen – „Ja der wird doch nicht, nein… sowas macht kein normaler Mensch… also… und dann noch mit der Gitarre in der Hand, unmö…“, weiter kam ich nicht. Ja, genau, kein normaler Mensch – und da DILLINGER nicht so ganz normal sind, sah man den Herrn plötzlich auf eben jenem Turm stehen. Der Verdacht, dass die Musiker in ihrer Freizeit als Traceure unterwegs sind, erhärtete sich. Gegen Ende des Songs sprang er gekonnt hinunter und während sich sicherlich manch Einer bei einem solchen Sprung alle Gräten gebrochen hätte, zuckte dieser nicht mal mit den Wimpern und spielte weiter. Das gleiche Schauspiel hat sich übrigens auch auf der rechten Bühnenseite, auf einem etwas niedrigeren Turm abgespielt. Soviel zur ausführlicheren Schilderung eines Stunts, derer es noch viele weitere gab. Nach dem Gig kann ich nur noch sagen: Meine Fresse sind die bescheuert! Aber in absolut positiver Hinsicht. Die Einzigen, die daran sicherlich keinen Spaß hatten, waren, wie eingangs erwähnt, die, die noch nie mit dem Liedmaterial von DEP in Berührung gekommen waren. Dann nämlich kam außer chaotischem Wirrwarr sicherlich nichts in den Ohren an.

Damit hatten die Truppe aus New Jersey mehr als ordentlich vorgelegt, die Messlatte für den Headliner lag dementsprechend hoch. Aber SEPULTURA wären nicht SEPULTURA, könnten sie dies nicht toppen. Manch einer mag sagen, dass sie nicht mehr das sind, was sie einmal waren, aber eines haben sie drauf: Gute Liveshows zu spielen. Ich bin sicherlich kein riesiger Fan, aber sie haben an diesem Abend auf ganzer Linie überzeugt. Nach einem Intro („Alex IV“) gab’s zunächst eine Ladung neuer Stücke, vom Album „A-Lex“. Hier wirkte das Publikum zunächst noch recht reserviert, was sich aber spätestens mit dem dann folgenden „Refuse/ Resist“ schlagartig ändern sollte. Hier waren alle textsicher, den Song kannte nun wirklich jeder und dementsprechend laut war dann auch das mitsingende Publikum. Sänger Derrick Green grinste jedenfalls übers ganze Gesicht. Ab da gab es für die Meisten denn auch kein Halten mehr. Die Halle wandelte sich im Laufe des Gigs mehr und mehr zur Sauna (nicht, dass es nicht vorher auch schon heiß gewesen wäre…), Headbanger allenthalben und Freude über Oldschool Stücke – auch wenn hier schon deutlich wurde, dass hier wiederum andere diese kaum kannten. Die Stücke knallten und rissen mit, das ging in diesem Fall auch ohne großartige Songkenntnis. Zwischendurch sorgte der Fronter für einige Lacher, als er die Ansagen im KISS Style machte. Bei „Slave New World“ machte man einem Roadie ein Geburtstagsgeschenk und zwar dergestalt, dass der Gute hinter die Schießbude durfte, nachdem ihm die gesamte Rockhal „Happy Birthday“ gesungen hatte. Das Ende nahte nun in großen Schritten, „Arise“ und „Conform“ ließen die Nackenwirbel nochmals ordentlich krachen und die Band verschwand erstmal von der Bühne. Das Publikum wirkte sichtlich geplättet, die Schuld kann hier sicherlich zum Teil den Temperaturen in die Schuhe geschoben werden – aber zum „Zugabe“ rufen, Klatschen und Pfeifen ist man nie zu müde. Wie hätten man SEPULTURA auch ohne den Klassiker „Roots Bloody Roots“ gehen lassen können? Ein letztes Mal alles gegeben und vorbei war der Spaß. Beide Daumen nach oben, für die Brasilianer und für das gesamte Paket an diesem Abend!

Setlist SEPULTURA
Intro Alex IV
A-Lex/Moloko
Filthy Rot
What I Do!
Refuse/Resist
Manifest
Convicted In Life
Attitude
We’ve Lost You
A-Lex II / The Treatment
D.E.C.
Troops Of Doom
Septic Schizo/ Escape
Mass Hypnosis
Innerself
Sepulnation
Territory
Slave New World
Arise
Conform
Roots Bloody Roots

Copyright Fotos: Cornelia Wickel

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