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SERENGETI FESTIVAL 2010 – TAG 2

Ort: Schloß Holte-Stukenbrock

Datum: 17.07.2010

Gebrutzelt von den extrem heissen Temperaturen und geschafft von einer harten Arbeitswoche war es dann unmöglich, pünktlich um 11:30 Uhr zu den MONSTERS OF LIEDERMACHING zu erscheinen, auch wenn diese Jungs für viele schon im Vorfeld ein absolutes Highlight markierten. Und dies wohl zu Recht, sollen die Kollegen doch schon zum Start für viele Lacher und ordentlich Party-Stimmung in der verkaterten Festival-Meute gesorgt haben. Next Time bestimmt, Leute!!

Als Myspace-Gewinner fanden ESCHENBACH ihren Weg ins Billing. Die von Stephan Weidner (BÖHSE ONKELZ) unterstüzte Band hat in ihren Reihen den Bielefelder Nils Berger, Local Hero und Weltrekordler im Schlagzeug spielen, bekannterweise auch ein Intimus von den ebenfalls anwesenden DOG EAT DOG! Aber erstmal sollte das nun als Quintett komplette Band-Gefüge los rocken und das ging mit vollem Line Up gleich um einiges wuchtiger als noch auf Platte. So pumpt sich besonders „Bist Du Deutschland?“ kräftig nach vorne, aber auch die Ohrwürmer „Zwischen Schuld und Sühne“ und „Blick in den Spiegel“ wissen zu gefallen. Da darf man gespannt sein, was ESCHENBACH noch bringen, wenn die Jungs ein Album ohne Komplikationen und Skandale aufnehmen können (u.a. war Uschi Glas-Sohn Ben Teewag ursprünglich mit am Start).

Die Punk-Weiber von CIVET waren mir zuvor völligst unbekannt und schon ab dem ersten Song war mir klar, dass ich da nicht wirklich was verpasst hatte. Das lag weniger daran, dass man wegen technischer Schwierigkeiten zumeist nur als Trio agieren konnte, sondern mehr daran, dass die rotzigen Songs einfach nur klassische Punk-Brocken sind, die ausser der komplett weiblichen Bandbesetzung nichts Aussergewöhnliches boten. Sandra Bullocks Ex, Jesse James, hätte vielleicht seinen Spaß an den tättowierten Mädels, aber für unsereins war es nun Zeit für eine erste Pause und Stärkung.

Die sollte aber dann auch schnell durchgezogen werden, denn nun standen schließlich DOG EAT DOG auf dem Plan. Und auch wenn die CrossOver-Pioniere schon seit einiger Zeit von der Bildfläche des Mainstreams verschwunden sind, bringen sie aber noch jeden Club und jedes Festival zum Party machen! Denn ob Alt-Rocker oder Jungspunt, Hits wie „Isms“, „Who’s the King“ und natürlich „Rocky“ kennt jeder und machen auch nach den all den Jahren auch noch eine Menge Bock! Zu „Rocky“ durfte dann ITCHY POOPZKID-Basser Panzer mitrocken und bei „No Fronts“-Knaller brüllt dann halb ESCHENBACH mit ins Mikro. Deren Drummer Nils Berger war ja längere Zeit mit DOG EAT DOG unterwegs und während Drummer Finley den RZA-Part in „Step right in“ übernahm, klemmte sich Berger mal eben hinter Drums! Auch die „I got 5 on it“-Einlage von John Connor, der eben auch mal Busta Rhymes mit einbaute, sorgen zwar für einige fragende Gesichter, aber die Stimmung blieb top! So feierte man nach über 20 Jahren Bühnen-Erfahrung auch dieses Mal, wie es sich für DOG EAT DOG gehört und kann sich sicher sein, dass man beim SERENGETI immer ein gern gesehener Gast sein wird!

VALIENT THORR aus den USA sind Rocker durch und durch. Speckige Lederklamotten, Bierbäuche, Kutten und üppige Bärte. Dazu satter Rock N’Roll-Sound, der jedem Fans von ANTHRAX, MOTÖRHEAD, aber auch ZZ TOP eine wahre Freude sein dürfte. An diesem Tag hatten sie allerdings einen sehr schweren Stand, da man genau zwischen den Party-Jungs von DOG EAT DOG und den noch mehr Party-Jungs von ITCHY POOPZKID platziert wurde. Da wurden die satten Rock-Songs von VALIENT THORR leider nicht mehr als eine Begleit-Musik für die Erfrischung und Stärkung vieler Leutchens. Dies wurde der engagierte Show der Amis allerdings bei weitem nicht gerecht, schade!

ITCHY POOPZKID haben sich in den letzten Jahren einen wirklichen guten Namen erspielt. Unermüdlich spielt man sich den Arsch auf deutschen Bühnen ab und hat dadurch verdienterweise eine nicht kleine Fangemeinde ergattert. Zu der gehörten auch sehr viele Leutchens an diesem Tag, denn vor der Bühne wurde es nun wieder richtig voll. Und auch wenn ich selbst DONOTS oder BLINK 182 vorziehe, muss ich eingestehen, dass diese Jungs richtig was drauf haben. Ihre Fun Punk-Songs reissen mit, sorgen für klasse Stimmung und der sympathischen Art der Jungs kann man sich einfach kaum entziehen. So ging es richtig schön ab auf und vor der Bühne, was darin gipfelte, dass Gitarrist Sibbi erstmal mit seinem Gitarrenkoffer eine Surf-Einlage auf der Fan-Menge abzog und dabei locker weiter rockte! Großes Kino!!

DIE APOKALYPTISCHEN REITER sollten am Samstag die wohl härteste Band markieren. Und dazu sind die REITER ja für eine sehr eigenwillige Show bekannt, was eine Menge Spaß versprach. Dieses hielten die Reiter auch heute natürlich. Dr. Pest schleuderte seine Peitsche und schaukelte vor seinem Keyboard hin und her, Volk-Man und Neu-Klampfer Ady brillierten im Synchron-Mähnen-rotieren und Fuchs war natürlich auch heute wieder der Dompteur in der Manege. Alles beim alten, aber genau das ist eine Sache, die viele langjährige REITER-Fans derzeit bemängeln. So packen zwar Songs die „Revolution“, „Wir sind das Licht“ oder „Es wird Schlimmer“ zwar ordentlich und reissen schön mit, aber wenn man als ältere Songs allenfalls ein „We will never die“ und „Riders on the Storm“ im Gepäck hat und keinen Dampfhammer, wie z.B. den Übersong „Unter der Asche“, dann ist das so manchem Fan einfach zu wenig. Da kann auch die Mosh/ Tanz-Einlage mit dem Mädel aus dem Publikum und die altbekannte Schlauchboot-Peformance nichts mehr wirklich reissen. Keine Frage, die Show passte, die Performance war amtlich und die Stimmung klasse, aber das ist für REITER-Verhältnisse mittlerweile nicht mehr genug!

SKINDRED wurden im Vorfeld als Geheimtipp gehandelt und wurden wohl mit zu den Siegern des Festivals. Schon ab dem ersten Song brachte man quasi den gesamten Innenraum zum Hüpfen und Abgehen, dass es eine wahre Freude war! Mit ihrem Mix aus drückenden Metal-Grooves und Reggae-Rhythmen traf man genau den Nerv der Masse und wurde über die gesamte Spieltzeit gnadenlos abgefeiert! Mit lustigen Anekdoten aus seiner Nachbarschaft sorgte Shouter und Sympatho Benji Webbe für weitere Stimmung, die von Songs wie „Stand for Something“, „Pressure“ und „Nobody“ noch zum Überkochen gebracht wurden. SKINDRED waren der Hammer und die entsprechenden Fan-Reaktionen sorgten schon jetzt dafür, dass man die Band bereits 2011 wieder nach Schloß Holte holen wird!!

Eine der großen Durchstarter-Bands der letzten Jahre sind ohne Frage FLOGGING MOLLY. Und einem Headliner gleich lockten die USA-Iren auch noch die letzten Leutchens vor die Bühne! Und da ging es dann richtig ab, es wurde gefeiert, gepogt, getanzt und mitgesungen als gäbe es kein Morgen. Kein Wunder, „Devil’s Dancefloor“, „Swagger“ oder auch „Drunken Lullabies“ sind nur einige der vielen Folk/ Punk Rock-Hits, die mit Gitarre, Violine, Banjo und was nicht alles ein ganzes Festival zum Ausflippen bringen können! In der Stimmung kann man im Pit mal auch über die eine oder andere blutige Nase hinwegschauen, denn diese Band macht einfach nur Spaß… Klasse!

Bei diesem Abräumer durfte man gespannt sein, ob PAPA ROACH das noch toppen würden. Im Vorfeld toppten sich höchstenfalls die Shirt-Preise mit gut 30 Euro, aber nun mussten sie sich auf der Bühne beweisen. Und man muss der Band nun doch eingestehen… sie haben’s gepackt! Gestartet als klassische Nu Metal-Formation hat das Quartett um Shouter-Derwisch Jacoby Shaddix mit Rock-Songs wie „Getting away with Murder“, „Kick in the Teeth“, „Forever“ oder der grandiosen Ballade „Scars“ den Sprung zu den ernst zu nehmenden Rock Bands geschafft! Mit sichtbarer und hörbarer Spielfreude und einem wie immer übersprudelnd motivierten Shaddix am Mikro schraubte man die eh schon tolle Stimmung noch höher. Und da machte es auch nichts aus, dass mit dem genialen „Between Angels and Insects“ erst nach der Halbzeit des Sets der erste Song vom Knaller-Debüt „Infest“ folgte. Und trotz aller starken Songs und toller Entwicklung darf auch 2010 ein „Last Resort“ als finaler Knaller nicht fehlen! Und bei dem wohl größten PAPA ROACH-Hit ging dann natürlich gar nix bzw. alles in Schloß Holte! So wurden die Amis ihrem Headliner-Slot voll und ganz gerecht!

Und doch war dies noch nicht alles. Denn als Abschluss-Special nach Mitternacht warteten noch die Splatter-Metaller GWAR auf ihren Auftritt… und der hatte es natürlich in sich. Wer nun noch direkt vor der Bühne verweilte, wusste entweder nicht, was ihn erwartet oder nahm es voller Freude entgegen! Denn natürlich fuhren GWAR ihr volles Programm auf… da wurde ein Jesus Hitler genussvoll hingerichtet, ein Polizist geköpft und als man am Ende zu den eh schon literweise rum-ejakulierten Blut-Fontänen noch eine Blutkanone auffuhr, flüchteten auch die abgebrühtesten Festival-Besucher aus den vorderen Reihen. Wie man auch immer dieser Splatter-Komödie gegenüber eingestellt ist, einmal gesehen haben muss man dieses Schauspiel einfach. Ob nun aus Spaß oder aus Unverständnis… Nach GWAR geht jeder mit einem Lachen nach Hause…

Als Fazit kann man auch dieses Jahr wieder von einem durchaus gelungenen Festival sprechen. Natürlich waren die Camping-Schwierigkeiten im Vorfeld und die erbarmungslose Hitze am Freitag mehr als kleine Stolpersteine für Besucher und Veranstalter. Aber ein reibungsloser Ablauf, vor allem bei den Umbaupausen, und die fast durchweg tolle Stimmung bei Fans, Bands und Crew sorgten auch dieses Jahr wieder für eine richtig runde Sache, die auch nächstes Jahr wieder ein Pflichttermin sein wird!!

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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