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SERENGETI FESTIVAL 2011 – TAG 2

Ort: Schloß Holte-Stukenbrock - Safari Park

Datum: 23.07.2011

Das ist der große Vorteil, wenn ein Festival fast direkt vor der Tür stattfindet: Dürften sich einige Feierwütigen des Nachts sicherlich ein wenig den Allerwertesten abgefroren und über den kleinen Regenguss am Morgen gefreut haben, kommt der Terrorverlag doch halbwegs gut erholt aus dem eigenen warmen Bettchen und ist somit gut präpariert für den zweiten Festival-Tag! Dieser sollte vom Wetter her allerdings genauso kalt werden wie der Freitag und zudem eine noch höhere Regengefahr mit sich bringen.

Richtig Schwung in die müden Knochen sollten dann ADEPT aus Trosa bringen, aber die brachten erst mal die traurig-schockierenden Nachrichten aus Oslo mit, was sich verständlicherweise nicht gerade positiv auf die Feierlaune auswirkte. Dennoch versuchten die Metalcorer ihr bestes und brachten immerhin einige Leutchen recht gut in Bewegung. Aber so richtig Stimmung wollte sowohl bei Band als auch bei den bisher Anwesenden nicht so wirklich. Verständlich!

Das Psychobilly-Urgestein MAD SIN versuchte dann nach einem ellenlangen Line-Check als nächste Combo die Leutchen vor der Bühne auf andere Gedanken zu bringen. Dabei meinte Front-Schwergewicht Köfte, dass man eigentlich überhaupt nicht ins Billing passe und genau deswegen genau richtig sei. Dabei sah man im Publikum doch so einige Rocker und Elvis-Tollen, so dass MAD SIN gar nicht so falsch am Platz waren. Vom Sound her boten die Jungs solide Psycho-Kost, ohne allerdings wirklich richtig mitreissen zu können. Da konnte Köfte seine reichlichen Pfunde noch so agil über die Bühne fliegen und Basser Valle Feuerwerk aus seinem Contrabass sprühen lassen. Mehr als gefälliges Mitnicken und ein wenig Pogo-Rotation war zu dieser Zeit noch nicht drin.

Sehr gespannt war ich dann auf den Auftritt von BOYHITSCAR, welche sich vor einigen mit ihrem Hit „Man without Skin“ in mein Rock-Herz gespielt haben und nach einigen Line Up-Wechseln nun wieder versuchen Fuss zu fassen. Das Markenzeichen der US-Rocker ist dabei weiterhin das eindrucksvolle Gesangs-Organ von Fronter Craig Rondell, der sowohl in energischen Tönen als auch in gefühlvollen Bereichen ein wahrer Meister seines Fachs ist. Leider war mein Fave-Song dieses Mal nicht in der Setlist, aber auch so konnten BOYHITSCAR mit ihrer Mischung aus harten Gitarren und ruhigen Passagen inkl. Akustik-Gitarre voll überzeugen. Allen voran konnte dabei der bereits erwähnte Fronter mit seiner mitreissenden sympathischen Art punkten, wobei seine Bandkollegen für den soliden musikalischen Teil sorgten. Eine Cover-Version des Gassenhauers „New Noise“ (REFUSED) ist zwar eine gewagte Sache, gekonnt dargeboten aber ohne Frage ein wahrer Knaller! Und so sah man einige Leutchen im Programm-Heft auf die Seite dieser Band blättern, um sich genauer über die Amis zu informieren!

Wenn eine Band im Billing des Wochenendes im Vorfeld polarisiert hatte, dann waren es wohl K.I.Z.! Von einigen Fans schon während der Umbaupause völligst abgefeiert, nutzten zahlreiche andere Festival-Besucher den einsetzenden Regenschauer, um sich mit einer Stärkung in Party-Zelt zu verziehen und sich dort ein Päuschen zu gönnen. Der Regen hielt nur kurz und schon standen drei vermummte Typen in Tarnzügen und Nebel-Puste in der Hand auf der Bühne und ließen reihenweise ach so coole Sprüche vom Stapel… Dazu noch ein Merkel-Im-Knast-Backdrop, Penis-Dollar-Kanone und reichlich Fäkal-Sprache in und zwischen den Songs. „Doitschland schafft sich ab“ heisst ein Track der Assi-Rapper auf deren aktuellen Album „Urlaub fürs Gehirn“ und einen passenderen Beweis als ihr eigener Auftritt konnten K.I.Z. sicherlich nicht bieten. Sorry Jungs, was bei WIZO meist noch witzig und treffend rüberkommt, ist bei Euch einfach nur pubertär und billig. Einige recht junge Anhänger liessen sich hier natürlich nur zu gerne mitreissen, eine Vielzahl der Festival-Besucher schauten sich allerdings nur kopfschüttelnd an, suchten ihren Weg zu den Verpflegungsständen oder vertrieben sich ihre Zeit im Party-Zelt beim Xbox Kinect antesten und AC/DC hören… alles besser als diese Zumutung auf der Bühne!

Eigentlich hatte man die Hardcore-Helden SICK OF IT ALL für das diesjährige Festival angekündigt, aber leider gingen die Jungs lieber mit RISE AGAINST in Australien auf Tour. Aber gut, vielleicht nächstes Jahr. Als hochkarätigen Ersatz konnte man allerdings die nicht weniger legendären AGNOSTIC FRONT buchen, die ja schon seit gefühlten 500 Jahren für satten und authentischen New York-Hardcore sorgen! Und ganz in dieser Tradition heisst das neue Album der Amis auch „My Life, My Way“ und man hatte auch gleich den Titeltrack, sowie mit „Now and Forever“ als neue Songs in die Setlist gepackt! Und auch diese Songs zeigen AGNOSTIC FRONT, wie man sie kennt. Treibende Riffings, mitreissende Shoutings und Vinnie Stigma im Schalke-Shirt! Ok, bei so packenden Songs kann man letzteres noch so halbwegs durchgehen lassen und wenn eine Band nach fast 30 Jahren Bandgeschichte einen Gassenhauer wie „Gotta Go“ noch immer mit voller Power zockt, dann muss man einfach Respekt haben! Eine mehr als würdige Vertretung, welche sicherlich für mind. genauso viel Rotation im Pit sorgten, wie es SICK OF IT ALL getan hätte… Vergleich dann bitte 2012!!

Ein großes Highlight des Festivals sollte selbst für mich Nicht-Hip Hop-Fan ohne Frage der Auftritt von HOUSE OF PAIN sein. Keine Frage, Danny Boy, Everlast und DJ Lethal (der wegen der LIMP BIZKIT-Tour nicht mit am Start war) zählen zu den kultigsten Vertretern und der Übersong „Jump Around“ zu den größten Hits der Hip Hop-Geschichte. Das schien viele der Festival-Gänger allerdings weniger zu kümmern, so wurd es doch recht leer vor der Bühne. Da zweifelt man doch wirklich an der jungen Generation… zu den Hirnis von K.I.Z. abgehen, aber bei den Meistern das Feld räumen… schämt Euch! Allerdings schien das Everlast und Danny Boy wenig zu kümmern, groovten die beiden sich mit old schooligen Rap-Tunes, verspielten Riffings und typischen Samples und Beats so richtig ins Stimmung, die natürlich spätestens eben zu „Jump Around“ auf die kleine feiernde Menge richtig übersprang. Dennoch war es leider nicht der richtige Tag, die richtige Zeit und der richtige Ort für HOUSE OF PAIN…

SKINDRED hatten bei der 2010er Ausgabe des Festivals schon so abgeräumt, dass die Veranstalter die Waliser vom Fleck weg auch gleich für 2011 verpflichteten. Und diesem Vertrauen wurde die CrossOver-Rocker mehr als nur gerecht. Angemessen mit dem Sound des 20th Century Fox-Jingles angekündigt, rockten SKINDRED auch dieses Jahr wieder, dass eine wahre Freude war. Mit ihrem Mix aus harten Stakkato-Gitarren, groovigen Melodien und Ragga-Tunes haben sie mehr als nur den Nerv des Serengeti-Festivals getroffen. Dazu ist Front-Rasta Benji Webbe noch immer ein Obersympatho vor dem Festival-Gott. So wurden natürlich auch dieses Jahr Knaller wie „Nobody“ und „Trouble“ (inkl. „Sad but True“-Einlage) . Und wie in meinem Review zu kommenden Album „Union Black“ bereits vorausgesagt, macht sich der Groover „Cut Dem“ richtig gut und der CrossOver-Knaller „Warning“ bringt die Meute so richtig zum Abgehen! So sind auch 2011 SKINDRED mit die Gewinner des Festivals! Und bei den widrigen Bedingungen noch solch eine Stimmung zu entfachen, bringt gleich die doppelte Punktzahl! Diese Jungs können gerne jedes Jahr wieder kommen!

Schon bei ihrer Show im Herforder X vor gut einem Jahr musste man einfach neidlos anerkennen, dass BULLET FOR MY VALENTINE richtig rocken können! Und dies hat sich bis dato auch alles andere als geändert. So wurde es auch richtigerweise mächtig voll vor der Bühne, als die Waliser Metal-Durchstarter mit „Betrayal“ loslegten! Und die Jungs schienen so richtig unter Dampf zu stehen, denn mit „Pleasure and Pain“, „Waking the Demon“, „The Last Fight“ und „4 Words (to choke up from)“ zeigten die junge Combo mal so richtig, was hier Phase war! Satte Riff-Attacken, treibende Drums, packende Melodien und die vielseitigen Vocals von Matt Tuck… satte Sache! Erst mit dem gefühlvollen Schmachtfetzen „Say Goodnight“ gönnte man sich und den feierenden Fans eine kleine, aber sehr emotionale Pause. Doch die hielt nur kurz, ging es danach mit „Scream Aim Fire“ und dem wohl ultimativen BFMV-Song „Hand of Blood“ nochmal richtig in vollen, sodass im Innenraum mächtig Staub aufgewirbelt wurde. Dieser legte sich bei der Hyme „Tears don’t fall“ nur wenig, auch wenn der Song eher ein wenig gedrosselter zur Sache geht. Und ehe man sich versah, verschwanden BULLET auch schon von der Bühne… konnte es das trotz des kurzweiligen Sets schon gewesen sein? Nein, denn als erste Zugabe hauten die Briten dann ihre mächtig knallende Cover-Version von METALLICAs „Creeping Death“ (von der Kerrang-Compilation) und verschwanden anschließend schon wieder. Fragende Gesichter in der Menge, leichte Zugaben-Rufe… wie jetzt? Doch da kam die Band schon wieder raus, meinte man habe gerade erfahren, dass man noch 2 Songs spielen dürfe und knallte noch ganz trocken „Alone“ und „Begging for Mercy“ raus. Meine Herren, das war eines Headliners würdig!

Setlist BULLET FOR MY VALENTINE
Your Betrayal
Pleasure and Pain
Waking the Demon
The Last Fight
4 Words (to choke up from)
Say Goodnight
Scream Aim Fire
Hand of Blood
Tears don’t fall

Creeping Death

Alone
Begging for Mercy

Spät war es wieder geworden, die Menge nach dem kalten und Kräfte-raubenden Tag mit vielen starken Bands ziemlich durch und so war es nicht verwunderlich, dass doch einige Leutchen den Weg in die Heimat bzw. vllt auch nochmal ins Zelt suchten. Dabei standen mit BAD RELIGION doch noch mit die Pioniere des Punk Rocks auf dem Plan. Und trotz der späten Zeit und der etwas geleerten Reihen vor der Bühne zeigten BAD RELIGION, wie ein Headliner das handlen muss. Nämlich mit Routine und nochmal Routine… So rockten Gregg Graffin alte Hits wie auch neue Songs solide und engagiert, ohne dabei die große Show zu reissen. Aber so kennt man die Amis. Keine großes Drumherum… rocken und fertig! Dabei zocken die Jungs Evergreens wie „21st Century Digital Boy“ und „Punk Rock Song“ noch genauso motiviert wie „Los Angeles Burning“, „Atomic Garden“, das uralte „1000 More Fools“ oder die neueren „Cyanide“ oder „the Devil in Stitches“. Da macht Spaß, das macht Freude und vor allem Sinn. Dennoch machte sich das lange kalte Wochenende nun doch schon etwas bemerkbar, so dass auch der Terrorverlag langsam Schluss machte als Mitternacht schon eine ganze Ecke vergangen war.

Setlist BAD RELIGION
The Resist Stance
Social Suicide
21st Century Digital Boy
Los Angeles is Burning
Punk Rock Song
Atomic Garden
Before you die
Recipe for Hate
The Devil in Stitches
Come join us
New Dark Ages
The Defense
1000 More Fools
Dearly Beloved
Generator
Cyanide
Let them eat War
No Control
Along the Way
Fuck Armageddon…. This is Hell

American Jesus
Infected
Sorrow

Am Ende kann man auch dieses Jahr ein durchaus positives Fazit für das Serengeti Festival ziehen. Die neue Location passt, die Logistik und das Drumherum funktioniert, aber man muss natürlich noch weiterhin an einigen Feinheiten feilen. Die Band-Auswahl war gewohnt vielseitig und vor allem rockte das Billing wie immer (über K.I.Z. reden wir nun mal nicht weiter). Auch das Wetter spielte verhältnismäßig gut mit. Es war zwar mächtig kühl und es gab nur wenig sonnige Abschnitte, aber dafür blieb man vom Regen weitestgehend verschont. Leider war das Publikum ein wenig zäh. So wurde vor der Bühne zwar ordentlich gerockt. Etwas weiter hinten waren die Anwesenden doch etwas träge, was vielleicht auch an der Witterung gelegen haben mag.

Ok, über den Ticketpreis von etwas über 60 Euro kann man nun sicherlich auch streiten, aber an sich ist es das durchaus wert und wer schon frühzeitig weiß, dass er nach Stukenbrock fahren möchte, kann mit de Frühbucher-Ticket einiges sparen! In diesem Sinne… wir sehen uns 2012!!

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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