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SERENGETI FESTIVAL 2013 – TAG 1

Ort: Schloss Holte-Stukenbrock – Am Safaripark

Datum: 19.07.2013

Schlammschlacht oder Hitzeflirren auf DEM ostwestfälischen Festival in diesem Jahr? Der Stand der Sonne tendierte klar in Richtung Hitze, pünktlich zum Ferienstart in NRW brannte das Himmelsgestirn unbarmherzig auf die Region, die eigentlich für ihren Regenreichtum bekannt ist. Sommer, Sonne, Ferienbeginn und natürlich nicht zuletzt Musikbegeisterung lockte nun schon zum achten Mal die Musikfans in die ostwestfälische Steppe. Die diesjährige Ausgabe des Spektakels präsentierte sich drei Tage vom 19. bis 21. Juli wieder mit einem sehr ansehnlichem Billing und toller Atmosphäre auf zwei Bühnen.

Seit 2011 findet das Festival auf dem Gelände in direkter Nähe zum Safari-Park Stukenbrock statt mit eigenem Campingareal neben dem Bühnengelände, dieses öffnete seine Pforten bereits am Donnerstag. Ebenfalls am Donnerstag fand die große Warm-up-Party statt, bei der u.a. MC FITTI, DIE KASSIERER und FRA DIAVOLO (zwei BEATSTEAKS-Member) für Stimmung sorgen sollten. Für uns startete der Spaß allerdings am Freitag mit THE ESPRITS, die im Zelt, dieses Jahr um einiges größer als im letzten Jahr, mit ihrem schmissigen Indie-Rock Alarm machten. Die vier Jungs aus Braunschweig hatten beim diesjährigen Fan Band Voting gewonnen.

Danach führte uns unser Weg vor die Mainstage zu drei Punks aus Hamburg: MONTREAL. Diese feiern 2013 ihr 10jähriges Bandjubiläum und freuten sich wahnsinnig, dass der WDR-Rockpalast vor Ort war und so fast alle Konzerte der Mainstage live im Internet als Stream zu sehen waren. Aber anstatt TV zu glotzen, gingen die Leute lieber zu temporeichen Mitgröhlsongs der drei ab.

HIS STATUE FALLS allerdings bedienten danach wieder den Freund der etwas brachialeren Gangart. Mit ihrer Mischung aus Hardcore und Techno, von ihnen selbst als Techcore bezeichnet, lieferten die fünf Saarbrücker eine solide Vorstellung, die an die „alten“ Serengeti-Zeiten erinnerte. Die Zeiten, als man dieses Festival noch ohne aufs Line-Up zu schauen besuchen konnte und wusste: es wird hart und laut.

Dann kurze Zeit später waren auf der Mainstage ganz andere Klänge angesagt: einen schillig-funkigen Soundteppich mit Reggae-Einflüssen präsentierten uns die Neuseeländer THE BLACK SEEDS da. Nett zum Runterkommen und um wieder Flüssigkeit aufzunehmen. Leider ein Manko des Festivals: mit 3,- Euro für einen Becher Wasser war man dabei. Bei den vorherrschenden Temperaturen ging das Auffüllen des Flüssigkeitshaushaltes ganz schön ins Geld, wenn man sich nicht von zu Hause aus vorher mit 0,5er Tetrapacks bewaffnet hatte.

Während sich im Zelt Poetry-Rap aus den USA in Gestalt des Amerikaners WATSKY mit nicht ganz ernst gemeintem Post-Hardcore aus Deutschland von ESKIMO CALLBOY und wieder Melodic Hardcore aus den USA dargeboten von STRIKE ANYWHERE abwechselten, ging es auf der Mainstage dann schon mit Reggae-Anleihen weiter. KARAMELO SANTO mobilisierten die Anwesenden mit ihrer mitreißenden Mischung aus Ska, Reggae, Punk und Hip Hop zum Mittanzen im Sennesand. Kaum eine andere Musikrichtung passte so gut zu den vorherrschenden Temperaturen wie die der zehnköpfigen Band aus Argentinien, die zusammen mit den Neuseeländern von THE BLACK SEEDS wohl die weiteste Anreise hinter sich gebracht hatten.

Nach diesen Salsa-Rhythmen, gab es dann wieder einen musikalischen Cut: die Jungs von SUICIDAL TENDENCIES übernahmen die Macht. Das Völkchen vor der Bühne hatte sich auch entsprechend ausgetauscht, nun waren wieder die Freunde der härteren Gangart anwesend. ST sind eine Legende der Punk- und Hardcore-Szene, sie existieren bereits 30 Jahre, haben aber nichts von ihrer wahnsinnigen Energie eingebüßt. Im Gegenteil – Fronter Mike Muir schreit sich immer noch die Seele aus dem Leib. Der Gig begann etwas schleppend, um den aber doch in eifrigem Gepoge zu enden.

Und dann war auch schon Zeit für den Headliner des ersten Abends: die Alternative-Rocker von SKUNK ANANSIE enterten die Bretter und Frontfrau Deborah Anne Dyer alias SKIN fegte sofort darüber, als hätte sie hinter der Bühne schon mit den Hufen gescharrt. Nach einer mehrjährigen Auszeit hatten sich SKUNK ANANSIE 2009 wieder zusammengefunden. Zu meiner Freude und offensichtlich auch vieler anderer, die hier mit mir abfeierten. Dabei ging die Crowd natürlich bei den „alten“ Hits wie „Weak“, „Brazen“ oder natürlich auch „Hedonism“ voll mit und war extrem textsicher. Bei neuerem Songmaterial der beiden letzten Alben „Wonderlustre“ und „Black Traffic“ fehlte zu meinem Bedauern etwas der Enthusiasmus der Fans. Dies wiederum merkte man allerdings den Protagonisten auf der Stage nicht an, die Spielfreude der Briten, allen voran der stimmgewaltigen Skin, war quasi greifbar. Natürlich ließ es sich Miss Dyer, diesmal nicht glatzköpfig sondern mit leicht erblondetem Iro, auch nicht nehmen, ihren von hinten transparenten Catsuit beim Crowdsurfen zu zeigen und bot damit den Blick auf ein äußerst durchtrainiertes Hinterteil im schwarzen Tanga – von vorne sah das Kleidungsstück eher züchtig aus mit seinen silbernen Pailetten. Nach knapp einer Stunde Spielzeit verschwanden allerdings SKIN und ihre Mannen. Schade, ich hätte durchaus mehr vertragen können.

Aber der Auftritt von SKUNK ANANSIE war noch lange nicht das Ende des ersten Abends. Es sollte noch der „neue heisse Scheiss“ aus England in Gestalt von CHASE & STATUS folgen. Und das wollte sich wohl auch Skin nicht entgehen lassen, denn wir konnten sie im Publikum ausmachen. Angekündigt wurde das Duo Saul Milton und Will Kennard als Granate, die mit massiven Bässen und fetten Breakbeats die Ohren klingeln lassen würde. Und das war absolut nicht untertrieben. Die Tiere im benachbarten Safari-Park dachten bestimmt, die Steppe brennt. Denn zum Wummern der Bässe kam noch eine bombastische Lightshow. Das war wahrlich nicht zuviel versprochen, nicht umsonst hatten CHASE & STATUS bereits mit THE PRODIGY und den WHITE LIES zusammen arbeiten dürfen.

Das Feiervolk wurde bestens bedient und hatte noch mal die Möglichkeit, aufzudrehen, bevor die einen nach Hause fuhren und die anderen in ihren Zelten verschwanden.

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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