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SERENGETI FESTIVAL 2015

Ort: Schloss Holte-Stukenbrock – Am Safaripark

Datum: 14.08.2015 - 16.08.2015

„10 Years and The Final Roar“ – unter diesem Motto stand in diesem Jahr das Serengeti Festival 2015. Zeitgleich mit dem Feiern des 10jährigen Jubiläums sollte es allerdings auch eine gepflegte Abriss-Party werden, denn die Veranstalter hatten beschlossen, das Festival in diesem Jahr das letzte Mal zu veranstalten. Wir berichteten an anderer Stelle bereits.

Freitag

So kam es, dass wir uns mit einer großen Portion Wehmut am ersten Festival-Tag 2015 in unsere Nachbargemeinde Schloss Holte-Stukenbrock begaben und mit uns einige Tausend weitere Musikbegeisterte und Feierwütige. Das Wetter ist ja in Deutschland und im Speziellen in Ostwestfalen-Lippe immer so eine Sache. In den vorangegangenen Wochen hatte es sich als beständig zu heiß erwiesen mit einigen heftigen Unwetter-Pausen. Und auch hier sollte sich wieder ein Kreis schließen. Denn 2006 hatte es auch „Hunde und Katzen“ geregnet – man unkte damals, das sei wohl kein gutes Omen. Tatsächlich aber war das der Auftakt zu einer wunderbaren musikalischen Zeit in der ostwestfälischen Steppe. Heuer gab es sogar eine offizielle Unwetterwarnung für unsere Region und da es die jüngste Vergangenheit gezeigt hat, dass mit selbigen derzeit nicht zu spaßen ist, entschied man sich, dass Festival später starten zu lassen. Die Auftritte von JESPER MUNK & APOLOGIES I HAVE NON und die Autogrammstunde von KYLE GASS fielen dieser nachvollziehbaren Vorsichtsmaßnahme zum Opfer.

Um 18 Uhr wurde dann das Festivalgelände wieder geöffnet, und mit den Niederrheinern MASSENDEFEKT auf der Hauptbühne gab es dann auch endlich was auf die Ohren. Da die vier Jungs direkt um 18 Uhr spielen sollten, kollidierte dies etwas mit dem Einlass, und anfangs war der Platz vor der Bühne auch noch ganz schön leer. Es füllte sich aber schnell während des Auftritts der deutschen Rock-Kombo, die ihren Stil selbst als „Punk and Roll“ bezeichnen. Guter, handgemachter Deutschrock, der live ordentlich zündet und sich als klasse Opener erwies.

Nun ging es Schlag auf Schlag und unser Weg führte uns zur 2nd Stage, die sich – anders als die Jahre zuvor – nicht im Zelt sondern unter freiem Himmel befand und auf der die Rapper ZUGEZOGEN MASKULIN ihren deutschen Hip-Hop darboten.

Nicht so meine Richtung, also fand ich mich wieder vor der Mainstage ein und freute mich auf die EMIL BULLS. Mittlerweile haben die Bayern auch schon fast 20 Jahre Bandgeschichte auf dem Buckel, und zwischenzeitlich war ich von dem Hype, der mal ein paar Jahre um die Jungs gemacht wurde, etwas genervt. Allerdings sind die EMIL BULLS live ein Brett und haben diesen „Hype-Faktor“ schon lange abgelegt. Auch heute überzeugten sie den Freund der etwas brachialeren Gangart und lieferten eine mitreißende und überzeugende Vorstellung.

MARCUS WIEBUSCH nahm danach wieder etwas Tempo raus – man muss ja auch mal verschnaufen. Als Sänger und Texter von KETTCAR hatte er sich einen Namen gemacht, nun ist er solo unterwegs und nicht minder erfolgreich. Ein Stil, der schwer zu beschreiben ist, weil er in keine gängige Schublade passt. Und dennoch – oder gerade deswegen? – gut ins Line-Up passte.

Während sich auf der Mainstage wieder Hip-Hop aus Deutschland in Gestalt des maskierten Duos GENETIKK – die by the way nicht gerade mit Ortskenntnissen glänzten und die Anwesenden mehrmals als Bielefelder ansprachen – mit tanzbarem Punkrock aus den USA von den MAD CADDIES abwechselten, ging es dann auf der Mainstage schon wieder um waschechten Schweinerock made in Sweden mit ROYAL REPUBLIC. Die vier Jungs aus dem hohen Norden legten sich richtig ins Zeug und ließen vergessen, dass ihr Garage Rock im Stile von DANKO JONES keine neue Erfindung ist. Auf und vor der Bühne ging es ordentlich zur Sache und markierte mein Highlight des Tages, bevor es dann nahtlos zum Rock´n´Roll der KYLE GASS BAND überging. KYLE GASS, den meisten Musikinteressierten wohl gut bekannt als eine Hälfte von TENACIOUS D, hatte einige hervorragende Musiker um sich gescharrt und unterhielt die Crowd bestens.

Dann ging mit dem Auftritt von TRAILERPARK für uns auch schon der erste von drei Tagen zu Ende. Und während wir im Hintergrund noch die letzten Klänge der deutschen Hip-Hopper mit Wurzeln in Ostwestfalen-Lippe hörten, machten wir uns auf, den Luxus des eigenen Bettes zu genießen und zu hoffen, dass Petrus nach diesem Auftakt für die beiden kommenden Tage doch ein Einsehen haben möge.

Samstag

Der zweite Tag des letzten SERENGETI FESTIVALs zeigte sich trockener, zumindest ohne Unwetterwarnung. Diejenigen, die vorausschauend wetterfeste Klamotten im Gepäck hatten, waren allerdings die absoluten Gewinner des Festivals, das sollte sich vor allem am letzten Tag noch zeigen.

Aber erst mal startete unsere musikalische Teatime mit dem Bielefelder Punk-Rock-Trio MODERN SAINTS, direkt gefolgt vo Latin-Ska-Punk-Rock von PANTEON ROCOCO aus Mexiko und modernem Hardcore von JOHN COFFEY. Und schon war es Zeit für mein erstes Samstags-Highlight SEPULTURA, die mich etwas überraschten, da die Brasilianer irgendwie nicht so recht „in die Pötte“ kamen und relativ ruhig starteten. Dann machten sie ihrem Namen als Legende doch noch alle Ehre und mähten die Menge vor der Bühne mit ihrem Metal wie eine Dampfwalze nieder. Es war nun dass erste Mal an diesem Tag Zeit, sich wieder etwas zu erholen und so plätscherten die Beats und Riffs von RDGLDGRN, MADSEN und DILLINGER ESCAPE PLAN so nebenher, während man sich der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme widmete.

Hellwach und gespannt erwarteten wir dann den Auftritt von SKINDRED, die zum Serengeti Festival gehören wie die weißen Löwen zum Safari Park und auch in diesem letzten Jahr nicht enttäuschten. Vor zwei Jahren hatte ich mich noch gewundert, warum Frontmann Benji und seine Mannen am frühen Nachmittag spielten, da sie mit ihrem Metal-Ska-Reggae-Crossover und absoluter Spielfreude immer ordentlich den Rasen vor der Stage füllten. Offensichtlich hatten sich das in diesem Jahr auch die Veranstalter gedacht und so konnten die Waliser direkt am Abend die Leute rocken. Euphorisiert ging es dann zur 2nd Stage und zu den US-Amerikanern AGAINST ME!, die eine Mischung aus Country, Hardcore, Funk und Blues energiegeladen darboten und live wirklich überzeugen konnten.

Leider konnte diese Energie-Kurve, die von SKINDRED und AGAINST ME! aufgebaut worden war, von den FÜNF STERNE DELUXE nicht gehalten werden, zu behäbig wirkte der Auftritt der deutschen Hip Hopper, die den Zenit ihres Erfolges offensichtlich schon überschritten haben und somit der Funke nicht wirklich übersprang.

Die darauf folgende Band hatten wir uns heute beim „Frühschoppen“ am Nachmittag geschenkt, denn die MONSTERS OF LIEDERMACHING hatten nun ihren zweiten Auftritt des Tages. Der aus ganz Deutschland zusammengewürfelten Truppe gelang es dann auch, die Stimmungskurve wieder zu heben und so ging es dann auch schon mit großen Schritten auf den Samstags-Headliner zu. Im Vorfeld wurde ein enormes Geheimnis um diesen Secret Headliner gemacht und er wurde erst kurz vor dem Festival bekannt gegeben. Was hatten wir nicht spekuliert, wer dieser Secret Headliner sein könnte. Und dann kam die große Enttäuschung mit den H-BLOCKX. Damit wir uns nicht falsch verstehen: die H-BLOCKX haben bestes Songmaterial, einen charismatischen Frontmann und sind live ein echtes Brett. Außerdem mussten sie einfach beim letzten Serengeti Festival dabei sein, da sie auch „damals“ bei der Premiere dabei waren und das Festival trotz ostwestfälischen Regenwetters mega gerockt haben. Aber Secret Headliner??? Und dann noch diese Geheimnistuerei??? Leute, nicht wirklich, oder? Nichtsdestotrotz machten Henning und seine Jungs natürlich mega Spaß und beendeten den zweiten Festivaltag für uns genussvoll mit vielen alten Hits.

Sonntag

Um es gleich vorweg zu nehmen: der dritte und letzte Tag beim Serengeti Festival sollte eine absolute Mega-Schlammschlacht werden und am Ende des Tages sollten alle durchnässt, frierend aber fröhlich des Gelände verlassen. Zunächst startete der Tag aber noch halbwegs trocken von oben mit Hardrock von den BEASTLESS, die sich vor einer Handvoll Zuschauer den Allerwertesten abrockten und eine wirklich gute Show boten, bevor es dann zur Mainstage und THE SMITH STREET BAND ging. Vier Australier, die sich ganz dem Folk-Punk verschrieben haben und die vielleicht in ein paar Jahren vom Nachmittags- ins Abendprogramm wandern. Verdient hätten sie es. ACOLLECTIVE, inzwischen bereits Megastars in ihrer Heimat Israel, bedienten dann wieder Freunde des gepflegten Indie-Pop. SCHMUTZKI allerdings versorgten danach wieder den Freund der etwas brachialeren Gangart. Mit ihrer Mischung aus Punk-Rock und Indie-Rock lieferten die drei Stuttgarter eine solide Vorstellung, die an die „alten“ Serengeti-Zeiten erinnerte. Die Zeiten, als man dieses Festival noch ohne aufs Line-Up zu schauen besuchen konnte und wusste: es wird hart und laut.

Abseits der beiden Bühnen wurde es aber nun vor allem nass, schlammig und… kalt. Durchnässt und frierend zogen wir uns ins Auto zurück und versuchten, uns wieder trocken zu legen und beschlossen, auf die folgenden Bands doch zu verzichten. Zumal mein Fotograf auch Sorge um sein Arbeitsmaterial hatte. Ein Fotografen-Kollege hatte sein „bestes Stück“ schon zerschossen. Die Auftritte von ANTILOPENGANG, BILDERBUCH, SONDASCHULE, 257ERS und COHEED AND CAMBRIA fanden also ohne uns statt.

Halbwegs trocken und wieder aufgewärmt zog es uns zu den Punk-Legenden BAD RELIGION vor die Mainstage. Sechs nicht mehr ganz so junge Männer, die gefühlt seit einem halbem Jahrhundert mit ihre Melody-Punk-Rock auf den Bühnen der Welt unterwegs sind. Eine echte Institution, die routiniert ihr Programm abspulte. Mehr aber auch leider nicht.

Kurze Zeit später waren auf der Mainstage ganz andere Klänge angesagt: einen funkig-souligen Soundteppich mit Hip-Hop-Einflüssen präsentierte uns die zehnköpfige Band aus Bayern MOOP MAMA da. Die Hip-Hop-Blaskapelle war auch schon 2014 mit von der Partie und hatte offensichtlich Veranstalter und Konzertbesucher nachhaltig beeindruckt, so dass sie für das Jubiläum gleich wieder eingeladen worden waren.

Und so steuerten wir immer mehr auf das Ende zu. Die letzte Band des letzten Tages des letzten Serengeti-Festivals. Zeit für den Abriss – Zeit für THE OFFSPRING. Im Vorfeld war der Fotograf doch extrem irritiert durch die Foto-Vorgaben des Managements der Band. Wie hieß es da: „…vom Sänger darf kein Ausschnitt kleiner als Hüfte bis Scheitel fotografiert werden (kein Porträt!!)…“. Tja, auch Punkrocker werden auf ihre alten Tage noch eitel. Naja, egal, hier geht es ja um die Musik. Und die amerikanischen Punk-Rock-Legenden erwiesen sich als würdig, das Serengeti zu beenden und ließen die ostwestfälische Steppe erbeben. Mit den letzten Klängen von „Self Esteem“ und einem Feuerwerk ging die Ära des Serengeti-Festivals zu Ende. Sehr schade, wir hatten dieses Anfangs kleine, aber feine Festival lieben gelernt – tolle Organisation, nette und engagierte Mitarbeiter und Veranstalter und meist ein richtig tolles Line Up. Kleine Mankos (ich denke da zum Beispiel an die oft zu hohen Preise der nicht-alkoholischen Getränke) gab es auch immer mal wieder, aber in der Regel hatten sich die Veranstalter immer bemüht, kleine Fehler in den Folgejahren wieder auszubügeln. Serengeti-Festival – du wirst uns fehlen!

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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