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SEX GANG CHILDREN

Ort: Berlin - K17

Datum: 13.11.2004

Manchmal bedauere ich es, erst Anfang der Achtziger Jahre geboren worden zu sein. So bin ich zwar mehr oder weniger um fürchterlichste Modeverbrechen herumgekommen, doch blieb es mir verwehrt, die Blütezeit der Schwarzkittel-Ikonen in Echtzeit zu erleben. Da ist man froh um jeden Althelden, der noch existiert, und den man wenigstens noch einmal live erleben kann. Nachdem ich THE CURE, CLAN OF XYMOX und unter anderem auch SKELETAL FAMILY schon von meiner „To see“-Liste streichen konnte, standen nun die SEX GANG CHILDREN auf dem Plan. Das K17 hatte es geschafft, relativ kurzfristig ein exklusives Konzert zu arrangieren, und so musste ich nebst einigen Freunden natürlich dabei sein.
Zuallererst hieß es aber erst, die richtige Bühne zu finden. Auf dem zweiten Floor war zwar Livemusik zu hören, klang allerdings viel zu synthetisch, um für uns der richtige Ort zu sein. Dank eines Hinweises der freundlichen Merchandiserin lernten wir dann: auf der anderen Seite des Hinterhofs besitzt das K17 auch noch eine eigene kleine Konzerthalle. Diese wurde prompt von uns geentert und bestaunt: eine hohe Bühne und viel Platz im Zuschauerraum, beides positive Neuerungen. Ein Bierchen im Barbereich verkürzte die Wartezeit, das Freundesgrüppchen komplettierte sich und einem gelungenen Abend stand nichts mehr im Wege.

Gegen 22 Uhr war es dann soweit, SEX GANG CHILDREN traten vors Publikum. Blass gepudert und schwarz geschminkt, mit Maschinenschnitt und knappem Anzug stand ein sichtlich gealterter und doch unverkennbarer Andi Sexgang am Mikro und legte mit dem rezitativen „The Borman Chain“ gleich los. Stilistisch war das die Ansage des Abends, man blieb im ruhigen und pathetischen Bereich, den sich ja heutzutage Deathrockbands wie CINEMA STRANGE auf die Fahne geschrieben haben. Dementsprechend ging es auch im recht zahlreich vertretenen Publikum anfangs eher gelassen zu, abgesehen von den immer vertreteten Hardcorefans und natürlich dem allgemeinen Applaus. Andis Freundin schlich mit Camcorder bewaffnet durch die ersten Reihen und filmte fleißig den Auftritt mit, bei welchem sich die Briten durch die Klassiker ihres Programms spielten. Dabei waren die Mimik und Gestik des Herrn Sexgang immer wieder Blickfang und die Präsenz dieses kleinen Mannes machte jede aufgeblasene Bühnenshow überflüssig. Eine Ballade wie „Skin“ wurde durch die eindringliche Art der Darbietung zum Gänsehautgaranten und bei temporeicheren Stücken oder dem Evergreen „Les Amants d’Un Jour“ ging auch vor der Bühne die Post ab. Zwischenzeitlich wurden auch mal einige wenige Worte ans Publikum verloren, es entspann sich sogar ein kleiner amüsanter Dialog mit einem Landsmann im Publikum, der, wie sich herausstellte, früher quasi bei Andi um die Ecke gewohnt hatte.

Einziges Manko des Konzertes: dessen Länge. Mit eher ruhigen Klängen beschloss man nach einer reichlichen Stunde das Set und verschwand fürs Erste von der Bühne. Es bedurfte aber keiner langen Wartezeit, bis das Quintett wieder zurückkehrte und ein paar Zugaben präsentierte. Zum krönenden Abschluss begab sich Andi Sexgang dann mitsamt Mikro unter die Zuschauer und performte mitten in der tanzenden Menge das letzte Stück für den Abend. Zu diesem Zeitpunkt fiel überhaupt erst auf, wie klein der Mann in Wirklichkeit war; an der Weisheit, dass Ausstrahlung einen Menschen größer machen kann als er ist, scheint durchaus etwas dran zu sein. Für dieses Konzert konnte ich abschließend resümieren: Qualität statt Quantität – und: Kleiner Mann ganz groß!

Nach dem Konzert entwickelten sich noch ein paar Gespräche, man erfuhr, dass die Band noch ein wenig um die Häuser ziehen wollte, unser Grüppchen splittete sich dementsprechend je nach Vorliebe ein wenig auf; ein Teil (ich inklusive) wanderte noch kurz zum Discofloor aber begab sich dann recht bald nach Hause. Mit einem Häkchen mehr auf der Liste der erlebten „Alten Helden“…

Setlist SEX GANG CHILDREN
Borman Chain
Times Of Our Lives
Circus Days
The Messenger
Skin
Alamagordo All over Again
Shout and Scream
Draconian Dream
Les Amants d’Un Jour
Alien Baby
Die Traube
Medea
Song & Legend

Copyright Fotos: Antje Wagler

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