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SHOUT OUT LOUDS – DAG FÖR DAG

Ort: Bielefeld - Forum

Datum: 31.01.2008

Und weiter ging’s mit meinen persönlichen Skandinavienwochen! Nachdem am vergangenen Samstag der Auftakt mit EF, SAMURAJ CITIES und OBSTACLES in Münster vollzogen worden war, verbrachte ich den Altweiberfastnacht-Donnerstag absolut narrenfrei im gut gefüllten Forum. Dass auch der kleinere Raum benötigt wurde, um den vielen Fans Platz zu bieten, machte deutlich, dass die Schweden SHOUT OUT LOUDS über den Status eines Geheimtipps längst hinaus sind. Größere Bekanntheit dürfte dem Stockholmer Quintett dabei auch der Gig beim 2006er Hurricane bzw. Southside beschert haben.

Von solchen Weihen sind DAG FÖR DAG noch weit entfernt, aber immerhin haben sie als Support ihrer Landsleute Gelegenheit, ihre Musik einem größeren Publikum vorzustellen. Um 21.15 Uhr starteten Sängerin und Gitarristin Sarah Snavely und Bassist Jacob Snavely gemeinsam mit einem mir unbekannten Livedrummer, der auf seinem Arbeitsgerät etwas produzierte, was sehr stark nach den ersten Tönen von DISTURBEDs „Down With The Sickness“ klang. Im Weiteren ging es allerdings weniger hart zur Sache, der Indie Rock behielt die Oberhand, wenngleich es auch bei DAG FÖR DAG durchaus rhythmusbetont zuging. Für „Racing The Racine“ drosch der Herr hinterm Schlagzeug im Stehen aufs Becken ein und auch Sarah, die ihr silbergraues Glitzerjäckchen gleich zu Beginn der Veranstaltung ausgezogen hatte, mit Hilfe ihrer ebenfalls stark glitzernden Strumpfhose aber noch optische Glanzpunkte setzen konnte, half an den Fellen aus, während sie sich mit ihrem Bruder den Gesangspart teilte. Zum hypnotischen „Two By Two“ wurde die Schießbude wieder im Sitzen bespielt, offensichtlich war es nicht nur dem Publikum warm geworden, denn der ringelbemützte Drummer hatte sich bereits seines Pullovers entledigt und präsentierte seine reich bebilderten Arme zu diesem sehr schönen und mit Streichern vom Band versehenen Song. Bei „Pirate Sea“ wurde bereits vereinzelt (und im Rahmen der beengten Möglichkeiten) getanzt, dafür war der fröhliche Sound, für den Sarah am Keyboard sorgte, auch bestens geeignet. Nicht zu vergessen, die angenehm dominierenden tiefen Töne, die Jacob seinem Bass entlockte. Für das melancholisch-schöne „Came In Like A Knife“ griffen sowohl der Drummer als auch die pagenköpfige Sängerin zur Violine, wenn sie nicht gerade mit speziellen „Handglocken“ für weihnachtliches Jingle Bells-Feeling sorgten. Zum Ende ließ es „Ring Me, Elise“ noch mal ordentlich krachen. Das klang ein wenig nach BLONDIE und fand nicht nur meine ungeteilte Zustimmung. Ein gelungener halbstündiger Auftakt, den die beiden gebürtigen Amerikaner, die seit etwa einem Jahr in Stockholm leben und die nach eigenem Bekunden „Wanderblut“ in ihren Venen haben, gemeinsam mit ihrem dritten Mann geboten haben.

Setlist DAG FÖR DAG
I Am The Assassin
Racing To Racine
Two By Two
Pirate Sea
Came In Like A Knife
Ring Me, Elise

Jetzt hieß es erst einmal, sich in Geduld zu üben, den eine 45-minütige Umbaupause stand vor dem Hauptact des Abends. Wer wollte, konnte diese Zeit nutzen, um noch die brandneue DAG FÖR DAG-EP „Symmetry of Standing“ oder andere Merch-Artikel zu erwerben, dann legten SHOUT OUT LOUDS mit „Tonight I Have To Leave It“ vom 2007er Album „Our Ills Wills“ energiegeladen los. Sänger Adam hantierte mit allerhand Percussion-Equipment, bevor er das Publikum begrüßte, welches nach Auswertung der zahlreichen unterschiedlichen Nummernschilder auf dem Parkplatz Fahrtstrecken auch von weit mehr als 50 km nicht gescheut hatte. Mit „Time Left For Love“ ging es mit einem weiteren Stück der aktuellen VÖ tanzbar weiter. „Parents Livingroom“ startete eher ruhig, nahm dann jedoch wieder Fahrt auf und wurde vom Auditorium lautstark bejubelt. Gleiches galt auch für „Comeback“ vom Vorgänger „Howl Howl Gaff Gaff“. Hier ging die Meute nicht weniger gut mit, wobei insgesamt nur schwer zu sagen ist, ob ältere oder neuere Stücke besser ankamen. Auf jeden Fall wussten auch getragenere Nummern wie „Suit Yourself“ zu begeistern, wenngleich Songs a la „Shut Your Eyes“, bei dem auch Adam zur Gitarre griff und feinstes Indie-Geschrammel geboten wurde, natürlich richtig abgefeiert wurden. Dafür war „Normandie“ wunderbar eindringlich und sehr zwingend, bevor es wieder was fürs Tanzbein gab. „Never Ever“ stammte vom Debüt der Schweden, das nur in der nordischen Heimat veröffentlicht worden war und so zum ersten Mal in Bielefeld zu Gehör kam. Dazu waberten Lichtbündel zu witzigen Synthie-Sequenzen durch den Bühnennebel, überhaupt legten SHOUT OUT LOUDS großen Wert auf ihre Lightshow und auch der Mann am Mischpult machte einen guten Job. Mit „Impossible“ ging’s frohen Mutes weiter, auch wenn ein gewisser nachdenklicher Unterton nicht zu verkennen war. Aber so sind sie wohl die Skandinavier… Ganz anders wirkte dagegen „South America“. Hier war der Titel Programm: Südamerika ließ grüßen und versprühte eine verträumt-verspielte Salsa-Note. An eine Spieluhr-Melodie erinnerte „Meat Is Murder“, bei dem Keyboarderin Bebban federführend den Gesang übernahm. Die blonde Grazie stellte in ihrem roten Hängerchen für mich den Inbegriff einer Midsommar-Elfe dar, was sie auch mit ihren Vocals bei der ersten Zugabe „Hard Rain“ noch manifestieren sollte. Vorher ging es aber mit „Very Loud“ noch mal richtig rund und Bebban griff zur Quetschkommode, bevor um 23.20 Uhr bereits das Ende des regulären Sets verkündet wurde. Passend zum Sauwetter, das draußen mit peitschendem Regen und Sturmböen nicht gerade zu einem Spaziergang einlud, ging es mit besagtem „Hard Rain“ in die Verlängerung, die mit einem langen Instrumental begann und einen eindrucksvollen Zwiegesang von Bebban und Adam folgen ließ, bei dem auch schon mal die Rollen vertauscht wurden und der Herr im Falsett sang, während die Dame für tiefe Töne sorgte. Bei „Hurry Up Let’s Go“ war kollektives Klatschen angesagt, welches bei „Please Please Please“ von finalem Tanzen abgelöst wurde. Anfängliche Streicher aus der Konserve wurden von gut gelaunten Sounds abgelöst, die um 23.40 Uhr die zahlreichen glücklich-erschöpften Indies in die kalte Nacht entließen.

Setlist SHOUT OUT LOUDS
Tonight I Have To Leave It
Time Left For Love
Parents Livingroom
Comeback
Suit Yourself
Shut Your Eyes
Normandie
Never Ever
Impossible
South America
Meat Is Murder
Very Loud

Hard Rain
Hurry Up Let’s Go
Please Please Please

Ohne Zweifel die beste Art, das Karnevalswochenende einzuläuten! Einziger Wermutstropfen des Abends waren die miesen Luftverhältnisse im Forum. Hier wurde so eifrig gequalmt, dass ich aller Bevormundung zum Trotze das niedersächsische Rauchverbot herbeisehnte. Ansonsten war auch mein zweiter skandinavischer Abend des Jahres ein voller Erfolg, als nächstes sind die Dänen DÚNÉ an der Reihe – wie es war, erfahrt Ihr wie immer an dieser Stelle.

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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