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SIGUR RÓS – ÓLAFUR ARNALDS

Ort: Köln - Palladium

Datum: 11.08.2008

Das M’era Luna gerade mal ein paar Stunden vorbei, machten wir uns schon wieder auf in die entgegengesetzte Richtung. An diesem Montag sollte es uns nach Köln ins Palladium führen zu einem isländischen Abend. Nein, kein Diavortrag über Gletscher, Fjorde und Geysire lockte uns dorthin, sondern die Musik der Jungs von SIGUR RÓS, die sich für vier Konzerte in Deutschland die Ehre gaben. Früh hatten wir uns auf den Weg gemacht, waren es doch immerhin gute zwei Stunden Fahrt, die vor uns lagen, gespickt mit diversen Baustellen und der Erwartung eines hohen Verkehrsaufkommens. Erstaunlicherweise klappte alles reibungslos, bis wir uns dann einen Parkplatz suchen mussten. Es war voll, also so richtig voll und so mussten wir mit einem zwei Zigarettenlängen (etwa 8 Minuten) entfernten Stellplatz vorlieb nehmen. Dank der guten Zeitplanung waren wir aber dann noch pünktlich und begaben uns geradewegs in die schon gut gefüllte Halle.

Als Vor“band“ hatten SR ÓLAFUR ARNALDS, einen Landsmann, mit an Bord. Gut, dass es Myspace gibt, hatte ich doch von dem gerade mal 21jährigen bisher noch nicht wirklich was gehört. Also zu Hause schon mal etwas informiert und dann umso mehr auf den Auftritt gefreut, denn das Gehörte sagte mir durchaus zu. Pünktlich um 20 Uhr ging dann auch das Licht aus und Ólafur begrüßte das Publikum mit dem Spruch „I have to disappoint you but I’m not SIGUR RÓS“, was ihm einige Lacher aus dem Publikum und von meiner Seite jede Menge Sympathiepunkte einbrachte. Zum Lachen war das Folgende aber nun wahrlich nicht, ist die Musik des jungen Mannes doch alles andere als fröhlich. Leises Pianogeklimper unterstützt durch ein Streicherquartett, das einen zu Tränen rührt und definitiv die beste musikalische Untermalung für jeden Suizid wäre. Vereinzelt mischten sich in die Songs auch elektronische Elemente, die erst etwas verstörend wirkten, sich dann aber harmonisch einfügten und durchaus passend waren. Ärgerlich nur, dass um mich herum die Menschen die Zeit lieber genutzt haben, um zu quatschen als zuzuhören. Das trübte den Genuss dann doch ein klein wenig. Trotzdem erntete ÓLAFUR ARNALDS viel Applaus für seine Darbietung und mir fiel mal wieder auf, dass das indieske Publikum wesentlich begeisterungsfähiger ist als der gemeine Gote. Seinen Song „Himininn er ađ hrynja“ sagte Herr Arnalds dann auf isländisch an und das in einer Geschwindigkeit, dass einem ganz anders wurde. Er musste dann auch selber darüber lachen. Des Weiteren erwähnte er auch noch, dass er wohl wisse, dass das Publikum nicht gekommen sei, um ihn zu sehen. Das mag ja im Großen und Ganzen sogar stimmen, trotzdem würde ihm ein wenig mehr Selbstvertrauen sicher gut tun. Denn nach der viel zu kurzen halben Stunde „Suicide Ballads“ hatte ich beschlossen, diesen jungen Herrn auf jeden Fall im Auge zu behalten und sicher wird sich demnächst auch das ein oder andere seiner Alben in meinem Plattenschrank wiederfinden.

Nach einer kurzen und beengten Raucherpause in einem eingezäunten Bereich im Hinterhof des Palladiums ging es dann pünktlich um 21 Uhr mit dem Hauptact SIGUR RÓS weiter. Inzwischen hatten sich knapp 3000 Leute eingefunden, die sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen wollten. SIGUR RÓS, das sind namentlich Jón þór Birgisson (sprich: yeown thor birgisson), Kjartan Sveinsson (sprich: kyartan sveyn-son), Georg Hólm (sprich: ge-OR-CH) und Orri Páll Dýrason (sprich: orri pow-ll dee-rah-son). Und wer so komische Namen hat, macht natürlich auch außergewöhnliche Musik. Los ging es mit „Svefn-G-Englar“ vom 1999er Album „Ágætis Byrjun“ bei dem auch gleich die großen weißen Kugeln, die schon seit geraumer Zeit über der Bühne zu schweben schienen, zum Einsatz kamen. Waren diese doch von innen beleuchtet und strahlten mal heller oder schwächer. Mehr als die Kugeln konnte ich von dem Treiben auf der Bühne aber auch nicht sehen, stand ich doch relativ weit hinten und natürlich wieder alle großen Menschen der Welt vor mir. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur unterdurchschnittlich klein. Weiter ging es mit „Glosoli“ aus dem Jahre 2005, bevor dann bei Song drei schon die erste Überraschung auftauchte: Marschierte doch plötzlich eine Blaskapelle über die Bühne, die enthusiastisch vom Publikum bejubelt wurde. Dann folgte erstmals mit „Við spilum endalaust“ ein Track des aktuellen Albums „Með suð í eyrum við spilum endalaust“, was so viel heißt wie „mit einem Summen in unserem Ohr spielen wir endlos“. Ein Summen hatte ich inzwischen auch im Ohr, bohrte sich die hohe Stimme von Jón doch recht gut in den Gehörgang. Interessant auch, dass er seine Gitarre überwiegend mit einem Geigenbogen bearbeitet. Des Weiteren hatte man ebenfalls ein Streichquartett mit an Bord. Zwischendurch gab es dann noch Konfettiregen, was die Dame vor mir in absolute Verzückung versetzte. Mit „Festival“ spielte man dann das Lied, welches wohl am leichtesten auszusprechen ist im Gegensatz zu den anderen Titeln, die an diesem Abend zum Besten gegeben wurden. Weiter ging es mit zwei weiteren neuen Liedern, „Fljótavík“ und „Inní mér syngur vitleysingur“, bevor mit „Hafssól“, welches auf dem ersten Album „Von“ enthalten ist, das Stück kam, bei dem Georg seinen Bass mit einem Drumstick bearbeitet. Da der Song sich im Laufe der Jahre so sehr verändert hat, brachte man ihn 2005 erneut als B-Seite auf der „Hoppípolla“-Single raus. Als letztes Stück des offiziellen Sets hatte man sich das flotte „Gobbeldigook“ ausgesucht, bei dem dann auch alle Zuhörer zum mitklatschen aufgefordert wurden (auf der Bühne taten die Musiker dasselbige miteinander). Dieser Aufforderung kam man natürlich gerne nach, es gab einen weiteren Konfettiregen und die Bühne, welche bis dahin eher spärlich beleuchtet war, wurde in alle Farben des Regenbogens getaucht. Hier und da wurde sogar noch getanzt und man konnte das durchaus als würdigen Abschluss dieses Abends sehen. Unter tosendem Applaus wurde dann fürs erste die Bühne geräumt, bevor man als Zugabe noch „Popplagið“ und das einzig englischsprachige Lied „All alright“ spielte.

Warum ich so wenig über die Musik geschrieben habe? Weil die Musik von SIGUR RÓS schwer zu beschreiben ist (sie selbst nennen es „Slow Motion Rock“) und ich jedem nur raten kann, sie sich selber anzuhören und sich ein eigenes Bild zu machen. Auf jeden Fall war es ein absolut intensives Konzert- und Hörerlebnis und wir konnten uns mehr als zufrieden ob des gelungenen Abends auf den noch recht langen Heimweg machen.

Setlist SIGUR RÓS (Ohne Gewähr)
Svefn-G-Englar
Glósóli
Sé Lest
Ný Batterí
Við Spilum Endalaust
Hoppípolla/ Með Blóðnasir
Festival
Fljótavík
Sæglópur
Inní mér syngur vitleysingur
Hafssól
Gobbeldigook

Popplagið

All Alright

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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