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SILVERSUN PICKUPS – PÆRISH

Ort: Münster – Jovel Club

Datum: 29.10.2016

Was für ein wunderbarer Samstag! Tagsüber schenkte uns der Wettergott einen herrlichen Spätsommertag, abends sorgten sie sonnenverwöhnten Kalifornier von SILVERSUN PICKUPS zumindest im Jovel Club für strahlende Gesichter. Miss Monninger und ihre Herren haben im vergangenen Jahr ihr viertes Studio-Album „Better Nature“ in die Plattenläden gebracht und nachdem sie Anfang 2016 bereits in unseren Gefilden unterwegs waren, beehrte uns das Quartett jetzt noch einmal und servierte allerfeinsten Indie-Rock.

Dabei waren die Bassistin Nikki, Brian Aubert (Gesang & Gitarre), Christopher Guanlao (Drums) und Tastenmann Joe Lester nicht allein in die Stadt des Westfälischen Friedens gekommen. Die Aufwärmübung übernahmen die Franzmänner von PÆRISH, die ebenfalls hochenergetischen Indie-Rock im Gepäck hatten. Da wunderte es auch nicht, dass im Anschluss an den Gig am Merch-Stand der Debüt-Longplayer „Semi Finalists“, der offiziell erst am 02.12.2016 veröffentlicht wird, bereits das eine oder andere Mal den Besitzer wechselte. Gestartet waren die Pariser Ende 2010 als dreiköpfige Power-Pop-Formation namens CRACKITY FLYNN. Seit 2012 sind sie zu viert unterwegs und auch der Sound hat sich verändert und mehr Druck erhalten, den Mathias Court (Gesang & Gitarre), Frédéric Wah (Gitarre & Backing Vocals), Martin Dupraz (Bass & Backing Vocals) und Julien Louvion (Drums & Backing Vocals) bestens auf der Bühne des kleinen Jovel-Ablegers zu bringen wussten. Kurz nach 20 Uhr sorgten sie mit „Winona Ryder“, dem Opener ihres kommenden Albums, für Aufmerksamkeit und servierten im Folgenden eine kurzweilige halbe Stunde mit unterhaltsamem Schrammel-Indie-Rock, der es ordentlich krachen ließ. Etwa mit der allerersten Single „Marcel & The Prince”, die mit einem fetten Grummelbass daherkam, ehe mit „Adriatric“ vergleichsweise ruhige Passagen auf dem Programm standen, die von richtungsweisenden Langäxten begleitet wurden. Derweil sorgte „Then People Forget” für einen derart treibenden Abschluss, sodass zu hoffen bleibt, dass wir von PÆRISH noch viel zu hören bekommen.

Setlist PÆRISH
Winona Ryder
ShaqFu
I’ve Got Punched In The Face, What’s Your Excuse?
Party’s Over, Biff
Marcel & The Prince
Undone
Adriatric
Then People Forget

Nun musste nur noch fix die Stage für die SILVERSUN PICKUPS präpariert werden, dann konnte der Hauptact des Abends, der in den Staaten in hohen Charts-Gefilden unterwegs ist und auch hierzulande jeden flasht, der das Vergnügen hat, den außergewöhnlichen Sound des Vierers zu erleben. Um mich ist es seit dem 2009er Hurricane geschehen, wo dank SSPU an einem regnerischen Samstagmittag die Sonne aufging. Später im Jahr waren die Amis noch mit PLACEBO unterwegs, wo sie abermals ein größeres Publikum erreichen konnten, so dass ihre zweite Langrille „Swoon“ auch bei uns einen Charts-Entry verzeichnen konnte. Auf diesem Silberling findet sich auch mein absoluter Favourite „It’s Nice To Know You Work Alone“, der leider abermals nicht auf der Setlist der 2004 gegründeten Kapelle stand. Dafür hatten Brian & Co 15 andere Tracks ausgewählt, die ebenfalls erstklassig waren, wobei natürlich der Schwerpunkt auf den Liedern der aktuellen Langrille „Better Nature“ lag, weshalb um 21.00 Uhr auch gleich einmal mit dem Titeltrack eröffnet wurde. Brian Aubert, der mit einer wirklich außergewöhnlichen Stimme gesegnet ist, zeigte sich dabei bester Laune und suchte immer wieder die Nähe zum Publikum, was ihn beim zwingenden „Panic Switch“ vom bereits erwähnten „Swoon“ auch mitten ins Auditorium führte, während er zuvor schon zahlreiche Schultern und Hände in der ersten Reihe gedrückt hatte. Nach dem fulminanten Auftakt mit „Cradle (Better Nature)”, legte „Well Thought Out Twinkles“ (2006 auf „Carnavas“ erschienen) nicht minder energiegeladen nach. Wenn man es nicht sähe (und wüsste), nähme man an, dass Nikki Monninger diejenige ist, die für den Gesang zuständig ist, stattdessen ist es jedoch Brian, dessen Stimme einfach ein ganz besonderes, nahezu weibliches Timbre hat. Aber auch die Frau am Bass kann singen, wie sie beispielsweise beim großartigen „Circadian Rhythm (Last Dance)“ unter Beweis stellte. Desweiteren bearbeitete sie für ein weiteres Highlight, das den Titel „Friendly Fires“ trug, nicht nur ihren Stahlsaiter, sondern auch ein kleines Elektro-Drumkit. Wobei wir es bei den SILVERSUN PICKUPS im Grunde mit einer Aneinanderreihung von Höhepunkten zu tun haben, die in Münster von der zahlreich erschienenen Zuschauerschaft auch kräftig mitgesungen und beklatscht wurden. Genannt werden soll aber auf jeden Fall noch das stoische „Little Lover’s So Polite“ mit seinem prägnanten Schlagwerk und auch „Latchkey Kids“, das es nach dem etwas ruhigeren „Friendly Fires“ wieder krachen ließ, soll nicht unerwähnt bleiben. Vom 2012er „Neck of The Woods“ stammte das energiegeladene „Dots and Dashes (Enough Already)”, ehe „Lazy Eye” zunächst ein wenig melancholisch daherkam, um dann wieder eine volle Breitseite abzuliefern. An dieser Stelle sah sogar der Backliner, der fleißig die Saiteninstrumente von Miss Monninger und Mr. Aubert tauschte, regelrecht fasziniert aus!

Leider markierte dieser Song nach 75 Minuten Spielzeit auch schon das Ende des regulären Sets, doch es sollte noch drei Zugaben geben, die nach einem etwas verhaltenen „Three Seed“ und dem rhythmusgetriebenen Stomper „Cannibal“ im wunderbaren „Kissing Families“ gipfelten. Passend zum Namen des letzten Tracks, der von der allerersten EP „Pikul“ aus 2005 stammte, beglückte Brian einen Fan am Bühnenrand noch mit einer langen Umarmung und bot auch einen Kuss an. Hier schritt allerdings die Freundin des Umarmten ein, weshalb der Kuss nur noch angedeutet wurde. Warum eigentlich? Egal, denn die Hauptsache war, dass alle Anwesenden einen wahrlich fantastischen Abend erlebt hatten und womöglich deutlich mehr Spaß hatten, als die Gäste der Hochzeit, die nebenan im großen Saal gefeiert wurde. Brian hatte ja noch überlegt, ob die Konzert-Gesellschaft nicht noch geschlossen rübergehen sollte, daraus wurde aber natürlich nichts; der Abend wäre aber auch zumindest für mich nicht mehr zu toppen gewesen.

Die SILVERSUN PICKUPS waren zum ersten Mal in Münster und auch wenn im Publikum einige Wiederholungstäter unterschiedlichen Alters waren, dürfte die Truppe aus Los Angeles ihre Anhängerschaft an diesem Abend erneut vergrößert haben. Anfang des Jahres habe ich die Bitte ausgesprochen, dass SSPU nicht zu lange warten, bis sie wieder in Deutschland touren. Mein Flehen wurde erhört und so wünsche ich mir abermals, dass uns dieses brillante Indie-Rock-Gespann bis zum nächsten Mal (live und via Konserve) nicht lange auf sich warten lässt!

Setlist SILVERSUN PICKUPS
Cradle (Better Nature)
Well Thought Out Twinkles
The Royal We
Nightlight
Circadian Rhythm (Last Dance)
The Pit
Little Lover’s So Polite
Friendly Fires
Latchkey Kids
Panic Switch
Dots and Dashes (Enough Already)
Lazy Eye

Three Seed
Cannibal
Kissing Families

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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