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SILVERSUN PICKUPS – JORDAN KLASSEN

Ort: Hamburg – Knust

Datum: 29.02.2016

Lange, viel zu lange haben die SILVERSUN PICKUPS ihre deutschen Fans warten lassen. Zum 2012er Album „Neck of The Woods“ waren sie nicht in unseren Gefilden unterwegs und so sah man Miss Nikki Monninger (Bass & Gesang), Brian Aubert (Gesang & Gitarre), Christopher Guanlao (Drums) und Joe Lester (Keys) zuletzt 2009 als Support für PLACEBO, auf Festivals und zudem im Hamburger Knust. In das ehemalige Rinderschlachthaus hatte es die Kalifornier an diesem Montagabend abermals gezogen und die Tatsache, dass es erst um 21.00 Uhr mit einem Support losging, hatte offensichtlich niemanden abgeschreckt, denn die altehrwürdige Location nahe dem Heiligengeistfeld war nahezu ausverkauft. Bevor das Quartett jedoch neue und alte Songs zu Gehör brachte, sorgte ein Mann aus Kanada für Unterhaltung, der unlängst seine Langrille „Javelin“ in die Plattenläden gebracht hat.

Die Rede ist vom Singer-Songwriter JORDAN KLASSEN, der die Stage mit akustischen Saiteninstrumenten bewaffnet enterte und dabei sowohl eine kleine Ukulele als auch eine Wanderklampfe am Start hatte. Das zierlichere Instrument kam beispielsweise bei „Go To Me“ – einem älteren Stück – zum Einsatz, während der Sechssaiter bei „Miles“ für die passende Untermalung des sanften Gesangs dieser Nummer vom jüngsten Silberling sorgte. Jener Veröffentlichung entstammte auch das rhythmusbetonte „Gargolyes“. Der Track war im übertagenen Sinne Jordans Verbeugung vor den alten Gemäuern in Europa, die er ganz tourimäßig großartig findet, da im heimischen Vancouver kaum ein Gebäude älter als 100 Jahre ist und selten mit so etwas wie „Gargolyes“ – also Wasserspeiern – aufwarten kann. Apropos Heimat: Als 1985 geborenen Kanadier ist er mit der Musik der Popgruppe SKY aufgewachsen, die wohl nicht unbedingt der Smasher war, aber immerhin den „Love Song“ rausgebracht hat, den Mr. Klassen mit viel Inbrunst und manchmal falsettartigem Gesang zum Besten gab. Alles in allem ein netter Einstieg in den Abend, auch wenn der Künstler selbst erkannt hatte, dass er bei ihm deutlich ruhiger zuging als bei den SSPU. Das Publikum dankte ihm seinen Vortrag trotzdem mit freundlichem (und verdientem) Applaus, auch wenn in den hinteren Reihen der Geräuschpegel relativ hoch war, sprich dem Musiker keine besondere Aufmerksamkeit gewidmet wurde.

Das dürfte sich knapp 20 Minuten später mit den ersten Intro-Klängen von „Better Nature“ (gleichzeitig der Titel des im vergangenen Oktober erschienenen vierten Studio-Longplayers) schlagartig geändert haben. Immerhin begannen nach einer kleinen Weile die ersten Fans die Melodie mitzupfeifen und nachdem die SILVERSUN PICKUPS ihre Arbeitsplätze für die nächsten 90 Minuten bezogen hatten, gab’s sowieso auf und vor der Bühne kein Halten mehr. Nun stand nämlich zunächst einmal der namensgebende Song in voller Schönheit auf dem Programm. Der Track wurde im Übrigen genauso mitgesungen wie die nachfolgenden älteren Lieder „Well Thought Out Twinkles“ (2006 auf dem Debüt „Carnavas“ erschienen) und „The Royal We“ vom 2009er „Swoon“. Mit dem hochenergetischen „Nightlight“ schloss sich ebenso wie mit dem temperamentvollen „Circadian Rhythm (Last Dance)“ erneut neues Material an. Währenddessen plauderte der gut gelaunte Brian ein wenig aus dem Nähkästchen, ließ die Anwesenden wissen, dass er zwischenzeitlich Vater geworden sei und verblüffte mit der Wandlungsfähigkeit seiner Stimme. Wer in den hinteren Reihen des Knusts womöglich glaubte, Nikki habe die hohen Passagen gesungen, lag eindeutig daneben, denn diesen Part übernimmt bei den SILVERSIN PICKUPS üblicherweise der Herr. Wenngleich man sagen darf, dass die Bassistin vergleichsweise oft am Mikro stand und auch die Jungs hinter der Schießbude und an den Tasten machten einen sehr überzeugenden Job. Erwähnt sei an dieser Stelle noch das eindringliche „Friendly Fires“, bei dem die Dame im Bunde ein Elektro-Drumkit bearbeitete, unterdessen nach einem relativ ruhigen Start abermals eruptive Soundsalven auf das Auditorium losgelassen wurden. „Latchkey Kids“ übernahm im Highspeed-Modus und während grüne Lichtbündel die Bühne erhellten und Lichtblitze über die Szenerie zuckten, legte Nikki beim fantastischen „Panic Switch“ ein grummelndes Basssolo hin, bevor „Ragamuffin“ mit geheimnisvollen Passagen übernahm. „Lazy Eye“ begann zunächst mit einer sparsamen Instrumentierung, ehe es unter Lichtblitzen wieder aufs Ganze ging und nach 70 Minuten Spielzeit das Ende der regulären Spielzeit erreicht war.

Glücklicherweise gab’s jedoch noch einen Nachschlag, für den die Spielstätte in blaues Licht getaucht wurde. „Kissing Families“ von der 2005er EP „Pikul“ läutete den Zugabenblock mit viel Schmackes ein und Joe präsentierte seine (vermutlich neue) St.-Pauli-Cap, um mit dem versponnenen „Dots And Dashes (Enough Already)“ vom „Neck of The Woods“-Album zu ausführlichen Handclaps zu animieren. Blieb noch „The Wild Kind“, mit dem ein gelungener Abend seinen coolen Abschluss fand. Mir hätte zu meinem Glück lediglich noch „It’s Nice To Know You Work Alone“ gefehlt, aber auch so habe ich nicht wirklich was zu meckern, außer, dass SSPU unmöglich wieder sieben Jahre auf sich warten lassen dürfen, aber diesen Fehler haben die Amis ja selbst erkannt! Deshalb: Bis ganz bald, so einen Gig wünscht man sich definitiv häufiger!

Setlist SILVERSUN PICKUPS
Cradle (Better Nature)
Well Thought Out Twinkles
The Royal We
Nightlight
Circadian Rhythm (Last Dance)
The Pit
Little Lover’s So Polite
Friendly Fires
Latchkey Kids
Panic Switch
Ragamuffin
Lazy Eye

Kissing Families
Dots and Dashes (Enough Already)
The Wild Kind

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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