Ort: Bielefeld - Ravensberger Park
Datum: 18.06.2009
Manch einer ist ja langsam das 80er-Revival satt. Ich nicht. Was mir als Teenie meist aus fahrtechnischen oder finanziellen Gründen verwehrt blieb, lässt sich nun gelassen nachholen. Heute auf dem Programm: Die SIMPLE MINDS. Also schnell noch die Brut mit Kräckern und den Kindersitter mit letzten Instruktionen versorgt und auf in den Ravensberger Park nach Bielefeld. „30 Years Live“ steht auf der Karte, herrje, ist das wirklich alles schon so lange her? Besser nicht noch mal in den Spiegel schauen, wir werden eh unter uns sein.
Unter uns – das sind dann ca. 3000 Leute um die Vierzig, die sich ohne Hektik auf dem Rasen vorm Lichtwerk ein schönes Plätzchen suchen und die meisten nutzen die Chance, das erste Feierabendbier bei trockenem Wetter und Abendsonne in netter Gesellschaft zu trinken, denn lange dauert es nicht, ehe man ein bekanntes Gesicht in der Menge findet. Ab 19 Uhr gibt es dazu schon mal die perfekte Aufwärmmusik von ARNO CARSTENS, der seinen Kumpel ALBERT FROST mitgebracht hat. Im Doppel-Gitarren-Pack bringen die Beiden eine halbe Stunde lang schöne Singer-/ Songwriter-Mucke unter das wartende Volk, ohne sich allzu sehr aufzudrängen. Arno Carstens, früher mal Leadsänger der SPRINGBOK NUDE GIRLS arbeitet zurzeit an seinem 3. Soloalbum, von dem wir nun sicher einige Songs zu Gehör bekommen haben. Da sich Herr Carstens aber mit Ansagen bedeckt hält, kann ich bis auf „Galaxy blues“ keine gesicherte Setlist liefern. Die beiden Herren haben auf jeden Fall sichtlich Spaß auf der Bühne und ihr routiniertes Zusammenspiel, sowie der perfekte Harmoniegesang entlocken dem Publikum schon recht warmherzigen Applaus.
Nach einer halben Stunde Umbau und dem nächsten Feierabendbier kündigt ein Irisches Intro den pünktlichen Beginn des Headliners an. Jim Kerr und seine Kollegen werden frenetisch begrüßt und auch sie freuen sich heute mal nicht (wie in Hamburg und Gelsenkirchen) vor Schirmen und Regenpellen spielen zu müssen. Los geht es mit dem T-REX Cover „Children of the Revolution“, gefolgt von „Waterfront“ und schon geht die Zeitreise los. Mit „I travel“ von 1980 geht es ganz an die Anfangstage der Band zurück und man sieht im Publikum, dass doch viele schon sehr, sehr lange dabei sind. „Stay visible“ und „Different world“ stammen vom nicht völlig zu unrecht etwas untergegangenen „Black and wild“-Album und lassen die Stimmung kurzfristig etwas einbrechen, was sich mit „See the lights“ und „Hypnotised“ dann aber wieder schlagartig ändert. Jim, der seinen Bauchansatz unterm eigenen Band-T-Shirt zu kaschieren versucht, zeigt sich bewegungsfreudig und bei bester Stimme, nur ab und an ruht er sich kurz auf einem der Monitore aus. Weiter geht es mit taufrischem Material, das sich hören lassen kann: „Moscow Underground“, der Opener des aktuellen Albums „Graffiti Soul“ sowie „Stars will lead the way“ und die Single „Rockets“ kommen beim Publikum gut an und zahlreiche Hände recken sich in die Höhe. „Dolphins“ markiert eine kurze Verschnaufpause, ehe es dann soweit ist: „Don’t you“ steht auf dem Programm und obwohl der Überhit aus 1985 Jim mittlerweile zum Halse raus hängen müsste, singt er voller Verve und 3000 Leute singen bis zu einem nicht enden wollenden „Schala lala“ mit, dass man es noch einige Blocks weiter gehört haben muss. Der Rest des regulären Sets ist dann das volle Hitbrett: „Glittering Prize“, „Promised you a miracle“, „Someone somewhere in summertime“ – es reichen die ersten Akkorde und schon ist die Meute verzückt und singt ausgelassen mit. Mit „New gold dream“ geht es noch mal bis 1982 zurück bis dann nach „Alive and kicking“ die Schotten nach 90 Minuten die Bühne zum ersten Mal verlassen. Doch mit der Tatsache im Nacken, das hier um 22 Uhr Schluss sein muss, geht es sofort weiter. „Home“ macht den Auftakt bei den Zugaben, gefolgt vom wunderschönen „Belfast Child“, dessen irisches Thema „She moved trough the fair“ alle Jüngeren unter uns ja nur noch als Krombacher-Reklame kennen und meinen, nun kommt der Tatort oder Autorennen. Es folgt aber „Sanctify yourself“ und das steht dann noch mal für Party. Und die soll nach Wunsch des Publikums immer noch nicht vorbei sein und so werden die letzten Minuten noch für das aktuelle „This is it“ genutzt, ehe mit „Ghostdancing“ dann pünktlich um 22 Uhr der Hammer fällt.
Und so gehen wir zufrieden nach Hause, wie nach einem schönen Abend bei guten Freunden, mit denen man zahlreiche alte Erinnerungen ausgetauscht hat und lassen den Abend bei einem Glas Rotwein ausklingen, derweil sich unser Kindersitter freut, dass wir so früh zurück sind, denn nun kommt ihre Stunde…
Setlist SIMPLE MINDS
Intro
Children of the revolution (T-Rex Cover)
Waterfront
I travel
Stay visible
Different world
See the lights
Hypnotised
Moscow Underground
Star will lead the way
Rockets
Dolphins
Don’t you
Glittering Prize
Promised you a miracle
Someone somewhere in summertime
New gold dream
Alive and kicking
Home
Belfast Child
Sanctify yourself
This is it
Ghostdancing
Copyright Fotos: Jörg Rambow

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